Zähe Masse aus London

Hanif Kureishi: Das sag ich dir

Folge 18 von 49 in Erlesenes

kureishi_sagsdirAuf dieses Buch hatte ich mich gefreut, denn die anderen Romane des Hanif Kureishi – den ich mag, seitdem sein Buch Grundlage des wunderbaren Films “Mein wunderbarer Waschsalon” war – habe ich allesamt mit Vergnügen gelesen. Nun hat er eine 500-Seiten-Schwarte abgeliefert, die in weiten Teilen zäh und uninspiriert dahinfließt. Hauptfigur ist ein Londoner Psychoanalytiker pakistanischer Herkunft, der mit allem, was sich hip und prominent nennt, vernetzt ist. Das führt zu erheblichem Name-Dropping und einer Atmosphäre wie in einer Promi-Show.

So recht will sich die Geschichte auch nicht erschließen. Jamal, der Held, nimmt sein Altern wahr, möchte seine geschiedene Ehefrau zurück und denkt ständig an seine erste große Liebe. So what… Dass er in den ersten Kapitel andeutet, er sei an einem Mord beteiligt gewesen, erzeugt künstliche Spannung, die sich schnell wieder auflöst. Die Schwester ist dick und flippig, kommt mit dem berühtem Theatermachter Henry zusammen. Beide treiben sich in Swingerclubs herum und sind glücklich dabei.

Kureishi knüpft viele weitere Fäden und kriegt sie am Ende nur noch durch langatmige, blutleere Dialoge halbwegs zusammen. Ein bisschen Migrantenkonflikt spielt hinein, ein Schwuler samit aids-krankem Freund kommt vor, und ab und zu finden sich saftlose Anspielungen auf die Politik. Irgendwie baut der Autor auch noch die U-Bahn-Attentate vom 07.07.2005 ein, aber eine Rolle spielen die nicht.

So bleibt dieser Roman von Hanif Kureishi eine große Enttäuschung. Wer diesen Autor ausprobieren möchte, sollte daher besser zum “Buddha aus der Vorstadt“, “Intimacy” oder dem “Schwarzen Album” greifen.


» Rezension von Rainer Bartel am 15.05.09 um 13:26 » in Kategorien: Feuilleton » 361 x gelesen » noch kein Kommentar
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