Selbstversuch im sozialen Netz

Ja, ich twittere auch

Man soll nicht schimpfen über Dinge, die man nicht ausprobiert hat – vorausgesetzt, diese Dinge sind weder gefährlich für den eigenen und fremde Körper oder verboten. Das ist beim – wie heißt es immer so schön? – “Microblogging-Dienst” (So schön, die Kombi aus Coolenglish und Gutdeutsch) noch nicht ausgekegelt. Denn ob sich bereits Twitter-Opfer in den Heilanstalten der ziviliserten Welt dem Entzug unterziehen, ist nicht bekannt.

Ja, Twitter ist genauso banal und sinnlos wie alle denken, wenn sie es das erste Mal sehen. Dass manche Leute es nach einigen Wochen doch toll finden, liegt mehr an einer gruseligen Eigendynamik, weil man denkt, man müsse jetzt doch mitschwimmen in der Avantgarde-Masse. Wäre ja schlimm, wenn man diesem Trend hinterherhinken würde. Man muss ja stets einer der ersten sein. Und meine ganzen coolen Netzfreunde finden Twitter auch toll. Also muss ich das ja wohl auch toll finden, oder?
Bullshit, ihr Mitläufer! Man wäge die Zeit ab, die durch die permanente Ablenkung entsteht. Und dann stelle man sich vor, man hätte diese Zeit für Recherche oder Bloggen oder Sport aufgewendet. Da fällt es mir nicht schwer, ein Urteil zu fällen.
[Quelle: Kommentar von Gerrit van Aaken in Thomas Knüwers Handelsblatt-Blog vom 15.04.08]

Das ist immer noch der bisher beste Kommentar zum Thema und doch schon fast anderthalb Jahre alt. Ich selbst habe Ähnliches im alten Blog unter dem 07.03.08 angemerkt. Ich selbst hatte mich am 07.02.08 angemeldet, von meinem Recht auf Twitter aber bis vor wenigen Tagen keinen Gebrauch gemacht. Nun halte ich den Zeitpunkt für gekommen, mitzutwittern. Meine Erfahrung nach genau sechs Tagen Twitter: Man fängt an, verzweifelt nach etwas zu suchen, was man twittern könnte. Und meistens fällt einem nichts ein.


» Ankündigung von Rainer Bartel am 13.10.09 um 10:09 » in Kategorien: Feuilleton,Interna,Wirtschaft » 352 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Das könnte ein ganz normales Durchgangsstadium sein (was ich als Nicht-Twitteur aber auch nur vermuten kann). Bei meiner Frau und mir hat es sich so ergeben, dass ich blogge, aber nicht twittere – und sie twittert, bloggt aber nicht. Auch wenn sich der Drang bei uns beiden derzeit in Grenzen hält, das jeweils andere Fass auch noch aufzumachen, liefern wir uns gegenseitig doch interessante Einblicke, was man auf dem anderen Kanal so machen kann.

    Ich würde auch nie völlig ausschließen, dass ich das Zwitschern vielleicht auch mal anteste, aber im Moment tut es keinen Deut mehr Not als noch vor ein, zwei Jahren – zumal ich auch nicht den Drang verspürt habe, zu den early adopters (und damit zu den vermeintlich coolen Jungs) zu gehören. Aber gleichwohl würde ich nicht bestreiten, dass es andere Zeitgenossen gibt, die das durchaus sinnvoll nutzen.

    [Antwort]

     
    Kommentar von mark793 am 13.10.09 um 19:39

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