Fußball im TV

Kahn kann’s nicht

kahn_online.jpgNa, was da ein dolles Spiel gestern abend? Entfesselte Finnen, alle zwei bis drei Köpfe größer als die Löw-Bubis, alle mit dem, was man in Suomi “Sisu” nennt – dem unbedingten Willen durchzuhalten. Außerdem waren die Herren in Weißblau alle mindestens zehn Jahre älter als ihre bundesdeutschen Pendants. Der hundertköpfige deutsche Trainerstab, der sich auf der harten historischen Trainerbank am Rande des helsinkischen Olympiaackers drängelte, war verdutzt. Hatte man doch Betonmischer erwartet, die ab Meter 30 vor dem eigenen Tor alles umsäbeln, was Nike-Schuhe trägt. So, meinte Sprachgeschütz Bela Rethy, hätte Löw die Finnen wohl nie auf Video gesehen. Der Verwirrteste war anscheinend Heiko “Toppschnitt” Westermann, der die Fehler seines Lebens zelebrierte, während sich der/die/das Tasci einfach versteckte. Das tat auch ein gewisser Lukas Podolski, der offenbar bemüht war, den Kameras von Suomi-TV und ZDF zu entwischen. So kam es zum Unentschieden zwischen Finnland und Klose.

Der willige Zuschauer konnte vor dem Spiel das Match zwischen Johannes “Putenwurst” Kerner und Oliver “Überbiss” Kahn anschauen und musste sich dem Duo des Kommentatorgrauens in der Pause unterziehen.

Dass das bundesweite Verblödungsblatt den ehemaligen Torwarttitanen für sein Tun im Glaskasten über den grünen Rasen lobte und gleich den Netzer als Trauzeigen zitierte, nimmt nicht weiter wunder, hat doch die Spochredaktion mit dem gewissen Insider-Blick immer schon ihr schmieriges Händchen über dem Gewalt-Goalie ausgebreitet. Aber auch der Stern lässt seinen Rhetorikfachmann ein positives Urteil sprechen. SpON und Focus online wissen noch nicht so recht.

Tatsächlich servierte der Herr Kahn eine dumpf riechende Melange aus allen bekannten Spochtrepochterpüschologismen a la “Wenn du gewinnen willst, musst du Eier haben.” Das übrigens seine bevorzugte rhetorische Figur: Immer wenn eigentlich “man” angesagt wäre, einfach “du” sagen. Das lernt man ja so bei Billigtrainern. Und wirkt authentisch. Wenn Kahn so authentisch ist, dann sollte er sich aber rasch aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Und gleich gar vom Fußballkommentar. Denn vom Fußball hat er soviel Ahnung wie ein Torhüter vom Fallrückzieher.
Die kahn-freudigen Journalisten haben dem Kloppo den Spaßfaktor zugeordnet, obwohl der mit högdscher Sachkunde das Spiel bis in den letzten Winkel zu analysieren wusste und der geneigte Fußballfreund dabei richtig was lernen konnte. Damit hat er den Kerner ja bisweilen in die Doofer-Junge-Ecke gestellt, was dem wohl nicht immer gefiel. Nein, Johannes B. will ja eigentlich immer lieber nur auf platten Niveau psychologisieren. Da kommt der Kahn grad recht, der einen psychisch-flosofischen Leitfaden verzapft hat, der eigentlich nur die olle Tschaka-Methode variiert: Wenn du richtig dolle willst, dann schaffst du es.

Sprachlich ist der Ex-Titan soweit ganz fit. Er kennt den Relativsatz und kann deutsche Verben ordentlich beugen. Sein Wortschatz ist beschränkt. Handgestoppte fünfzehn Mal bellte er das Wort “druckvoll” an Kerner vorbei. Ansonsten ging es vorwiegend ums Emotionalisieren. Im Kahn’schen Verständnis kommen Emotionen (etwas anderes als Gefühle, übrigens) nicht von selbst, nein, da musst du dich reinsteigern und selbst motivieren. Insofern ist Olli auf der Höhe der Werbezeit, denn auch die Reklame bezweckt ja, beim Konsumenten falsche Emotionen auszulösen, die letztlich in ein Will-ich-haben münden.
Der hochspannende Kulturtheoretiker Klaus Theweleit beschrieb in seinem grandiosen Werk “Männerphantasien” seinerzeit den gepanzerten Mann als geistig behindertes Angstwesen, der sich vor allem fürchtet, was weich und weiblich ist. Kahn ist ein wunderbares Beispiel für diesen Typus. Der Panzermann kennt Gefühl nur in der Aggression. Der ist einsam, der kann keinem in die Augen schauen. Das kann auch der Olli nicht. Und auch deshalb hat der ehemalige Handschuhträger null Humor.

Das sollen wir armen Schweine, die wir dazu verurteilt sind, DFB-Länderspiele teilweise im ZDF – dem einäugigen Gebührenversender – anzuschauen, also für die nächsten zwei Jahre ertragen. Da wünscht man sich dann doch eine Satellitenschüssel, die einem alternative TV-Sender ins Haus bringt – also zum Beispiel den Landessender des jeweiligen Gegners. Obwohl: Fußball ohne Ton ist auch ganz schön.


» Kommentar von Rainer Bartel am 11.09.08 um 10:08 » in Kategorien: Feuilleton,Sport » 591 x gelesen » 3 x kommentiert
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  1. Ich will wieder den Klopp! Das wurde dem Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichens Fernsehens wenigsten etwas gerecht. Aber zugucken, wie Kahn die freie Rede übt und Kerner sein Kinn in den Schaumstoff des Mikros preßt? (Das sah übrigens aus, als stütze er seinen Kopf auf einer Geflügelfleischwurst ab.)
    Nein, demnächst heißt es wieder Abpfiff und dann Zappen oder Glotze aus.

     
    Kommentar von BornInD am 11.09.08 um 10:46
  2. kahn beim sprechen üben ist ja noch vergleichsweise unterhaltsam. beim anblick von kerner zappe ich mittlerweile schneller als mein eigener schatten. der ist doch nichtmal ne echte putenwurst. bestenfalls das abziehbild einer solchen.

     
    Kommentar von olafsachtauchwas am 13.09.08 um 16:02
  3. …alleine schon diese manie bei fußballturnieren ständig mit 3-tage-bart (im 2-tages-rhythmus – ha ha!) rumzulaufen. ich wette ne kiste bier dass der aufgemalt/angeklebt ist!

     
    Kommentar von olafsachtauchwas am 13.09.08 um 16:06

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