Onkel Konrads Hundegeschichten
Konrad Lorenz: So kam der Mensch auf den Hund
Es gibt Bücher, die prägen einen Menschen. Dieser schmale Band des österreichischen Verhaltensforschers Konrad Lorenz hat mein Denken geprägt. Entgegen aller Vorgaben der Lehrpläne hatte unser Mathe- und Biologielehrer Dr. Reinhold Feuerstein dafür gesorgt, dass wir im zarten Alter von um die zwölf Jahre mit diesem spannenden Thema konfrontiert wurden. Der nämliche Dr. Feuerstein hat übrigens auch die Basis dafür gelegt, dass ich von vornherein ökologisch gedacht habe – aber das ist ein anderes Thema. Konrad Lorenz war mit diesem und dem Buch “Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen” der Held meiner frühen Jugend.
Da ich gerade in den Vorarbeiten für ein eigenes Buch über Hunde stecke, habe ich nach etwa 40 Jahren wieder zum Lorenz’schen Hundebuch gegriffen. Es hat nichts von seiner Faszination verloren. Auch wenn Lorenz damals fälschlicherweise davon ausging, der Haushund stamme vom Goldschakal und dem Wolf ab, und man können dementsprechend zwischen aureus- und lupusblütigen Rassen unterscheiden, sind seine Geschichten spannend und aufschlussreich zugleich. Aus heutiger Sicht sind seine verhaltenspsychologischen Beobachtungen bestenfalls anekdotisch zu nennen, denn vieles, was Lorenz angenommen hat, hat sich als nicht zutreffend herausgestellt.
Schön, rührend und hochinterressant sind aber seine kleinen Hundegeschichten, mit Abstand am eindrucksvollsten die Schilderung eines heißen Sommertags, den Konrad Lorenz zusammen mit seiner Lieblingshündin in den naturbelassenen Donauauen verbringt. Dergleichen hat kaum je einer über sich selbst und seinen Hund geschrieben.
Noch einmal: Trotzdem sollte jeder Hundefreund dieses Buch gelesen haben. In meiner Hundebuchbibliothek steht es gleichberechtigt neben Thomas Manns “Herr und Hund“.