Macht doch was ihr wollt
Nein, ich möchte jetzt nicht auf den Zug derer aufspringen, die sich schon seit Längerem über das sinnlose Streuen von Apostrophen lustig machen. Immerhin gibt es zum Thema “Deppenapostroph” nicht nur eine Website, sondern mindestens zwei. In echt heißt das Ding übrigens “Auslassungszeichen” oder ganz leger “Hochkomma”, und überhaupt ist es DER Apostroph. Leider weiß kaum ein Ladenbesitzer, dass das schicke Häkchen im Deutschen anzeigt, das etwas ausgelassen wird. Dabei handelt es sich in der Regel um ein “e”, das aus poetischen Gründen (reim dich oder ich fress dich…) geschlabbert wird – zum Beispiel bei “geh’n” statt “gehen”. Da aber die Adepten des Deppenapostrophs annehmen, es hieße immer “gehn”, können sie gar nicht wissen, dass da mal ein “e” war, das man weggelassen hat. Insofern bleibt der Missbrauch des Hochkommas auch eher Schichten überlassen, die ein Geschäft eröffnen, weil sie nichts gelernt haben. Aber auch die gebildeten Ständen haben ihr spezifisches Deppendings.
Nämlich das Deppenleerzeichen. Es hat vor allem die Sorte Mensch befallen, die sich für hip, cool und business-mäßig erfolgreich hält. Den die orientieren sich volle Kanne an Amerika. Und damit an der englischen Sprache. Die unterscheidet sich aber gerade im entsprechenden wunden Punkt vom Idiom der Brüder Grimm und mir: der Bildung von Komposita. Das ist Lateinisch und heißt so viel wie “zusammengesetztes Hauptwort”. Ausländer aller Couleur hassen uns für unsere Wortungetüme, die bisweilen acht Silben lang sind und mehr als die Hälfte einer Zeile einnehmen. Aber, hey, das ist unsere Spezialität! Etwa so wie Kuckucksuhr und Eisbein. Im Deutschen klatscht man Substantive, die denselben Gegenstand beschreiben, einfach aneinder: Donaudampfschifffahrtskapitänswitwe. Das ist im Englischen völlig anders. da überlässt man es der Fantasie des Lesers/Hörers herauszufinden, welche aus einer Kette an Hauptwörter zusammengehören, denn diese simpel gestrickte Sprache kennt keine Komposita (wenn auch Wortzusammensetzungen, die, wenn sie denn offiziell existieren, auch jeweils als eigene Einträge in den Wörterbüchern zu finden sind; Beispiel know-how).
Daraus folgert der zukünftige Assistent der Geschäftsleitung schon während seiner Zeit als Praktikant im Marketing, dass es irgendwie schick ist, die Wörter auch im Deutschen durch Leerzeichen voneinander abzusondern. Nicht ahnend, dass er sich so mit Deppenleerzeichen infiziert. Wer professionell als Texter arbeitet, kennt die Auseinandersetzung mit dieser Spezies, die einen ständig dazu zwingen wollen, Deppenleerzeichen zu verwenden. Besonders gern werden diese Leerstellen da verwendet, wo jede deutsche Rechtschreibung zwingend den Bindestrich vorschreibt.
Ja, dieses ungeliebte, kleine und waagerechte Teilchen, es hat eine wichtige Aufgabe in der Orthografie. Es dienst so zu sagen der Völkerverständigung, denn die Regel sagt, dass die Elemente eines Kompositums mit Bindestrichen aneinander gekoppelt werden, wenn sie einer fremden Sprache entstammen und noch nicht eingedeutscht sind. Nehmen wir als Grenzfall das Wort “Web”, das so noch nicht im Duden steht, also ein Fremdwort ist. Folgerichtig müssen alle Komposita mit “Web” einen Bindestrich enthalten: Web-Server, Web-Adresse usw. Der bereits erwähnte hippe iPhone-Träger hält nichts davon, sondern neigt dazu, sein geliebtes Deppenleerzeichen anstelle des Bindestrichs zu verwenden. Zwar schreibt kaum einer von denen “Web Adresse”, aber “Content Management System” halten sie für korrekt. Ist es aber nicht…
Ist ja auch egal. “Chacun a son goût”, wie der Franzose sagt bzw. der olle Preussenkanzler, der sich für so französisch hielt wie die Business-Fuzzis sich amimäßig vorkommen.
Nett, dass Sie an den “Bindestrich” erinnern. Aber heißt der nicht “minus”? Also “rainersche”, “minus”, “post”, “punkt”, “deh” , “eh”.
Ein weiteres Deppenleerzeichen, das immer mehr Verbreitung findet, ist das vor einem Ausrufe- oder Fragezeichen. Schön (falsch!)war auch die jahrelange Werbung in den Fußballstadien von den Lux-Werkzeugen, die den Bindestrich auch in der englischen Version (Lux-Tools) setzten. Als Urheber wäre ich jedes Mal vor Scham im Fernsehsessel versunken:-).