Von Vaters Dias bis zur digitalen Systemkamera
Vielleicht symbolisiert dieses Bild die Revolution in der Amateurfotografie mit voller Wucht. Mitte der siebziger Jahre war die Leicaflex der feuchte Traum vieler Menschen, die mehr als bloß knipsen wollten. Eine komplette Ausrüstung mit den notwendigsten Objektiven und Zubehörteilen entsprach in etwa dem Preis eines brandneuen Mittelklassewagens. Da griff Otto Normalfotograf dann doch eher zur preiswerten Practica aus der Ostzone oder den aufkommenden japanischen Fabrikaten. Und heute wird ein Leicaflex-Body für 150 Euro verramscht, komplette Nikon-Kits aus den neunziger Jahren sind sogar schon für 20 Euro zu haben. Man mag das betrauern, tatsächlich aber handelt es sich um die Folgen einer fotografischen Revolution – die vollständige Machtübernahme der digitalen Kameras. Nachdem Farbfilmmaterial praktisch nicht mehr zu bekommen ist und auch die Produktion der legendären Ilford-Schwarzweiß-Filme nicht auf ewig gesichert ist, kann man sagen: Die analoge Fotografie ist tot. Zumindest im Amateurbereich. Wie sich das nichtprofessionelle Fotografieren in den vergangenen fünfzig Jahren verändert hat, soll in diesem Beitrag aus subjektiver Sicht beschrieben werden.
Alte Dias
Wir sind eine fotografisch orientierte Familie. Das begann schon mit meinem Vater, für den die Dia-Fotografie ein echtes Hobby war. In dieser Hinsicht war er ein Pionier, denn Mitte der fünfziger Jahre hatte noch kaum ein Amateurfotograf diese spätere Qual von Familienbesuchern für sich entdeckt. Mein Vater hatte eine damals recht weit verbreitete Kleinbildkamera mit eingebautem Belichtungsmesser, als Gegenlichtblende fungierte ein Gummibalg. Dazu verfügte er über diverse Filter, ein Aufsteckblitzgerät für Blitzbirnen sowie ein Stativ zum Anschrauben an Tischplatten und dergleichen. Das Rahmen der Dias wurde zelebriert – die ersten rund 300 Dias (die sich alle in meinem Besitz befinden) stecken in Stahlblechrahmen. Vorher wurde Bild für Bild vom Filmstreifen abgeschnitten und dann vermittels eines Maschinchens in den verglasten Rahmen verpresst. Die jeweils rechte untere Ecke wurde mit einem Klebepunkt gekennzeichnet. Zum Vorführen kam ein für damalige Zeiten revolutionärer Projektor der Düsseldorfer Firma Liesegang zum Einsatz, der schon Magazine mit je 50 Dias verarbeiten konnte. Wir hatten sogar eine richtige Leinwand mit dem passenden Stativ dazu.
Hauptmotiv war die Familie – das gilt auch für die zig Schwarzweißabzüge von allerlei Familienfeiern und Ausflügen. Unter den Dias finden sich allerdings auch eine, die einen gewissen gestalterischen Willen vermuten lassen. An dieser Stelle wird aber zum ersten Mal der grundlegende Unterschied zu heutigen Zeiten deutlich: Filme und Abzüge waren nicht billig. Gegen Ende der Analogära bekam man ja Farbabzüge beim Discounter schon für weniger als 10 Cent pro Stück; wenn ich mich recht erinnere, kostete Anfang der sechziger Jahre ein 36er-Diafilm inklusive des Entwicklungsgutscheins um die 5 Mark, was ungefähr anderthalb durchschnittlichen Stundenlöhnen entsprach. In heutige Zeiten transportiert entspräche das etwa 21 Euro!
Meine Instamatic
In welchem Jahr ich meinen ersten eigenen Fotoapparat bekam, kann ich nicht mehr genau bestimmen – es wird wohl im November 1965 zu meinem dreizehnten Geburtstag gewesen sein. Denn die ältesten erhaltenen Abzüge lassen sich etwa in das Jahr 1966 datieren. Das Revolutionäre an der Kodak Instamatic war der Kassettenfilm. Bei den Kleinbildkameras war das Einlegen der Filmpatrone immer eine etwas heikle Sache; schlimmstenfalls hatte die Transportwalze die Stanzungen nicht erwischt, und der Film wurde beim Spannen nicht weitertransportiert. Das führte zu ungewollten Mehrfachbelichtungen oder 36 nicht geknipsten Aufnahmen. Konnte bei der Instamatic nicht passieren, weil die ganze Transportmechanik in der Kassette verbaut war. Die legte man durch den geöffneten Rückdeckel ein, schloss das Teil und konnte drauflos schießen.
Natürlich hatte meine Instamatic eine Festbrennweite, heute würde man sagen: ein extremes Weitwinkel, eine feste Blende und deshalb auch einen unveränderlichen Schärfebereich. Ab etwa 30 Zentimetern bis unendlich war alles gleichermaßen scharf – wenn man nicht verwackelt hatte. Denn die Belichtungszeit lag, soweit ich mich erinnere, bei einer Sechzigstel. Jedenfalls verknipste ich über bis Sommer 1967 das, was nach meinen exzessiven Kinogängen an Taschengeld übrig war.
Nach dem Tod meines Vaters im Juni 1967 ging ich für mehrere Monate als Austauschschüler nach England, nahm aber versehentlich meinen Fotoapparat nicht mit. Überhaupt habe ich erst ab etwa 1970 wieder regelmäßig fotografiert.
Die TTL-Ära
Wie schon erwähnt: Gegen Ende der sechziger Jahre traten die japanischen Anbieter von Spiegelreflexkameras mit Belichtungsmessung durchs Objektiv (TTL = Through the Lens) in den Markt. Gleichzeitig war der Beruf des Fotografen, ausgelöst durch den Antonioni-Film “Blow up” plötzlich megahip und cool. Bis dahin hatte man sich als junger Mensch kaum für das Fotografieren interessiert. Bildjournalisten knipsten für die Zeitung, Modefotografen machten Modefotos, und der Fotograf um die Ecke hatte das Schaufenster voller hässlicher Konfirmationsbilder. Viele Burschen wünschten sich also “richtige” Kameras, um David Hemmings nachzueifern und vor allem um an die wirklich scharfen Bräute ranzukommen.
Aber nur einer aus dem Umfeld der Schulkameraden besaß ab etwa 1970 tatsächlich eine Minolta mit allem Zipp und Zapp. Natürlich war er damit als Haus- und Hoffotograf zwangsverpflichtet und musste die üblichen Fetenbilder und Fotos für die Schülerzeitung schießen. Übrigens wurde dieser Schulfreund, der leider schon vor ein paar Jahren gestorben ist, später tatsächlich Berufsfotograf.
Nachdem ich in dieser Zeit meinen Hang zur bildenden Kunst entdeckt hatte, war ich an der Fotografie als künstlerischer Technik interessiert. Vom Verdienst eines Jobs, den ich im Sommer 1971 als Schildermaler am Arbeitsamt betrieben hatte, kaufte ich pünktlich zum Beginn des Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie meine erste Spiegelreflexkamera. Es handelte sich um eine Praktica, die im Bündel mit einem Teleobjektiv einer Tasche und weiterem Zubehör als Sonderangebot für 199 DM zu haben war. Damals hatte Foto Koch seinen Hauptsitz noch auf der Breite Straße beim Wilhlem-Marx-Haus. Ich habe sogar noch den Geruch des Ladens in der Nase – eine Mischung aus den chemischen Aromen von Filmen und Entwicklungsbrühen, aus Gummi und Metall. Stolz wie Oskar zog ich los und beschloss, ausschließlich schwarzweiß zu fotografieren.
Die Dunkelkammer
So entdeckte ich das Material der englischen Firma Ilford, dem ich bis zum Ende meiner Zeit als Analogknipser treu blieb. In die Praktica kamen die ganze Zeit über, in der ich mit ihr arbeitete, nur FP4 und HP4. An der Akademie lernte ich zwei Semster lang die handwerkliche Seite der S/W-Fotografie, also den Negativprozess und das Erstellen von Abzügen. Da Kunststudenten erhebliche Rabatte auf Ilford-Produkte – also auch die Chemikalien und Papiere – bekamen, konnten wir relativ großzügig mit dem Material umgehen. Mich faszinierte besonders die Möglichkeit, einen HP4, der nominell eine Empfindlichkeit von 27° DIN (= 400 ISO) hatte, im Negativprozess auf 30°, 33°, ja, 36° (entsprechend 3200 ISO!) zu tunen, also die Lichtempfindlichkeit zu verachtfachen. Meinen Bedürfnissen kam das insofern entgegen, als ich – das gilt bis heute – ein Feind der Blitzerei bin. Außerdem war die grobkörnige Anmutung hochgezogener Filme damals ausgesprochen angesagt.
Was ich am meisten an der Analogfotografie vermisse, ist die Dunkelkammer. Im Stockdunkeln den Filmstreifen aus der Patrone zu ziehen, ihn blind in die Dose einzufädeln, um dann mit exakt temperierten und richtig dosierten Flüssigkeiten aus der belichteten Emulsion Negative zu machen, empfinde ich als beinahe erotische Tätigkeit. Das Hantieren mit Messbehältern, Thermometern und Trichtern hat mir immer Freude gemacht.
Abzüge habe ich zunächst selbst nur in der Dunkelkammer der Akademie gemacht. Da selbst die rabattierten Fotopapiere für Reihenexperimente zu teuer waren, hatte ich das DIN-A4-große Papier für Kontaktabzüge für mich entdeckt. Das war nur ein Viertel so teuer, weil es eben papierdünn war und wiederum eine relativ geringe Dynamik erlaubte. Davon aber beim Ausprobieren vier, fünf Blatt zu verballern, lag im Rahmen der Möglichkeiten. Wenn sich im Rotlicht der Kammer aus dem weißen Papier langsam das Bild herausschält, während man das Blatt sanft im Entwickler hin und her bewegt, ist ein grandioser Moment.
Jahre später habe ich über die Dunkelkammer meine damals sechsjährige Tochter fürs Fotografieren angefixt. Im Rahmen der Ferienfreizeit einer Gruppe chronisch kranker Jugendlicher war ich im Sommer 1991 als Helfer mit nach Dänemark gereist und hatte die Tochter mitgenommen. Ein Angebot war eben das Entwickeln von Fotos. Das Badezimmer des einen Ferienbungalows wurde für eine Woche umfunktioniert. Da aber nur ein oder zwei Mitreisende Spaß daran hatten, stand uns die Dunkelkammer ständig zur Verfügung. Sie hatte mit meiner Spiegelreflex (die sie wegen des Gewichts kaum halten konnte) ein paar Fotos aufgenommen, die wir dann zusammen entwickelten und abzogen. Das leicht verwischte Bild einer getigerten Katze, die über den geschotterten Parkplatz flitzt, existiert noch heute.
Canon AE-1
Eher aus einer Laune heraus und weil ein Ferienjob viel mehr Geld eingebracht hatte als geplant, erstand ich im Herbst 1977 – wieder bei Foto Koch – eine Kamera vom Typ Canon AE-1. Und gab dafür die horrende Summe von 1.000 Deutschmark aus! Freunde und Verwandte erklärten mich für verrückt, waren doch fünf, sechs Jahre alte, gebrauchte TTL-Kameras schon für die Hälfte zu haben. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe diesen Kauf nie bereut. 25 Jahre lang war die AE-1 meine Kamera – aufgerüstet bis zum Gehtnichtmehr, ausgestattet mit einem pfundschweren externen Motor, ausgerüstet mit Handgriff und versehen mit insgesamt sechs Objektiven nahm ich mit ihr geschätzte 10.000 Fotos auf.
Anfangs machte ich Fotos in der Tradition meiner Praktica-Zeit, ebenfalls fast durchweg in Schwarzweiß. Später wurde sie dann zur Familienknipse, mit der einige Hundert Dias aus den Urlauben und zig Farbfotos von Besuchen, Feiern und Ausflügen entstanden. Alle drei Jahre brachte ich die Kiste zum Reinigen zu Foto Koch. Nie gab es irgendeinen Defekt, und wenn ich sie heute aus dem Keller holen, mit einer neuen Knopfzelle versehen und einen schönen FP4 einwerfen würde, versähe sie, da bin ich sicher, klaglos ihren Dienst.
Olympus XA-2 & Lomo LC-A
Nun weiß jeder Hobbyfotograf, dass die Arbeit mit einer TTL dazu führt, dass man immer einen mächtigen Püngel rumschleppt: Tasche mit Gehäuse, Objektive, Filter, Deckel, Blitz, Stativ und und und. Da geht man nicht mal eben vor die Tür, um schnell ein paar Bilder aufzunehmen. Weil ich das aber tun wollte, schaffte ich etwa 1986 eine kompakte Sucherkamera an, eine Olympus XA-2. Dieses Kamerachen (wenn das der Diminutiv von “Kamera” ist…) wurde ein ebenso treuer Begleiter wie die AE-1. Denn die XA war eine perfekte Hosentaschenkamera, allein schon wegen des ausgesprochen dichten Schutzschiebers, der mit einer Daumenbewegung zu öffnen war. Damit wurde aber nicht nur die Linse freigegeben, sondern der Auslöser entsperrt und die Belichtungselektronik gestartet.
Es hat lange gedauert bis digitale Kompaktkameras den Perfektionsgrad in Sachen Qualität und Bedienung dieser Olympus-Maschinchen erreichten. Als ich im Jahr 2002 auf die Digitalfotografie umstieg. schenkte ich die XA meiner Tochter, der ich sie zuvor schon häufig geliehen hatte. Bei einer gemeinsamen Wochen auf dem Kreuzfahrtschiff, auf dem ich zwischen 1997 und 2000 gelegentlich arbeitete, war sie es, die unsere wunderschönen Tage auf diversen Karibikinseln mit der Olympus im Bild verewigte.
Um das Jahr 1990 herum entstand ein Riesenhype um die Kleinbildkameras der russischen Firma Lomo – ja, ein paar geschäftstüchtige Schnösel riefen sogar das Zeitalter der Lomografie aus. Bei der Lomo LC-A handelt es sich um eine Vollautomatikknipse mit einem fürchterlichen Objektiv, das mit irren Verzeichnungen und Farbfehlern funktioniert. Das vollautomatische an der Vollautomatik besteht darin, dass die Belichtungszeit vollautomatisch gewählt wird und keiner weiß, wie lange belichtet wird. Bei Kerzenlicht lässt so eine Lomo den Verschluss gern auch mal zehn Minuten geöffnet. Jedenfalls sollte unter Lomografie das intuitive, unzensierte Knipsen als Kunstakt verstanden werden. ALLE Aufnahmen eines Films sollten beim Discounter im kleinstmöglichen Format abgezogen werden – die Bilder sollten nicht Fotos heißen, sondern “Lomografien”. Na ja…
Jedenfalls habe ich mit meiner Lomo – die übrigens mitsamt der Originalverpackung in meinem Besitz ist – vielleicht zehn Filme verknpist. Wer also eine solche Kultkamera besitzen möchte, möge sich melden – für eine Spende in Höhe von 100 Euro an die Lebenshilfe Düsseldorf e.V. gebe ich sie ab.
Erste Digitalversuche
Meine Aufgabe an Bord der CS Aida (damals gab es nur ein Schiff dieser Baureihe) war es, die tägliche Bordzeitung zu produzieren. Das ich nicht eine ganze Saison über mitfahren konnte und wollte, wurden Gerüste für die gesamte Reise vorproduziert. Kern war jeweils ein dauernd gültiger Infoteil, das jeweilige Entertianment-Programm sowie diverse Standardartikel über die Häfen, über Land und Leute und überhaupt. Lediglich ein Teil der Titelseite und die ganze Seite 2 sollten tages- oder wenigstens wochenaktuell erzeugt werden. Um schnell reagieren zu können, regte ich den Kauf einer Digitalkamera an.
So kam ich schon im Frühjahr mit einer Kodak-Kompaktknipse in Berührung, die über einen Speicher verfügte, der sage-und-schreibe acht, in schlechterer Auflösung sogar 16 Fotos bei sich halten konnte. Die Qualität war miserabel, und das Übertragen von acht Fotos per seriellem(!) Kabel dauerte gut 30 Minuten. Aber die Auflösung reichte dafür, die aufgenommenen Bilder als Schwarzweißfotos in die Artikel einzufügen. Etliche Gäste äußerten sich immer sehr überrascht, wenn Szenen, die sich nachmittags abgespielt hatten, schon um acht zum Abendessen in der Zeitung abgedruckt waren.
Aus heutiger Sicht kann ich nicht mehr genau sagen, warum ich selbst zur Digitalfotografie griff. Die Furcht, analoges Material könne eines Tages verschwinden, spielte eine Rolle. Vermutlich war aber ausschlaggebend, dass ich keine Filme mehr kaufen musste, dass ich also fröhlich vor mich hin ballern konnte, ohne an die Kohle denken zu müssen. Als Saturn im Sommer 2002 die Nikon 885 im Supersonderangebot (ich meine, es wären etwa 400 statt 850 Euro gewesen…) hatte, schlug ich zu. Die Enttäuschung war groß als ich merkte, dass in der gewünscht hohen Auflösung nur 24 Aufnahmen in den fest eingebauten Speicher passten. Also mmusste eine Speicherkarte für weitere 50 Euro her. Aber dann fand ich doch schnell Gefallen an dem Maschinchen, dessen Ergebnisse vor allem am PC-Monitor ziemlich gut aussahen.
Okay, die Aulöseverzögerung die Bereitschaftsdauer sowie die Laufzeit des Akkus waren erbärmlich. Aber ich hatte wieder eine Kamera, die ich fast immer dabei hatte.
Die Lumixe
Die Veränderung meines Fotografierverhaltens verlief mit dramatischer Geschwindigkei und bewirkte vor allem, dass mich Abzüge bzw. Ausdrücke, also Bilder auf Papier nicht mehr interessierten. Schon nach einem Jahr knipste ich bewusst im Hinblick auf die Darstellung am Monitor. Das hat sich bis vor Kurzem nicht geändert – mit wachsender Qualität und sinkendem Preis von professionellen Ausdrucken ändert sich das gerade wieder.
Als mich die Unzulänglichkeiten der 885 zunehmend nervten, erwarb ich meine erste Panasonic Lumix, vor allem motiviert durch das verbaute Zeiss-Objektiv. Wieder war es ein Sonderangebot, wie war es Saturn, wo ich eine Lumix FX-30 kaufte – der Preis lag im Frühjahr 2007 bei knapp 250 Euro. An die Bedienung gewöhnte ich mich schnell. Was mich störte war die geringe Zoom-Vergrößerung und der lahme Autofokus. Leider gab es zwei Defekte. Ein Garantiefall wurde für mich zwar kostenlos gelöst, die Kamera war aber fast vier Monte zur Reparatur- Der Fehler bestand darin, dass das Objektiv nicht mehr ganz einfuhr und die Schließblende in eine Endlosschleife geriet – ein bekanntes Problem. Einmal fiel mir die Kamera aus der Hand auf einen gusseisernen Heizkörper, der ausgerechnet diesen Verschluss verbog. Das richtete ich selbst, und das Ding funktionierte wieder.
Trotzdem wuchs mit der rasant wachsenden Zahl der Fotos auch der Wunsch nach mehr. Im September 2010 kam die Lumix TZ-8 ins Haus, erworben bei Foto Leistenschneider auf der Friedrichstraße. Das ist bis heute die Kamera, die ich praktisch immer dabei habe. Unvorstellbar, aber wahr: Mit der TZ-8 habe ich bisher knapp 10.000 Aufnahmen gemacht! Dabei benutze ich in über neunzig Prozent der Fälle die P-Automatik und publiziere die Bilder so wie sie aus der Kamera kommen.
Zwischendurch (Februar 2009 bis September 2010) besaß ich eine komplette Canon-EOS-1000D-Ausrüstung, die ich nach einer wirklich exzellenten Beratung für einen hochanständigen Preis von um die 700 Euro bei Foto Koch kaufte. Anlass war ein Kundenprojekt, bei dem ich der Einfachheit halber die Fotos für eine Website schießen sollte. Auch wenn ich mit der Maschine von Anfang an wunderbar klarkam – mehr als drei oder vier Male habe ich sie nicht mit vor die Tür genommen. Eine Umhängetasche mit einem Gewicht von um die fünf Kilo mitzuschleppen, um eventuell ein paar spontane Fotos zu machen, nein, das war nicht mein Ding.
Das Teil ging schließlich für rund 550 Euro per eBay weg – ein junger Mann hatte die EOS als Geschenk für seine fotogrfaierbegeisterte Mutter erstanden.
Die Veränderungen
Wie erwähnt: Die Lumix habe ich praktisch immer dabei; jeden Monat schieße ich zwischen 300 und 500 Bilder – eine Menge, die unter analogen Bedingungen kaum zu finanzieren wäre. Bei jedem Hundegang gibt es Motive, bei jedem Spiel der glorreichen Fortuna und manchmal einfach so. Ganz ähnlich wie zu den Zeiten meiner “künstlerischen” Fotografiererei nehme ich Motive in Serie auf. Das heißt: Bestimmte Sichten und Blickwinkel sowie Motive faszinieren mich so sehr, dass ich sie ständig wieder und wieder knipse. Geradezu manisch hat sich das beim Thema “Wolken” entwickelt; seit Juni 2009 habe ich mehr als 4.000 Wolkenfotos gemacht. Ebenso konsequent knipse ich Spuckis, also diese Aufkleber, mit denen in der Stadt Laternen, Schilder und sonstige Flächen geschmückt werden. Eine Serie befasst sich mit armen, alten und alleingelassenen Fahrrädern, von denen allein hier im Viertel Hunderte herumstehen.
Seit einigen Monaten präsentiere ich auf Facebook ein Album namens “Düsseldorf: Rundgänge” mit eher ungewöhnlichen Motiven aus der schönsten Stadt am Rhein. Gerade bei diesen Fotos, die ja einem strengen Auswahlverfahren unterliegen, bevor sie ins Album kommen, lerne ich wieder den Back-to-Basic-Ansatz schätzen. Nicht das Objektiv und die Einstellungen sind wichtig, nur das Motiv, der Blick und der Ausschnitt.
Mich hat die Technikhuberei beim Fotografieren immer schon genervt. Mit Schaudern erinnere ich mich an einen Kurs, den ich in den Siebzigern belegte. Dozent war der Vorturner eines Fotoclubs, der uns mit extrem dogmatischen Ästhetikregeln und deren technischer Einhaltung quälte. Von Binnenkontrasten und Mittellichtern und und und… Will ich alles nicht. Ich will sehen und festhalten.
Trotzdem wird die TZ-8 demnächst weichen müssen. Es gibt genau drei Stellen, an denen sie mir nicht mehr reicht. Da die diversen Automatiken oft meinen Wunsch, eine bestimmte Stelle scharf zu stellen, missachten, brauche ich die manuelle Schärfenzieherei, also auch das Einstellen der Entfernung von Hand. Zweitens will ich Wechselobjektive. Die Allzweckgläser an Kompaktkameras machen Kompromisse, wo ich sie nicht tolerieren möchte. Mein Wunsch ist der nach einem weitwinkeligen, möglichst platzsparenden Standardobjektiv, einem extrem lichstarken Linsensatz mittlerer Brennweite und einem mindestens Zehnfach-Zoom. Am liebsten hätte ich zudem einen optischen Sucher, wobei ein elektronischer Live-View-Gucker auch okay wäre. Und das alles an und in einem Gehäuse, das in die Hosentasche passt – das läuft alles sehr auf eine Lumix GF hinaus…
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fratzebuch meint:
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Man muss sich schon einloggen, dann funktioniert’s …
danke für den hinweis.
ich hab da keinen account deshalb wohl keine chance.
Den letzten Teil deines schönen Artikels kann ich echt nachempfinden. Ich bin (Handy)-Knipser (nicht Torjäger, nicht Fotograf) und sammle gerade Fortuna-Logos auf Schaltkästen im öffentlichen Raum. Es gibt mehr als man glauben mag. Wolken sind auch so’n Ding, weil sie eine einmalige Formation sind, die niemals wieder so zu sehen sein wird. Ich bleibe manchmal beim Zappen bei alten Western in Schwarzweiß aus den Fuffziger Jahern hängen und achte nur auf die einmaligen Wolkengebilde aus einer längst vergangenen Zeit. Studioaufnahmen sind in diesen Filmen da ja noch so was von leicht zu erkennen.
Frage am Rande: Welche Drogen nimmt wohl der Designer des russischen Olympic Outfits?
Ich zieh die Fotos dieser Tage in ein Picasa-Album. Das ist dann ganz öffentlich. Ich geb hier Bescheid…
Ich war händeringend auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk (runder Geburtstag meiner Mutter).Es ist gerade das “Nachfolgemodell”(vergleichbar) der Lumix geworden-
Ich war echt angetan von der Qualität der Photos hier und wollte immer schon mal fragen,wie die entstanden sind.
Klar ,dass da know how und feeling entscheidend sind,hab ich nicht,aber meine Mutter wahrscheinlich(wenn sie die Technik noch peilt).Würde mich mal interessieren,wieviel Nacharbeit zusätzlich(ausser bei den Wolken) am Computer notwendig ist,um solche Resultate zu erreichen.Muss das Photoshop sein ?
Interessanter Artikel,danke.
PS auf dem Schönwetterdampfer hab ich auch mal gejobt,Mucker in der Disco,crewstatus.
Cheers
Ich arbeite nicht nach. Photoshop habe ich nicht. Für Grafikarbeiten nehm ich GIMP. Maximal verwende ich den Autokontrast von Irfanview. Die eigenen Fotos, die ich hier benutze, sind natürlich oft die Überlebenden von 30, 50, 80 Aufnahmen eines Motivs. Momentan liegt mein Monatsaufkommen bei 500 bis 1000 Bildern, von denen in der Regel 80% in die Tonne kommen. Wichtig sind immer Ausschnitt und Licht. Und ein Blick fürs Motiv, natürlich…
PS: Wie, warste DJ auf der ersten AIDA? Wann? Ich hatte das Privileg, mit Crewstatus All-Area-Allowance zu haben – ich durfte mich überall bewegen (Brücke nur nach Anmeldung) und konnte mir aussuchen, in einem Restaurant oder in einer Messen zu speisen. Zudem hatte ich eine Pax-Kabine – Privilegien über Privilegien…
Danke,die “neue Umgehensweise” werde ich meiner Mutter erst mal vermitteln müssen,die ist noch Film gewohnt.Bis jetzt bin ich noch Konsument,liebäugle aber auch langsam…
Ich hab da Keyboards gespielt,Band war ne Telefonband aber zum Grossteil Düsseldorfer.Weiss nicht mehr genau wann.2004 ? Jetzt fällt mir ein,der Kahn hiess da noch Arosa,ist jetzt auch ne AIDA.Mit “Uniform” durfte ich noch unter den passengers speisen,hab aber meist lieber in den Katakomben gespeist und mit philipinischen Kollegen Schach gespielt-Brücke tabu,4 er Kabine (4 qm +dusche);-)Interessant war,”Das Boot” auf crew TV zu schauen ohne zu wissen,dass die zeitgleich Schotten getestet werden.
Oder die ohne Schuhe im Schutt kickenden Kinder in Casablanca und anschliessend das Vielfrassbuffet auf dem Schiff.
Ich würde mir jetzt wünschen,dass ich da so gute Photos wie Du hätte schiessen können,Motive hab ich noch vor Augen
Auf der Arosa bin ich auch einmal gefahren; vier Wochen Karibik im im Frühjahr 2003. Ein Kollege und ich haben da einen Börsenkurs veranstaltet, mitten in der geplatzten Blase ;–)
Die MS Arosa heißt ja jetzt nach einem Umbau AIDAblue…
Zum Nacharbeiten auch recht nützlich, da die Standardwerte der automatischen Funktionen gut passen ist auch Photoscape.
Was ich da besonders schätze ist die Funktion “Gegenlicht”.
Und für den der etwas mit Effekten rumspielen will – ja ich weiss Rainer, ist wie Instagramm für diejeniegen die eigentlich nicht fotografieren können ;-) – gibt es auch eine große Auswahl.
Und alles intuitive zu bedienen.
Alle meine erwähnten Facebook-Bilder sind jetzt auf Picasa öffentlich zu sehen:
https://picasaweb.google.com/108720228615904156853/DusseldorfRundgange?authuser=0&feat=directlink
ups,
bei mir war es auch frühjahr 2003.Kurz nach nem Casablanca Aufenthalt gingen dort Bomben hoch.
Die Tour ging immer im Kreis um die Kanaren,Madeira,Casablanca.Dann gen Norden Lissabon,Vigo,Santander,Le Havre ,Amsterdamm,Hamburg,Kobenhagen,Hamburg.Die Welt ist klein(scheint sie zu sein,manchmal) ;-)
Tja, das haben wir uns um maximal ein paar Tage verpasst; ich war auf der Transatlantik dabei, die das Schiff aus der Karibik in die Kanaren brachte ;–))
Hats gestürmt auf der Transatlantik ? kann mich ereinnern,dass am ersten Abend nicht abgelegt wurde in St. Cruz/Tenerife wegen Windstärke 12.Blieb auch ganz schön windig und entsprechend hats gerochen im Passagierbereich. Keyboards und Drums waren festgezurrt im Heaven´s Club
Auf der Transatlantik-Route der Kreuzfahrer stürmt’s nie: das sind die sogenannten “Calmen”, eine breite Schneise fast dauernder Windstille zwischen der Karibik und den Kanaren. In den Kanaren oder auch vor Madeira gibt es regelmäßig Stürme. Wir sind mal von Funchal bei zehn Windstärken von vorn abgelegt. Da kamen aber Wellen! Der Bug bewegte sich bei jedem Stampfen um fast 30 Meter auf und ab – da haben die Paxe aber gekotzt…
haha.Ähnliches Erlebnis bei der Abfahrt aus der Stadt der rüpelhaften Benficas:Als das Schiff aus der Flussmündung herauskam,schwappte bei der ersten Welle der Pool komplett leer