Police wie die Feuerwehr

police_konzert.jpgWer gedacht hatte, die Altherrenmannschaft würde es sich bei einem Best-of- Police-Partyhits gemütlich machen, sah sich getäuscht. Vom Anpfiff an legte die Polizeitruppe los wie die Feuerwehr. Der geniale Mittelfeldspieler Andy Summers gab den Regisseur, Stewart Copeland sicherte die Abwehr, und vorne spielte Sting Mittelstürmer und wechselte häufig auf die Flanken aus. Bereits mit dem ersten Angriff – eine heftige Version von “Message In a Bottle” – erzielten die Jungs den ersten Treffer. Eine ganze Halbzeit lang stürmten die Polizisten als gäb’s kein Morgen. Da nahmen altbekannte Stücke an Fahrt auf, dass einem schwindelig werden konnte. Selbst die Provinzler auf den Nebenplätzen vergaßen ob solcher Spielfreude, weiter am Handy die Begegnung Österreich gegen Kroatien zu verfolgen.

Die Bedingungen waren allerdings auch ideal. Das Team am Mixer gab sein Bestes, und die 50.000 angereisten Fans rissen ein ums andere Mal die insgesamt 100.000 Hände hoch. Da bedurfte es keiner zusätzlichen Anfeuerung durch den Kapitän Sting. Natürlich konnte man davon ausgehen, dass die routinierte Truppe über lange Jahre eingeübte Spielzüge zelebrieren würden. Aber das Team auf der Bühne überraschte durch völlig neue Interpretationen. In der Kultur würde man es wohl Dekonstruktion nennen, was die Spieler da oben mit Songs wie “Don’t Stand So Close To Me” und “Driven To Tears” veranstalteten.
Spätestens zu Beginn der zweiten Halbzeit hielt es kaum noch jemand auf den kunterbunten Sitzen der LTU-Arena. Obwohl das Mittanzen angesichts jazziger Ausflüge und abrupter Rhythmuswechsel bisweilen schwerfiel. Szenenapplaus gab es, als Schlagzeuger Stewart Copeland von der Schießbude in eine Percussion-Wand wechselte und bewies, dass The Police auch komplexeste Stücke ohne viel Digital-Schnickschnack hinbekommen. Überhaupt: Das Spiel der Ordnungshüter darf mit Fug und Recht als schnörkellose bezeichnet werden. Davon kann sich manche britpoppige Nachwuchsmannschaft ein paar Scheiben abschneiden.

So endete ein fantastisches Spiel mit einem deutlichen Sieg für Copeland, Summers und Sting. Dass der Frontmann ganz nebenbei auch noch das 1:0 der deutschen Elf gegen Polen durchgab – und zwar wie alle Ansagen in akzentfreiem Deutsch – besänftigte auch die Ehemänner, die ihren sting-seligen Gattinnen zuliebe auf jegliches Public Viewing verzichtet hatten.

Pressestimmen:
EXPRESS.de: “Das beste Konzert seit 25 Jahren”
RP Online: “Endlich: Police in der LTU-Arena”
AZ-web.de: “Viel Charisma und viel Klasse: Grandiose Reunion von The Police”
DerWesten.de: “Verspätete Flaschenpost”
DerWesten.de: “Frische aus der Flaschenpost”


» Spielbericht von Rainer Bartel am 09.06.08 um 12:08 » in Kategorien: Feuilleton » 544 x gelesen » noch kein Kommentar
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