Raab & die Verblödung

“Die meisten Redakteure, die ich kenne, verachten das Publikum und sagen das auch ganz offen. Es ist ihnen scheißegal, welche Trottel sie beim Promi-Ochsenrennen oder -Schweinereiten zum Affen machen. Bei Erfolg haben die Verantwortlichen eine Woche lang eine Dauererektion und lachen über die Dummheit der Zuschauer. Wenn es daneben geht, lachen sie sich am nächsten Tag darüber kaputt, wie scheiße ihre eigene Sendung war. Mit Liebe hat all das leider schon lange nichts mehr zu tun.”
(Quelle: Vanity Fair via Anke Groener – zum Lesen des ganzen Interviews, aus dem das Zitat stammt, oben rechts auf “Leseprobe” klicken, das Heft öffnen und im Inhaltsverzeichnis den Beitrag über Pastewka und Kalkofe anwählen.)

Nun wissen wir ja leider ausgesprochen wenig über die sexuelle Orientierung und Aktivität des Metzgersohns aus dem Kapellenstädtchen, der seinen Arschlochbart trägt als wär’s ne Auszeichnung, und können deshalb über die von Oliver Kalkofe angesprochene Latte im Falle des Raabs nur spekulieren. Dass dieser Typ mit dem Händchen für den Massengeschmack, denn Herrn der Fliegen also, sein Publikum verachtet, ist unwahrscheinlich. Dafür unterscheidet sich sein Niveau zu wenig von dem der Leute, die sich seinen Kram angucken.

Ich komm da drauf, weil ich gestern in einem massiven Anfall von geistiger Windstille beim Zappen nach einem aufwühlenden Tag (der u.a. eine Diskussion über die Auswirkungen der Heisenberg’schen Unschärferelation und Schrödingers Katze auf die Theorien des Ken Wilber beinhaltete…) bei einer Raab’schen Sendung landetet, deren Sinn ich durchgehend nicht verstand.

Es ging um die Wok-WM. Also die Weltmeisterschaft im Wok-Fahren. Diese Spochtacht hat der K***er mit dem Händchen für den Wettkampf erfunden; vermutlich als Variante eines Sprachfehlers, der aus dem Bob den Wok machte. Wie Jungs so sind, hat er bestimmt gewettet, dass er sich traut, in einem Wok sitzend eine Bobbahn hinab zu rasen. Wir befinden uns also auf dem Niveau des Männerspaßes. Aus der Ferne fand ich die Idee anfangs sogar auch ganz witzig. Gestern Abend fand jedoch eine mehrstündige Sendung über das so genannte “Qualifiying” statt. In dieser Vorveranstaltung (deren Übertragung übrigens mit maximalen Mengen an Werbespots vollgekotzt war) sollte festgelegt werden, in welcher Reihenfolge die Teams beim eigentlichen Wettbewerb (heute auf Pro7 ab 20:15, bestimmt bis Mitternacht) an den Start gehen werden.
Apropos Teams: Als ich einschaltete, sah ich zwei äußerst dünne, äußerst dünne Damen, die je eine Wok-Unterseite mit je einem Lötbrenner bearbeiteten. Und fragte mich: Warum? Ich sah einen Raab, dessen Gesicht zu großen Teilen und gnädigerweise durch eine Schimütze verdeckt war, und der mit zwei unglaublich bescheuert aussehenden Typen sprechen, die sich als Comedy-Duo “Mundstuhl” entpuppten. Und ich sah hinter diesem Duo Antihumoristica eine Werbung für Burger King. Da verstand ich, dass die ganze Wok-WM NIX ANDERES ist als ein auf extremste Breite ausgewalzter Werbe-Spot! Denn es gab ein Team für Seat, eins für Leibniz-Kekse, eines für Bärenmarke, eins für das Pay-TV Arena etc. pp.

Von Unterhaltung konnte – zumindest gestern – ebenso wenig die Rede sein wie von Spaß. Nur weil der mittlerweile unvermeidliche Reiner Calmund, dessen Witzischkeit sich in eigenen Anspielungen auf das eigene Übergewicht erschöpft, dabei ist, wird’s ja nicht lustig. Und wenn B-, C- und D-Promis aus dem Schobisiness und dem Spocht (ist ja dasselbe…) in einer Bratpfanne einen von Nokia gesponsorten Kunsteishügel runtersausen, um dann in einem Swimming Pool zu laden, dann wird dies nur demjenigen ein Grinsen entlocken, der sich bereits den größten Teil des Hirns weggesoffen hat.

Ich stellte dann fest, dass diese Spaßlosigkeit bewirkt, dass man sich stantepede ebendieses Hirn wegsaufen möchte, entschied mich aber dafür, der Versuchung zu widerstehen und ging ins Bett. In einem kurzen aber heftigen Albtraum erschien mir der Raab; ich glaube, er wollte im Vierer-Wok hinter mir sitzen…

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» Folge 3 von 11 in Best of Rainersacht

» Kommentar von Chefred am 09.03.07 um 12:00 » in Rubrik(en): Feuilleton,Innenpolitik
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