Kostet nix und tut (meistens) nicht weh
Sex, der Spaß für die ganze Familie
Meine Güte, was wurde in der guten, alten Zeit fröhlich herumgevögelt! Und mit Spaß an der Sache. Dann kam der bürgerliche Feminismus und fand heraus, dass Frauen ja überhaupt gar keinen Sex wollen, nur die bösen bösen Männer. Das stieß die Insassen dieser Gesellschaftsschicht in tiefe Zweifel, während die Unterschicht freudig weiter vögelte. Nun kann man auch hier einen Zusammenhang mit den sozio-kulturellen Auswirkungen des Kapitalismusses wittern, wenn man will. Denn der Geschlechtsverkehr in seinen diversen polymorphen Ausprägungen ist zunächst einmal kostenlos.
Also der Sex, bei dem alle Beteiligten frei und willig mitspielen. Und was nix kostet, ist tendenziell sozialistisch, wenn nicht gar anarchistisch. Dies hatten die Adepten des antikapitalistischen Widerstands der frühen siebziger Jahre sehr schnell begriffen und produzierten Porno als Akt der Gesellschaftsveränderung. Auch das bloß Attitüden verwöhnter Bürgerkinder. Währenddessen poppte es in den Arbeitersilos und Zechen fröhlich weiter. Wenn nix im Fernsehn kam, griff sich der Arbeiter die Arbeiterin und sorgte für Befriedigung. Nun war der Arbeiter aber noch nicht gebildet genug zu erkennen, dass die Genossin auch ein Anrecht auf Orgasmen hätte. Das ging der erheblich auf den Zwirn, und sie nahm sich ein Beispiel an der Bürgerin mit deren Strategie der Sexverweigerung. Diese Bürgerin tat, was Bürgerblagen immer machen: Sie schnitzte aus der persönlichen Befindlichkeit eine Philosphie, die des Mannes als generellem Vergewaltiger. Und plötzlich hieß es, dass Männer Liebe geben, um Sex zu kriegen.
Und Frauen Sex geben, um Liebe zu kriegen. Währenddessen entdeckte die Arbeiterklasse den bürgerlichen Porno und ließ sich inspirieren. Im gleichen Maße, wie der Arbeiter mit freundlicher Mithilfe der Medien entproletarisiert und verkonsumiert wurde, geriet Sex zum Geschäft. Diverse Dienstleistungen wie die Prositution, die jahrelang Pfaffen, Bürgersöhnchen und Matrosen vorbehalten waren, gerieten auch an den abhängig beschäftigten Mann. Die Frau des Arbeiters geriet in den Frust, denn der Kerl wollte oder konnte nicht mehr so oft oder bestand auf Praktiken aus dem Pornofilm, deren befriedigenden Sinn seine Olle nicht erkennen konnte. So kam der Dildo in den Arbeiterhaushalt.
Die Bourgeosie war da längst schon wieder woanders und übertrug die standesgemäße Egozentrie auf den eigenen Körper. Gut war, was guttat. Wem Schmerzen Lust brachte, suchte sich jemandem, dem Schmerzverbreitung zur Befriedigung diente. Wer gern ein Frauchen am Halsband durch die Straßen führte, der fand eines, das daran Gefallen fand. Gleichzeitig wurde der Körper zum Produkt, zum Ziel des Redesigns. Hier ein Tatoo, da ein Percing, hier ein bisschen Beschneidung, da ein wenig Brustkorrektur. Der Leib wurde zum Geschütz im Kampf um den passenden Sexualpartner. Bei den bürgerlichen Männchen in ihrer christlichen Zwangsjacke stieg der Bedarf an jungfräulichen, unschuldigen, knabenhaften und unweiblichen Weibchen. Die, ahnte er, würden ihm nichts antun, sich nicht wehren wie Vollweiber im Bewusstsein der eigenen Lustfähigkeiten. Die Chancen der jungen, dünnen Dinger auf Geschlechtspartner stiegen und das Schamhaar musste ab. So richteten sich die Bürgerlichen in ihrem ewigen Kampf um Marktanteile ein. Gleichzeitig fickten Unterschichtler durcheinander, sahen sich Pornos an und übten das Kamasutra.
Natürlich landete qua Medienverblödung auch der Bürgerwahn rund ums Tätowieren, Piercen und Rasieren irgendwann in der Unterschicht, denn das Fernsehn zeigt ja vorwiegend das Bürgerliche, weil es von Bürgerlichen gemacht und bezahlt wird. Dem hat der Unterschichtler wenig entgegenzusetzen und kann kaum anders, als das für normal zu halten, was die Bourgeosie so treibt. Aber eigentlich hat sich wenig geändert am Sex in der Unterschicht. Man bumst immer noch gern, weil das nichts kostet. Weil man die liberale Erziehung beim Bürgertum abgeguckt hat, dürfen die Kinder sich auch Pornos angucken und sie nachmachen. Isss doch nix dabei. Denn Mutti und ihr Lover, der den zweiten Gatten abgelöst hat, mit dem sie eins von fünf Kindern hat, tun’s doch auch – teilweise unter Beobachtung der Brut. Da schaudert’s den Bürgerlichen aber sehr, denn das hat er sich so nicht vorgestellt. Also holt er die Moralkeule raus und erklärt den Analverkehr unter Fünfzehnjährigen für den Untergang des Abendlandes.
Leider und tatsächlich hat aber der Unterschichtenmann, besonders in der Geschmacksrichtung Migrant, freudig die alten Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau aufgegriffen und dem noch den Mythos Mama hinzugefügt. Mädchen sind so lange Schlampen und Nutten bis sie Kinder geboren haben. Danach werden sie entsexualisiert und dürfen überhöht. Da Mädchen ständig hören, sie wären Schlampen und Nutten, kleiden und verhalten sie sich auch wie Prostituierte, so will es die aktuelle Unterschichtenkultur. Sie lässt sich dabei auch gern filmen und im Fernsehn zeigen. Da freut sich der Bürger aber, dass die Unterschicht jetzt genauso pervers mit Sex hantiert wie er selbst. Und verliert ein bisschen von seinen Schuldgefühlen.
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
|
Trackback-URL
…. wobei heute wie in der guten alten Zeit die Kirche, Gloria von Turnen & Schnaxis und andere ultra-fundamentalistische Individuen Sex nur zur Fortpflanzung erlaub(t)en ….
[Antwort]