Die Menschen sind sinnlos

Sibylle Berg: Die Fahrt

Folge 5 von 45 in Erlesenes

Ach, Frau Berg, Schwester im Geiste, Lieferantin der permanenten Depression, sie weiblicher Sysiphos, was haben Sie denn da wieder geschrieben? Zwei Hände voll Figuren turnen sinnlos durch die Welt, suchen, aber finden nicht, erkennen das Glück nicht, wenn es da ist, und machen sich gegenseitig fertig. Ob auf Ceylon oder in Kirgistan, in Los Angeles oder Hongkong – die Menschen irren durch die Gegend und machen sich falsche Gedanken. Da ist kein Trost, da ist nichts Heiteres, sondern nur die Gewissheit, dass sie alle sterben werden.

Ganz offensichtlich sind die Ortsbeschreibung Früchte der jahrelangen Tätigkeit von Frau Berg als Reiseschreiberin, da stimmt jedes Detail, und jeder Ort wird erkennbar. Aber ebenso genau sind die Figuren gezeichnet – der deutsche Späthippie, die Ex-Pornodarstellerin aus Israel, die fette Weltreisende, der scheue Frank und die träge Dicke aus der Südsee. Das Ganze wird abgewürzt mit orginial Berg’schen Reflexionen über das Leben und die Hoffnungslosigkeit sowie die grenzenlose Dummheit der Menschen, die suchen und jagen und raffen und sich und andere dabei unglüchlich machen. Das zu lesen macht keinen Spaß, dient aber der Bewusstseinserweiterung … irgendwie.


» Rezension von Rainer Bartel am 31.12.08 um 15:19 » in Kategorien: Feuilleton » 456 x gelesen » 1 x kommentiert
»   

  1. [...] Buch bejubeln, was müssten sie dann eigentlich im Falle des unglaublichen Romans von “Die Fahrt” der Wahnsinnsautorin Sibylle Berg tun? Die hat einen Roman in gefühlten vierzig [...]

     
    Pingback von Rainer’sche Post » Daniel Kehlmann: Ruhm am 17.02.09 um 17:31

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