Für 60er-Jahre-Kennert
Fangen wir mal so an: In der Rezeption der jamaikanischen Musik durch den westlichen Popmusikhörer spielt Bob Marley die zentrale Rolle. Tatsächlich kennt der gemeine Muckekonsument Marley und Marley und Marley und dann noch die diversen Spaß-Reggae-Typen verschiedener Hautfarbe. Dass aber die Geschichte der Musikindustrie auf Jamaika weiter zurückreicht und mindestens so viele Wendungen genommen hat wie die weiße Popmusik, ist wenigen Kennern bekannt. Deshalb handelt die heutige Frage vom ersten Jamaikanern, der mit jamaikanischer Musik in den Charts der weißen Welt landen konnte.
1) Wie hieß der Musiker?
2) Wie hieß sein erster großer Hit in Europa und USA?
Antworte schnell, Rudi. Kein Gewinn, schon gar kein Rechtsweg und vor allem kein Anwalt.
Ja, da liegt Tommy99 aber sowas von voll total richtig. Desmond Dekker hieß der Mann, und “The Israelites” war 1969 in den USA und in UK ein echter Hit. Vorher (1967) hatte es auch schon “007 (Shanty Town)” in die weißen Charts geschafft.
Tatsächlich reicht die Tradition des jamaikanischen Musikgeschäfts bis weit zurück in die 50er. Aber außerhalb der Karibik wurden immer nur die komischen Tänze (Calypso, Mambo etc.) wahrgenommen, die irgendwelche Hollywood-Regisseure in irgendwelchen Kitschstreifen verbrieten. Eine große Ausnahme stellt Harry Belafonte dar, der sich zwar nicht explizit als Jamaikasänger verstand, aber auf seinen Alben immer wieder karibische Musik einbaute.
Desmond Dekker war jedenfalls ein wichtiger Vertreter der Ska-Bewegung, ein waschechter Rude Boy. Ganz ähnlich wie heute in der Dancehall-Musik galt der coole Macho als die bestmögliche Lebensform eines jamaikanischen Mannes. Großes Idol war immer der James Bond der 007-Filme. Auf den bezieht sich nicht nur der gleichnamige Song von Desmond Dekker, sondern zahlreiche andere Lieder der Ska-Bands. Selbst im späteren Roots-Reggae ebbt die Begeisterung für den Spion der König kaum ab.
Zentrale der Testosteron-Mucke war natürlich Kingston, die Hafenstadt im Südosten der Insel. Die spielte schon in Belafontes “Island in the sun” eine Rolle und war hierzulande geradezu das Symbol für die Matrosenromantik – natürlich hat olle Freddy Quinn auch manche Schnulze über den kleinen Moloch verzapft. Rund um Kingston gab es schon in den 50ern diverse illegale Viertel – “Shanty Town” bedeutet nichts anderes als “besetzte Gegend” und ist synonym mit “Favela” zu verstehen. Und in dem Shanty Town genannten Viertel wurde die jamaikanische Musikindustrie 1951 mit dem Start des ersten Studios geboren. Ska wurde Ende der Fünziger “erfunden” und war zu Beginn eher dem Jazz zuzuordnen. Typisch war die Betonung des Offbeats (also auf 2 und 4 im 4/4-Takt) – ein Merkmal, das auch das auszeichnet, was man gemeinhin so Reggae nennt.
Erst als der Gesang zum Ska kam begann der Mythos der Rude Boys. Im Grunde ist ein Rude Boy (gern auch einfach als “Rudy” bezeichnet…) ein Kleinkrimineller, ein Outlaw, der sein Leben durch allerlei Illegales finanziert. Ein Denkmal für diesen Typus des Jamaikaners stellt der Film “The harder they come” mit Jimmy Cliff in der Hauptrolle dar. Der Rudy trug bevorzugt Anzüge a la James Bond und dazu ein keckes Hütchen. Nach diesem Vorbild traten später auch die Ska-Musiker in Europa auf – allen voran The Specials und Madness. Europäische Rude Boys bildeten natürlich eher eine Szene und waren meist keine Kriminellen – dafür pflegten sie aber das Nebeneinander von Schwarz und Weiß und waren deutlich antirassistisch. Interessanterweise waren die Skinheads der ersten Generation ebenfalls antirassistisch und große Anhänger der Ska-Musik.
Desmond Dekker war allerdings kein Rudy im engeren Sinne des Wortes. Deshalb mischen sich in seinem Werk auch ganz unterschiedliche Themen. “The Israelites” handelt zum Beispiel von der damals aufkommenden Bewegung in der Karibik, die für eine Auswanderung nach Afrika, auf den Kontinent der Vorfahren der Sklaven, plädierte. Aber den Text hat damals hierzulande eh keiner verstanden.
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Kann eigentlich nur
a) Desmond Dekker mit
b) The Isrealites
mit gemeint sein, right man?
Tommy
[Antwort]
Oder besser gesagt
b) The Israelites (meine Finger und mein Gehirn sind manchmal entkoppelt)
[Antwort]