Frank Lloyd Wright, Architekt und Weiberheld

T.C.Boyle: Die Frauen

Folge 33 von 49 in Erlesenes

boyle_frauenEs ist ein Kreuz mit diesem Thomas Coraghessan Boyle. Ich bin ihm schon seit seinen Debutromanen verfallen. Und nachdem ich ihn während der Frankfurter Buchmesse 1997 kennenlernte, sogar noch mehr, weil er einfach ein netter Kerl ist. Schreiben kann er wie die gesengte Sau, keine Frage, aber dieser Roman über den amerikanischen Architekturgott Frank Lloyd Wright ist ihm heftig danebengegangen. Und das gleich auf mehrfache Weise. Eigentlich gesellt sich “Die Frauen” zu den beiden anderen biografischen Büchern “Dr. Sex” über Alfred Kinsey und “Willkommen in Wellville” über John H. Kellog; letzteres ein Werk voll skurriler Komik, ersteres dagegen schon fast von tragischer Größe. Nun versucht er die Lebensgeschichte des überlebensgroßen Baugenies anhand dreier seiner vier Lebenspartnerinnen nachzuerzählen. Wieder schaltet er einen fiktiven Erzähler ein und wieder jongliert er mit der Chronologie. Nur dass es dieses Mal einfach nur stinklangweilig ist.

Und das leider auch in sprachlicher Hinsicht. Wright wird durchgehend mit wehendem Haar und ebenso wehenden Umhängen gezeichnet. Wasser ist immer klar und der Himmel immer weit. Viele Sätze lesen sich, als kämen sie wortgleich mehrfach vor. Und was Boyle über die drei Frauen (Mamah, Noemi und Olgivanna) sagt, kann nur als Ansammlung von Klischees bezeichnet werden.
Ganz der Alte ist der Autor leider nur im allerletzten Kapitel, in dem der neue karibische Butler das Haus abfackelt und die Mehrheit der Anwesenden meuchelt, ein historisches Ereignis, das tatsächlich vorher noch nie literarisch verarbeitet wurde.

Leider hat mir der gute T.C. mit diesen rund 550 Seiten ganz den Lesesommer verdorben, denn mit der Lektüre habe ich mich über mehr als zwei Monate gequält. Zwischendurch habe ich den Schinken immer wieder beiseite gelegt und weiter Melvilles “Moby Dick” gelesen, aber den habe ich auch noch nicht durch.


» Rezension von Rainer Bartel am 09.11.09 um 22:56 » in Kategorien: Feuilleton » 368 x gelesen » 1 x kommentiert
»   

  1. “Leider hat mir der gute T.C. mit diesen rund 550 Seiten ganz den Lesesommer verdorben, denn mit der Lektüre habe ich mich über mehr als zwei Monate gequält.”

    Darüber bin ich Gott sei Dank weg, dass mir ein einziges Buch den Lesesommer verderben könnte. Ich bin da rabiat. Wenn ich nach einigen Seite meine, das Buch ist nichts, wird es weggelegt und in den meisten Fällen nie mehr vorgeholt. Es gibt einfach zu viele gute Bücher, als dass man sich mit schlechten herumschlagen müsste.

    [Antwort]

     
    Kommentar von DocJott am 10.11.09 um 07:28

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