Aruba, Bonaire, Curaçao: Holland in der Karibik
Ihr sehr ergebener Blechbrassfan hatte in den neunziger Jahren eine Zeitlang das Privileg, da arbeiten zu dürfen, wo andere urlauben: auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA (von dem es damals nur eins gab und keine ganze Flotte…). Besonders erfreulich gestalteten sich die Einsätze im Herbst und Winter, wenn wir in der Karibik umherschipperten. So lernte ich beinahe jede bewohnbare Insel der Region kennen und lieben. Zu meinen Favoriten zählen seitdem Aruba und Curaçao. Mit einem elfstöckigen Kahn in den Hafen von Willemstad, der Haupstadt Curaçaos, einzufahren, ist ein uvergleichliches Erlebnis. Denn man fährt durch einen schmalen Kanal, der links und rechts von niedlichen, anderthalbstöckigen Hollandhäuschen gesäumt ist. In welchem Maße die ABC-Inseln auch heute noch von der niederländischen Kolonialvergangenheit geprägt sind, erfuhr ich eines Tages am lebendigen Ohr.
Ich war zu Fuß unterwegs vom Hafen zu Strand am Sea Aquarium, eine Strecke von knapp drei Kilometern. Dabei durchquerte ich natürlich auch die Viertel, in die sich Touristen eher selten verirren. Es war am frühen Nachmittag, und ich kam an einem Schulhof vorbei. Natürlich war die Schule – wie jede zweite auf den ABC-Inseln – nach der Ex-Königin Juliana benannt. Und von hinter der Mauer her schallte Blechbläserei herüber. So richtig wie in einem x-beliebigen holländischen Dorf. Ich ging durch das Tor und sah eine Marching-Band mit ungefähr 20 Mitglieder, die das Bleck bliesen und dabei marschierten. Die Jungs und Mädels trugen blaue Uniformjacken mit gelben Applikationen, dazu aber kurze Röcke oder Shorts und Sandalen an den Füßen.
Ganz offensichtlich haben die tröten-verrückten Käsköppe also ihren Untertanen in der Karibik die wunderbare Musik, die sich durch Pusten in metallene Röhren erzeigen lässt, übermittelt. Allerdings haben die Abkömmlinge der afrikanischen Sklaven, die unter den Niederländern leiden mussten, diese Musik mit eigenen Zutaten verfeinert: Trommeln.
Und so kommt es, dass die karibischen Rückwanderer nach Holland im ehemaligen Mutterland ebenjene karibische Blasmusik zelebrieren. Am schlimmsten tun es die Arubianer, die an zig Orten in den Niederlanden eigene Blaskapellen haben. Wie das aussieht und wie sich das anhört, zeigt der folgende Clip, in dem die Authority Brassband aus Pumerend am Rande des Ijsselmeers auftritt:
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