Wer seinen Wohnsitz wechselt, der kann was erleben
Nein, dieser Umzug kam nicht einem Drittelbrandschaden gleich. Eher im Gegenteil: Dank einer fantatsischen Teamleistung des bewährten Umzugsunternehmens “Sägewerk” gestaltete sich der Transport der Möbel und Sachen von A nach B extrem schadarm und entspannt. Begonnen hatte das Abenteuer damit, dass die Traumwohnung plötzlich und unerwartet frei wurde. Nach kurzer Besichtigung und Bewerbung bei der Wohnungsverwaltung war der Mietvertrag schon Mitte November unterschrieben. Wir hatten uns auf einen Mietbeginn zum 01.12. geeinigt, aber einem Beginn der Mietzahlung erst zum 01.01.12 – die Bude sollte noch im alten Jahr aus der Leerstandsstatistik. Tatsächlich habe ich vor einigen Jahren schon einmal im selben Komplex in einer ganz ähnlichen Wohnung gelebt. Vorstechendstes Merkmal sind die beiden Terrassen – je eine nach Osten und nach Westen.
Von der Morgenterrasse überblickt man den Südpark, die andere Seite bietet einen Blick über Friedrichstadt. Das war uns wichtig, und die Außenflächen werden uns als Gartenersatz dienen. Im Vergleich zum verlassenen Loft besticht das neue Domizil durch funktionierende Elektro- und sonstige Installationen sowie eine Fußbodenheizung. So wird das Jahresmotto “Und keine kalten Füße” eingelöst.
Erfreulich dass wir uns mit dem Vermieter des Lofts auf ein vorzeitiges Ende des Mietverhältnisses einigen konnten. So sparten wir nicht nur eine immer ärgerliche Makler-Courtage, sondern zwei doppelte Mietzahlungen. Da fiel es nicht schwer, den besagten Umzugsladen zu beauftragen. Sägewerk ist ein ehemals selbstverwaltetes Projekt aus den Achtzigern, das schon länger nicht mehr öffenbtlich gefördert wird, weil es sich in der hiesigen Transportbranche etabliert hat und in der Stadt einen tollen Ruf genießt.
Vorbereitungen
Bevor aber die Umzugsleute eingreifen, sind Vorbereitungen zu treffen. Die bestanden bei uns nicht nur im Packen von fast 180(!) Kartons, sondern auch im Willen zum Ausmisten. Alles begann mit einer Sperrmüllaktion, nach der unser Keller bereits zur Hälfte geleert war. Den Rest entsorgte ein auf Entrümpelungen spezialisierter Servicedienstleister – unter anderem gingen dabei fast 200 alte VHS-Kassetten über den Jordan.
Im nächsten Schritt sind dann die Infrastrukturversorger dran. Eigentlich wollte ich in der neuen Wohnung auf Triple Play von Unitymedia setzen – also die Versorgung mit Festnetz, Internet und Kabel-TV aus einer Dose. Ein extrem freundlicher, kompetenter und hilfsbereiter Mitarbeiter erklärte mir alles und setzte die entsprechenden Aktionen in Gang. Dann traf ich mich mit einem Techniker in der neuen Bude, und wir mussten feststellen, dass die Wohnung nicht mit dem Übergabepunkt im Keller verkabelt war. Kommando zurück – Tschüss, Unitymedia…
Also sollte Vodafone ran. Ein Termin für den 27.12. wurde vereinbart. Da waren wir schon eingezogen. Nun gibt es in der Wohnung sage-und-schreibe SECHS TAE-Dosen. Der freundliche Telekom-Techniker maß alles durch – wir fanden jedoch nur fünf Dosen, und keine von denen war mit dem Keller verbunden. Erst eine Information der Nachbarin – deren Gatte hatte vor etlichen Jahren die Wohnung als Firmensitz genutzt – ergab, dass die entscheidende Dose in einer Ecke lag, die wir per Regal zugebaut hatten.
Glücklich ohne Festnetz?
Im Klartext: Seit dem 16.12. arbeite ich ohne Festnetz, mit dem Internet nur verbunden über eine SIM-Karte im EeePC und einer Tages-Flatrate aus dem Web’n'Walk-Stall. Mir war nicht bewusst, welche Einschränkungen das mit sich bringt. Denn erstens sind die drei Rechner des Hauses momentan nicht vernetzt und zweitens kriegt der kleine bei größeren Operationen Atemnot. Da werden viele Daten per USB-Stick untereinander transferiert.
Dass im Fernseher “nur” noch die DVB-T-Sender – in der üblichen miesen Qualität -laufen, ist gut zu verschmerzen. Auf den Moment, an dem die gesamte telekommunikative Infrastruktur wieder so läuft wie im Loft, freue ich mich.
Die Kündigung der Gasversorgung durch die Stadtwerke und das Einleiten des Umzugs beim Stromversorger Prio ging prolemlos vonstatten. Genau so übrigens wie das Ummeldeprozedere bei der Stadt: Das Bürgerbüro in den Arcaden am Bilker Bahnhof ist optimal organisiert, sodass man selten länger als eine Viertelstunde braucht, um einen der Amtsvorgänge zu vollziehen.
517 Meter Luftlinie
Zwischen dem alten und dem neuen Standort liegen laut Google Maps genau 517 Meter Luftlinie. Auf halbem Weg liegt der Fürstenplatz, das Herz des Stadtteils Friedrichstadt. Tatsächlich gehört der neue Wohnplatz aber zum Stadtteil Bilk – die Straße bildet den alleräußerstens östlichen Zipfel dieses großen Viertels. Das hat Nachteile: So gibt einer der großen Paketzustelldienste die Sendungen, die er nicht loswird, in einem Laden am äußersten westlichen Ende des Stadtteils ab – zwei Kilometer weit weg. Das Depot im benachbarten Oberbilk ist dagegen kaum 200 Meter entfernt…
Wobei ja selbst eingefleischteste Düsseldorfer nicht wissen, dass die Ringelsweide tatsächlich zu Bilk gehört.
Jedenfalls galt es, die genannte Entfernung zu überbrücken. Das Loft lag im Hinterhof, einem Geviert von kaum fünf Metern im Quadrat, das mit der Straße durch eine enge Toreinfahrt verbunden ist. Als der Teamleiter das sah, winkte er ab; das könne nicht gehen. Ging dann aber doch: Die starken Männer schoben den Anhänger mit dem Schrägaufzug in den Hof; alles passte millimetergenau.
Ein Mann stand dann auf dem Absatz der Feuerleiter am Küchenfenster. Die Kollegen brachten ihm den Kram, den er auf dem Aufzug platzierte. Unten übernahmen andere Jungs und brachten das Zeug in den Laster.
Leider hatte der Sägewerker, der den KVA erarbeitet hatte, ein bisschen schlampig ermittelt, sodass später ein Kleinlaster zusätzlich kommen musste: Den ganzen Pflanzenkram vom Balkon hatte er nicht verzeichnet und den Keller total unterschätzt. Aber der bärbeißige Teamleiter löste jedes Problem.
Kalter Regen machte den Männern die Arbeit nicht leicht. Aber nach kaum zweieinhalb Stunden war alles verstaut.
Da an der neuen Adresse – aus Platzgründen, aber auch wegen des inzwischen starken Windes – nicht mit dem Schrägaufzug gearbeitet werden konnte, dauerte das Ausladen deutlich länger. Gegen halb sieben waren die Umzugsexperten dann fertig. Wir setzten uns noch mit denen auf ein Bierchen zusammen und plauderten. Alles sehr entspannt…
Stand der Dinge
Inzwischen ist der Umzug so gut wie abgeschlossen. Okay, ein paar Lampen müssen noch angebracht werden. Außerdem sind die Kühlschranktüren jetzt falsch herum angeschlafen. Aber das tut der Wohnlichkeit keinen Abbruch. Wir sind angekommen und fühlen uns wohl.
Wenn wir das auch über unsere Galgohündin sagen könnten, wären wir sehr froh. Aber das ist eine andere Geschichte…
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Na, das liest sich doch erfreulich positiv – wenn man mal von der fehlenden Internet-Struktur absieht…
Dann mal viel Spaß in der neuen Butze!