Als Peter Gabriel noch im Artsy-Fartsy-Rock von Genesis rumgniedelte...
[Gelöst] Weltmusik bevor es Weltmusik gab
Bekanntlich gibt es weite Kreise innerhalb der Musikhörerschaft beim Begriff “Weltmusik” die Augen verdrehen und an Peter Gabriel denken. Bekanntlich ist das Gegenteil von gut gemacht gut gemeint, und olle Peter hat’s immer gut gemeint. So wie auch Paul Simon, der mit der Produktion des geweltmusikten Albums “Graceland” in Südafrika ins damals prallvolle Fettnapf des Embargos stapfte. Erfunden hat das Ganze ja Brian Jones, der im Opiumwahn verzückt mit Marokkanern schrammelte. Und letztlich ist das Betreiben von Weltmusik durch weiße Westmusikanten auch bloß Kolonialismus. Dies gesagt habend möchte ich an eine echte Originaltruppe aus einem bitterarmen Staat erinnern, die ihre Heimatklänge mit ein wenig Jazz anrührten, aber tanzbar ließ und bis heute daheim und unterwegs aktiv und beliebt ist. Die Mitglieder stammen aus dem Vorort der Hauptstadt ihres Heimatlandes, leben aber in Brooklyn und nennen sich selbst “Botschafter” ihrer spezifischen Musikrichtung, die sie seit den frühen Siebzigern missionieren. Tipp: Das sehr arme Land ist Haiti. Tipp2:
1) Wie heißt die Band: Tabou Combo
2) Wie heißt der Vorort: Pétionville
Gegründet hat sich diese Combo 1967 in Pétionville, dem wohlhabenden Vorort von Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis. Schon in den späten fünfziger Jahren hatten die örtlichen Tanzmusikanten einen eigenen Stil entwickelt, der unter dem Namen Compas (kreolisch auch “Kompa” oder “Konpa”) gespielt wurde. Im Gegensatz zu den anderen karibischen Tanzmusiken (Merengue, Calipso, Reggae, Mambo etc.) fiel Compas außerhalb des bitterarmen, von Diktatoren ausgelutschten Landes nicht auf. Die Herren von der Tabou Combo gingen daher 1972 den Schritt, den Tausende Haitianer gingen: nach Amerika. Die Truppe landete in Brooklyn und blieb, wobei über die Jahre deutlich mehr als 30 verschiedene Musiker unter diesem Etikett antraten. Bis auf den heutigen Tag ist diese Gruppe DIE Band der haitianischen Migranten und spielt immer noch überall in den USA für ihre Landsleute zum Tanz auf. In Europa waren sie nie, und auf der Insel nur sehr selten.
Ihre erste Platte enthielt mitgebrachtes Material und floppte. 1974 kam eine LP unter dem Titel “New York City” heraus, die ein kleiner Hit – auch in Europa – wurde, vor allem wegen dem Stück “8eme Sacrement”, das bis heute als das vielleicht beste Compas-Lied aller Zeiten gilt. Mir fiel die Scheibe mit dem amateurhaften Cover zu der Zeit in die Hände, weil wir zu der Musik der Tambou Combo bei einer Weihnachtsfeier mit einem Haufen lustiger Südamerikaner tanzten wie die Blöden. Ich liebe sie noch heute…
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1.) Buena Vista Social Club
2.) Buena Vista
Das wäre doch zu einfach, finde ich.
Und ich bin mir sicher, dass z.B. Ibrahim Ferrer nie in Brooklyn gelebt hat.
1) Gladdy’s All Stars
2) Jones Town, Kingston, Jamaica
Denk ich auch – ausserdem wurde BVSC erst Ende der 1970er von Ry Cooder aus der versenkung geholt.
Nicht schlecht! – Aber leider falsch.
Ihr seid alle auf den richtigen Spuren – ja, die Herren stammen ursprünglich aus der Karibik, leben aber schon seit langen, langen Jahren in Brooklyn. Und spielen kreuz und quer durch die USA zum Tanz auf…
Tipp: Weder Kuba, noch Jamaika.
Ich sach mal,das löst keiner, hab ne ganz nette Sammlung und gut gegoogelt.Gibts noch nen tip ?
Ein weisser Westmusikant und NichtKolonialist
Ich hätte auf die Fania All Stars getippt, aber das ist eher Lateinamerika und die Musiker stamm(t)en auch aus verschiedenen Ländern…
Haiti habe ich erwartet.. aber sonst?
Vielleicht zu 2) Petionville, Vorort von Port-au-Prince?
Und zu 1).. keine Ahnung..
Dann versuche ich es mal mit dieser Combo:
1. Tabou Combo
2. Pétion-Ville
Uff. Na, bitte, geht doch.
Ich wundere mich aber schon, dass die Truppe, die in den späten 70ern in der grün-alternativen Szene extrem populär war (obwohl sie meines Wissens nie in Deutschland aufgetreten ist), derart in Vergessenheit geraten ist…
Dafür bin ich wohl noch zu jung..