Pressekonferenz am 25.07.2010 als vorgezogene Gerichtsverhandlung

Wir wollen die Loveparade-Killer im Knast sehen

loveparade_pkWer am Sonntag die Pressekonferenz zum Loveparade-Desaster gesehen hat, der hat die Hauptverantwortlichen für den Tod von 19 Menschen gesehen – außer dem Stauprofessor des Schreckens. Auch wenn der WDR-Kommentator von Hilflosigkeit der Herren auf dem Podium sprach, es war eher ein schreckliches Beispiel für den gnadenlosen Zynismus von Typen, denen die Eitelkeit, die kalte Machtlust und die grenzenlose Profitgier ins Gesicht geschrieben steht. So betrachtet war diese PK eine vorgezogene Gerichtsverhandlung. Zumal einige anwesende Journalisten, die teilweise Augenzeugen der Massenpanik waren, kaum noch an sich halten konnten angesichts offener Lügen, grenzenloser Inkompetenz und feigen Ausweichens. Auch wenn für Täter nach unserem Rechtsverständnis so lange die Unschuldsvermutung gilt, bis ihnen die Schuld nachgewiesen wurde, kann man in diesen Typen nichts anderes sehen als diejenigen, die das Sterben von Menschen zumindest billigend in Kauf genommen haben.

Dunkelgrüne Engel?
Einer der ekligen, medialen Nebeneffekte des Verbrechens ist, dass sich der unsägliche, ja, gemeingefährliche Vorsitzende der DPolG, ein gewisser Wendt, sich öffentlich äußern darf und vermutlich auch noch zum Teil Recht hat. Wiewohl sich alle Auslassungen von Cops, ob nun in ihrer Ausprägung als Polizeilobbyisten, Ex-Polizeipräsidenten oder sonstigen Vorturnern, so anhören, als wolle man das ebenfalls weiträumige Versagen der Förster vor Ort vertuschen. Macht man sich die Mühe, die Hunderten veröffentlichten Augenzeugenberichte im Web zu durchforsten, dann ergibt sich in Bezug auf das Verhalten der Ordnungsmacht ein weniger schönes Bild. So scheint sich zu bestätigen, dass die Beamten an beiden Tunnelausgängen auf die Warnungen von Leuten, die aus dem Gedränge kamen, mit blöden Sprüchen reagierten. Schon gegen 16:30 hatten einzelne Loveparade-Besucher vor einer drohenden Massenpanik gewarnt.

Einige Berichte zeichnen einzelne Beamte jedoch als wahre Helden. So haben die Polizisten oberhalb der Rampe irgendwann entgegen der Anordnung der Einsatzleitung begonnen, hilflose Personen über die Treppen und den Mast nach oben zu helfen. Andere Cops stürzten sich ins Chaos, um auf eigene Initiative Menschen rauszuziehen oder zu reanimieren.

Es scheint also, als trage die Einsatzleitung (Der Einsatzleiter der Polizei vor Ort wird seit Samstagabend sorgfältig vor den Medien versteckt; ein übliches Verfahren, wenn der Verdacht des Versagens nahe liegt…) ein großes Maß an Verantwortung für das Desaster. Zeugen sagen aus, dass die Sperrung des Geländes wegen angeblicher Überfüllung durch Absperren der Tunnelausgänge mit Hilfe von Polizeiketten vonstatten ging, was auch auf diversen Videos zu sehen ist. Andere Anwesende berichten, dass zur selben Zeit weiter Leute in die Tunnelabschnitten gelassen wurden. Als klar wurde, dass es dort zu schlimmen Gedränge kam, wurden die Tunneleingänge für eine gewisse Zeit ebenfalls gesperrt, sodass die Leute nicht heraus konnten.

Das Tötungskonzept
Eine der übelsten Rollen in der Vorbereitung und Durchführung der Katastrophe spielt ein gewisser Wolfgang Rabe. Der ist Ordnungsdezernent der Stadt Duisburg und in dieser Eigenschaft voll verantwortlich für die Sicherheit der Bürger und die Ordnung in der Stadt – auch bei von der Stadt durchgeführten oder genehmigten Veranstaltungen. Der wollte die Loveparade laut seiner Aussagen im Herbst 2009 nicht in der Stadt haben. Als dann aber der OB Sauerland darauf bestand, übernahm er den Vorsitz der Kommission, die ein Sicherheitskonzept erarbeitete. Das beruhte auf den Informationen des Veranstalters. Wenige Minuten nach der Massenpanik im Tunnel stellt sich diese Type vor laufende Kameras und stellt fest, es habe nicht am Sicherheitskonzept gelegen, sondern am Fehlverhalten einzelner Teilnehmer.

Während der Pressekonferenz am Sonntag ist Rabe es, der weitgehend uninformiert wirkt. Und: Obwohl im Vorfeld für die Sicherheitskonzept zuständig, sagt er an einer Stelle, er sei bloß Leiter des Krisenstabs.
Tatsächlich aber war er es wohl, der das Gefälligkeitsgutachten des Professor Schreckenberg als Hauptargument nahm, das Konzept ganz im Sinne seines Herren und des Veranstalters formulieren zu lassen. Übrigens: Angeblich umfasste das Sicherheitskonzept weniger als 19 Seiten; die Sicherheitskonzepte für ganz normale Stadionkonzerte mit maximal 50.000 Besucher füllen – nach Aussagen von Security-Fachleuten – bisweilen ganze Aktenordner. Schreckenbergs Beitrag zum Konzept bestand in einer Einschätzung der Gefahr in den den Tunneln. Diese nahm er vor, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein! Und jetzt behauptet er, er habe gewarnt und empfohlen, die Treppen zu sprengen! Was für ein Lügenmaul!

Die tödliche Situation
Es gab keinen “Eingang” im eigentlichen Sinne, weil der Einlass zur Veranstaltung ja gratis war. Da wo die Rampe in die Waagerechte geht, gab es die so genannte “Personenvereinzelung” zur Einzelkontrolle. Gabei handelt es sich um metallene Vorrichtungen von maximal einem Meter Breite, zwischen zwei und fünf Metern Länge und Geländern an der Seite. Sie dienen dazu, nur noch einzelnen Personen zu den kontrollierenden Ordnern vorzulassen. Davon waren so um die 30, 40 aufgebaut. Heißt: Alle Personen, die aufs Gelände wollten, mussten einzeln da durch. Gegen 16:00 waren (laut Luftbildschätzung) erst um die 150.000 bis 250.000 Leute auf dem Gelände. Und dann kam der große Ansturm. Ein Feuerwehrmann am Tunneleingang (man konnte von zwei Seiten in die Unterführung) auf der Westseite sagte, innerhalb von 10 Minuten wären Hunderttausende angekommen. Die sind in den Tunnel hineingegangen. Auf der Rampe vor der “Vereinzelung” kam es zum Stau – von etwa 16:10 an. Heißt: Die Leute drängten sich vor der Massenpanik mehr als 45 Minuten in dem Tunnel!
Dann griffen die Förster ein. Ein VW-Bus fuhr durch den Tunnel durch die Menge zur Rampe. Hinter dem Polizefahrzeug drängten Tausende nach. Als die Cops angekommen waren, räumten sie die Rampe teilweise, indem sie die Leute zurück in den Tunnel drängten. Dann sperrten sie den Tunnelausgang durch eine Menschenkette.

Auf der Pressekonferenz wurde er als “stellv. Polizeipräsident” vorgestellt, in Wahrheit ist der Leitende Regierungsdirektor Detlef von Schmeling seit dem 01. Oktober 2007 Leiter der Direktion Zentrale Aufgaben (ZA). Der eigentliche Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin ist allerdings Anfang Mai 2010 in den Ruhestand gegangen, der Posten ist zur Zeit vakant.
Dieser von Schmeling führte die meisten das große Wort und versuchte, sich souverän zu geben. Tatsächlich übernahm er aber die Version, die Rabe und Sauerland am Vortag nur wenige Minuten nach der Panik geprägt hatten.
Danach sei es zur Massenpanik (Später sagt er sinngemäß, dass man von einer Massenpanik wohl nicht reden könne…) gekommen, weil Leute, die über die Treppen und den Mast versucht hätten, “aufs Gelände vorzudringen”, abgestürzt und auf die dicht gedrängten Menschen gefallen seien. Diese Aussage untermauerte er durch die Angabe, von den 15 Toten vor Ort seien zwölf auf der Rampe und drei im Tunnel gefunden sein. Das ist eine faustdicke Lüge!

Weshalb ist auf keinem der etwa hundert Augenzeugenvideos und auf den Tausenden Handyfotos nirgends jemand zu sehen, der abstürzt? Weshalb ist davon in keinem einzigen Augenzeugenbericht die Rede? Hat man die draußen gefundenen Leichen später in den Tunnel geschleppt? Was ist mit den auf Fotos nachweisbaren neun oder zehn Kreidezeichnungen der Toten im Tunnel? Was meinte der Rabe als er kurz nach dem Desaster davon sprach, Menschen hätten versucht, die steilen Wände hochzuklettern? Was lagen ihm für Beweisbilder vor?

Die politische Sau
Dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland die politische Verantwortung dafür trägt, dass die Veranstaltung überhaupt in Duisburg stattgefunden hat, steht außer Frage. Noch am Vortag hat er öffentlich gesagt, dass die Loveparade 2010 stattfinden musste, sonst wäre sie für das Ruhrgebiet für immer tot. Ist sie bekanntlich auch so. Dieser OB hat seine Untergebenen alles dafür tun lassen, die Veranstaltung ganz im Sinne des Veranstalters durchführen zu lassen. Über das katastrophale Sicherheitskonzept war hier schon die Rede.
Nun erweist sich, dass das Gelände offiziell nur für 250.000 Besucher freigegeben war. Aber selbst auf Basis dieser für eine Loveparade nach allen Erfahrungen lächerlich geringe Teilnehmerzahl wurden die üblichen Sicherheitsauflagen – u.a. über die Gestaltung der Notausgänge – erlassen! Das heißt im Klartext: Obwohl mit mindestens 500.000 Leuten, eher ab er mit einer Million oder mehr zu rechnen war, hat die Duisburger Bauaufsicht das Gelände so genehmigt wie es der Veranstalter geplant hat.
Dass es so fast zwangsläufig zu einem tödlichen Desaster kommen musste, davor haben zahllose Bürger, Feuerwehrleute, Polizisten und andere Experten schon vor Monaten gewarnt. Aber OB Sauerland hat weitreichende Anweisungen erteilt, die Veranstaltung in jedem Fall durchführen zu lassen.

Das ungeeignte Gelände
Inzwischen ist ja jedem Interessierten bekannt, dass der ehemalige Duisburger Güterbahnhof mit seinen rund 250.000 qm Fläche eingeklemmt zwischen den Fernbahn- und ÖPNV-Gleisen im Osten und der Autobahn A59 im Westen liegt. Vollständig außer Betrieb ist die Anlage seit 1998. Seitdem wurde das meisten Gleismaterial abgebaut. Noch im Frühjahr 2009 standen noch die Haupthalle, zahlreichen Lager und Büroräumen sowie einige weiter kleine Häuser, ein altes Stellwerk und kleine Abstellhütten. Bis auf die große Halle wurden die Gebäude in Vorbereitung der Loveparade abgerissen. Die Stadt Duisburg hat die Aufbereitung in einem Video dokumentiert.
Das Sicherheitskonzept hat sich am meisten damit befasst, die Besucher daran zu hindern, auf die Autobahn und die Gleise zu gelangen. Dies wurde durch Zäune bewerkstelligt. Die Elemente waren, was bei dieser Art Zäune ungewöhnlich ist, nicht nur gesteckt, sondern verschraubt. An mehreren Stellen (die genaue Anzahl ist nicht bekannt) ließen sich Notausgänge öffnen, die im Westen auf die Straße “Am Güternbahnhof” und im Osten auf einen Weg entlang der S-Bahn-Gleise führten. Diese wurden nach Bekanntwerden des Desasters geöffnet.
Unklarheit besteht über einen weiteren Eingang über die Straße “Am Güterbahnhof” in der Nähe des Kreisverkehrs an der Mercatorstraße. Im offiziellen Verkehrsplan zur Loveparade (PDF zum Download) ist der offene, breite und gut erreichbare Zugang als Rettungs- und Versorgungsweg ausgeschrieben; Augenzeugen berichten aber, dass hier vorwiegend die Shuttle-Fahrzeuge mit den Promis aufs Gelände kamen und nannten diese Stelle daher den “VIP-Eingang”.

Dass die Besucher des Loveparade-Geländes überhaupt durch die Tunnel mussten, hat auch damit zu tun, dass man es für sicherer hielt, die Menschen NICHT auf dem kürzesten Weg vom Hauptbahnhof zum Gelände zu bringen, sondern die Massen in zwei Ströme zu teilen. Bei der Anreise sollten Leute aus dem Norden gegen den Uhrzeigersinn laufend die Westseite der Tunnel erreichen; die aus dem Süden sollten im Uhrzeigersinn zur Ostseite bewegt werden. Beim Verlassen sollte es genau umgekehrt sein. Ein Security-Fachmann mit jahrelanger Erfahrung bei großen Sportveranstaltungen sagte mir, über diesen Plan könnte er schallend lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Die Annahme, man könne die Menschemassen besser über die Zeit verteilt leiten, wenn man den Zugangsweg verlängere, sei geradezu absurd. Statt dessen würden die Menschen in der Regel in unterschiedlicher Dichte auftreten, sodass es immer zu Sraus käme.
Nach Ansicht dieses Experten und einiger anderer, die sich öffentlich geäußert haben, sei es optimal gewesen, die A59 als Zugangsweg zu nutzen. Man hätte nicht nur mehr Platz gehabt, sondern hätte an der Böschung zum Gelände zehn, zwanzig Eingänge realisieren können. Ja, vielleicht hätte man die Autobahn – ähnlich wie bei der Loveparade 2008 in Dortmund – als Festivalgelände mit einbeziehen können.

Die Tatsache aber, dass man die Leute zwingen wollte, mehr als zwei Kilometer um das Gelände herum zu laufen, hat viele auf die Idee gebracht, doch einfach den Schienen entlang zu laufen, was mehrfach dazu führte, dass der Zugverkehr am Duisburger Hauptbahnhof eingestellt werden musste.

Der profitgierige Veranstalter
Nachdem nach dem Vorfall am Samstag immer nur allgemein von “den Veranstaltern” die Rede war, musste sich der McFit-Boss Rainer Schaller am Sonntag auf der PK zeigen. Da hatte er sein sprechendes Hündchen dabei, einen Typ namens Björn Köllen, der leider aus Düsseldorf stammt und den Loveparade-Sprecher mimen durfte. Der stand im Lacoste-Polo hinter seinem Herrchen, flüsterte dem was zu und sprang ein, als der sprachlos blieb. Wie gesagt: Schaller ist nicht nur Geschäftsführer der Lopavent GmbH, deren einziger Geschäftszweck es ist (war?), die Loveparade im Sinne des Hauptsponsors McFit zu veranstalten.

Bereits 2006 übernahm Schaller die Loveparade in Berlin mit Hilfe eines 3-Millionen-Euro-Schecks. Wie es dazu kam, sagte er seinerzeit dem Handeslblatt:

Den Grund für sein Engagement bei der Love Parade erklärte Schaller 2009 im “Handelsblatt” so: “Wir wollten mit einem relativ kleinen Budget einen hohen Bekanntheitsgrad (für McFit) erzielen. Wir haben uns lange überlegt, was wir denn Verrücktes machen können, um bekannter zu werden. Wir haben uns für die Love Parade entschieden.” [Quelle: SpON]

Loveparade-Erfinder Dr. Motte wandte sich mit Grausen ab und boykottierte die Kommerzveranstaltung von da an nach Kräften. Als die Stadt Berlin die Loveparade nicht mehr als politische Demo genehmigte und so die Veranstalter für Sicherheit und Sauberkeit vor, nach und während der Veranstaltung sorgen mussten, sagte man die Loveparade 2007 in Berlin ab. Statt dessen fand das Ding dann in Essen statt.

Nun mehren sich Gerüchte, dass sich Schaller die Genehmigung der Loveparade 2010 mit den bekannt unzureichenden Rahmenbedingungen von der Stadt Duisburg erkauft hat. Bekannt war, dass er nicht nur die Veranstaltung selbst finanzierte, sondern der notorisch zahlungsunfähigen Stadt auch Geld zukommen ließ, sodass die Loveparade durch die Landesmittel für Duisburg fast kostenlos war.
Andererseits berichten Insider inzwischen aber auch, dass die Organisatoren aus dem Hause Schaller sich für ein eingezäuntes Gelände entschieden hätten, um so eine Gegenfinanzierung aus den Konzessionen der diversen Fress- und Saufbuden auf dem Gelände zu erzielen, von denen es nach Augenzeugenberichten Hunderte gab. Die Rechnung könnte so ausgesehen haben: Wenn eine halbe Million Menschen über acht Stunden auf dem Gelände sind, dann müssen die essen und trinken. Als Erfahrungswert gilt, dass jeder Teilnehmer dafür in dieser Zeit durchschnittlich um die 15 Euro investiert. Die Buden würden als 7,5 Millionen Euro Umsatz machen. Bei einer üblichen Umsatzprovision von 20% wären so immerhin 1,5 Millionen Euro als Erlös erzielt worden.

Saufen und Kiffen
Liest man die diversen Online-Kommentare, findet man eine nicht kleine Minderheit, die den Teilnehmern selbst die Schuld am Desaster gibt. Das wird zwar nur selten so radikalchristlich-faschistoid geäußert wie bei der mütterlichen Hohlbirne, aber mancher Bürger ist der Ansicht, dass volltrunkene, bekiffte und sonstwie zugedröhnte Leute wissen müssten, auf was sie sich einlassen. Außerdem beten inzwischen etliche Anonyme nach, dass es drogengefüllte Testosteronbömbchen gewesen seien, die versucht hätten, an allen anderen vorbei rein zu kommen, dabei abgestürzt seine und so die Massenpanik ausgelöst zu haben. Die Videos und Fotos zeigen etwas anderes: Den Menschen, die über die Treppen, den Mast und die Böschungen entkommen sind, steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Nur wenige bewegen sich wie auf Extasy.

Aber es gibt auch die üblichen Bilder von Jungmännern, die ohne Rücksicht auf andere und die eigene Sicherheit herumspringen, stoßen, schieben, boxen und drängeln. Diese Mischung aus Hormonen, Alkohol und chemischen Drogen, die viele in sich trugen, ist gefährlich, weil sie völlig enthemmt und den Blick für die Realität verschleiert. Da diese Drogen je nach der Mischung aggressiv machen, sind Massenprobleme immer da vorprogrammiert, wo sich viele solcher noch nicht ausgewachsenen Männchen in größerer Zahl sammeln. Das weiß jeder, der regelmäßig Auswärtsspiele seiner Fußballmannschaft besucht. Übrigens: Auch da wird man als Anreisender meist wie Vieh betrachtet und nicht selten (Ahlen, Wuppertal, Aachen etc.) in dichtgedrängter Masse durch Tunnel geführt. Eine solche Situation ist immer gefährlich und immer in der Nähe von Massenpanik.

Ohne die Alkohol- und Drogenkonsumenten entschuldigen zu wollen: Aber hätten nicht die Veranstalter und die Macher des Sicherheitskonzepts ahnen können, ja müssen, dass sich unter der Million Raver ein nicht kleiner Anteil bedröhnter Hormonopfer befinden würden? Hättem die nicht in Betracht ziehen müssen, dass jedes Gedränge, jeder Stau zu Panik hätte führen können?

Experten fragen
Schließlich: Hätten die Verantwortlichen sich nicht einmal mit erfahrenen Veranstaltern (z.B. denen von Rock am Ring) zusammensetzen sollen oder sogar deren Rat formal in Anspruch nehmen müssen? Da gibt es Hunderte Experten, die seit über zwanzig Jahren jedes Jahr eine Riesenveranstaltung über mehrere Tage mit Hundertausenden Besuchern auf einem begrenzten Gelände hinkriegen, ohne dass es je zu einer Massenpanik gekommen wäre. Die hätte man einbinden müssen.

So aber haben ein profitgeiler Veranstalter, ein profilsüchtiger OB, ein inkompetenter Sicherheitsdezernent, ein sinnloser Stauforscher und eine hilflose Polizei dafür gesorgt, dass 19 Menschen sterben mussten. Dafür gehören sie allesamt schwer bestraft.


» Kommentar von Rainer Bartel am 26.07.10 um 12:40 » in Kategorien: Deutschland,Feuilleton » 1.209 x gelesen » 4 x kommentiert
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  1. Wiedermal hat der Größenwahn eines Adolfs Menschenleben gefordert!

     
    Kommentar von svephi am 26.07.10 um 13:49
  2. Keiner wird in den Knast kommen oder sonst wie bestraft werden. Der Adolf wird allerdings wohl um einen Rücktritt nicht herum kommen. Es wird solange die Schuld von einem zum anderen geschoben bis nichts mehr übrig ist. Möchte jemand dagegen wetten?

     
    Kommentar von Joerg am 26.07.10 um 17:57
  3. Ich möchte an dieser Stelle auf den offenen Brief des Bochumer Polizeipräsidenten hinweisen, der wohl massgeblich dazu beigetragen hat, dass die Loveparade 2009 in Bochum wg. Sicherheitsbedenken abgesagt wurde:

    “Was denken sich eigentlich Politiker und Journalisten, die die Metropole Ruhr als Monstranz ihrer Popularität vor sich hertragen, wenn es um die Verantwortung derer geht, die als Amtsträger für die Folgen ihres Handelns persönlich haften? Die mit ihrem Tun die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten haben? Die die Enge des Veranstaltungsraumes und die Disfunktionalität der Zu- und Abfahrtströme kennen, die wissen, dass es schon in Dortmund diesbezüglich heikle Situationen gegeben hat? Die wissen, dass ein Grossteil der bis zu 1,5 Millionen jungen Teilnehmer erheblich unter Alkohol und Drogen stehen wird und die sich die Auswirkungen einer Panik unter so vielen Menschen unter solchen Umständen auf so engem Raum unverblendet von Wichtigtuerei vorstellen können? Alles nur unerhebliche Opfer für die Metropole Ruhr?

    Eine Metropole, die als solche überhaupt keine verantwortlich Handelnden kennt, weil die Politik dafür keine Voraussetzungen geschaffen hat. Wer manifeste Sicherheitsbedenken so wenig ernst nimmt, obwohl sie offenkundig sind, sollte sich von Verantwortung fernhalten, statt auf die einzuprügeln, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich ihr stellen.

    Wir wissen ja alle, dass es dieselben Menschen sind, die beispielsweise bei Kernkraft oder Gentechnologie genau wissen, dass alles, was geschehen kann auch geschehen wird und die, wenn es geschehen ist als erste pharisäerhaft auf die verantwortungslosen Verantwortungsträger zeigen, denen es dann auf der Anklagebank wenig hilft über die Metropole Ruhr zu schwadronieren.

    Denen werden dann die objektiven Fakten und ihr Wissen und Wollen vorgehalten, sonst nichts, weil Verantwortung so geht. Zu Recht, als ständige Erinnerung, körperliche Unversehrtheit und Leben anvertrauter Menschen so gut wie möglich zu schützen, auch wenn der Spassfaktor auf der Strecke bleibt.

    Überleben ist wichtiger…”

    Quelle

     
    Kommentar von Tomcat am 26.07.10 um 18:54
  4. Und siehe da: Kein einziger ist durch einen Sturz von der Treppe ums Leben gekommen, wie heute bekannt geben wurde.
    Ich hoffe das Pack auf dem Foto oben beleidigt nicht die Toten und die Hinterbliebenden durch ihre Anwesenheit bei der Trauerfeier am Samstag.

     
    Kommentar von fugo am 27.07.10 um 19:40

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