Für Ami-Freunde

Richard Ford: Verdammtes Glück

Folge 4 von 49 in Erlesenes

Der Verlag behauptet, Richard Ford sei der amerikanischste aller Autoren. Was seine wirklich großen Romane “Unabhängigkeitstag”, “Sportreporter” und “Die Lage des Landes” angeht, kann man dem sicher zustimmen. Aber leider hat der gute Richard nicht nur große Romane geschrieben, sondern auch kleine. Einer der kleinsten ist sein Frühwerk mit dem Titel “Verdammtes Glück”. Der Vietnam-Veteran Harry Quinn ist im mexikanischen Oaxaca gelandet, um dort den Bruder seiner Ex aus dem Knast zu holen. In der Stadt kommt es zu einem Attentat, undurchsichtige Mafiosi und Anwälte spielen mit, und die Bedrohung ist allgegenwärtig.

Ganz offensichtlich hat Ford in diesem Stück seinen Hemingway-Komplex abgearbeitet, denn der Meister lugt in vielen Szenen aus den Zeilen. Auch die Krimischreiber der Hammett-Ära sind mit dabei, und letztlich liest sich alles, als sei es für eine Verfilmung mit Bruce Willis geschrieben. Endlose Klimaschilderungen wechseln sich mit pittoresken Bildchen mexikanischer Exotik ab, ständig fahren Autos ins Tal oder wieder bergauf. Kaum eine Figur wird vorstellbar. Außerdem ist die Handlung verworren und endet stumpf.

Nein, das tut der Leistung des RF keinen Abbruch. Nur sollten Leser, die seinen guten Romane noch nicht kennen, die Finger von diesem Buch lassen.


» Rezension von Rainer Bartel am 16.12.08 um 15:31 » in Kategorien: Feuilleton » 582 x gelesen » noch kein Kommentar
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