Unsere Umfrage zeigt: 76 Prozent der Mitspieler glauben, es mache keinen Unterschied, ob John McCain oder Barack Obama nächster US-Präsident wird. Das scheint angesichts der Positionen der beiden Herren recht realistisch. Tatsächlich steht nicht zu erwarten, dass ein Mr Obama im Weißen Haus für die deutsche und die europäische Bevölkerung wesentliche Changes in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht anstreben wird. Umso erstaunlicher ist die um sich greifende Obamania in diesem, unserem Land. Heute macht der junge Mann zum Beispiel Wahlkampf in Berlin – und die Berliner, populismus-gläubig wie schon immer, rennen zu Hunderttausenden auf die Barack-Fanmeile an der Siegessäule.
Natürlich treiben die ebenfalls populismus-hörigen Medien den Hype voran. SpOn und Stern.de haben sogar einen Live-Ticker aufgesetzt. Man hofft auf ein verhindertes Attentat. Wie das Thema “Attentat” überhaupt eines ist, dass dem designierten Kandidaten der so genannten “Demokraten” anklebt. In US-Medien wurde bereits vor Wochen offen darüber spekuliert, wie lange Obama im Amt überleben wird. Ganz so zynisch ist man hierzulande noch nicht.
Modern
Was macht den Senator aus Illinois so attraktiv? Erstens: Er ist jung. Also, relativ jung. Denn bei einem 47-jährigen davon zu sprechen, er sei ein junger Mann, ist absurd. Aber als Sprößling des Jahrgangs 1961 trifft er hierzulande auf eine gleichaltrige Generation, die an politische Wunder zu glauben immer noch bereit ist. Ja, und die Bundesbürger zwischen 42 und 52 sind genau diejenigen, die auf einen politischen Wandel in der Welt hoffen. Tatsächlich ist das Wort “Change” im Prinzip das gesamte Programm des Kandidaten. Was genau sich ändern soll und wird, bleibt vielfach diffus.
Zweitens: Obama ist modern. Das ist nicht sein persönliches Verdienst, sondern Ergebnis der harten Arbeit eines sehr jungen, sehr technik-affinen Berater- und Mitarbeiterstabs. Die Kampagnen-Website ist in jeder Hinsicht absolut auf dem Stand der Technik und geradezu ein Musterbeispiel für das, was landläufig unter Web 2.0 verstanden wird. Interaktion und Vernetzung stehen im Zentrum. Eigentlich ist www.barackobama.com nicht viel anders als MySapce, Facebook und die anderen Social Networks. Man macht mit, weil man den Typ gut findet und der Begriff “Change” sich vielversprechend anhört.
Was wird
Wie gesagt, es ist nicht zu erwarten, dass sich unter einem Präsidenten allzuviel Substanzielles ändern wird. Nein, der Wandel wird allein relativ zu den Eriegnissen der Ära Bush messbar sein. Das ist leicht. Denn mehr falsch machen als der Ex-Trinker aus Texas kann ein US-Präsident einfach nicht. Deshalb würde es auch unter einem Präsidenten McCain zu jeder Menge Change kommen. Wer wird aber vom Wandel profitieren? In jedem Fall nur US-Amerikaner. Im besten Fall werden sich – trotz der Wirtschaftskrise, die ihr volles Ausmaß noch nicht angenommen hat – die wirtschaftlichen Verhältnisse für die unter G.W.Bush verarmten Schichten verbessern.
Selbst der von Obama mal mehr, mal weniger geforderte Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und dem Irak hat im Wesentlichen innen- und wirtschaftspolitische Bedeutung. Es geht nicht darum. Weltfrieden zu erreichen, sondern die astronomischen Kosten des Militärs zu senken und das Sterben von US-Boys zu beenden. Der Rest des Programms ist Kleinkram und unterscheidet sich wenig von dem, was Hillary Clinton vertreten hat und John McCain vertritt.
Obama für Deutschland
Dass der junge Barack zur Zeit eine Welttournee unternimmt, hat vor allem damit zu tun, dass ihm die Meinungsmacher in den USA wenig in Sachen Aussenpolitik zutrauen. Sein gestriger Auftritt in Israel diente einzig und allein dem Ziel, jüdische Wähler auf seine Seite zu ziehen. Warum er aber nun mit großem Tamtam Station in Berlin macht, ist schwerer zu erklären.
Betrachtet man den Vorwahlkampf des afroamerikanischen Juristen genauer, wird man feststellen, dass die Obama-Kommunikation immer ausgesprochen symbolisch abläuft. Viele seiner Auftritte waren geprägt durch das Anlehnen an historische Bilder. Oft hat Obama in Kleidung, Körperhaltung, Gestik und Mimik John. F. Kennedy imitiert. Aber auch in andere Rollen schlüpft er gern – wenn er sich zum Beispiel in einer schwarzen Vorstadt in Hemdsärmeln zeigt. Ob er heute in Berlin wieder auf den Kennedy-Kult abhebt, bleibt abzuwarten. Es könnte aber auch genauso gut sein, dass sein Auftritt auf der Fanmeile eher eine Reminiszenz an die legendäre Rede des B-Präsidenten Reagan vor dem Brandburger Tor mit Guckloch wird. Möglicherweise wird Obama das Ereignis tatsächlich für Appelle an Russland und China nutzen.
Wenn er das tut, dann ist Berlin tatsächlich der richtige Platz dafür – zumindest im Verständnis der Amerikaner. Denn die Rolle Berlins an der Nahtstelle zwischen Ost und West ist dort nicht vergessen. Immer noch erinnern sich ältere Wähler daran, dass Berlin einst das Symbol der so genannten “freien Welt” war und die Ostgrenze zum Reich des Bösen bildete.
Dass die Bundesregierung und der Berliner Senat dem Präsidentschaftskandidaten diese Bühne bereiten, ist verständlich. Merkel und andere hoffen, das ein bisschen vom Glanz des jungen Modernen auf sich fallen möge. Tatsächlich wirken deutsche Politiker – zum Beispiel dieser Steinmeier – im Vergleich zu Obama geradezu wie Dinosaurier. Und das obwohl auch sie es inzwischen aufgegeben haben, in der Öffentlichkeit zu argumentieren und statt dessen bestrebt sind, Bilder zu produzieren, die ihnen persönlich nutzen. Nur sind sie darin um so viel schlechter als der Mann, der sich anschickt, erster halbschwarzer Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.
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Charisma ohne Ende, windschnittig, smart… ein echtes Politiker-Top-Modell dieser Obama. Quasi-Staatsempfang und Medien-Hype für einen noch nicht einmal offziell benannten Präsidentschafstkandidaten. He knows precisely how to pull the right strings! In seinem “Glanz” werfen die deutschen Provinzpossler lange Schatten. Da fällt nix ab! Tante Angela und Onkel Steinmeier im vorauseilenden Gehorsam gegenüber ihrem (so schön titulierten “designierten”)zukünftigen Cheffe. Fordert klar mehr Soldaten in das Hiergibtesnichtszuholenland Afghanistan. Keiner gemerkt? Würde mich interessieren, wie “dat Hillary” hier empfangen worden wäre. Würde mich noch mehr interessieren, was passiert, wenn die Amis (denen politisch alles zuzutrauen ist) trotzdem “däm McCain” wählen täten. Nahles…, geh’ heulen!
Ich glaube, ich hätte gerne mal Mahatma Ghandi getroffen.
PS an Rainer: Während der Speech-Übertragung im BBC lief ein Nachrichtenband “Ford announces heavy losses on SUVs and trucks” durch’s Bild. Sind deine/meine Hassobjekte im Staßenbild jetzt vom Aussterben bedroht??
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[...] Bei Obama waren das gestern die Wörter “Walls” und “Bridges”. Wie prophezeit bezog er sich deutlich auf den Reagan’schen Satz “Mr Gorbatchev, tear down this [...]
@Raf: Zu den Essjuwies gibt’s morgen was ;–))
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