Jetzt Urlaub am Rande der Dänemark
Hach, ja, das ist ein so schönes Wort: Sommerfrische. Das schmeckt nach Kindheit, nach Bürgerlichkeit, einfach nach früher. Und es passt so für uns Städter, die wir im Sommer der heißen, staubigen Metropole entfliehen, um die Lungen frisch zu halten. Klar dass man als Düsseldorfer in die Sommerfrische nur an die Nord- oder Ostsee reisen kann – natürlich gern auch in den Niederlanden oder Dänemark. Wir haben uns für Nordfriesland entschieden. Wo die Orte am Ende -büll heißen, -horn oder -holm. Wo meine Stiefoma in den fünfziger Jahren mit einem Mann zusammenlebte, den wir Opa Ernst nannten. Natürlich heirateten die beiden nicht; sie bezogen ja jeder eine eigene Rente. Der Ort hieß Osterschnattebüll, und den will ich in diesem Sommer nach rund 25 Jahren mal wieder besuchen und sehen, was sich verändert hat. Mit dem Fahrrad wird das vom Ferienhaus maximal eine halbe Stunde dauern. [weiterlesen...]
Wie es kam, dass unser Vater einen Fernsehapparat kaufte
Wir stammen aus komplizierten Familienverhältnissen, ja, aus teilweise ungeklärten Verhältnissen. Mein Vater wurde 1923 in Stettin geboren und hatte zwei Brüder: Harald, der ältere, und Hans-Joachim, der jüngere. Der leibliche Vater war Maurer und aktiver Kommunist. Die Familienlegende sagt, dass er bereits im Mai 33 “verschwand”. Das erzählte Tante Käthchen in Wattenscheid; die war in den fünfziger Jahren KPD-Mitglied und nebenbei Kettenraucherin. Ich nehme an, die war die Schwester meines Großvaters. Die Mutter der Jungs war bereits gestorben, und so zog eine Stiefmutter die Jungs groß. Diese Stiefmutter nannten wir “Oma”. Sie war nach dem Krieg in Nordfriesland gelandet und lebte ab etwa 1956 mit Onkel Paul zusammen in einem Ort namens Oster Schnatebüll. Dieser Onkel Paul war ein Ostpreuße wie er im Buche steht und von Beruf Sattler. Auf dem Grundstück seines Häuschens stand auch die Werkstatt; ein Holzhaus, in dem es nach Leder roch. [weiterlesen...]
Menschen und Zeitgeist - die frühen Sechziger
Über dieses Dia gibt es nicht viel zu erzählen, denn es gehört zu den Fotos vom Rosenmontag 1961, die mein Vater an der Ecke geschossen hat, wo wir uns den Zoch traditionell angesehen haben. Spannend sind, finde ich, aber die Menschen auf dem Bild, die auf die eine oder andere Weise dem Zeitgeist entsprechen. Das fängt mit dem Polizisten am linken oberen Bildrand an, der noch den typischen Tschakko trägt. Und das geht mit den beiden Backfischen vorne rechts weiter. Am Polizeiauto lehnt eine junge Frau, der man damals vermutlich das Etikett “halbstark” verliehen hätte. Dann sind da die pausbäckigen Kinder (eins davon bin ich…) und der alte Mann – zu dem Zeitpunkt ungefähr 60 Jahre alt, also einer, der den Krieg überlebt hat. [weiterlesen...]
Sozialistische Jugendverbände bringen Kindern Brot & Spiele
Mein Vater war bestimmt n Soze… Wenn’s nach seiner Herkunft gegangen wäre, hätte er sogar Kommunist sein müssen damals in den späten Fünfzigern. Tatsächlich war er der klassische Aufsteiger, der sich durch Fleiß und Anpassungsfähigkeit ins Bürgertum hocharbeiten wollte. Sein früher Tod mit 43 Jahren verhinderte die Umsetzung. Ich erinnere mich noch recht lebhaft an die politischen Diskussionen in jenen Jahren. Man war ja praktisch jedes Woche irgendwo bei der Verwandtschaft oder bekam Besuch. Nach dem Kaffeetrinken kamen die Likörchen für die Damen (Echte Kroatzbeere, Verpoorten Eierlikör etc pp) auf den Tisch, und die Männer nahmen die ersten Schnäpse. Später gab’s Abendbrot und Bier. Dabei wurde politisiert. Ganz lebhaft vor Ihren habe ich noch eine heftige Debatte zwischen meinem Vater und unserem Nachbarn, Herr Fischer. Der hatte sich – es muss im Jahr 1958 oder 1959 gewesen sein – bei der Bundeswehr beworben. Mein Vater machte ihm Vorwürfe: “Mensch, Hans, sei doch froh, dass du den Krieg überlebt hast. Wie kannst du noch mal den grauen Rock anziehen wollen?” [weiterlesen...]
Über den Wolken muss die Freiheit...
Wie schon erwähnt stammt meine Mutter aus dem ostpreussischen Tapiau, einer kleinen Kleinstadt am Zusammenfkuss von Pregel und Deime, die dadurch weltberühmt ist, dass hier der große Maler Lovis Corinth geboren wurde. Ihr Vater war Beamter und arbeitete als Gärtner bei der ansässigen Klinik für psychisch Kranke. Die Großmutter war Masurin und soll von sich selbst gesagt haben: “Nu, ech ben en ächtes Trakehner Jeblüt”. Meine Mutter war die Jüngste von sieben Geschwistern. Die uneheliche Tochter ihrer ältesten Schwester (Oh, welche Schande!) lebte als achtes Kind in der Familie. Sie war zwar die Tante meiner Mutter, aber ein paar Monate jünger als diese. Die Großmutter war immer hin schon 44 Jahre als meine Mutter als Nesthäkchen geboren wurde. Nicht ungewöhnlich für ein Mädchen des Jahrgangs 1921 in der Provinz ist die Tatsache, dass meine Mutter lediglich vier Jahre Volksschule als Ausbildung vorzuweisen hatte. Vermutlich absolvierte sie diese zwischen Ostern 1928 und Ostern 1933. Mit 14 kam sie dann – wie man damals sagte – in einen Haushalt, wurde also sozusagen Haushaltshilfe ohne Ausbildung. [weiterlesen...]
Das Foto zum Vatertag
Seit über 40 Jahre wünsche ich mir, ich hätte einen Vater, dem ich zum Vatertag gratulieren könnte. Oder: Mit dem wir, seine Söhne, die inzwischen auch Väter sind, diesen Tag feiern könnten. Natürlich vermisse ich meinen Vater auch an anderen Tagen im Jahr. Zum Beispiel ganz oft, wenn ich im Stadion stehe und die Fortuna anfeuere. Er hat mir ja schließlich diesen Virus eingepflanzt und uns zum Fußball mitgenommen als wir noch ganz klein waren. Er wäre im vergangenen Oktober 86 Jahre alt geworden. Wenn er noch leben würde und noch halbwegs fit, dann würde ich ihm zuliebe sogar auf die Sitzplatztribüne gehen – und das will was heißen. So lange ich halbwegs erwachsen bin, habe ich ihn immer dann vermisst, wenn ich vor einer schweren Entscheidung stand. Ich hätte gern gehört, wie er die Sache gesehen und was er mir geraten hätte. Besonders schlimm war es an meinem 44. Geburtstag, weil ich an dem Tag älter erstmals älter war als mein Vater es je wurde. Die Bilder dieser Serie sind ein wichtiger Teil seines Vermächtnisses. Viel mehr hat er uns nicht hinterlassen – ein paar Liebesbriefe an unsere Mutter aus den frühen Jahren, viele Schwarzweißfotos und natürlich viele Erinnerungen an Spaziergänge, Familenfeste, Urlaubsreisen und so weiter. Das heutige Dia ist eines der letzten Fotos [Klick aufs Bild macht's groß], das von ihm aufgenommen wurde. [weiterlesen...]
Wie die Kumpels aussem Pott die Bazis am Leben hielten
Mir bis heute unklar, was unser Vater an Bayern gefressen hatte. Statt nach Oberaudorf oder so wären wir Kinder allesamt lieber nach Katwijk oder Westerland in Ferien gefahren. Aber irgendwie hatte es unser alter Herr mit den Bergen. So kam es, dass von sechs oder sieben Familienurlaubsreisen alle in den Süden Deutschlands führten – einmal an den Bodensee, einmal ins Altmühltal und ansonsten immer nach Oberbayern. Als Kinder einer quirligen, modernen Stadt – und das war Düsseldorf in den frühen sechziger Jahren ja schon – kamen und Land und Leute da untent komisch vor. Allein schon die Sprache. Einmal hatte wir auf einem Bauernhof gebucht und wurden bei der Ankunft von einem blonden Buben mit enormer Hasenscharte begrüßt. Wir fragten auch nach seinem Namen. “Fikkelnöchl” röhrte er. Und wir waren ratlos. Später stellte sich heraus, dass er “Firkel” gerufen wurde und die Bauernfamilie Neuchel hieß. Wofür aber Firkel als Abkürzung oder Koseform stand, haben wir nie erfahren. [weiterlesen...]
Ich hab den Vater Rhein in seinem Bett gesehn...
Wie schon öfters erwähnt: Mein Vater war von 1955 bis zu seinem viel zu frühen Tod mit nur 43 Jahren im Sommer 1967 Angestellter der Düsseldorfer Hirschbrauerei, der Firma, die damals mit dem Düssel Alt eines der erfolgreichsten Biere der Region braute und vertrieb. Der Erfolg der Brauerei hatte seine Ursache sicher auch in der großen Bereitschaft des alten Päffgen, Kooperationen einzugehen. Über die Kontakte zu den Münchner Brauhäuser habe ich ja hier schon berichtet; wie die Hirschbrauerei mit Stella Artois kooperierte, wird noch zu berichten sein. Sehr eng war der Kontakt aber vor allem zur Brauerei Königsbacher. Das führte letztlich dazu, dass Königsbacher nach einer langjährigen Vertriebspartnerschaft die Hirschbrauerei übernahm als diese in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. [weiterlesen...]