Ein persönliches, autofreies Mobilitätskonzept
Dass das Befördern einzelner Menschen mittels Personenkraftwagen (Pkw; im Folgenden kurz “Auto”) unter rein rationaler Betrachtung ein völlig absurdes Mobilitätskonzept ist, darüber dürfte es keine zwei Meinungen geben. An den Argumenten gegen den motorisierten Individualverkehr hat sich seit der ersten Ölkrise von 1973 wenig geändert. Die Blechkisten verbrauchen wertvolle, natürlich und begrenzt vorhandene Ressourcen, erzeugen bei der Verbrennung jede Menge gesundheitsschädlichen Krach sowie allerlei giftige Abgase, sind in den Händen mancher Fahrer Mordinstrumente, töten Jahr für Jahr um die 4.500 Menschen, machen weitere rund 400.000 jährlich zu verletzten Opfern und brauchen zum Rumfahren und Rumstehen insgesamt fast 41 Quadratkilometer [1]. Beginnen wir mit diesem Wert. Das entspricht etwa 55.800 Fußballfeldern. Zum Vergleich: Die Summe der Wohnflächen in Deutschland betrug in 2008 rund 3.460.000.000 Quadratmeter. Um den Autoverkehr mit weiteren Flächen zu versorgen, werden jährlich durchschnittlich rund 100 Hektar zusätzlicher Boden mit Beton und Asphalt versiegelt. Das ist der Preis dafür, dass rund 60 Millionen Deutsche sich das Privileg nehmen, auf Kosten der Umweltqualität und der Lebensqualität anderer Menschen nach Belieben von A nach B zu kariolen. Mir ist das schon lange klar, aber trotzdem habe ich über 37 Jahre lang den Wahnsinn mitgemacht. Damit ist jetzt Schluss! [weiterlesen...]
Hip und cool nur ohne Auto
Nein, das wusste ich nicht: Die Demotorisierung erfasst immer mehr junge Menschen.
Vor allem in den Städten macht sich der Trend bemerkbar. Kein Wunder, denn gerade hier lassen verstopfte Straßen, ewige Parkplatzsuche und brauchbare Carsharing-Angebote das eigene Auto zunehmend unattraktiv werden. Das zeigt auch die aktuelle Ausgabe der Jugendtrendstudie “Timescout”. 75 Prozent der 20-29-jährigen Befragten besitzen einen Führerschein, aber 45 Prozent fahren nur selten, und 80 Prozent erklären gar, dass man in der Stadt wegen des öffentlichen Verkehrs überhaupt kein Auto brauche. In Japan hat die Einstellung schon einen Namen: “kuruma banare”, übersetzt etwa Demotorisierung. Dort definieren sich junge Leute längst über ihr Smartphone oder Netbook – und nicht mehr übers Auto. [Quelle: SpOn vom 07.08.2010]
Warum die Mobilität mit Elektroautos ein Irrweg ist
Dieser Tage ging ich mit dem Hund durch eine stille Seitenstraße. Plötzlich hörte ich ein sanftes Geräusch. Es war so sanft, dass die ansonsten eher nervöse Töle nicht mal die Ohren aufstellte. Ich drehte mich um und erschrak: Hinter kreuzte ein kackbraunes Monster den Fußgängerüberweg, den wir gerade hinter uns gelassen hatte. Es handelte sich um ein Fahrzeug des berüchtigten Paketdienstes UPS. Und zwar eines mit Elektromotor. Der ist bisher ja nur durch seine vorwiegend rüpelhaften Chauffeure aufgefallen. Nun das. Und ich dachte so bei mir: Mönsch, das ist aber doch klasse, dass die jetzt abgasfrei durch die City kariolen! Dann las ich die Meinung von Greenpeace, dass das Elektroauto ein kolossaler Flop werden wird, und begann nachzudenken. Einerseits, dachte ich, ist es ja ein Segen, wenn die Innenstädte nicht mehr mit dem Verbrennungsdreck von Benzin- und Dieselmotoren verseucht, aber andererseits wird mit E-Autos die umweltmordende Energieerzeugung ja nur verlagert. [weiterlesen...]
Der wahre Grund für des Menschen Autoverehrung
Der sehr geschätzte Kollege Mark793 hat mich dankenswerterweise auf diese Folge des SWR-Magazins “Odysso” aufmerksam gemacht. In ihr wird der mehr berüchtigte als berühmte Verkehrsforscher Hermann Knoflacher vorgestellt, den man getrost einen Autohasser nennen kann – also einen Bruder im Geiste. Tatsächlich hatte ich mich vor mehr als zehn Jahren schon einmal mit ihm befasst, die Sache aber ganz vergessen. Ausgangspunkt war damals ein Interview im Spiegel. Darin sagte er solche Wahrheiten wie:
Kein mechanisierter Verkehrsteilnehmer zahlt heute die echten Kosten. Die Nutzung öffentlichen Raumes für das Auto ist praktisch gratis, während die Primärbedürfnisse des Wohnens immer teurer werden. Allein das Parken in innerstädtischen Gebieten müßte bei Anwendung marktwirtschaftlicher Prinzipien heute 700 bis 800 Mark pro Monat kosten. Würde man die Einkommensrelation der fünfziger Jahre auf heute umlegen, müßte der Liter Benzin zehn Mark teuer sein. Tatsächlich müßte mit Körperenergie “bezahlt” werden. [Quelle: Spiegel Special von 9/1997]