Die Legende von der "ewigen" Rivalität der Rheinmetropolen
Jeder Düsseldorfer, der einigermaßen fit in Heimatkunde ist, glaubt an die Legende: Die Düsseldorfer kamen in der Schlacht bei Worringen im Jahr 1288 den armen Worringer Bauern zur Hilfe und erhielten zur Belohnung dafür vom Grafen Adolf von Berg die Stadtrechte. Aus dieser Konfrontation entstand die bis heute andauernde Konkurrenz zwischen den beiden rheinischen Städten, die ja nur gut 40 Kilometer von einander entfernt sind. Falsch. Alles falsch. Wenn man alle Quellen – und es gibt genug fundierte Untersuchungen – durchforstet, dann stellt sich die Situation vor, während und nach der Schlacht bei Worringen anders dar. Es ging um einen regional begrenzten Machtkampf zwischen Brabant und dem Erzbischof Köln als Stellvertreter für Rainald von Geldern, der wiederum seine Gebietsvertretung an die Herzöge von Luxemburg abgetreten hatte. [weiterlesen...]

Die Plakatverticker sind ganz offensichtlich die schlitzohrigsten unter den Werbefuzzis, die dazu neigen, Kunden zu verarschen. Okay, mag sein, dass auch der eine oder andere Marketingverantwortliche eines Unternehmens so blöd ist, Außenwerbung für hilfreich zu halten. Dieses Fundstück schlägt aber alles. In Düsseldorf-Oberbilk, einem eher proletarischen Viertel, das durch die Abwesenheit nennenswerter Großunternehmen – das Finanzamt Düsseldorf-Süd auf der Kruppstraße mal ausgenommen – glänzt, hängen seit Tagen mindestens zwei (mehr habe ich nicht gefunden) Achtzehneintelplakate, die für IT-Schutzschränke der Firma Lampertz werben. Das eine klebt in der taubenverschissenen Unterführung am S-Bahnhof Friedrichstadt, das hier abgebildete im Gebüsch an der Mauer des TuRU-Fußballplatzes am Hennekamp. Die Firma Lampertz macht Reklame, weil demnächst CeBIT ist.
Mein noch gesunder Menschenverstand sacht mir, dass ja so ein Großplakat vorbeigehende und -fahrende Menschen darauf aufmerksam machen soll, dass es ein bestimmtes Produkt gibt und dass dieses superklasse ist. Da es im Marketing ja den Fachbegriff “Zielgruppe” gibt, erwartet man, dass an einem solchen Plakat genau die Mitglieder der Zielgruppe vorbeikommen. Mit anderen Worten: Wer auch immer die Firma Lampertz da verarscht hat; er/sie hat es geschafft denen einzureden, haufenweise IT-Sicherheitsentscheider würden tachtäglich die Oberbilker Allee entlang düsen und an der öden Stadionmauer vorbeiflanieren. Kann natürlich sein, dass ein Herr Lampertz sich seiner eigenen und der Bedeutung seines Unternehmens vergewissern möchte, indem er seinen Schrank plakatieren lässt. Nun gehört die Lampertz GmbH aber zur weltberühmten Friedhelm Loh Group, und es gibt anscheinend keinen nennenswerten Herrn Lampertz. Da die Unternehmung ihre Sitz im rheinland-pfälzischen Hof hat (Oh, du schöhöner Wehesterwald…), scheidet auch die Version aus, dass sich einer der Entscheider beim Vorbeifahren oder -gehen an den Plakaten einen runterholt vor Stolz.
Ich hatte dieser Tage über die Plakate für die Firma LAMPERTZ berichtet und darüber nachgedacht, wer schuld sei, dass die mittelständische Firma aus dem schönen Westerland, die Sicherheitsschränke baut und vertickt, für sinnlose Außenwerbung Geld ausgegeben hat. Nun hat sich ein Unternehmen per Mail bei mir gemeldet, dass alles zugibt. Interessant ist vor allem deren Diktion und Wortwahl – Beispiel:
“Wir sind es leid, dass so kleinkarierte Spießer, die von unserem Medium nachweislich gar nichts verstehen, meinen mit Dreck werfen zu müssen.”
Nun gut, auf meine vielen Jahre mit Tätigkeiten im Bereich des Marketings bin ich nicht besonders stolz, aber so ein kleines bisschen verstehe ich schon was davon. Aber das konnte der vom Firmenbos vorgeschobene Sprecher nicht wissen. Der meint mir mit Marketing-Sprechblasen imponieren zu können:
“…wir scheuen uns nicht Ihnen hiermit mitzuteilen, das wir diejenigen sind, die das Unternehmen LAMPERTZ mit einer out of home-Kampagne aktuell auf die Straße bringen.”
Mal abgesehen von den Deppenleerzeichen bei der Aktionsform; dass jemand sich rühmt, ein Unternehmen auf die Straße zu bringen, hat schon irgendwie was von Rotlicht. Aber der Absender weiß noch mehr:
“Ihnen aber nun die anerkannte Mediawährung G-Wert zu erläutern, obliegt uns nicht.”
Weit geöffnete Schlafzimmerfenster sollten helfen, die Temperatur im Schlafzimmer endlich unter 25 Grad zu bringen. Sie gehen nach hinten raus. Das Innere des Häuserblocks ist ein Dachlandschaft: Garagen gehen in Büroztakte über, Anbauten der Häuser stoßen an Produktionshallen und Werkstätten. Zwischendrin kleine Innenhöfe, an den Rändern Parkplatzhöfe. Die Balkone einiger Wohnhäuser grenzen direkt an solche Dächer, sodass man einfach über die Brüstung steigen und auf den Flachdächern spazieren gehen kann.
Gegen halb sechs höre ich im Halbschlaf Stimmen, so nah, als stünden die Sprecher direkt vor den Schlafzimmerfenstern. Ein Wachtraum beginnt, der die Erzählung eines Freundes refelektiert. Der berichtete, dass er einmal vor einem zudringlichen Typen abgehauen ist, der ihm nach einer durchzechnten Party Obdach gewährt hatte. Er kletterte über die Balkonbrüstung und sprang eher unfreiwillig drei, vier Meter in die Tiefe. Aus dem Hof kam er nicht heraus, alle Türen waren abgeschlossen. Also kletterte über die Mauer zum Nachbarhof, überwand noch eine Trennmauer und landete schließlich im Schlafzimmer einer Souterrainwohung, durch die hindurch er auf die Straße kam.
Die eine Stimme fragte “Andrea, wo bist du?” Eine männliche Stimme sagte etwas wie: “Die muss da lang gelaufen sein.” Dann sagte die Frau: “Au, Scheiße, das darf doch nicht wahr sein! Oh, Kacke…” Später: “Ich hole Hilfe.” Der Hund wurde unruhig und weckte mich. Stimmen aus dem Innenhof. Direkt unter dem Balkon, ein wenig weiter im Häuserblock und ein Stück rechts erstreckt sich ein Hallendach aus diesen typischen, gewellten Eternit-Elementen. Alle zwei Meter ist ein transparentes Stück Acrylglas eingelassen. Auf dem Mäuerchen, das dieses Dach von der angrenzenden Halle trennt, steht der Nachbar, neben ihm ein Feuerwehrmann in voller Ausrüstung. Das äußerste rechte Acryl-Element hat ein Loch, davor hockt ein Mann in kurzen Hosen und spricht mit einer Person, die sich offensichtlich in der Halle darunter ist.
Wie es dazu kam, dass Steinhöfel mal sehr sauer auf Rainersacht wurde...
Update vom 01.06.2006: Nach ziemlich genau fünf Monaten haben so’n paar Anwälte diesen Beitrag entdeckt. Das haben sie mir mitgeteilt. Ich soll dies & das unterlassen. Hab ich gemacht. Das was ich unterlassen soll, habe ich aus diesem Beitrag rausgenommen.
Nun ließe sich ja einwenden, dass niemand gezwungen ist, sich TV-Werbespots anzuschauen. Man könne ja auf die öffentlich-rechtlichen Sender und das Bezahlfernsehn ausweichen. Schon richtig, aber manchmal möchte man zum Beispiel auf VOX einfach nur in Ruhe eine Lieblingsserie (Hurra! Seit gestern läuft die vierte Staffel von ‘Six feet under‘!) sehen – und wird prompt mit dem Reklamewahnsinn konfrontiert. Ach ja, sagen manche, die Werbefuzzis, immer lustig. Klar, immer auf Koks. Und dann kommt etwas dabei heraus, dass sich durchaus als optisch-akustischer Terror bezeichnen lässt: Die ‘Wir holen den Titel’-Kampagne für den Mediamarkt.
Der Terror hat drei Gesichter, die wahrscheinlich ************************ im deutschen Fernsehen (okay, von Moik mal abgesehen, aber mit der *********** geht’s ja grad zu Ende…), von denen zwei ihre Opfer schon anderweitig gequält haben: Pocher und Steinhöfel. Steinhöfel sieht ******* aus, hat ein extrem unangenehme Stimme und ist bis dato hauptsächlich durch dummdreistes Passantenanquatschen negativ aufgefallen. Zudem hält sich der geborene Anwalt für den perfekten Medienstar. Notorisch geworden ist er *********************************** und eine Haltung, die mit politisch unkorrekt noch milde umschrieben ist. Steinhöfel ist ganz offensichtlich ein zynisch-neokonservatives *********.
Oliver Pocher ist dagegen der Typ, der von seinen Schulkameraden insgesamt ein bisschen zu selten mit dem Kopf nach unten ins Klo getaucht wurde. Weil das so ist, sucht er ständig nach Gelegenheiten, von wildfremden Leuten in die Schüssel getunkt zu werden. Pocher ist nicht lustig sondern nur völlig ungebildet und ohne jedes Benehmen. Ein sinnloser Schnösel (wie Steinhöfel aus Hannover – die Leinestadt sollte mal über Ausbürgerungsverfahren nachdenken), der systematisch Menschen beleidigt und trotzdem nie an das (allerdings auch nur kölsche Metzgerniveau erreichende) Format eines Stefan Raab herankommen wird.
Dritter im Bunde ist ein gewisser Ronald Nitschke, der diesen Scheiß eigentlich nicht tun sollte, weil er als Theaterschauspieler, Darsteller in Tatort-Krimis und Synchronstimme von Tommy Lee Jones, Bruce Willis und Matt Dillon doch eigentlich einen guten Ruf hat.
Nun ja, die Jungs sind jung bis mittelalt und brauchen das Geld. Auch wenn sie für den unsäglichen Scheiß der TV- und Radiospots nicht direkt verantwortlich sind, so tragen sie doch Mitschuld. Käme es zu einer Revolution, stünden dagegen die “Kreativen” der Agentur Kemper Trautmann als erste an der Wand. Und zwar wegen erwiesener Volksverblödung und Aufforderung zum entfesselten Konsum. Gut, der letztgenannte Tatbestand trifft auch auf die restlichen Werbekokser zu, besonders die ‘Geiz ist geil’-Attentäter. Aber die Reklamefinken von Kemper Trautmann haben sich noch auf weitere Art schuldig gemacht: Ihr Slogan ‘Wir holen den Titel’ ist Missbrauch von fußballerischemn Kulturgut und die Schaltfrequenz der Spots steigert den Werbewahnsinn rund um die Fußball-WM auf ein Maß, dass einem jeder Spaß am Turnier der besten völlig abhanden kommt.
Kommen wir zu der Instanz, die sich am strafbarsten gemacht hat: den Mediamarkt selbst. Geschäftsmodell dieser ************************ ist es, Menschen mit kaum ausreichenden Einkommen Elektronikscheiß zu verticken, mit dem die entweder nicht umgehen können oder den sie nicht brauchen. Es sei denn, dem gemeinen Hartz-IV-Empfänger stünde ein Flat-LCD-TV moralisch zu. In dieselbe Zelle schlösse man nach der Revolution die anderen einschlägigen Banden ein – von Saturn über Promarkt bis zu MediaMax. Niemand braucht in seinem 12-qm-Wohnklo eine Dolby-Surround-Anlage! Hört ihr! Kein Mensch braucht gleichzeitig Sony PS2, DVD-Player und Hifi-Anlage! Ihr zwingt die Leute zu Ausgaben, die sie nicht verkraften.
An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich unbedingt mal recherchieren muss, was genau Herrn Baader und Frau Ensslin am 2. April 1968 dazu getrieben hat, Frankfurter Kaufhäusern mit Brandbomben zu verzieren. Hat irgendwas mit Vietnam und Konsumterror zu tun. Und eigentlich entwickelt sich die Sache im Irak ja so ein bisschen in Richtung Vietnam.
“Die meisten Redakteure, die ich kenne, verachten das Publikum und sagen das auch ganz offen. Es ist ihnen scheißegal, welche Trottel sie beim Promi-Ochsenrennen oder -Schweinereiten zum Affen machen. Bei Erfolg haben die Verantwortlichen eine Woche lang eine Dauererektion und lachen über die Dummheit der Zuschauer. Wenn es daneben geht, lachen sie sich am nächsten Tag darüber kaputt, wie scheiße ihre eigene Sendung war. Mit Liebe hat all das leider schon lange nichts mehr zu tun.”
(Quelle: Vanity Fair via Anke Groener – zum Lesen des ganzen Interviews, aus dem das Zitat stammt, oben rechts auf “Leseprobe” klicken, das Heft öffnen und im Inhaltsverzeichnis den Beitrag über Pastewka und Kalkofe anwählen.)
Nun wissen wir ja leider ausgesprochen wenig über die sexuelle Orientierung und Aktivität des Metzgersohns aus dem Kapellenstädtchen, der seinen Arschlochbart trägt als wär’s ne Auszeichnung, und können deshalb über die von Oliver Kalkofe angesprochene Latte im Falle des Raabs nur spekulieren. Dass dieser Typ mit dem Händchen für den Massengeschmack, denn Herrn der Fliegen also, sein Publikum verachtet, ist unwahrscheinlich. Dafür unterscheidet sich sein Niveau zu wenig von dem der Leute, die sich seinen Kram angucken.
Ich komm da drauf, weil ich gestern in einem massiven Anfall von geistiger Windstille beim Zappen nach einem aufwühlenden Tag (der u.a. eine Diskussion über die Auswirkungen der Heisenberg’schen Unschärferelation und Schrödingers Katze auf die Theorien des Ken Wilber beinhaltete…) bei einer Raab’schen Sendung landetet, deren Sinn ich durchgehend nicht verstand.
Ein gnädiges Schicksal hatte mich aus einem Kunststudium mit anschließender Sekretärinnenausbildung in die Position des Chefredakteurs einer bedeutenden Computerzeitschrift geworfen. Das war 1985. Ich war Vater eines vierjährigen Sohns, und dessen Mutter war schwanger. Eine glänzende Karriere in einer jungen, wilden Industrie schien vorgezeichnet. Es gab nur wenige Insider, und ich hatte das Glück, alle wichtigen Personen der Kleincomputerei persönlich kennen zu lernen: von Chuck Paddle, dem Schöpfer des C64, über Jack Tramiel, den finsteren Atari-Boss jener Jahre, bis zu Yoghi Tandon, dem Erfinder der Festplatte. 1987 war das Jahr, in dem sich hierzulande die Fans des Atari ST und des Commodore Amiga bis aufs Blut bekämpften und nicht sahen, dass die Zukunft nur dem PC und dem Mac gehörten.
Mein Herausgeber genehmigte die Dienstreise zur Comdex Fall nach Las Vegas, die vom 1. bis zum 6. Novemver stattfand. Wie aufregend. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich nur einmal in die USA gekommen. Eine surreale Reise nach Pittsburgh im Jahr 1981, wo ich Fakten für einen PR-Artikel über einen Stahlkonzern recherchieren sollte. Ich landete frühmorgens in Philadelphia. Man holte mich mit einem weißen Van mit abgedunkelten Scheiben ab, brachte mich auf das Gelände des Stahlwerks und führte mich in einen fensterlosen, klimatisierten Raum. Dort kümmerte sich ein PR-Manager um mich, der in dunklem Anzug mit kurzgeschorenen Haaren aussah wie ein CIA-Agent. Im Stundenrhythmus wurden Leute hereingebracht, mittags gab’s Sandwiches. Ich führte Interviews und sichtete Unterlagen. Gegen sechs Uhr Ortszeit war Feierabend. Ich freute mich auf ein Bier an der Hotelbar und ein bisschen US-TV. Stattdessen brachte mich der Van zurück zum Flughafen Philadelphia. Dort lag ein Ticket für mich bereit. Ich musste noch dreieinhalb Stunden warten bis der Flug ging. Nach 26 Stunden war ich wieder zu Hause.
Ach, du weißt NICHT, was Second Life ist? Wochenlang keine Zeitung gelesen? TV boykottiert? Internet kalt gelassen? Denn wer in den vergangenen sechs Wochen ein Auge auf die Medien hatte, der konnte Second Life nicht entgehen. Second Life ist ein MMORPG, das so tut, als sei es eine Simulation des echten wahren Lebens – also ein Computerspiel, das man im Internet spielt. Beschreiben lässt sich SL (so die von Insidern gern in Real-Life-Konversationen eingestreute coole Abkürzung: “Du, gestern hab ich im SL doch tatsächlich den Avatar von Campino kennen gelernt…”) ganz grob so: Wenn man Mitglied geworden ist, dann kriegt man einen virtuellen Doppelgänger (Avatar), den man gestalten kann, für den man Sachen kaufen kann und mit dem man anderen Avataren begegnen kann. Außerdem kann man in SL Sachen kaufen und verkaufen. Wenn man richtig doll verkaufen will, muss man einen Mitgliedsbeitrag bezahlen. SL ist nix anderes als die Simulation des entfesselten Turbokapitalismus mit 3D-Grafik.
Die Berichterstattung über SL – besonders in den von dummen & faulen so genannten “Journalisten” vollgeschmierten deutschen Medien – war und ist sehr freundlich. Was nicht darauf schließen lässt, dass SL ne tolle Sache ist, sondern dass die Macher von SL viiiiiiel Geld für PR ausgeben. Übrigens: Die Macher von Second Life, das sind die Jungs eines Unternehmens namens Linden Lab, ein Haufen echt cooler Freaks, die einfach mal gucken wollten, ob man so was hinkriegt wie SL, ne, du…