Gibt es etwas, das mehr für die Kraft des Proletariats steht als die Kultur der Bergmänner? Und wenn das nicht auf die Kumpel im Pott zutrifft, dann doch sicher auf die Miners in den Kohlerevieren Englands. Schon Friedrich Engels hat in “Die Lage der arbeitenden Klasse in England” in den 40er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts davon berichtet. Damals hatte sich der Bergbau in Durham und Northumberland, Yorkshire und Derbyshire, Lancashire, Südwales und Südstaffordshire zum Motor der Industrialisierung entwickelt. Natürlich wurden die Arbeiter heftigst ausgebeutet, aber mit der wachsenden Bedeutung ihrer Arbeit wuchs auch ihr Selbstbewusstsein. Und die Solidarität untereinander. Denn man arbeitet zusammen und lebte in Zechensiedlungen dicht an dicht miteinander. Ganz Städte wurden nur von Kumpels und ihren Familien bewohnt, eine eigene Kultur der Miners entstand rund um die Collierys. Und zu der gehört seit etwa 1830 die Blasmusik. [weiterlesen...]
Dass die Blasmusik im kommenden Jahr ein riesiges Revival erleben und zum überlebensgroßen Hype werden wird, der die Diskotheken und Clubs überschwemmt, daran kann kein Zweifel mehr bestehen. Denn immer mehr hippe und coole Menschen entdecken diese laute Musik für sich. Da stellt sich gleich die Frage nach der historischen Seite dieser Lautäußerung. Vermutlich fing alles mit dem ollen Moab an, der mit dem Krach seiner Trompeter die Mauern von Jericho zu Fall brachte (Nicht vergessen: demnächst 4020 Jahre Mauerfall von Jericho mit Thomas Gottschalk). [weiterlesen...]
Es ist Freitag, es ist Blasmusiktag. Kaum eine andere Art der Tonerzeugung ergibt so viele verschiedene Ergebnisse. Neben dem ganzen Blaskapellenkram aus dem militärischen und paramilitärischen Bereich muss man sich natürlich auch mit dem Jazz befassen – und das heißt bei Blechblasinstrumenten: mit New Orleans. Zum Angewöhnen hier eine Sequenz aus dem Film “Du Levande” (“Das jüngste Gewitter”), in dem die Lousiana Brass Band leise vor sich hin trötet, während es draußen donnert & blitzt. [weiterlesen...]
Es scheint so, als sei die Blasmusik die wahre universelle, weltweit akzeptierte Musik – und nicht diese Plastikerzeugnisse der Popindustrie. Denn Blaskapellen gibt es auch noch im letzten Winkel unserer schönen Erde. So auch in der Südsee, wo sich zum Beispiel auf Tonga die dortige Polizeikapelle mit der Beulah Brass Band zusammengetan hat, um einmal übers College-Gelände zu marschieren und dabei Bleckblasklassiker zu präsentieren. Das Ganze im ortstypischen Baströckchen.
Nähern wir uns der Blechblaserei mal aus einer anderen Ecke, aus einem Winkel der verrückten Welt des Humors. Prinzipiell kam die Bande dieses Komikers aus dem Dixieland-Jazz, aber bekannt wurden Spike Jones & the City Slickers. Dieser Haufen großartiger Musiker wurden in den 40er-Jahren in den USA weltbekannt für ihre eigenartigen Arrangements teils sehr bekannter Schlager und Gassenhauer. Der Spiritus Rector der Sache war natürlich der Herr Jones selbst, den der war von Hause aus Perkussionist. So kam es, dass man beispielsweise die Wilhelm-Tell-Overtüren gespielt auf Kuhglocken, Ballhupen und Holzwerk hört. [weiterlesen...]
Und schon isses wieder Blasmusik-Freitag. Natürlich wird auch in Japan geblasen! Da die erzjapanische Musik aber kein Blechblasinstrument kennt, orientieren sich die Nipponbläser immer an den verschiedenen globalen Formen. Diese bunte Truppe, die unter dem Namen “Crazy Angel Company” unter Brass-Fans Kultstatus hat, spielt daher alles auf den Röhren, was nicht schnell genug auffem Baum ist. [weiterlesen...]
Dass auch in Afrika schwer getutet wird, wundert nicht weiter, haben doch auch auf dem schwarzen Kontinent der böse Brite ihr heilloses Imperialistentum betrieben. Und wo immer er das tat, da hinterließ er auch Blechblasmusik. Im Benin verbindet sich die Tradition der englischen Kohlereviere aufs Feinste mit der typischen westafrikanischen Mucke, sprechende Trommeln inklusive. [weiterlesen...]
Wenn man erstmal ein Ohr für Blasmusik entwickelt hat, dann stößt man überall auf sie – zum Beispiel beim Anschauen eines Films, den man schon einige Male gesehen hat. Mir ging’s so mit Doris Dörries “Bin ich schön?“, wo die verschiedenen Handlungsstränge in einer Szenefolge kumulieren, die während der Hauptprozession der heiligen Karwoche (“Semana santa“) in Sevilla spielt. Während der Umzüge werden geschnitzte Comics (“Paso”) aus der christlichen Bildwelt durch die Gassen getragen. Begleitet wird jede Prozession von jeweils mindestens einer Blaskapelle. Diese spielt eine ganz spezifische, dramatische Musik… [weiterlesen...]