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Lauter weiße Mittelschicht-Sisyphosse...

Paul Auster: Sunset Park

auster_sunsetparkKann es passieren, dass sich ein Autor bei seinem Partner bzw. seiner Partnerin, der/die auch Schriftsteller/in ist, ansteckt? Beim neuen Roman von Paul Auster könnte man darauf kommen, dass der Mann mit dem lakonischen Stil ein bisschen zu viel Gefallen an den Texten seiner Frau, Siri Huvsted, gefunden hat. Denn zum ersten Mal weht ein neuenglischer, intellektueller Stil, der ein bisschen an jammervolle Seidenmalerei erinnert, durch das Buch. Und das obwohl die Geschichte fast durchweg in der Nachbarschaft des Ehepaars Huvsted-Auster spielt, in Brooklyn, dem vielleicht einzigen Ort in der reichen Welt, an dem handfestes Multikulti-Zusammenleben mit der nötigen Härte funktioniert. Denn vier der Protagonisten leben in einem besetzten Haus beim Sunset Park.
Während Auster in seinen Vorlagen und Drehbüchern – u.a. zu “Smoke” – noch die Vielfalt Brooklyns ins Zentrum stellt, haben wir es hier mit der weißen Mittelschicht zu tun, die durch die Finanzkrise an den Rand des Abstiegs gebracht wurde. Lediglich die blutjunge Latina, die Miles Heller aus Florida holen möchte, um mit ihr als Paar zu leben, ist weder weiß, noch stammt sie aus dem wohlhabenden Millieu. Das macht es schwer, den Figuren Sympathie entgegen zu bringen, weil ein bisschen “Selbst schuld” naheliegt. » weiterlesen »

» Folge 60 von 60 in Erlesenes

» Besprechung von Chefred am 26.02.13 um 18:58 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Schwuler, Transvestit, Transsexueller - alles dasselbe

John Irving: In einer Person

irving_ineinerpersonWenn man dem Autor übel will, dann kann man diesen Roman eitel, geschwätzig und vor allem sexistisch nennen. Oder Hymnen auf ihn dichten – wie es das Gros der Kritiker getan hat. Fällt das Urteil negativ aus, dann ist dafür in erster Linie das öffentliche Auftreten des Autors verantwortlich. John Irving ist – da müsste man küchenpsychologisch ansetzen – nicht besonders groß und deshalb enorm eitel. Wer seine diversen autobiografischen Spuren liest, verliert jede Sympathie für den Mann, der das Ringen für den einzig wahren Männersport hält. Natürlich weil er selbst Ringer war bzw. ist. Und das ist umso bedauerlicher, als Irving zumindest mit dem Hotel New Hampshire, dem Grap, Owen Meany sowie “Gottes Werk und Teufels Beitrag” wahnsinnig schöne, gute, ehrliche und vor allem in ihrer Zeit bedeutende Romane geschaffen hat. Nun ist es leider so, dass er sich mittlerweile wiederholt. Es sind die immergleichen Motive, die auf immer ähnlicher werdende Wewise erzählt werden. Den zur Frau operierten Ex-Football-Star hatten wir schon im Garp. Menschen unklarer Sexualität schwirren schon immer durch seine Romane, und von der Vaterlosigkeit bwz. der Suche nach dem verlorenen Vater kann jeder Irving-Fan schon ein Lied mitsingen. Die Attitüde hat sich über die Jahre verändert: Irving hat möglicherweise irgendwann begonnen, sich zu wichtig zu nehmen. » weiterlesen »

» Folge 59 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 05.02.13 um 21:20 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Traumatisierte in einer erdachten Welt

Philippe Djian: Die Rastlosen

Wer wie ich ALLES gelesen hat, was von Djian je veröffentlicht und ins Deutsche übersetzt wurde, weiß, dass dieser immer noch wilde Autor ein Weltenbauer ist. Auch wenn die Szenarien seiner Romane immer irgendwie realistisch wirken und der Leser bei genauem Hinlesen sogar konkrete Orte zu erkennen vermag, sind sie doch erfunden, erdacht, surreal. Das hat er bei der sechsteiligen TV-Serie in Novellenform namens “Doggy Bag” auf die Spitze getrieben und sogar das Wetter nach seiner Pfeife tanzen lassen. Die Rastlosen seines aktuellen Werks taumeln wiederum durch einen extrem engen Kosmos zwischen einem See und hohen Bergen, entsprechend oft stoßen sie sich.

Marc und seine Schwester Marianne leben in eheähnlichen Verhältnis und vögeln gelegentlich miteinander. Beide sind durch die Taten ihrer Eltern schlimm traumatisiert, und ganz am Ende stellt sich heraus, dass und wie Marc sie erlöst hat. Der wollte Schriftsteller werden, hat es aber nur zum Literaturprof gebrachtr, der serienweise Studentinnen vernascht – gern auch in seinem geliebten Fiat 500. Ja, Djian nennt Markennamen – das er dies ganz besonders expliziz bei Autos tut, ist eine Marotte, die bis auf seinen größten Erfolg, Betty Blue, zurückgeht. Neu sind diverse Namen von Medikamenten, die sogar inklusive (R) erscheinen. Dass seine Helden rauchen, ist nicht neu, aber extreme Suchtraucher wie Marc und Marianne hatte der Schreiber lange nicht im Programm. » weiterlesen »

» Folge 58 von 60 in Erlesenes

» Besprechung von Chefred am 05.12.12 um 11:58 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Ein Unheil in der Pubertät und die Rettung daraus

Richard Ford: Kanada

Das war zu erwarten, dass der große amerikanische Erzähler, Richard Ford, immer besser werden würde. Im Frühwerk gibt es weniger gute Texte, aber seit den Frank-Bascombe-Romanen muss man Ford in eine Reihe mit Updike, Roth und DeLillo stellen. Und nun das: Ein Roman aus Sicht eines Fünfzehnjährigen, dem Ungeheueres geschieht, nacherzählt vom ihm selbst gut 50 Jahre später. Die Geschichte spielt sich um 1960 herum ab. Die Eltern der Zwillinge Dell und Berner begehen einen sinnlosen Banküberfall; die Schwester haut ab, Dell kommt nach Kanada in die Obhut sehr merkwürdiger Gestalten. Damit ist ein Hauptthema vorgegeben: Die Unterschiede zwischen den beiden großen Staatsgebilden auf dem nordamerikanischen Kontinent. Auch wenn die geografischen Unterschieden zwischen den Präriestaaten bzw. -provinzen nördlich und südlich der Grenze minimal sind, die Menschen haben wenig mehr gemein als die englische Sprache. In Amerika geborene Leute werden in Kanada mit Skepsis betrachtet, die Vereinigten Staaten gelten als gefährlich und böse. » weiterlesen »

» Folge 57 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 19.11.12 um 14:32 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Warum "Vergangenheitsbewältigung" so ein falsches Wort ist

Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders

Mein bester Freund lieh mir dieses schmale Buch und empfahl mir dringend es zu lesen. Nun ist mir Uwe Timm natürlich nicht unbekannt, und als jemand, der die Zeit zumindest halbwegs mitbekommen hat, ist sein “Heißer Sommer” einer der wahrsten Romane über die 68er-Jahre – besonders in München. Menschen, die nach 1965 geboren wurden, lege ich dieses wunderbare Buch immer sehr ans Herz. Leider habe ich weder sein autobiografisches Buch über seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg, den am 2. Juni 1967 vom Polizisten Kurras erlegt wurde, gelesen, noch “Die Entdeckung der Currywurst”. Aber nach der Lektüre dieses ebenfalls autobiografischen Textes habe ich mir vorgenommen, Timms Werk nun ganz systematisch zu erlesen. Warum? Der Autor schildert aus seiner absolut subjektiven Sicht die Verhältnisse in seiner Familie. Mit einem Vater, der nach schwerer Kindheit und dem ersten Weltkrieg Freikorps-Mann war, und dem wesentlich älteren Bruder, der sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hat und 1943 nach schwerer Verwundung stirbt. » weiterlesen »

» Folge 56 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 24.09.12 um 11:35 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als die A40 eine lange Tafel war...

Frank Goosen – Sommerfest

Zwei Sachen muss ich vorwegschicken: Ich habe den Erstling des Autors von 2000 namens “Liegen lernen” sehr gemocht. Im Januar bin ich Frank Goosen persönlich begegnet – seitdem ist er mir nicht mehr sympathisch. Er war für eine Veranstaltung gebucht, die ich zu betreuen hatte. Ich ging auf ihn zu mit einem fröhlichen “Hallo, ich komme von Fortuna Düsseldorf” und kassierte dafür eine unflätige Bemerkung und einen ziemlich bösen Blick. Da hatte ich dem amtierenden Aufsichtsrat des VfL Bochum ein wenig mehr Souveränität, Schlagfertigkeit, Humor und/oder Gelassenheit zugetraut. Trotzdem habe ich nun seinen neuesten Roman gekauft und gelesen – leider bin ich enttäuscht. Zwar sind wieder zahllose Anspielungen und Ruhrpottdönekes aufs Feinste erzählt, aber die Geschichte an sich funktioniert nicht. Außerdem bleiben einige Figuren merkwürdig blaß. » weiterlesen »

» Folge 55 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 13.09.12 um 21:45 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Von erlogenen USA-Reisen und dem Fensterputzen

Foenkinos: Das erotische Potential meiner Frau

Während ich mir nun schon seit sechs Wochen an einem Monster von Buch (David Foster Wallace: Unendlicher Spaß – 1547 Seiten) einen abbreche, landet Kleinzeuig auf meinem nicht vorhandenen Nachtschrank. Neben einigen Zweitlesungen habe ich zu diesem schmalen Band des Franzosen Foenkinos gegriffem, von dem niemand weiß, wie er uns ins Haus gekommen ist. Ganz klar: Es handelt sich um eine der schrägsten Novellen, die ich je gelesen habe. Und ich kann nicht mal sicher sagen, dass es mir gefallen hat. Nein, dieser eigenartige Text hat mich zwar immer auch fasziniert, aber vorwiegend abgestoßen. Der Plot ist völlig irre, die Sprache auf eine kaum erträgliche Weise verdreht und gestelzt. Allein die Figuren, die sind in sich logisch und nachvollziehbar gezeichnet. » weiterlesen »

» Folge 54 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 18.08.12 um 15:44 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Klar, sicher, respektvoll, fundiert, kenntnisreich, liebevoll..

Proulx: Ein Haus in der Wildnis

Dieses Buch möchte ich allen ans Herz legen, die gute Bücher mögen und nicht nur Romane lesen wollen. Nun ist die Autorin ja eine Erfolgsschreiberin, die hierzulande wohl am ehesten dadurch bekannt ist, dass der wunderbare Film “Brokeback Mountain” auf einer ihrer Geschichten basiert. Viel wichtiger sind aber ihre Romane “Schiffsmeldungen” (von Lasse Halmström brillant verfilmt), “Postkarten” und “Das grüne Akkordeon“. Im Alter von siebzig Jahren beschloss diese starke Frau, sich ein Haus in der Wildnis von Wyoming bauen zu lassen. Wie Planung und Bau abliefen, bildet den Kern des Buches, das aber so reich an Geschichten, Fakten, Anekdoten und Erkenntnissen ist, dass die Fülle kaum zu fassen ist. » weiterlesen »

» Folge 53 von 60 in Erlesenes

» Rezension von Chefred am 08.07.12 um 10:50 » in Rubrik(en): Feuilleton
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