Oder: Ätsch, die Düssel hat gar keine Quelle....
Als geborener Düsseldorfer, der diese schönste Stadt am Rhein von Herzen liebt, muss man sich allerlei Spott gefallen lassen. Die Mär vom Schickimickibrüger, der auf der Kö flanieren geht, berührt mich nicht mehr so, weil ich weiß, dass man da vorwiegend Berschheimer und andere Provinzknallis trifft. Da schmerzt schon eher der Spruch vom “Dorf an der Düssel” für diese kleine Großstadt. Aber man soll sich ja solchen Schmerzen aktiv nähern, und die Beschäftigung mit dem namensgebenden Flüsschen schien mir ein guter Anfang zu sein. Wobei recht eigentlich der Lehrer Dr. Reinhold Feuerstein mal wieder die Schuld trägt. Der hier schon öfter angeführte Mathe- und Biopauker hat mir und den Kameraden ökologisches Denken begebracht, unter anderem indem er den klassischen “Wandertag” immer in biologische Exkursionen umfunktioniert hat. Dort gingen wir dann pflanzenbestimmend und -sammelnd durch die Botanik in der näheren Umgebung. Nun erinnerte ich mich dieser Tage, dass uns einer dieser Ausflüge – es muss im Jahr 1963, 64 oder 65 gewesen sein – an die Düsselquelle führte. Und da wollten wir nun auch hin. Was sich als nicht ganz leichte Aufgabe entpuppte. [weiterlesen...]
Wandern wo der Neandertaler erfunden wurde
Immer wenn ich über den Neandertaler nachdenke, frage ich mich, ob man das Neandertal immer noch mit TH schreibt. Und das weil es mal diesen Spaßsong vom Neanderthal Man gab, wo die Sänger ihn mit einem Tieätsch aussprachen. Nun ist man als Düsseldorfer in Kinderjahren möglicherweise mit Neandertal nicht unter Zigmal bestraft worden, was in den 50ern und 60ern auch “Sonntagsfamilienspaziergang” hieß. Und so fahren wir da eher nicht hin. Eine grundlose Inspiration brachte uns aber heute in das nämliche Tal und seine angeschlossenen Hügel. Ziel war das so genannte, schon seit zig Jahren existierende Wildgehege, in dem diverse ausgestorbene Tiere herumstrolchen. Dazu später mehr. Ausgangspunkt war der Parkplatz gegenüber des zigfach preisgekrönten Neandertalmuseums. Nach allem was man weiß ist das weniger ein Museum als vielmehr eine Art urzeitaffine Hüpfburg mit allerlei multimedialem Schnickschnack. Da ziehe ich die ungeschlachte Skulptur gegenüber vor. Die hat 1928 ein Stukkateurmeister mit den eigenen Händen gegipst, ohne zu ahnen, was er damit anrichtete. Denn über Jahrzehnte inspirierte sein frei erfundenen Neandertalerporträt die Menschen weltweit und prägte bis vor kurzem die kollektive Vorstellung davon, wie diese Verwandten des Homosapiens aussahen. [weiterlesen...]

Update: Naegeli ist wieder in Düsseldorf…
Wenn man unter der Kniebrücke vorm Apollo steht und in Richtung Stadt blickt, sieht man das, was auf dem Foto zu sehen ist. Ob das Wesen auf der grauen Säule ein Original-Spray von Harald Naegeli ist, weiß ich nicht. Und wenn, dann hat einer daran rumgemacht. Der dicke Mann mit dem kleinen Pimmel auf der roten Wand ist dagegen ganz sicherlich nicht vom legendären Sprayer von Zürich, der schon lange in Düsseldorf lebt und – so wispert man – immer noch ab und zu was an die Wände in den südlichen Stadtteilen sprüht. Wer einen alten oder neuen echten Naegeli findet, sollte sich freuen, dass dieser Künstler seine Spuren in der Stadt hinterlässt, die ihm seinerzeit Asyl gewährt hat.
Das Ruhrgebiet ist immer eine Reise wert - auch wenn's nur eine kleine ist...
Auch wenn Menschen aus Bayern, dem Bundesland, das den langen Jahren der Subventionen aus Nordrhein-Westfalen alles zu verdanken hat, dem Irrglauben zuneigen, Düsseldorf sei ein Teil des Ruhrgebiets, ist die Fahrt von der schönsten Stadt am Rhein nach Norden doch auch immer eine Reise in eine fremde Welt. Gestern fuhren wir im Rahmen der Kurzurlaubswoche ein paar Punkte zwischen Essen und Oberhausen an: das Museum Folkwang, die Kokerei Zollverein, den Tetraeder und den Gasometer. Wer den Pott noch nie anders als aus der Autobahnperspektive gesehen hat, sei dringend empfohlen, diese Plätze auch einmal aufzusuchen. Das ist einerseits beeindruckend angesichts der Spuren von Kohle und Stahl und macht andererseits sehr nachdenklich in Bezug auf die alte Leier vom “Strukturwandel”. Beginnen wir mit dem Erfreulichen. Das Museum Folkwang an der Bismarckstraße ist natürlich ein uralter Bekannter, dem man eine Erweiterung verpasst hat, die wie angegossen sitzt. [weiterlesen...]
Ein Spaziergang vom Nagelshof zur Arena in Stockum
Wenn es windstill ist, dann hörst du hier nur das Singen der Vögel. Im Sommer auch Grillengezirpe. Der Strom fließt still, die Gasturbinen der Schiffe summen, und ganz selten bollert ein Kahn mit Dieselmaschine vorbei. In der Nähe der Flughafenbrücke nimmst du ein gleichmäßiges Klacken wahr; das entsteht, wenn die stinkenden Krachkisten mit überhöhter Geschwindigkeit über die Anschlusschwellen rasen. Und alle sechs bis acht Minuten zerschneidet der Lärm eines startenden oder landenden Düsenflugzeugs die Geräuschkulisse hier unterm Rheindeich zwischen Lohausen und Stockum. Wobei das genau das Geräusch ist, das den Lohausener Anwohnern schon seit Jahrzehnten nicht erspart bleibt. Gehst du die Lantzalle entlang, vorbei an verwunschenen Villen hinter wildem Gebüsch, dann brüllt dich regelmäßig solch ein Stahlvogel an, der so dicht über die Alleebäume rauscht, dass du meinst, ihn anfassen zu können. Das ist die Lohausen-Erfahrung, und wenn du sie erleben willst, dann fährst du mit der U79 Richtung Duisburg und steigst an der Haltestelle “Lohausen” aus. Du wendest dich nach Westen, gehst vor bis zur Lohauser Dorfstraße und wendest dich nach rechts. Damit betrittst du die Niederrheinstraße, die mal eine der am meisten befahrenen Straßen der Stadt war, denn sie stellte die Verbindung von Duisburg nach Düsseldorf dar. [weiterlesen...]
Die Düssel zwischen Hennekamp und Mecumstraße
In diesem Blog wurde ja schon oft darüber geklagt, wie der Stadtplaner des Grauens in den Fünfzigern und Sechzigern eine autogerechte Nord-Südschneise durch die schönste kleine Großstadt der Republik schlagen ließ. Eine Ader des automobilen Terrors besteht aus dem Straßenzug Witzel- / Mecum- / Erasmus- und Corneliusstraße. Von Süden kommen hier die stinkenden Fossilverbrenner an, die sich Düsseldorf über die A46 genähert haben. Das Gros von ihnen brettert kaum gebremst ins Herz der Stadt. Wo die Witzelstraße endet und die Mecumstraße beginnt, kreuzt dieser Weg den so genannten “Lastring” – auch das Resultat des Tamms’schen Autowahns. Dabei handelt es sich um einen Straßenring, der die Innenstadt im Osten umgibt. Der beginnt am südlichen Zubringer, schneidet durch Bilk, Oberbilk, Flingern, Düsseltal und Mörsenbroich, um dann am Mercedeswerk und dem Nordfriedhof vorbei auf die Theodor-Heuss-Brücke zu führen. Gedacht war dieser Ring für den Lastverkehr. Tatsächlich – und das berichtete mein Vater seinerzeit gern – wurde hier die allererste Grüne Welle Deutschland eingerichtet und erprobt. Vater sagte dann immer: Wenn ich genau 50 fahre, habe ich vom Brehmplatz bis zum Hennekamp immer Grün. Das genannte Stück nennt sich offiziell Auf’m Hennekamp; eine sechsspurige, schmurgerade Straße mit separatem Gleiskörper für die Straßenbahn, die im rechten Winkel die Mecumstraße kreuzt. In diesem Gebiet, das vom Autowahn gekennzeichnet ist, findet der Kenner eine unerwartete Oase: den Düsselweg. [weiterlesen...]
Einzigartig und unvergleichlich: der Industriebrunnen am Fürstenplatz
Update: Hier gibt’s Infos (als PDF) zur Cornelius-Begrünung (via duesseldorfbilk auf Facebook). Der Fürstenplatz in Düsseldorf-Friedrichstadt, dem komischen Viertel zwischen der Innenstadt und Bilk, ist ein Ort meiner Kindheit. Denn ich habe die ersten zehn Jahre meines Lebens an der Corneliusstraße gewohnt. Da verließ man das Haus und wandte sich nach rechts. Ging bis zur Kreuzung mit der Oberbilker Allee, überquerte diese, wenn der Schutzmann in der Mitte das Zeichen gab, und bog in die Morsestraße ein. Am Ende traf man dann auf die Straße, die einmal rundum den Fürstenplatz führte. Da stand ein großes, backsteinernes Trafohäuschen. Es gab einen kleinen Spielplatz und am Nordende den Industriebrunnen. Das große Steinbecken hat an den Seiten zwei Podeste, auf denen riesige Bronzefiguren nackter Arbeiter stehen, und einen Sockel in der Mitte, wo der Schmied Vulkan auf seinem Amboss sitzt. Aus diesem Sockel strömt an drei Stellen das Wasser in ein halbrundes Becken, von da aus in ein weiteres halbrundes Becken, das sich wiederum in das rechteckige Becken ergießt, dass das Erdgeschoss markiert. Als wir klein waren, galt es als Mutprobe, diese Sockel zu erklettern, zumal dies mit halbrunden Gittern mit gefährlichen Spitzen verhindert werden sollte. Und die ganz Wilden, die sprangen von den Seiten aus über einem Meter Höhe runter! Ich war mehr ein Fan davon, im Sommer ins Wasser zu steigen und dort herumzuplanschen. [weiterlesen...]
Angesichts des Stroms keinem Klischee aus dem Wege gehen...
Was machen bloß die armen Menschen, die gezwungen sind in einer Stadt zu leben, die nicht von einem Fluss durchzogen ist? Also, ich meine jetzt einen Strom, kein Bächlein wie Main, Ruhr, Isar oder Spree. Wohin gehen diese bedauernswerten Geschöpfe, wenn sie – vom Alltag belastet – die Seele auftanken wollen? Sie werden nie erleben, dass der Blick auf den mächtigen Rhein dafür sorgt, dass all die kleinlichen Sorgen nichtig werden. Wie das Wasser fließt, so verflüchtigen sich die schwere Gedanken, der Pessimismus. Stehst du am Strom, dann ist dir immer bewusst, woher das Wasser kommt, welch langen Weg es hinter sich und welche Strecke es noch vor sich hat. Und dass dieser Rhein so schon seit Jahrtausenden fließt. Du erinnerst dich an die vielen Spaziergänge entlang des Ufers, auf der rechte oder linken Seite, an die Fahrradtouren und die ungezählten Abende an der Rheinpromenade – einem der schönsten Plätze der nördlichen Hemisphäre. Wie du da gestanden hast, nachdem der Tunnel fertig war und die dir Tränen in den Augenstanden, weil du jetzt wieder in die Altstadt gucken konntest, ohne befürchten zu müssen, von durchgeknallten Autofahrer auf der Rheinuferstraße umgemäht zu werden. An die Blicke aufs Wasser aus den Fenster der Kunstakademie. An die Sonnenuntergänge auf den Stufen mit der Altbierflasche. Abende auf dem Hausbootrestaurant. Lagerfeuer an Löricker Stränden. Kindertage im Strandbad Uedesheim. Böötchenfahrten nach Kaiserswerth. Das ganze Leben verbunden mit dem Fluss. [weiterlesen...]