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Auf der Suchen nach Sinn und Form

Akademie – ein Fest fürs Leben (3)

Auf dem Sofa - etwa von 1972Tatsächlich ging ich in diesem ersten Semester jeden Tag in die Akademie. Das Schönste daran war der Weg. Ich wohnte damals immer noch in der Mansarde bei meiner Mutter, durchquerte also Pempelfort, die Sternstraße entlang und durch den Hofgarten. Da sah ich dann schon das merkwürdige Gebäude, diesen erdfarbenen Riegel mit den drei Treppenhäusern. Weder in der Kunstschule, noch im Klassenraum 1 fühlte ich mich zuhause. Schlimmer war es nur noch bei Vorlesungen. Die fanden entweder in der Aula statt oder im dumpfen Hörsäälchen ganz hinten. Egal wer da dozierte, ich verstand nichts und schlief meist ein. Mittags spazierte ich durch die Altstadt, und wenn ich ein bisschen Geld übrig hatte, leistete ich mir eine Schweinebrötchen oder ein Bier im Einhorn. Ich kannte niemanden in der Akademie, und niemand kannte mich. Es gab auch keinen einzigen Kommilitonen oder Kommilitonin, die mich wirklich interessierte. Die waren ja alle schon Künstler – wenigstens in Sachen Attitüde, Kleidung und Gesprächsstoff. Auch mit meiner künstlerischen Arbeit gibg es nicht voran, eher im Gegenteil. Wie auch in den richtigen Klassen üblich gab Frau Schiff uns Korrekturen. So nannte man es, wenn man der Professorin Arbeiten vorlegte und dazu Feedback bekam. Bei meinen schlimmen Bildern verdrehte sie meist die Augen und wusste nicht so recht, etwas zu sagen. » weiterlesen »

» Folge 22 von 22 in Stadtgeschichten

» Erinnerungen von Rainer Bartel am 27.03.15 um 15:53 » in Rubrik(en): Kultur und Pop,Rainer'sche Post,Rainers Themen
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Zweite Folge: Orientierungslos im Orientierungsbereich

Akademie – ein Fest fürs Leben (2)

examensarbeit_flipperMein künstlerisches Metier seit Kindertagen war das Schreiben. Tatsächlich habe ich Geschichten verfasst seitdem ich überhaupt flüssig schreiben konnte. Meine “Einakter”, die ich der Familie vorlas, waren mehr berüchtigt als berühmt. Das ging weiter über Kladden voller Stories, Tagebücher und Skizzen für Romane. Dass ich überhaupt auf die bildende Kunst stieß, hatte ich – wie gesagt – dem Kunstlehrer Troendle und meinem Freund Jörg zu verdanken. Und der Tatsache, dass ich ein Mansardenzimmer für mich allein hatte, in dem ich tun und lassen konnte, was ich wollte. Das Haus, in dem wir ab 1962 wohnten, hatte mein Vater im Auftrag der Brauerei, bei der als Architekt tätig war, geplant und realisiert. Dabei entstand im 5. Stock eine maßgeschneiderte Wohnung für uns. Mit großer Terrasse Richtung Güterbahnhof und ebenfalls recht großem Balkon zum Hof hinaus. Und exakt oberhalb der Wohnung hatte er unterm Dach eine illegale Mansarde einbauen lassen. Dort hauste ich mit meinem Bruder, während die kleine Schwester unten im Kinderzimmer wohnte. Um zur Mansarde zu kommen, musste man aus dem Treppenhaus in einen langen, rechtwinklig abknickenden Gang, der an Dachbodenverschlägen vorbeiführte, und vor dem Zimmer hatten wir eine größere Fläche des kargen Betonbodens. Die wurde mein Atelier. » weiterlesen »

» Folge 21 von 22 in Stadtgeschichten

» Erinnerungen von Rainer Bartel am 20.03.15 um 14:40 » in Rubrik(en): Kultur und Pop,Rainer'sche Post,Rainers Themen
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Oder: Wie sich einmal das Microsoft-Hauptquartier verdunkelte

So war die Sonnenfinsternis 1999

sofi99Aus heutiger Sicht lief ab Anfang 1999 vieles auf eine Apokalypse hinaus. Vor allem dieses vermaledeite Milleniums-Ding: Weil Microsoft und die anderen nicht daran gedacht hatten, dass demnächst ein neues Jahrtausend anbrechen würde, sollte die Welt durch flächendeckende Computerausfälle untergehen. Vorher war dann noch ein uh, ah, unheilsschwangere Sonnenfinsternis angesagt. Ein Naturschauspiel, das mich immer schon aufs Äußerste fasziniert hatte – so sehr, dass ich beinahe 1991 nach Südkalifornien gereist wäre, um dort die totale Eclipse mitzuerleben. Leider gab’s dafür nicht genug Geld auf dem Konto. So war ich enorm aufgeregt und extrem gespannt auf den 8. August 1999. Denn an diesem Tag sollte eine (fast) vollständige Sonnenfinsternis auch bei uns in Mitteleuropa zu beobachten sein. Schon im Frühjahr hatte ich Pläne gemacht, wollte irgendwo ans Meer oder auf einen Berggipfel. Aber das Leben spielte anders: Die Verdunkelung des Lebenssterns erlebte ich auf einem Parkplatz direkt neben dem Microsoft-Hauptquartier in Unterschleissheim. Und das kam so: » weiterlesen »

» Folge 20 von 22 in Stadtgeschichten

» Bericht von Rainer Bartel am 19.03.15 um 19:09 » in Rubrik(en): Rainer'sche Post,Rainers Themen
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Erste Folge: Hinein in die Welt der Künstler und Intellektuellen

Akademie – ein Fest fürs Leben (1)

Die Kunstakademie Düsseldorf, ein Zentrum der WeltkunstWeil sie es schon mit meinem Bruder gemacht hatte, verordnete meine Mutter auch mir einen berufspsychologischen Test. Im Frühjahr 1970, gerade siebzehneinhalb, marschierte ich in eine psychologische Praxis an der Brehmstraße, die sich auf jobtechnische Sachen spezialisiert hatte. Heute würden die dortigen Psychologen vermutlich Assessment Center veranstalten. Fast einen ganzen Tag lang dauerte die Sache. Es begann mit einem Intelligenztest und führte über zwei Interviews bis zu allerlei merkwürdigen Aufgaben, die ich zu lösen hatte. Zwei, drei Wochen später bekam ich die Einladung, das Gutachten abzuholen. Bei der Gelegenheit würde man zudem ein persönliches Beratungsgespräch führen. Ich steckte tatsächlich in der Klemme. Seit gut drei Jahren war ich in die Kunst verliebt, ohne aber daran zu glauben, selbst ein bildender Künstler werden zu können. Denn mir mangelte ganz entschieden an den handwerklichen Fertigkeiten. Immer schon hatte ich den Kunstunterricht in der Schule geliebt und den Werkunterricht, den es auch mal eine Zeitlang gab, gehasst. Mir erschien Technik als grundsätzlicher Kreativverhinderer. Und ich wollte ja bloß kreativ arbeiten. Das schon seit meiner Kindheit. » weiterlesen »

» Folge 19 von 22 in Stadtgeschichten

» Erinnerungen von Rainer Bartel am 13.03.15 um 14:46 » in Rubrik(en): Kultur und Pop,Rainer'sche Post,Rainers Themen
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Schluss mit dem ganzen Homecomputer-Kram!

Komma acht, komma eins (7)

schneider_pcWoran immer es liegen mag: Ich hab’s nicht so mit Hobbyisten. Und ich hatte es auch noch nie mit Leuten, die mit irgendeiner mehr oder weniger sinnvollen Sache ihre Freizeit füllen – und das am Rande der Manie. Sammler finde ich irgendwie gaga, Leute, die ohne Not mit etwas Motorisierten für Spaß in der Gegend rumkariolen, halte ich für bescheuert und gefährlich. Nun bestand aber die Welt der kleinen Computer in den frühen und mittleren Achtzigerjahren fast nur aus solchen Hobbyisten. Gefragt, was denn ihr Hobby sei, antworteten Vertreter dieser Spezies “Computer”. Entsprechend meiners Weges hin zu den kleinen Elektronenhirnen fand ich das absurd. So eine Kiste sollte nützlich sein. Punkt. Damit sollte man schreiben, rechnen und speichern können. Und zwar schnell und einfach. Aber, mal ehrlich, was war denn einfach in der Ära von C64 und Konsorten? Deshalb war es auch nach meiner Anschauung eine winzige Minderheit, die – sagen wir mal – vor 1987 einen Computer privat wirklich zum Arbeiten benutzten. Vorwiegend handelte es sich dabei um Besitzer eines Apple Macintosh – denn mit dem ging Arbeiten einfach. Die große Masse hatte sich eine Kiste angeschafft, ohne wirklich zu wissen, wozu. » weiterlesen »

» Folge 18 von 22 in Stadtgeschichten

» Erinnerungsaufsatz von Rainer Bartel am 24.06.14 um 17:40 » in Rubrik(en): Einkaufen & Genießen,Rainers Hobbies,The Düsseldorfer
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Meine kleine Geschichtensammlung zur Geschichte der Computerei

Komma acht, Komma eins (4)

databeckerSo richtig klar war mir in diesem Jahr nicht, welchen Berufsweg ich einschlagen sollte. Mit dem Examen an der Kunstakademie allein konnte ich nichts anfangen, und das Sekretärinnendiplom hätte mir bestenfalls eine Karriere als Verwaltungsangestellter eingetragen. Und eigentlich wollte ich nur eines: schreiben. Das peilte ich ja schon seit 1979 an. Erste Erfahrungen hatte ich im Feuilleton der Rheinischen Post mit Filmkritiken und beim Stadtmagazin “Überblick” mit Reportagen gemacht. Anfang 1984 fiel mir dann der Katalog des Düsseldorfer Unternehmens Data Becker in die Hand. “Data Welt” nannte sich das DIN-A5-Heftchen im dunkelroten Umschlag mit der Anmutung einer Schülerzeitung. Darin fand sich neben den Liste der Hard- und Software, die man auch im Ladenlokal an der Merowingerstraße kaufen konnte, eine Reihe kurzer Artikel unter dem Stichwort “Tipps & Tricks”. Das Highlight stellte aber der Leitartikel des Herausgebers Dr. Achim Becker dar, in dem er ein buntes Panorama der Homecomputerzukunft entwarf. Und genau in dieser Ausgabe hatte man eine Anzeige platziert, die besagte: “Wir suchen Computerfreaks, die schreiben können.” » weiterlesen »

» Folge 17 von 22 in Stadtgeschichten

» Story von Rainer Bartel am 11.04.14 um 13:31 » in Rubrik(en): Rainers Hobbies
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Meine kleine Geschichtensammlung zur Geschichte der Computerei

Komma acht, Komma, eins (6)

druckereiNicht nur den Technikgenies und den Computerpromis muss in diesem Zusammenhang ein Loblied gesungen werden, sondern auch einem gewissen Herrn Leckebusch, Inhaber der Druckerei Graf & Pflügge. Dies bodenständige Familientraditionsunternehmen hatte seinen Sitz in einem pittoresken Hinterhof an der Oberbilker Alle, gleich neben der ebenso bodenständigen Kneipe namens “In dä Kull”. Eingerahmt von Efeu und Rosen kuschelte sich ein zweigeschossiges Backsteingebäude ans Hofende. Über eine Außentreppe kam man in die Setzerei. Ob das Unternehmen je eine eigene Druckerei betrieben hat oder nur den Satz selbst erledigt und wonanders hat drucken lassen, weiß ich nicht. In den Jahren unserer Zusammenarbeit war es jedenfalls so, dass Graf & Pflügge die Satzarbeiten für die Data Welt und später die PC Praxis machte. Herr Leckebusch war zudem als Agent tätig, der dann für den Druck die günstigste Druckerei aussuchte – zuletzt war dies Mohndruck, das Bertelsmann-Druckhaus. Wie schon erwähnt: Anfangs sah das, was wir “Satz” nannten, so aus, dass Nadeldruckerstreifen auf Layoutpappe montiert und bei G&P eingereicht wurden. Platz für Abbildungen war frei zu lassen und zu notieren, wo welche Illustration hin sollte. Anders hatte ich das bei meiner amateurhaften Off-Zet auch nicht gemacht… » weiterlesen »

» Folge 16 von 22 in Stadtgeschichten

» Story von Rainer Bartel am 15.05.14 um 21:10 » in Rubrik(en): Rainers Hobbies,The Düsseldorfer
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Meine kleine Geschichtensammlung zur Geschichte der Computerei

Komma acht, Komma eins (5)

setzereiWer die bisherigen Folgen dieser Geschichtensammlung aufmerksam verfolgt hat, wird sich vorstellen können, dass mein neuer Job so etwas wie eine Traumerfüllung darstellte: eine Zeitschrift machen! Ich sah mich schon als Großjournalist, als Blattmacher, als den Chefredakteur, der die Computerzeitschrift an sich revolutioniert hatte. Stand aber in der schnöden Realität des Jahres 1984 im Hause Data Becker an der Merowingerstraße in Düsseldorf vor ganz banalen Problemen. Eines davon bestand darin, dass ich ja überhaupt keine Erfahrung mit der Produktion einer regelmäßig erscheinenden Zeitschrift hatte. Gut, die paar Jahre im Umfeld des “Überblick” hatten mich in den Redaktionsalltag reinriechen lassen, weil ich dort aber immer nur als Reporter oder Nachrichtenspringer tätig gewesen war, war dabei mehr als eine Geruchserinnerung nicht entstanden. Eine wie auch immer geartete Infrastruktur gab es bei Data Becker natürlich auch nicht. Beziehungsweise: Es gab eine, die für die Produktion des DIN-A5-Katalogheftchens zusammengestoppelt worden war. » weiterlesen »

» Folge 15 von 22 in Stadtgeschichten

» Story von Rainer Bartel am 28.04.14 um 17:02 » in Rubrik(en): Rainers Hobbies,The Düsseldorfer
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