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Zwischen Kampfhund, Ratbike und Nierenspülungen

Der starke Uwe

ratbikeWenn eines über Uwe sicher ist, dann das: Er machte, was er wollte. Hielt sich nicht an Konventionen, war sein eigener Herr. Und konnte sich das leisten. Knapp zwei Meter hoch und mit einem Kampfgewicht zwischen 120 und über 160 Kilo. Keiner konnte ihn davon abhalten, mit den Hunden in die Agentur zu kommen. Eines Tages hörte ich aus einem der Büros Pfotengetrappel auf dem feinen Parkett. Vorweg ein spindeldürrer Windhund, gefolgt von einem tabakbraunem Muskelpaket. Das war Uwes Köter. Die Hippe, sagte er, die ist von meinem Psychofreggel. Damit meinte er die Frau, mit der er damals so eine Art Beziehung pflegte. Die war Therapeutin. Dann hatte ich seine Töle vor mir. Ich hielt Fridolin, so nannte Uwe ihn, für einen Kampfhund, aber das Herrchen schwor Stein und Bein, dass Fri, so wurde das Hundchen gerufen, ein harmloser Mischling sei. Den habe er als winzige Welpe illegal im Flugzeug aus der Dominikanischen mitgebracht, versteckt unter der Jacke. Und dann großgezogen und ausgebildet. » weiterlesen »

» Folge 14 von 14 in Stadtgeschichten

» Erinnerungen von Chefred am 21.03.13 um 14:51 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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Vom Leben im Hotel zur Mühle

Striptease in Roermond (3)

striptease_roermondJoe und Vernon blieben die einzigen Stammgäste im Hotel zur Mühle. Ab und an verirrte sich jemand auf der Suche nach einem Fremdenzimmer dort, aber keiner blieb länger als eine Nacht. Dafür hatte die Kneipe ab dem Frühjahr Zulauf. Ab mittags liefen die Trinker und Zocker ein, und abends waren es die jüngeren unter den Ortsbewohnern, die gern zum Essen kamen. Einerseits weil die Speisen aus Hannes Küche exzellent waren und nicht teuer, andererseits, weil Andreas Abend für Abend die angesagteste Musik jener Zeit auflegte.
Ab elf versank dann alles im Suff. Die beiden US-Soldaten brachten bei jedem Besuch kartonweise zollfreie, subventionierte Spirituosen mit. Die Literflasche Jim Beam kostete bloß fünf Mark. Und Manes begann, die bekannten Trinkspiele, die üblicherweise mit Bier und Schnaps betrieben wurden, mit Whisky durchzuführen. Beliebt und berüchtig war das Stiefeltrinken mit Whisky-Cola. Bekanntlich wird dabei ein Glas, das anderthalb Liter fasst und wie ein Stiefel geformt ist, durch die Runde gereicht. Jeder nimmt einen Schluck, und derjenige, bei dem es gluckert, muss zahlen. Wenn dieses Ritual am Stammtisch mit fünf, sechs Kerlen so um die zehnmal am Abend gefeiert wurde, hatte das Folgen. Ich erlebte nach so einer Tour das erste und einzige Alkoholkoma meines Lebens. » weiterlesen »

» Folge 13 von 14 in Stadtgeschichten

» Geschichte von Chefred am 02.01.13 um 12:45 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Das Leben im Hotel zur Mühle

Striptease in Roermond (2)

striptease_roermondAn die vielen Diskussionen zu diesem Plan erinnere ich mich genau. Manes war der Ansicht, dass die Militärangehörigen, die kein Quartier auf der Base hatten, ja irgendwo nächtigen müssten. Da wäre doch so ein Hotel eine Goldgrube. Hanne war skeptisch, ja, ihre realistische Einschätzung war, dass die Pacht für den Schuppen mit der großen Wirtschaft im Erdgeschoss und den acht Fremdenzimmern geringer sei als die aktuelle Miete, da wäre das Risiko ja überschaubar. Ich hatte allerdings immer den Eindruck, Manes war scharf darauf, eine eigene Kneipe zu haben, um immer an der Alkoholquelle sitzen zu können.
Als wir das erste Wochenende im Hotel zur Mühle verbrachten, waren wir entsetzt. Dieses Etablissement war durch und durch marode. Die Zimmer waren schmutzig und feucht, die Betten in einem abenteuerlichen Zustand, genau wie die Waschräume und die übrige Installation. Nur je ein Zimmer pro Etage verfügte über ein Bad, die restlichen Gäste waren auf Gemeinschaftsduschen und –toiletten angewiesen. Da Manes, Hanne und Andreas keine Wohnung in der Bruchbude hatten, funktionierten sie die oberste Etage um. » weiterlesen »

» Folge 12 von 14 in Stadtgeschichten

» Geschichte von Chefred am 25.12.12 um 16:52 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Lebensgeschichten zwischen dem Bergischen Land und dem Niederrhein

Striptease in Roermond (1)

striptease_roermondJeder ahnte, dass Manes ein Trinker war. Aber damals hatte es sich noch nicht herumgesprochen, dass jede Sucht eine Krankheit ist. Bei Alkoholikern hieß es, die sollten sich einfach mal zusammenreißen und weniger saufen. Manes war nie wirklich betrunken, und es schien sogar als könnte er nicht besonders viel vertragen. Später fanden wir heraus, dass er schon nach dem Aufwachen anfing mit dem Trinken und kurz vor dem Schlafengehen das letzte Glas nahm. In der Öffentlichkeit trank er übrigens nur Wein und vor allem Sekt. Ich sah ihn nie mit einer Flasche oder einem Glas Bier, ganz selten mit einem Schnaps. Und Manes riss sich über viele Jahre sehr zusammen. Vielleicht weil er einen starken Drang hatte, aus den ärmlichen Verhältnissen, denen er entstammte, aufzusteigen, wohlhabend zu werden. Die Familie Dietze wohnte schon seit zwei Generationen in der Paulsmühle, der schmutzigen Seite des adretten Benraths. Dem Städtchen, wie die Bewohner sagen, dem Ort, der vom Schloss in den Schatten gestellt wird. Während im Musikantenviertel am Schlosspark der alte Geldadel in hübschen Villen wohnt, sieht es auf der Ostseite eher aus wie in Hassels oder gar Reisholz. Hier im Niemandsland zwischen Düsseldorf und Hilden war immer Platz für Industriebetriebe: Thyssen, Demag, Rheinstahl, Jagenberg. » weiterlesen »

» Folge 11 von 14 in Stadtgeschichten

» Story von Chefred am 14.12.12 um 11:41 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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Als Wirtinnen noch schöne, dicke Oberarme hatten

Zur dicken Mutti

Denkt euch ein Viertel in der Stadt mit normalen Leuten. Stellt euch eine Kreuzung vor zwischen einer breiten und einer schmalen Straße. Dann erfindet eine Eckkneipe. Das könnte das Gasthaus “Zur dicken Mutti” sein. Natürlich heißt die Wirtschaft ganz anders, “Zur Post” oder “Bei Heidi” oder so, aber die Stammgäste sagen immer nur: “Ich geh zur dicken Mutti”. Dabei kann man Hildegard nicht wirklich dick nennen. Gut, sie hat ziemlich kräftige Oberarme. Das käme davon, sagt sie, dass sie als junges Mädchen Leistungsschwimmerin gewesen sei. Es fällt schwer, sich die Hilde – so dürfen nur die allerliebsten Tresenhocker sie nennen – als Delfin in einem chlorigen Becken vorzustellen. Allein schon wegen der Frisur. Aus irgendeinem Grund hat sie sich für den Look der frühen sechziger Jahre entschieden. Also für eine Wasserwelle, die mit vielen Zutaten in reinen Beton verwandelt wird. Einige Gäste würden einiges darum geben, einmal morgens neben ihr im Bett zu erwachen. Nur um zu sehen, wie ihre Haare dann aussehen. Nach allem was ich weiß ist Hildegard auch keine Mutti. Sie spricht ja nur wenig über sich selbst, der Verweis auf ihre sportliche Vergangenheit ist da die Ausnahme. » weiterlesen »

» Folge 10 von 14 in Stadtgeschichten

» Geschichte von Chefred am 07.12.12 um 17:06 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als Schulbälle noch für Live-Auftritte angesagter Bands standen

Die Beerdigung des Fahrrads (1970)

Reden wir von der Ära der Schulbälle. In den Jahren zwischen etwa 1965 und 1975 waren Partys für junge Leute eher dünn gesät. Glücklich, wer so eine Tanzschule wie die von Gerd Kaechele in der Nähe hatte. Wo die Veranstaltungen zwar Tanztee und Tanzabend hießen, wir Jugendlichen aber nach unserem Geschmack Musik hören, tanzen und feiern konnten. Natürlich gab es da auch noch die Altstadt, aber außer den berühmten Jazzkellern wie dem Dr.Jazz handelte es sich bei den Etablissements vorwiegend um mehr oder weniger schmuddelige, düstere Kneipen, in den der Altbierkonsum im Vordergrund stand. Immerhin wurde in den besseren dieser Läden ab etwa 1966 korrekte Musik aufgelegt. Aber Live-Konzerte, die gab es nur auf den Feten von Kunstakademie, Uni und PH Neuss sowie eben auf den Bällen der Gymnasien. Für meinen Freundeskreis und mich waren diese Veranstaltungen feste Größen im imaginären Terminkalender. Man wusste schon vorher, welche Bälle klasse, welche eher öde werden würden, denn die Gymnasien hatten unterschiedlich hohe – heute würde man sagen – Coolness-Faktoren. Das Leibniz-Gymnasium, an dem acht Schuljahre zu verbringen ich die Ehre hatte, war schon ziemlich angesagt, Rethel, Görres, Max Plank, Comenius auch. Über Fliedner in Kaiserswerth und das damals noch unbenannte Gymnasium an der Koblenzer Straße wusste man nicht viel. Mädchen-Gymnasien waren bis auf das Luisen eher uninteressant. Das Geschwister Scholl am Hennekamp war der Shooting Star der Jahre. » weiterlesen »

» Folge 9 von 14 in Stadtgeschichten

» Stoty von Chefred am 20.11.12 um 08:46 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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Wie ich mit Jörg Immendorff ein Transparent für die Erste-Mai-Demo malte

Heraus zum grünen 1. Mai!

immendorff_und_ich_1980Als die Grünen sich selbst noch zu den Linken zählten, nahmen viele Mitglieder auch an den klassischen Demonstrationen zum 1. Mai teil. Es war das Jahr 1980, in dem ehemalige K-Gruppen-Kader sich verbürgerlichten und penetrant eine Zusammenarbeit mit den Sozen herbeireden wollten. Das hieß in jenen Jahren auch, dass man sich mit den Gewerkschaften gut stellen musste, also auch bei den Mai-Kundgebungen mitzumachen. Immerhin waren uns die Spezialdemokraten und Gewerkschaftsfunktionäre nicht annähernd so verhasst wie die Betonköppe aus dem Lager der K-Gruppen, so Typen wie der Trittin und andere, die einst in der KPDML oder KPD/AO oder den MG oder im KBW an der Weltrevolution in Berlin und/oder Frankfurt gearbeitet hatten. In den Gründungsjahren der Grünen, an denen ich auf allen Ebenen intensiv beteiligt war, prallten völlig gegensätzliche Kräfte aufeinander. Noch beim Gründungsparteitag in Karlsruhe konnte man den Blut-und-Boden-Bauern Baldur Springmann und den erzkonservativen CDU-Naturfreund Herbert Gruhl im freundlichen Gespräch mit den Extremlinken Thomas Ebermann und Rainer Trampert und natürlich auch Jutta Ditfurth. Die späteren Karrieristen und Wendehälse à la Fischer, Schily und Konsorten waren entweder nicht dabei oder spielten keine Rolle. Bei uns in Düsseldorf gingen die grünen Uhren ohnehin anders. » weiterlesen »

» Folge 8 von 14 in Stadtgeschichten

» Geschichte von Chefred am 03.11.12 um 14:11 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton,Innenpolitik
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Sommer- und Wintervergnügen der späten Sechziger im Zentrum der Pubertät

Schlittschuh, Schwimmbad, Schamhaar

Damals, in den Zeiten als sich Mädchen noch nicht die Achsel- und Schamhaare rasieren mussten, waren Freibad und Eisbahn die wichtigsten Kontakthöfe fürs junge Volk. Während man die körperlichen Gegebenheiten einer potenziellen Geschlechtspartnerin zum Beispiel im Schwimmbad am Rheinstadion oder in Lörick unmittelbar in Augenschein nehmen und abwägen konnten, zählten im Eisstadion mehr die inneren Werte. Barbara hätte natürlich in beiden Arenen Kantersiege eingefahren, aber im Sommer habe ich sie nie beim Schwimmen gesehen. Auf dem Eis war sie zumindest im Winter 1969/70 die Schönste ihrer Altersklasse. Für mich allerdings ein bisschen zu schön und auch um ein, zwei Jahre zu alt. Sie war recht groß gewachsen, hellblond und trug die Haare mittelgescheitelt und sehr lang unter der warmen Mütze. So weit es sich abschätzen ließ, muss sie eine tolle Figur gehabt haben. Ich aber hatte ein Auge auf ihre kleine Schwester geworfen. » weiterlesen »

» Folge 7 von 14 in Stadtgeschichten

» Story von Chefred am 31.10.12 um 08:57 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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