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Was das Mittelfränkische mit dem Rheinischen und dem Niederländischen zu tun hat

Deuen und trecken

“Deu mich nich so”, sagt der Jupp zum Döres, der ihn versucht, in die überfüllte Wirtschaft zu schieben. Außerdem ist die Mama den Kinderwagen am Deuen, und der Toni is jrad am ömtrecke. So spricht man im Rheinischen Sprachgebiet, genauer: im Niederrheinischen. Also der mundartlichen Variante des Deutschen, die von Ossis, Nordis und Südis immer für Kölsch gehalten wird, tatsächlich aber entlang des Rheins ab etwa Remagen bis hoch nach Emmerich, linksrheinisch bis zu 100 Kilometer vom Strom entfernt, rechtsrheinisch dagegen nur in einem recht schmalen Streifen gesprochen wird. In dieser -sammerma- “rheinischen” Mundart gibt es hinwiederum lokal recht unterschiedliche Ausprägungen. Während sich das Bönnsch und das Kölsch recht ähnlich sind, unterscheidet sich das Öcher Platt davon doch erheblich – unter anderem durch die stark verringert Sprechgeschwindigkeit und die Aussprache des G nach A, O und U als Reiblaut, also wie CH. Ein mir einst bekannter Huusmeester aus Jüchen sagte zum Beispiel immer: “Isch jeh jezz ma nam Laacher”, wenn er etwas aus dem Lager holen wollte. Allein schon weil nördlich der Benrather Linie angesiedelt, ist das Düsseldorfer Platt wieder ganz verschieden, zumal es erheblich vom Bergischen geprägt ist. Denn Düsseldorf zählt geschichtlich nicht zum Rhein-, sondern zum Bergischen Land. Aber in allen genannten Städten und Regionen des “Rheinischen” heißt es eben “deuen” und “trecken”. » weiterlesen »

» Folge 16 von 16 in Wörtermuseum

» Bericht von Chefred am 25.11.14 um 13:39 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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Wie aus Stierhoden erst Cojones und dann Eier wurden...

Eier, wir brauchen Eier

osbornestierDer flachhirnige und kurzschwänzige Machismo, der gerade unter Fußballkerlen fröhlich Urständ feiert, bringt nicht nur sexistische Kackscheiße in Massen hervor, sondern auch semantische Blödheiten. Eine davon ist der Spruch von den Eiern, die jemand nicht habe oder brauche. Legendär der Spruch des Torwart-Berserkers, der regelmäßig im ZDF beweist, dass sein Sprachschatz ausschließlich aus Plattitüden besteht. Oliver Kahn sagte nach irgendeiner Niederlage mit hormonverzerrter Fresse in die Kamera: “Eier, wir brauchen Eier. Sie wissen, was das heißt.” Wobei möglicherweise der kleine Nachsatz verantwortlich dafür ist, dass gerade Spochtschreibfinken dauernd mit irgendwelchen Eiern wedeln – und die dumpfe Truppe der fachsimpel(sic!)nden Fans plappert nach. “Sie wissen, was das heißt.” Nein, wussten die meisten zu dem Zeitpunkt nicht. Aber ein Großteil der XY-Träger ahnte was, und die Buben mit migrantischem Hintergrund wussten es: Es ging um die Größe der Testikel. Oder auch die völlige Abwesenheit davon. Denn keine Eier zu haben, wird gleichgesetzt mit feige sein. Hodenlose Wesen sind also kleinmütig, lassen sich bangemachen und fürchten den Konflikt. Der Mann, aber, der macht sich gerade und kämpft für sein, ähem, Ding. » weiterlesen »

» Folge 15 von 16 in Wörtermuseum

» Herleitung von Chefred am 07.11.14 um 15:24 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Ob Pänz, ob Blagen - alles Rotzije

Die Rotzije

Düsseldorfer Pänz anno 1957 im KarnevalMan hört diesen Ausdruck für freche Kinder im Rheinland nur noch selten: Rotzije. Oder im Singular: dä Rotzich. Einen Verweis findet man überhaupt nur in einem Online-Wörterbuch für die Krefelder Mundart, das Krieewelsch. Nur ältere Leute, grob gesagt vor Jahrgang 1965 verwenden den Ausdruck noch ganz selbstverständlich. Wer meint, eine rheinische Mundart imitieren zu müssen, sagt eher “Pänz“. Wobei dieser Begriff über das Domdorf südlich von Düsseldorf vor allem durch die geniale Musiktruppe Bläck Föös so richtig bekannt wurde. In Düsseldorf selbst ist dieses Wort eher weniger gebräuchlich, obwohl es gerade von Karnevalisten regelmäßig verwendet wird – ein deutliches Zeichen dafür, dass Düsseldorfer Karnevalisten immer mehr vom kölschen Fastelovend übernehmen. Bleiben wir also bei dä Rotzije. » weiterlesen »

» Folge 14 von 16 in Wörtermuseum

» Annäherung von Chefred am 23.10.14 um 12:49 » in Rubrik(en): Düsseldorf,Feuilleton
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Ein schönes Beispiel für die neue deutsche Rechtschreibung

Spaß und Spass

Es soll ja Menschen deutscher Zunge geben, die immer noch mit der nicht mehr ganz so neuen Rechtschreibung hadern. Besonders das scharfe S, auch Ess-Zett genannt, hat’s ihnen angetan. Ja, manche behaupten, es sei nach schweizer Vorbild abgeschafft. Dem ist mitnichten so. Statt dessen gehorcht seine Verwendung endlich nachvollziehbaren Regeln. Anders ausgedrückt: Daran, dass ein “ß” im Wort vorkommt (oder nicht), kann man die korrekte Aussprache ablesen. Denn das scharfe S wird verwendet, um deutlich zu machen, dass der vorangehende Vokal laaaaang ausgesprochen wird. Das Doppel-S weist hingegen auf einen kurzen Vokal hin. Jetzt müsste man nur noch wissen, was ein Vokal ist. Früher hießen die Buchstaben dieser Sorte “Selbstlaute”, zu ihnen zählen A, E, I, O, U sowie die Umlaute Ä, Ö und Ü. Steht vor dem S-Laut ein Diphtong – ein Gespann von zwei Vokalen wie AU, EI etc. – folgt immer ein Ess-Zett. Besonders schön lässt sich die Sache an einem Wort verdeutlichen, das zwar laut Duden nur in einer Schreibweise vorkommt, real aber auf zwei verschiedene Weisen ausgesprochen wird: Spaß und Spass. » weiterlesen »

» Folge 13 von 16 in Wörtermuseum

» Überlegungen von Chefred am 19.09.14 um 15:27 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Die Entscheidungen und ihre Konsequenzen

Schönreden

Das schöne Tuwort “schönreden” ist der nette kleine Bruder vom Verb “schönsaufen”. Gemeint ist, dass sich eine Person so systematisch den Alkohol in die hohle Birne knallt, damit das Gegenüber jenseits aller Realität schön und begehrenswert wird und man sich einen Fick mit diesem Gegner vorstellen kann. Wir wissen also, dass die Vorsilbe “schön” meint, sich durch die daran hängende Tätigkeitsbeschreibung eine Person, eine Sache oder eine Situation so zu behandeln, dass sie einem am Ende begehrenswert, ja, schön erscheint. Während es beim Schönsaufen vor allem um den angestrebten Geschlechtsverkehr geht, lässt sich das Schönreden auf fast alles anwenden. Vor allem auf die Ergebnisse eigener Entscheidungen, die jedem anderen außer dem Entscheider ls Fehlentscheidungen erscheinen. Zum Beispiel ein so genannntes “Smartphone” der Firma Apple gekauft zu haben, das auch nicht mehr kann als alle anderen modernen Handys, aber doppelt so teuer ist. » weiterlesen »

» Folge 12 von 16 in Wörtermuseum

» Nachdenkung von Chefred am 10.09.14 um 19:59 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Die heilige Einfalt der guten Menschen

Bonhomie

biedermannOkay, führen wir doch mal eine semantische Debatte zum Unwort “Gutmensch”. Und zwar ausgehend vom veralteten Lehnwort “Bonhomie“. Denn das stammt ab vom “bon homme”, was nichts anderes ist als “a gutt Mensch”, also ein Gutmensch. Ja, der Kampfbegriff der Necons stammt wohl auch von einem jiddischen Ausdruck ab. Wobei das jiddische Wort “Mensch” nicht einfach einen Homo sapiens meint, sondern einen ehrbare, integre Person. Somit ist die Phrase “a gutt Mensch” noch eine Steigerung des Wortgehalts. Wenn also der berüchtigte Gutmensch ein Nachfahre von a gutt Mensch ist, dann kann man diese versuchte Diffamierung von Menschen mit Moral und Ehre getrost als gescheitert betrachten. Aber das ist ja auch noch der “bonhomme”. Zusammengeschrieben meint der Begriff etwas anderes als die Kombination aus “bon” und “homme”, denn das bedeutet schlicht “guter Mann”. Das Wort “bonhomme” aber mehrdeutig. » weiterlesen »

» Folge 11 von 16 in Wörtermuseum

» Beschreibung von Chefred am 11.08.14 um 12:58 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als man sich in der Schule noch mit der Heimat befasste

Heimatkunde

volksschuleFrüher gab es ein Schulfach namens “Heimatkunde”. Die 1950er-Jahre waren die goldene Zeit dieses Unterrichtsfachs – sowohl in der Bundesrepublik, als auch in der DDR. Ab Anfang der Siebzigerjahre bekam dann der Begriff “Heimat” zunehmend einen unangenehmen Geruch. In der öffentlichen Wahrnehmung war dieses Wort vor allem geprägt durch die revanchistische Interpretation der sogenannten “Vertriebenenverbände”. Heimat, das war im Osten, wo der Iwan uns alles weggenommen hatte. Neben den Kriegflüchtlingen waren es nur noch die erzkonservativen, christkatholischen Silberrücken in den Städten und Gemeinden, die Heimatvereine betrieben. Davon hat über die Jahre gerade mal die sogenannte “Volksmusik” überlebt. Dem Begriff “Heimat” ging es dann ab Mitte der Achtzigerjahre wie vielen anderen Wörtern, die irgendwie mit strammrechtem Kram verklebt waren: Sie galten als schmuddelig, ihr Gebrauch als politisch nicht korrekt. Dabei war der Heimatkundeunterricht nicht per se volkstümelnd oder rechtskonservativ. Im Gegenteil. » weiterlesen »

» Folge 10 von 16 in Wörtermuseum

» Überlegungen von Chefred am 20.05.14 um 12:10 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Wenn Kleidung aus dankbarem Stoff ist

Strapazierfähig

Dies ist ein Wort aus meiner Kindheit, und zwar eines, dass für mich so richtig doll nach Spießermuff riecht. Wir reden über die Zeit, als man noch bei Peek & Cloppenburg, C&A, Karstadt oder Kaufhof beim Bekleidungskauf noch von richtigen Verkäufern richtig beraten wurde. Wobei diese Verkäufer ja geradezu das Paradebeispiel für Servilität waren – und über einen sehr speziellen Jargon verfügten (den Loriot in mehreren Nummer kongenial hat nachspielen lassen – z.B. beim Bettenkauf). Zu diesem Jargon gehörte bei Kinderkleidung unbedingt das Wort “strapazierfähig“. Damals waren Kinder ja noch “Racker”, “Lausbuben” oder “Pänz”, die den Tag DRAUSSEN beim Spiel mit den vielen, vielen anderen Kindern verbrachten. » weiterlesen »

» Folge 9 von 16 in Wörtermuseum

» Überlegung von Chefred am 01.09.12 um 11:28 » in Rubrik(en): Feuilleton
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