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Wenn Kleidung aus dankbarem Stoff ist

Strapazierfähig

Dies ist ein Wort aus meiner Kindheit, und zwar eines, dass für mich so richtig doll nach Spießermuff riecht. Wir reden über die Zeit, als man noch bei Peek & Cloppenburg, C&A, Karstadt oder Kaufhof beim Bekleidungskauf noch von richtigen Verkäufern richtig beraten wurde. Wobei diese Verkäufer ja geradezu das Paradebeispiel für Servilität waren – und über einen sehr speziellen Jargon verfügten (den Loriot in mehreren Nummer kongenial hat nachspielen lassen – z.B. beim Bettenkauf). Zu diesem Jargon gehörte bei Kinderkleidung unbedingt das Wort “strapazierfähig“. Damals waren Kinder ja noch “Racker”, “Lausbuben” oder “Pänz”, die den Tag DRAUSSEN beim Spiel mit den vielen, vielen anderen Kindern verbrachten. » weiterlesen »

» Folge 9 von 9 in Wörtermuseum

» Überlegung von Chefred am 01.09.12 um 11:28 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Zwischen Winter und Frühling, zwischen Herbst und Winter

Der Übergangsmantel

Ob dieses Wort wirklich schon ins Museum muss, ist zweifelhaft. Denn alle deutschen Klamottenkonsumenten, die ihre erste Hose vor circa 1970 bekamen, werden den Begriff noch kennen, ja, ihn möglicherweise auch noch aktiv benutzen. Immerhin finden sich im Web Anziehsachenversender, die ihn verwenden. Schon als Kind – ich war sprachlich immer schon recht aufgeweckt – habe ich über die inhaltliche Qualität des Wortes gegrübelt. Ohne viel Nachfragen war mir klar, dass nicht der Übergang über einen Fluss oder eine Straße gemeint war (denn so hätte das Ding ja auch “Brückenmantel” heißen können…), sondern die Zeit, in der eine Jahreszeit in die andere übergeht. Und zwar immer bezogen auf den Winter. Denn: “Winterzeit ist Mantelzeit”! Natürlich stammt der Begriff aus Zeiten, in denen das Modisch klar geregelt war: Herren trugen bei Kälte Mäntel und Hüte, Damen sowieso. Bürger hatten Wintermäntel. Damit schützten sie ihre noch vom Krieg geschwächten Körper vor der bitteren Kälte. Die Wohlhabenden hatten – Achtung! Es folgt ein weitere Kandidat fürs Wörtermuseum – Staubmäntel für den Sommer. Und dazwischen? » weiterlesen »

» Folge 8 von 9 in Wörtermuseum

» Überlegung von Chefred am 16.08.12 um 11:48 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als die Frühlingsrolle noch ein gängiger Imbiss in der Pommesbude war

Loempia

Neulich schoss mir völlig ohne Anlass das Wort (phonetisch!) “Lömmpia” durch die Birne. Wieso, dachte es, gibt’s die nicht mehr in der Pommesbude? Oder gibt’s die vielleicht doch noch in der Pommesbude, nur dass sie jetzt Frühlingsrollen heißen? Natürlich hießen die nie Lömmpia; “Loempia” ist die niederländische Umschrift für das entsprechende indonesische Wort, das korrekterweise “Lumpia” ausgesprochen wird. Aber den Satz “Tu misch ma ne Lömmpia” habe ich noch fest im Ohr. Meine Recherchen brachten zu Tage: Die Loempia ist nicht mehr Bestandteil des normalen Pommesbudenfrasses. Nicht mal die Frittenversorger, die sich holländisch geben, bieten die Dinger an. Und das hat einen ziemlich offensichtlichen Grund: » weiterlesen »

» Folge 7 von 9 in Wörtermuseum

» Überlegungen von Chefred am 02.08.12 um 11:23 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als die US-Unterhaltungsindustrie noch nicht die Globalherrschaft errungen hatte

Zeichentrickfilm

Vermutlich kennt die Mehrheit der Generation 25 und jünger diesen Begriff schon nicht eher. Falls doch, werden sie fragen: Hä? Was hat so ein Animationsfilm mit Zeichnen zu tun? Was mit Trick? Liebe junge Freunde, zunächst sei euch mitgeteilt, dass ca. 99,9999 Prozent der Menscheheitsgeschichte ganz ohne Computerhilfe verlaufen sind. Nicht mal Photoshop gab es! Was heute Grafikdesigner oder Animationskünstler sind, waren damals Zeichner. Die hatten so eine Art iPad, aber mehr so aus Papier, und so Stifte, für jede Farbe einen anderen, ha,ha,ha,… Und da haben die dann mit den Stiften auf dem Papier gezeichnet, also quasi Pfade angelegt. Fläche schraffiert. Nein, nicht mit einem winzigen Eimerchen, sondern durch schnelles, schräges hin und her Bewegen des Stiftes. Der Trick beim Zeichentrickfilm stammt aus der Frühzeit des Films. Ja, es gab auch eine Menschheitsgeschichte ganz ohne Film, ohne DVD oder YouTube! » weiterlesen »

» Folge 6 von 9 in Wörtermuseum

» Erinnerung von Chefred am 19.05.12 um 13:37 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Erinnerungen an das Tipp-Ex-Zeitalter

schreIBMaschinen

gabriele8008Liebe Kinder, stellt euch mal vor, dass es früher eine Zeit ganz ohne Computer gab. Da fragt ihr euch sicher, wie denn die Leute in den Büros die Briefe geschrieben haben. Und vor allem: Wie die diese ohne Drucker gedruckt haben. Nun, da ich aus jener Ära in der fernen, fernen Vergangenheit stamme, kann ich euch sagen: Es gab Schreibmaschinen. Wie der Name schon vermuten lässt, handelte es sich dabei um Geräte, mit denen man Text auf Papier bringen konnte. Die gab es in jedem Büro, auch in den Zeitungsredaktionen und in vielen Haushalten. Und weil sich nicht jeder eine eigene Schreibmaschine leisten konnte, gab es Schreibbüros, wo man sich einen Brief mit der Maschine schreiben konnte. Man nannte die Tätigkeit auch “Tippen” – wie im Computerwort “eintippen”. Und weil die Schreibmaschine auf Englisch “Typewriter” hieß, nannte man die Damen, die in Büros an den Maschinen schrieben, auch “Typistinnen”. Ja, die Damen, den das Maschinenschreiben war fast zu 100 Prozent Frauensache. So wie es ja auch bis Mitte der siebziger Jahre so gut wie keine männlichen Sekretäre in den Firmen gab. Ich muss das wissen, denn ich habe Sekretärin gelernt. » weiterlesen »

» Folge 5 von 9 in Wörtermuseum

» Bericht von Chefred am 27.11.11 um 21:20 » in Rubrik(en): Feuilleton,Wirtschaft
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Warum dieses nützliche Obst im Deutschen zwei verschiedene Namen hat

Apfelsine

apfelsineAlso bei uns zuhause, damals in den fünfziger und sechziger Jahren, hießen die Früchte mit der Schockfarbe “Apfelsinen”. Selbst mein Vater, den sie in der amerikanischen Kriegsgefangenschaft derart mit Obst malträtiert hatten, dass er später keine Ananas mehr essen konnte, also einer, dem das englische Wort “Orange Juice” geläufig war, sagte “Apfelsine”. Wikipedia meint ja, dass der Begriff “Orange” der weiter verbreitete ist. Wenn ich Zeit hätte, würde ich das mal recherchieren und den Artikel gegebenenfalls ändern. Ich bin mir sicher, dass es in Bayern in jenen Jahren auch noch “Apfelsine” hieß – denn ich trank im Gasthaus gern den zugehörigen Saft. Natürlich ist das nur ein Streit um Worte, aber auffällig ist schon, dass die Verwendung des Wortes mit den niederländischen Wurzeln immer mehr zurückgegangen ist und insbesondere in Produktbezeichnungen und Kochrezepten fast völlig verschwunden ist. Im Niederländischen heißt diese Südfrucht “Sinaasappel”, also so viel wie “Apfel aus China”. Laut Wikipedia wurde das Wort im Deutschen (und in allen skandinavischen Sprachen!) zum Lehnwort. » weiterlesen »

» Folge 4 von 9 in Wörtermuseum

» Hinweise von Chefred am 08.01.11 um 12:45 » in Rubrik(en): Feuilleton
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Als der Postbeamte noch SMSe für Kunden tippte

Telegramm

telegrammKramen Sie mal in der Erinnerung: Haben Sie je ein Telegramm bekommen? Wenn ja, wann? Viele junge Menschen werden überhaupt nicht wissen, was ein Telegramm eigentlich ist. Laut Wikipedia handelt es sich dabei um eine telegrafisch übermittelte Botschaft. Das Wort “Telegraph” basiert auf dem Griechischen und heißt übersetzt “Fernschrift”. In älteren Romanen und Dokumentationen heißt es gelegentlich, diese oder jene Nachricht sei fernschriftlich versandt worden – gemeint ist, dass ein Telegramm (oder ein bisschen später ein “Telex“) gesendet wurde. Diese Fernübermittlung begann mit so genannten “Semaphoren“; und zwar schon in der Antike. Dabei wurden Zeichen in einem optischen System verschlüsselt von Sichtpunkt zu Sichtpunkt übermittelt. Das ging mit Fähnchen (siehe auch Flaggenalphabet) oder Hölzern, ja sogar mit Rauch- und Feuerzeichen oder anderen sichtbaren Effekten. In Frankreich bestand vom Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhundert ein enges Netz von Semaphoren, also Türmen, die mit Zeichengebern ausgerüstet waren. Die bestanden aus zwei schwenkbare Querbalken mit zwei weiteren schwenkbaren Balken an jedem Ende, sodass insgesamt 196 verschiedene Zeichen gezeigt werden konnten. Eine Botschaft wurde also vom Startsemaphor aus gesendet und dann von Turm zu Turm weitergegeben bis zum Zielpunkt. » weiterlesen »

» Folge 3 von 9 in Wörtermuseum

» Bericht von Chefred am 31.10.10 um 14:34 » in Rubrik(en): Innenpolitik,Wirtschaft
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Als noch nicht alles eingetippt wurde...

Wählscheibe

Manche Wörter verschwinden, weil es die Technik nicht mehr gibt, die sie repräsentiert haben. Das ist in ganz besonderem Maße rund ums Telephon so. Die technische Evolution der audialen Fernkommunikation verlief zunächst langsam. Bis weit in die vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hinein gab es praktisch keine Selbstwählnetze. Man nahm den Hörer von der Gabel (noch so ein schwindendes Wort in diesem Kontext) und drehte an der Kurbel. So wurde das Fräulein vom Amt geweckt, der man mitteilte, mit wem man verbunden werden wollte. Die ersten Telefone für den Selbstwählverkehr arbeiteten übrigens mit Tasten. Und dann wurde der Nummernschalter namens “Strowger finger-wheel sub station dial” erfunden – die Wählscheibe. Wieder vergingen etliche Jahre bis um 1970 herum das Multifrequenzverfahren zum Wählen von Nummern eingeführt wurde. Nun sendete das Telefon nicht mehr elektrische Impulse, sondern akustische Signale. Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts machten sich pfiffige Jungs das zu nutze. » weiterlesen »

» Folge 2 von 9 in Wörtermuseum

» Erklärung von Chefred am 31.07.10 um 09:57 » in Rubrik(en): Feuilleton
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