Auf dem Herrenklo einer guten deutschen Autobahnraststätte fand ich erste Anzeichen für den Rückzug der Holländer: Ein apfelsinenfarbenes, leidlich erhaltenes Käppi. Ich nahm es an mich und beschloss, es als Mahnmal zu verwenden. Später reiste ich dann wieder in Österreich ein, erreichte Vöcklabruck auf der Suche nach einem Ort zum EM-Gucken, am besten bestückt mit alten Römern. Man weiß ja, dass die alten Römer wegen ihrer Dekadenz ausgestorben sind. Und wegen ihres Militärfimmels: Zu viel Panzer, zu wenig Hirn. Gestern fehlte das Hirn in Gestalt von Frau Pirlo ganz. Das sehen die beiden mittelalten Herren, die ich in einer leerstehenden Pizzeria aufstöberte, ähnlich. Obwohl italienischer Herkunft ließ sie das Spiel der azzurischen Damenmannschaft (oder wie sonst erklären sich folgende Vornamen: Andrea, Simone, Daniele?) einigermaßen kalt. Der eine murmelt nur gelegentlich etwas davon, dass der Herr Donadoni keine Eier habe und üblicherweise Katzen ficke. So verging die Zeit. Ich nahm eine Quatro Stagioni.
Wir alle haben ja schon erbärmliche Partien gesehen bei der UEFA Euro 2008 (Remember: SW vs GRE!), aber das, was die jungen Spanier und die alten Römer da auf dem Wiener Rasen boten, war auf eine ganz erschreckende Weise schlecht. Der leider noch amtierende Weltmeister hat null Plan und spielte Alles-auf-Toni. Der wiederum hampelte sinn- und erfolglos durch den iberischen Strafraum. Den eigenen Sechzehner bewachten die großen Jungs mit sieben oder acht Kerlen, und schlimmstenfalls waltete Buffon seines Amtes. Da hätte man eventuell doch lieber die Rumänen gesehen.
Und dann die Spaniolis. Die ja in den Gruppenspiele gelegentlich gezaubert hatten. Allein, sie kennen nur eine Art Zauber und sind stur wie nur Spanier stur sein können. So praktizierten sie ihre Taktik unermüdlich über 120 Minuten hinweg, ohne zu ahnen, dass sie so auch noch zwei Stunden mehr würden kicken können ohne den Freunden vom Stiefel etwas anhaben zu können. Die älteren Herren im Lokal verlegten sich mit zunehmender Spieldauer aufs Fluchen, was meinen Vorrat an italienischen Verwünschungen erheblich aufstockte. Es war so langweilig, dass ich nach dem Essen einen Averna bestellte, weil ich es mir wenigstens mit Alkohol ein bisschen nett machen wollte.
Übrigens: Österreichische Sportkommentatoren sind keinen Deut besser als ihre deutschen Kollegen – die lesen auch gern Statistiken vor und mutmaßen über die Gefühlszustände der Akteure. Der Typ, der gestern moderierte, war zudem mit den Spielregeln wenig vertraut. Damit hatte er viel gemein mit diesem Herrn Fandel aus Bitburg und/oder Prüm, der jede Fehlentscheidung traf, die sich ihm bot. Gut dass dieses Turnier, das sein erstes ist, auch sein letztes sein wird. Den möchten wir ja auch in der Bundesliga nicht mehr erleben.
Ach ja, die blutjungen Buben von der iberischen Halbinsel gewannen das Elfmeterschießen. Wenn’s denn jemanden interessiert…
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