Knatsch in der Nationalelf

Ballack, Frings , Kuranyi & die Milliönchen

spielerberater.jpgDer handelsübliche, von SportBILD und den Standardmedien verblödete Fußballfreund nimmt dieser Tage regen Anteil an den Quengeleien der verdienten Nationalkicker. Den Anfang machte Kevin “Nutella” Kuranyi, der sich davonstahl und sich später entschuldigte. Dann meckerte der formlose Frings rum, weil er gegen Wales auf der Bank saß. Und nun moppert Mischael Ballack in einem FAZ-Interview heftigst gegen den Bundes-Jogi und sein Team. Im Kern geht es immer um dasselbe: According to Ballack, Frings & Kuranyi haben “verdiente” Nationalspieler mehr Respekt verdient und müssen daher auch dann spielen, wenn sie unfit oder außer Form sind. Nun schieben die bekanntlich dumm-faulen Spochtjournalisten derlei Bedenken gern auf ihre berühtem schmieröl-psychologische Bank. In Wahrheit geht es aber um Geld, um viel Geld, um sehr viel Geld, ja, um Millionen. Und da kommen die berufsmäßigen Schmarotzer Spielerberater in die Partie.

Denn natürlich keifen die Ballzicken nicht rum, weil sie püschisch so verletzt sind, lässt sie der Joachim “Frisur” Löw auf Tribüne oder Bank schmoren, sondern weil es ihren Marktwert schmälert. Und wenn der Marktwert eines Starkickers geschmälert ist, dann geht das voll proportional auf den Umsatz seines Beraters. Ergo ist es im Interesse der Agenten, wenn die Spieler nörgeln.

Nehmen wir einmal die notorische ROGON GmbH & Co. KG des ebenso notorischen Roger Wittmann. Der Lebensgefährte der ehemaligen Tennisstöhnerin Anke “Akne” Huber und Schwager des Mario “Kettenraucher” Basler und sein Expertenteam betreut sage-und-schreibe 52 europäische Fußballprofis, u.a. den Kuranyi Kevin. Nun sind die lizensierten Spieleragenten längst nicht mehr bloß für den Transfer ihrer Schützlinge zuständig, sondern für deren Vermarktung (Werbung, Merchandising etc.) und betriebswirtschaftliche Betreuung. Mit anderen Worten: An jedem Euro, den so ein Typ in kurzen Hosen verdient, sind sie beteiligt. Das kann sich bei 52 Kunden ganz schön summieren.
Und da die Einnahmen außerhalb des Spielfelds inzwischen bei bekannten Spielern deutlich mehr ausmachen als die Gehälter und Premien, haben die Berater ein genuines Interesse daran, den Marktwert eines Kickers so lange wie möglich so hoch wie möglich zu halten. Da heiligt der Zweck die Mittel. Das Spiel spielen die Spieler, die sich – ab einem bestimmten Niveau – der Medien bedienen, um ihre Position, damit ihren Marktwert und die Einnahmen zu halten oder zu steigern.

Jetzt da der Kevin nicht mehr national kicken wird, sind Auswirkungen absehbar. Noch laufen diverse Spots für Nutella und das FIFA-Computerspiel über die Flachschirme, in denen der – zugegeben markante – Spieler mit dem Filzstiftbart zu sehen ist. Der Werbevertrag mit der Nuss-Nougat-Creme läuft über den DFB – das heißt: Wer nicht mehr Mitglieder des Löw’schen Kaders ist, fliegt über kurz oder lang vom nutella-getränkten Frühstückstisch, was den Betroffenen eine ganze Menge Kohle kosten kann. Das will der Roger bestimmt nicht. Deshalb will er den Kevin weiter bei der DFB-Elf haben. Deshalb war der Roger auch vom Kevin’schen Verpissen nicht sehr erfreut. Auch ihn wird das Geld kosten.

Was aber erlauben Ballack? Der Capitano setzt sich lauthals für einen Torsten “Lutscher” Frings ein, der in der Tat ein verdienter Nationalkicker ist, aber nach seiner langen Verletzung nicht annähernd wieder in Form ist. Es steht zu vermuten, dass Ballack auch im Sinne seines Kumpels gegen Wales trotz Verletzung gespielt hat, denn es geht hier nicht um Einzelinteressen, sondern ums große Ganze. Ballacks Motivation für sein Treiben dürfte gewesen sein, den nachrückenden jungen Spielern (von denen einige deutlich mehr Talent mitbringen als olle Ballack je hatte…) den Weg noch ein bisschen zu verbauen. Ballack will um jeden Preis bei der WM 2010 spielen und womöglich Weltmeister werden – denn dann winken diverse Milliönchen. Werden jetzt aber seine Mitstreiter aus WM-06-Zeiten gekickt, naht auch seine Stunde. Deshalb legt er sich für den langhaarigen Ferrari- und Hiphop-Freak aus Bremen ins Zeug. Aus dem gleichen Grunde wärmt er die ollen Kartoffeln vom nicht berücksichtigten Kiki Wörns (der in kaum einer anderen Nationalelf je einen Platz gefunden hätte) auf. Das soll zeigen: Nur mit den verdienten Spielern kann’s mit dem Cup klappen.

Und wer lässt die Spielerpuppen derart tanzen? Natürlich die Spielerberater – in diesem Fall der Herr Michael Becker. Bei Frings handelt es sich um den Herrn Pflippen, der sich auch nicht kontinuierlich mit Ruhm bekleckert hat. Dass Spieler aus unterschiedlichen Ställen für einander in die Bresche springen, ist das eigentlich Bemerkenswerte an der laufenden Kampagne, denn die Berater selbst sind untereinander selten grün und neigen insgesamt eher zur Kollegenschelte. Aber das kommt dieser Tage bestimmt noch…


» Kommentar von Rainer Bartel am 22.10.08 um 18:03 » in Kategorien: Sport » 1.016 x gelesen » noch kein Kommentar
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