Bundesliga? Laaangweilig…

Geld schießt Tore. Wenn das Geld für einen Herrn Toni ausgegeben wird, der zwar ü-ber-haupt nicht Fußball spielen kann, seine Rübe aber immer irgendwie hinter den Ball kriegt. Der FC Bayern München ist nur wegen des Luca Toni Deutscher Meister geworden. Ohne diesen unsympathischen Schönling hätten die Schnösel des Herrn Hitzfeld vielleicht viel schön gespielt, aber die Hütten nicht gesammelt. Zumal der Fronck insgesamt eine Enttäuschung war in seiner Inkonsistenz. Der zaubert bei Bedarf, hat aber sonst nur Flusen im Kopf. Das alles reicht nur zur Meisterschaft in der fünft besten Liga (nach England, Italien, Spanien, aber auch Frankreich und sogar Portugal).

Langweilig war die Saison auch, weil die Bayern auch Spiele gewannen, in denen sie lustlos, arrogant und/oder verwirrt agierten – bisweilen with a little help of the Schiedsrichters. Dass die versammelte Antiintelligenz der Spochrepochter und Statistikvorleser gleichermaßen mehr für Goliath als David schrieben und plapperten, macht nichts besser.

Aber das sind noch mehr Enttäuschungen zu verzeichnen, die den Fußballliebhaber zur Kündigung des Premiere-Abos treiben. Nehmen wir den VfL Wolfsburg, den sinnlosesten Erstligaclub in der Ära vor Hoffenheim. Der heftig im Windschatten der chinesischen Demokratieallergiker den Markt erobernde VW-Konzern pulvert Milliönchen in den Werksverein, lässt dem harten Breitmaulhund freie Hand und darf nun im UEFA-Cup für seine Spritfresser Reklame machen. Das ist Kommerzfußball in Rein(un)kultur.

Dass der FC Schalke 04 nun fünfzigjähriges Nichtmeisterjubiläum feiern darf, ist die gerechte Strafe für die andauernde und heulsusige Selbstüberschätzung der Fans, die sich von Schlachthofbesitzern und Provinzknallis den Weltverein vorgaukeln lassen. Auch Werder Bremen hängt nun schon seit längerem am oberen Ende des Fahnenmastes, weil es im Stadtstaat eben keinen Globalkonzern gibt, der ein Aushängeschild braucht. Das wird demnächst in Stuttgart anders, wenn die dort ansässigen Automobilbauer für sich erkennen, dass man Asien mit Balltretern prima punkten kann. Dementsprechend lässt sich ein Bild der ersten Liga für die Zukunft malen:

1. FC Telekom Bayern (Dauermeister)
2. FC Gazprom Schalke 04
3. VfL VWburg
4. VfB Porsche Stuttgart

Es drohen des weiteren: Borussia Evonik Dortmund, RWE Leverkusen, VfL EON Bochum, TSG SAP Hoffenheim, Äff-Zeh RWE K***. Da wird kein Platz mehr sein für mäzenfreie Vereine. Adieu, Werder. Tschüs, Frankfurt usw. In Kürze wird sich die Tabelle strikt an den Saisonetats orientieren, und das Unentschieden eines Nicht-Werksclub gegen eines der Top-4-Teams wird von den dummfaulen Fußballjournalisten als Sensation gefeiert werden. Die Attraktivität des Fußballs wird darunter leiden, die Zuschauerzahlen sinken und die TV-Einnahmen auch. Alles in allem wird es eine Entwicklung geben, die der Profimannschaftssport in den USA seit Jahrzehnten hinter sich hat.
Und dann? Wird man dann auch auf die Regulierung von Spielerverpflichtungen setzen? Dass kein Club mehr einfach die Spieler kaufen darf, die am Markt sind? Wird es ein Drafting analog zur NFL geben? Werden die Underdogs der vergangenen Saison das Recht haben, als erste aus dem Pool der wechselnden Spielern zu wählen? Wird dann ein vertragsloser Luca Toni so zu Energie Cottbus gehen? Oder muss der FCB dann eine Torwartgurke a la Schäfer verpflichten? Es wäre – besonders wenn europaweit eingeführt – ein Schritt zur Erneuerung der Spannung im Profifußball.

Realistischer ist aber die Fortschreibung der Dreiklassengesellschaft, die sich aus den Reichen, den Wohlhabenden und den Armen zusammensetzt. Spannung ausgeschlossen.


» Kommentar von Rainer Bartel am 18.05.08 um 15:08 » in Kategorien: Sport » 670 x gelesen » noch kein Kommentar
» Schlagworte: , , , , ,   

Noch kein Kommentar

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.  |  Trackback-URL







Diese Tags sind möglich: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>



blogoscoop

Switch to our mobile site