RSA vs MEX 1:1 / FRA vs URU 0:0
Hab ich eigentlich erzählt, dass ich das Rauchen aufgegeben habe? Okay, ich muss sagen: “aufgegeben hatte”, denn gestern habe ich wieder angefangen. Und das kam so. Als ich gegen Mittag das Hotel verließ und die Straße überquerte, sah ich ein Tabakgeschäft. Also einen Laden, wo es alles zum Rauchen (Sportzigaretten mal ausgenommen…) gibt und Zeitungen und Lotto. Kennen wir in England nicht. Jetzt kommt’s. In keinem der Schaufenster fand sich irgendwas mit Fußball! Keine Reklame für nix! Paradiesisch. Klar warum. Zwar machen die Firmen, die uns mit miesem Convenience-Food vergiften oder unsere Kinder dem Akholo zuführen, gern und massiv Werbung rund um die Kickerei, aber die Zigarettenindustrie darf nicht. Ätsch, dachte ich, und bestellte eine Camel ohne samt Feuerzeug. Denn das war der zweite Grund für das Wiederanfagen: Jederzeit wieder mit einem Feuerzeug rumlaufen zu können. Getreu der offiziellen WM-Hymne “Burning Flag” hatte ich nämlich einen Job zu tun.
Ihr dümmlichen Krautköppe denkt ja wahrscheinlich, dass die ganze Welt voller Idioten ist, die sich Fähnchen ans Auto machen. Iss nich so. Diese Verblödung habt ihr fast exklusiv. Ist ja auch typisch deutsch. Erst redet man euch ein, Patriotismus wär gar nicht so schlimm, und – schwupps – müsst ihr euer Nationagefühl öffentlich demonstrieren.
Jedenfalls sah ich mir nach der Eröffnungsfeier auch das Spiel der Südafricanos gegen die Chicos an. Auf Ehre: Ich werde ab heute kein Wort mehr zu diesen Tröten verlieren. Aber verspreche, dass ich dem ersten, den ich in public mit so nem Ding sehe, selbige über die Rübe zimmern werde! Schuld hat der Mandela. Deswegen hat der sich wohl gestern auch gedrückt. Als er mit seinen Jungs in Zürich zur WM-Bewerbung war, hat er persönlich angeordent, Vuvuzelas mitzunehmen. In Südafrika waren die zu der Zeit gar nicht verbreitet – nur die Fans der glorreichen Orlando Pirates und der nicht weniger ehrenhaften Kaizer Chiefs hatten sich schon Tröten aus Amerika kommen lassen. Also, nix da mit Tradition…
Nach den ersten zwanzig Minuten dachte ich: Okay, die Mejicosianer werden denen richtig einschenken. Flüssig lief’s, schön, schnell – aber erfolglos. Vielleicht lag’s daran, dass bei MEX ein Mädchen mitspielen durfte. Dos Santos hieß die und fummelte schwer rum mit dem Ball. Jedenfalls war’s nach der Pause vorbei mit dem Enchilada-Zauber. Ermüdet vom Trütengedröhn schlaften die Mittelmäßigamerikaner ab, und es lief alles auf ein 0:0 hinaus. Dann kam Tschalalalalala, kriegte einen Zuckerpass und haute dem Glatzkopp das Ding in den Winkel. Vor Schreck vergaßen die weißen Südafrikaner (Schwarze waren ja kaum da…) zu blasen. Es herrschte eine Zehntelsekunde lag Stille. Na ja, irgendwann macht jeder Afrikaner einen Fehler. So auch die RSA-Defensives. Drei Chicos frei vorm Tor, ein hüttete das Ding ein. Unentschieden. Schluss.
Über das kranke Gekicke der Froschfresser, die sich einen Psychopathen als Trainer halten, der in jeder Irrenanstalt der Star wär, muss man nichts sagen. Meine These: Wer sich nicht ordentlich kloppen kann, kann auch nicht ordentlich kicken.
Jedenfalls machte ich anschließend einen Abendspaziergang und konnte feststellen, dass die Autofähnchen nicht brennen, aber verschmoren, wenn man die Flamme nur lang genug dranhält. Ich kam auf zweiundzwanzig Fähnchen. Zufrieden und müde ging ich zu Bett und träumte von meiner Sheila … als sie noch jung und knackig war.
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