Erste, zweite, dritte Liga und der Rest

Der Kopf ist rund…

Folge von 11 in Fußballwochenende

lederfussball_klein…damit der Ball die Richtung wechseln kann. Das ließ sich wieder mal leicht lernen anhand der Statistikvorleser, die verschiedene Fernsehversender als Kommenta-toren verpflichten. Wer so einen 1-Euro-Job ergattern will, muss vorher nachweisen, dass er einhändig Datenbanksuchen durchführen kann. So wurde die Sprechpuppe, die auf DSF vom Zweitliagspiel Paddelbirnen gegen Oberhosen berichtete, nicht müde, zu erwähnen, dass der SCP nun schon das siebte Kopfballtor in Folge kassiert hatte. Um seiner Kompetenz das Krönchen aufzusetzen, wurde auch Trainer Schubert gefragt, was er denn gegen diese vielen Kopfballtore zu tun gedenke…

Der zierte sich mit der Aussage, Tore zu kassieren sei grundsätzlich blöd, egal ob mit Fuß oder Kopf. Das gab dem Interviewer so viel zu denken, dass er auf Nachfragen verzichtete.

SC Freiburg trauert im Achim Stocker
Heute ist Achim Stocker gestorben, während sein Club, der SC Freiburg gegen die TSG spielte. Der Mann war sage-und-schreibe 37 Jahre lang Präsident und hat aus der ehemaligen Nummer Zwei in der Breisgaumetropole einen Spitzenverein gemacht. 1960 hat er selbst noch in der ersten Mannschaft gekickt. Unter seiner Führung spielte der Verein bis 1977 mit mehr oder weniger großem Erfolg in der Amateurliga Südbaden. Stocker sorgte dafür, dass das Dreisamstadion nach und nach ausgebaut wurde und förderte auch die anderen Abteilungen, nicht nur die Fußballer. Man steigt auf und muss eine Saison lang im Möslestadion (im Volksmund “Arena Vaginalis”) des Ortskonkurrenten Freiburger FC Zweitligaspiele austragen, weil im heimischen Stadion der Zaun fehlt. Der FC hat immer eine Liga höher gespielt, und nun treffen beide Freiburger Vereine in der Zweiten Liga aufeinander. Stocker holte 1991 den norddeutschen Lehrer Volker Finke, der achtzehn Jahre blieb und den SC in die erste Liga führte, wo die Mannschaft als Breisgau-Brasilianer für Furore sorgte. Stocker sah sich nie ein Heimspiel seines Clubs an. Er würde sich zu sehr aufregen, sagte er immer, und er habe es schließlich am Herzen. Stattdessen ging er samstags um halb vier mit dem Hund an der Dreisam spazieren. Mit Achim Stocker ist heute ein Mann gestorben, der einen Platz in der deutschen Fußballgeschichte verdient hat.

Äff-Zeh Köln schlechter Fortuna Südstadt
Während sich der durchschnittliche Fan des Kölner Retortenklubs von 1948 noch in der Prinzenrolleneuphorie wiegt, beweist die Mannschaft Woche für Woche, dass ihr kollektiv die Bundesligareife fehlt. Wie aber soll ein Trainer ohne Berufserfahrung eine Truppe aus durchgeknallten Portugiesen, selbstüberschätzenden Ex-Talenten und Söldner eine gute Mannschaft machen? Das ist unmöglich und wird durch eine Vereinsführung, in der Schmallippe Overrath das Sagen hat und ein notorischen Mexer managen darf nicht besser. Der Kölner in seiner typischen, manisch-depressiven Weinerlichkeit (vulgo: kölsch Jeföhl –> siehe auch Unkoch Lichter…) sucht die Schuld normalerweise bei allen anderen. Aber nun haben die verbliebenen 45.000 Zuschauer die Truppe mit wütenden Pfiffen in die Kabinen gejagt. Eigentlich wollten sich die Loser aus dem Kapellenstädtchen den Fans “stellen” (so nennen dumm-faule Spochrepochter es, wenn Spieler an den Zaun gehen und über eigene Mistpieler lästern –> siehe Friedrich, Arne), aber die waren sauer. Da nutzt es auch wenig, wenn die Ansammlung unnützer Medienprofis in Köln versuchen, den Verein, der aus einer Zwangsfusion entstanden ist, immer und immer wieder zum Kult hochzusterilisieren.

Schalke auf Reals Spuren
Wer öffentlich behauptet, der FC Schalke bzw. der Schachtelkonzern, den Zigarre Assauer (siehe auch –> Thomalla’sche, die) nach einer Schwindelfirma geformt hat, sei de facto pleite, wird sich vermutlich strafbar machen. Jedenfalls dann, wenn der königliche Fußballklub das Vorbild der tintenfarbigen Pöttler ist. Denn die Real-Macher (siehe auch –> unREAListisch) verklagten seinerzeit massenweise Journalisten, die nachwiesen, dass der Verein in jeder Hinsicht bankrott war. Aber dann zwangskaufte die Stadt Madrid mit Unterstützung des Königreichs Spanien das Real-Trainingsgelände zu einem Preis, der gerechtfertigt gewesen wäre, wäre das Grundstück mit reinem Gold überzogen gewesen. Der Mann mit dem Pseudonym Peter Peters hat nun einen Anteil an der Schalke-Arena an den Gelsenkirchener Energieversorger (siehe auch –> Stadtwerke) vertickt und sich gleich auch noch ein Darlehen geben lassen. Das hilft der Liquidität, und kein weitere Platzwart muss fürchten, aus Geldmangel entlassen zu werden. Apropos: Für das, was man dem bekennenden Schmutzfußballer Rafinha jährlich zahlt, könnte man so um die 400 Platzwarte und Hausmeister entlohnen.

Zahlende Zuschauer
Als die dritte Liga eingeführt wurde, schwafelten die Kommerzialisierungsmanager der DFL was von einem “Premium-Produkt”, erklärten aber nicht, was damit gemeint war. Offensichtlich kam das Produkt bei den Kunden nur teilweise gut an – so wird der Rekordbesuch des Aufstiegsspiels der Düsseldorfer Fortuna gegen Werder II am 23.05.2009 mit rund 55.000 Zuschauern (davon keine 100 Bremer) vermutlich bis in alle Zeiten die Höchstmarke bilden. Dass es aber auch in Liga Zwo mit dem Interesse der Menschen nicht so weit her ist, bewies das Spiel der unaufsteigbaren Fürther gegen Rotweiß Ahlen. Zweitausendneunhundertzwanzig Personen wurden offiziell gezählt. Da sind bei Spielen zwischen dem FC St.Pauli und Hansa Rostock ja regelmäßig mehr Förster im Stadion.

Acht Cola, acht Bier
Beim Spiel der Fortuna gegen den KSC im neuen Düsseldorfer Rheinstadion (siehe auch –> Multifunktionsarena, teure) kam es in den Anfangsminuten zu Unmut im Block 42, dem Stammplatz der Ultras. Eine Gruppe von etwa 20 Ninja Turtles (siehe auch –> Einsatzkräfte, polizeiliche), allesamt ortsfremd, hatten sich verlaufen und versuchten, sich im Eingang zum Ultra-Block auszuruhen. Wütende Sprechchöre, in denen auch die Buchstaben A, C, A und B vorkamen, waren die Folge. Nachdem der Anführer der römischen Soldaten seinen Irrrtum bemerkt hatte, zog er seine Legionäre aus dem kleinen gallischen Dorf zurück, um sich woanders aufzubauen. Szeneunkundige rätselten, was es denn mit der Abkürzung auf sich habe, bekamen als Erklärung geliefert, dass damit eine Bestellung von acht Cola und acht Bier gemeint sei…

Viertligaschiedsrichter
Wer in den letzten fünfzehn, zwanzig Jahren Fortuna-Fan war, der weiß, was am Rumdümplen in irgendwelchen viertklassigen Oberligen am schlimmsten ist. Genau, die Schiedsrichter. Ist ja auch klar: Ist ein Schiri über 30 und hat es noch nicht wenigstens in die dritte Liga gebracht, muss er ein Versager sein. Und diese Loser werden dann in der vierten Liga eingesetzt. Zu leiden hatte an diesem Wochenende dem Vernehmen nach der SC Preußen aus Münster, der bei der zwoten Mannschaft von Vizekusen 04 durch einen nicht gerechtfertigten Freistoß verlor.
Wobei man mit der Beurteilung von Schedsrichterleistungen durch Fans immer sehr, sehr vorsichtig sein muss, denn Regelkunde wird am Einlass zum Fanblock nicht abgefragt. Zwar ist die Mehrheit in der Lage, ein deutliches Abseits zu erkennen, aber schon bei der Frage, wann ein Tackling straffrei zu bleiben hat, scheitert die Masse. Befördert wird diese Unwissenheit natürlich besonders durch die so genannten Sportjournalisten in Hörfunk und Fernsehen. Keiner von denen wird sich je die offiziellen Regelwerke von UEFA, FIFA und/oder DFB heruntergeladen haben. Situationen werden nach Gefühl beurteilt. Das gilt besonders für Strafraumsituationen, die gern mit dem Spruch kommentiert werden, pingelige Schiedsrichter hätten solche Sachen schon gepfiffen.

Hertha unten
Und dann war da noch der Hauptstadtclub, der sich einen netten, aber völlig überforderten Manager leistet, der einen völlig inkompetenten Manager abgelöst hat, der vor seinem freiwilligen Rausschmiss noch für einen Radikahlschlag im Kader sorgte, sodass der eigentlich ausgezeichnete Trainer scheitern musste. Und das nachdem die Hertha im Vorjahr noch die Hauptstädter in Extase versetzte, die Ballina von die Meisterschaft träumten und von der anschließenden Weltherrschaft. Nun sind die ehemaligen Frontstädter wieder da, wo sie fußballerisch eigentlich immer hingehört haben.


» Verschiedenes von Rainer Bartel am 01.11.09 um 21:19 » in Kategorien: Sport » 1,134 x gelesen » noch kein Kommentar
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