Von Fähnchen, Wasserbällen und einer verrückten Pyro-Aktion...
F95 vs FC KultKiezKommerzKacker 0:0
Vielleicht sollte man diesen ganzen Fußballkram einfach bisschen leichter nehmen. Dann wäre man als Anhänger der glorreichen Fortuna nicht ständig im Zyklus aus manischer Euphorie und fatalistischer Depression gefangen. Das persönliche Gefühl Ihres höchst ergebenen Berichterstatters nach dem Abpfiff diesen blöden 0:0 war: Okay, das war’s dann wohl mit dem Aufstieg. Derlei Emotion hält einer sachlichen Prüfung nicht stand, aber wenn etwas sachlich geprüft werden soll, dann aber bitte nicht beim Fußball. Das sollte man auch mal diesen ganzen Meinungsfürsten in den einschlägigen Fan-Foren erzählen, die vom heimischen Sofa aus mit maximalem, durch nichts gerechtfertigtem Selbstvertrauen Spielanalysen abliefern, bei denen man sich fragt, weshalb die Verfasser nicht längst Bundestrainer oder mindestens Sky-Fußballexperten sind. Nun besteht ja die Sprechmaschinerie von Spochtrepochtern aus einem kleinen Vorrat an Binsenweisheiten, falschen Metaphern und allerlei Klischees – das lernt Otto Normalsofakartoffel in wenigen Jahren und kann dann genau so klug dahermeinen wie die Doofen unter den Journalisten. Da sind doch Brauseköppe, die schnell und grundlos den Trainerrauschmiss fordern, die ehrlicheren Fans…
Und weil das so ist, verkneift sich Ihr sehr Ergebener eine Analyse des gestrigen Fußballkrampfs und möchte rein subjektiv ein paar Feststellungen zu Spielern, Trainern und Spielzügen abliefern. Die Achse aus Käpt’n Lumpi (dem NIX gelang) und dem Bodze hatte gestern einen mehrfach gebrauchten Tag im Köcher, was zu einem völlig wirkungslosen Mittelfeld führte. Wäre der Herr Levels gestern nicht so fleißig und offensiv gewesen wie sein Pendant auf der linken Seite, der Jojo, hätte ein strukturiertes Angriffsspiel überhaupt nicht stattgefunden. Robert ‘Ösi’ Almer hat sich im Tor mindestens zweimal so gereckt, dass wir kein Gegentor gefangen haben. Der Herr Bröker tut und macht. Der Herr Rösler – von dem gleich noch zu sprechen sein wird – hat scheinbar keine Kondition mehr für volle 90 Minuten. Luki, der bekanntlich zu diesem Verein mit der gigantischen Perspektive wechselt, war sicher und kompromisslos. Und dann war da noch der Herr Jovanovic, ein Kämpferherz vor dem Herrn, der als Einziger in Rot so richtig Alarm im Angriff machte.
Sprechen wir auch kurz über diese eher unscheinbare Truppe in Kackbraunmitweiß. Die profilieren sich ja eigentlich immer als Kloppertruppe mit minderer Begabung. Gestern – auch dank der wirklich guten Arbeit des Schiedsrichters Stark – spielten sie körpernah, trauten sich aber die übliche Dauerfoulerei nicht. Dass die mit dem Aufstieg wohl nichts zu tun haben werden, kann man schon allein daran ablesen, dass sich die LilliVeh und Brechhagen noch nicht öffentlich über diese Holzhacker echauffiert haben. Aber die standen eben unsen Jungs ständig auf dem Schlappen, was diese gar nicht leiden können. Überzeugende Spielzeuge der Faulianer waren zudem kaum zu sehen.
Dass dieses peruanische Lama, das Schalke nicht mehr haben wollte und den medizinischen Test bei Hoppenheim nicht bestand, ein Dauerrotzer ist, war öffentlich wenig bekannt. Nun hat aber der Herr Zampano wohl unseren Herrn Rösler während des Spiels mehrfach bespuckt – beim letzten Mal sah’s der Mann in Gelbschwarz und schmiss ihn rotgelb raus. Nun ist Rösler aber mittlerweile ein pawlow’scher Hund, der seinem Medienbild vom Arschloch meint gerecht werden zu müssen, indem er immer wieder rumnölt und reklamiert. Er scheint nicht klug genug zu sein, dass dieses Verhalten methodisch angewandt nicht mehr “die Mannschaft aufweckt”, sondern ihn unglaubwürdig werden lässt. Auf Schiri Stark, der bereits die gelbe Karte gegen Zappelhoni in der Hand, lauthals zuzurennen, um eine Verwarnung zu fordern, ist einfach nur dumm – die ihm verabreichte Gelbkarte geht in Ordnung und sollte dem Rösler eine letzte Lehre sein. Und dass dieses blöde Verhalten seine Kollegen animiert, ein Rudel ums Lama zu bilden, das beinahe weitere Gelbkarten gegen Fortunakicker bewirkt hätte, sollte ihm auch zu denken geben.
Ansonsten gab’s je ein Abseitstor für beide Truppen, ein paar harte Fouls, ein paar schöne Flanken und keinen einzigen gefährlichen Freistoß! Da liegt der Ball so 25 Meter vom hüftsteifen Kultkeeper Plisseé entfernt zum Reinknallen bereit, und als F95-Freund wünscht man sich spontan Marco Christ zurück, der solche Dinger serienweise versenkte. Aber dafür haben wir momentan keinen gleichwertigen Nachfolger.
Kommen wir zum Atmosphärischen, das ja im Fußballdeutsch “Stümmung” heißt. Ihrem sehr ergebenen Berichterstatter, der so um 2002 herum Spiele des Meisters von 1933 gegen Ratingen 08/15 bei kaltem Niesel vor 2.300 zahlenden Zuschauern am Flinger Broich gesehen hat, kamen angesichts voller Oberränge bei einem ganz normalen Montagsspiel ein bisschen die Tränen. Das ist so schön. Und allein für dieses Bild und diese Bewegung sollte jeder Alt-Fan die stellenweise Blödheit von Neu-Eventies in Kauf nehmen und sich immer wieder sagen: Aus jedem Gelegenheitszuschauer kann ein Fan werden, dessen Herz der Fortuna ganz gehört. Alle die Leute, die lange dabei sind und die dafür gesorgt haben, dass die Kurve da ist, wo sie jetzt ist, sollten die Neuen weder verspotten, noch beleidigen, sondern mitnehmen, sie mit der Begeisterung anstecken und ihnen erklären wie’s geht.
Gestern war so ein Abend, an dem man Frischlinge hätte anstecken können. Allein schon optisch. Irgendein Tagessponsor hatte auf das mit den Fähnchen gesetzt, und selbst die Scheintoten im VIP-Bereich – jedenfalls die, die sich die Begegnung nicht drinnen beim Freibier auf Bildschirmen ansahen – wedelten sich die Handgelenke wund. Vom Bild her noch schöner aber die Wasserballaktion vom Block 42 (die eigentlich von den Pauli-Fans mitgemacht werden sollte, was aufgrund irgendwelcher Eitelkeiten nicht zustande kam). Mehrere Hundert rot-weiß gestreifte Wasserbälle, von Hand einzeln mit dem Spruch “Fuck Mondays” beschriftet, segelten beim Anpfiff in den Innenraum. Dort wurden sie vom Ordnungsdienst gezähmt und von zwei Leuten, die wohl die kürzesten Streichhölzer gezogen hatten, einzeln mit Nadeln getötet, um die Entsorgung zu erleichtern.
Diese Neuauflage einer Wasserballaktion von vor ein paar Monaten war Teil der Kampagne gegen die Montagsspiele, die von der Fußballmafia für ein Linsengericht an diesen Softpornoversender vertickt wurden. Begleitet wurde die Ballerei mit einem Transparent folgenden Inhalts “Kommt ihr mit der Montagswelle, kommen noch mehr Wasserbälle”. Außerdem gab es minutenlang Sprechchöre namens “Scheiß-Sport1″, und zweimal gelang ein Wechselgesang diesen Inhalts zwischen unserer SWupport-Area und dem Gästeblock schräg gegenüber. Leider ist Ihrem ziemlich Ergebenen nicht bekannt, ob es dem besagten Spochtfernsehen erneut gelang, die Sprechchöre aus der Live-Übertragung wegzuzensieren.
Und dann war da noch die irre Pyroshow der unverbesserlichen Chaoten im 160er, die mitten in einer dichtgedrängten Menschenmenge mehrer Dutzend über Tausend Grad heiße Wunderkerzen entzündeten und schwenkten. Hier muss der DFB einschreiten! Es kann doch wohl nicht angehen, dass einige so genannte Fans den Feuertod von 47.474 Zuschauern billigend in Kauf nehmen, nur um ihrer sinnlosen Pyromanie zu frönen!
Und jetzt? Laufen die restlichen Spiele gut, wird die Fortuna auf dem dritten Platz landen und Relegationsspiele gegen den Drittletzten der ersten Bundesliga austragen, wer immer das sein wird- Geht’s weiter wie bisher in der Rückrunde, dürfte uns Platz 5 nicht mehr zu nehmen sein, und wir drehen noch ne Runde durch die zweite Bundesliga, beschissene Montagsspiele inklusive…
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Dieser Artikel kann nicht kommentiert werden.
Kurze Korrektur: Der spuckende Peruaner hat wegen seines Fouls an Herrn Dum seine zweite gelbe respektive gelb-rote Karte erhalten. Der leichte Check gegen Herrn Bozeck und der Spucker gegen den ollen Provo kamen danach.
Und Sport1 hat die Sprechchöre nicht unterdrückt, aber auch nicht kommentiert..
Hast Recht!
Na ja, würde ich auch nicht erwarten, dass da der Kommentator sagt: Geile Stimmung, Heim- und Gästenfans beschimpfen den Sender, den sie gerade sehen…
Packendes Spiel mit falschem Ergebnis. Geil war aber, wie unsere Jungs den St. Paulianern am Anfang auf die Socken gestiegen sind. Adam Bozek’s körperliche Interpretation von “Güterzug trifft Telefonzelle” hat mir eine ungeahnte Genugtuung verschafft. Kamen die Treter vom Kiez gar nicht mit klar, mal selber hart rangenommen zu werden. Nä, wat war dat lustich.
Danke, Rainer.
All die grenzdebilen Sackratten, die jetzt NMs Entlassung fordern, wissen nicht woher wir kommen und was dieser “beschissene” Trainer seit drei Jahren in der zweiten Liga leistet.
Vehleidig hat ein Kader, mit dem er aufsteigen muss. Etliche andere Vereine in der zweiten Liga haben Etats, wovon die Fortuna noch träumt. Trotzdem spielen wir immer (ganz) oben mit. Ergo: Shut up, fools!
Nu fangen auch noch die Fortunenblogs das Jammern an, na dann ein fröhliches “Scheiß St. Pauli” von der Elbe. Und passt ja auf die Nazis unter euren Ordnern auf, Schauspielertruppenblogger, ;)
Herzlich willkommen, Kultvereintrittbrettfahrerblogger ;–))
Äh, wer jammert? Worüber?
Wisst ihr worüber ich mich wirklich gefreut habe?
Über den Schiesrichter. Keiner, der bei jedem Mist abpfeift und auf jeden Wink reagiert. Die Spieler beider Mannschaften haben bis zum Schluss immer nur geschaut, ob denn jetzt bei einem Schübserchen mal abgepfiffen wird…hat er das gesamte Spiel über nicht gemacht.
Danke Rainer,
der langjährige Fortuna-Fan ist nervlich gestählt und kauft in der Krise griechische Staatsanleihen. Wer mit diesem Verein aufwächst, weiß dass Schmerzen, vielleicht nicht vergehen, aber, dass sie erträglich werden. Irgendwann. Insofern kann ich nur Eltern empfehlen nach Düsseldorf zu ziehen, um ihre Kinder mit der Fortuna aufwachsen zu lassen, weil solche Kinder einfach nachweislich resistenter durchs Leben gehen.
Gruß, Dieter
Auch, wenn unsere Jungs zeitweise einen Stock im Arsch haben, und wie gelähmt den Traber des Jahres küren, Heimat ist Heimat und Liebe Liebe.
Vielleicht hätte man den Spielern das A-Wort von Anfang an erlauben müssen, damit die Leichtigkeit und die Freude am Spiel erhalten bleibt. Es trifft den geneigten Fortunen, wenn neben einem …”Hier, sediert, die Fortuna!”…(wegen zeitweiser Lähmung) skandiert wird. Ansteckungsgefahr mit dem Fortuna-Virus für “Eventies” ist so ausgeschlossen. Trotzdem sollte auch “Mauli-Sascha” mehr Runden auf der Tartanbahn drehen als auf dem Golfplatz, Zeitlupe gibt es bei Sport1.
Der neue Berlin-Flieger-Fortuna-Spot geht etwa so:
(Kabinenansage)
“Im Falle eines höchst unwahrscheinlichen Druckverlustes, ziehen Sie die Torchancen zu sich, hauen Sie diese rein, und kümmern sich dann erst um den Aufstieg. Leuchtzeichen auf dem Boden, zeigen Ihnen den Weg zum Tor” (Beispiel Magdeburg, höchst amüsant).
Mit der Bitte um Freude am Spiel und Gnade.
Ging doch so:
…Im Falle eines höchst unwahrscheinlichen Druckverlustes, fallen Torchancen vom Himmel, ziehen diese zu sich, pressen sie fest auf Fuß und Kopf, atmen nach dem Tor ruhig weiter, und kümmern sich dann erst um den Aufstieg…
Besserwisser
Das ist mir allerdings auch äußerst positiv aufgefallen.
St. Pauli, Mc Donalds und die CDU ;I – Also, wenn schon das System Meier-Rösler erfolgreich ist mit strukturellem Antifairplay, dann genieße das doch, anstatt Dich zu beschweren …
Ach, du willst mich doch nur provozieren – aber ich kann die Spucke halten… So viel zum Thema Fairplay. Biste auch LilliVEH-Fan? Oder gehst du mehr auf Brechhagen ab? Die schlechten Geschmäcker sind ja verschieden.
Mal im Ernst: Es gab Zeiten, da bin ich mit einem großen F95- und einem kleinen Pauli-Kleber auf der Heckscheibe rumgefahren. Und dann kam die Komerznutte Littmann. Und ihr habt euch den “Kult” für ein Linsengericht abkaufen lassen. Da hab ich den Sticker schon mal abgeknibbelt.
Und nachdem wir beim Auswärtsspiel im vergangenen Jahr bei euch anderthalb Stunden lang aus dem Heimstehblock beschimpft, bespuckt(sic!) und mit Gegenständen beworfen wurden, ist euer Klischeeverein bei mir durch. Das ist mir woanders noch nicht passiert.
[...] für die positive Erwähnung im Spielbericht. Ebenfalls erwähnt wurden wir bei der Rainer’schen Post (Vorsicht! Kann (ebenso wie S.C.H.E.I.S.S.) Satire enthalten und ist keinesfalls zu verwechseln mit [...]