Vom Kampf, von Bannern und Stehplätzen
Update: Da es ganz offensichtlich missverstanden wurde, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich weiß, dass die Bushwackers Düsseldorf keine rechte Truppe sind. Sie haben sich immer als unpolitisch definiert. Es geht bei dem unten beschriebenen Konflikt also nicht um BW und UD, sondern um einzelne Personen.
Wenn dieses Fußballwochenende eines gezeigt hat, dann dass Geld keine Tore schießt. Oder wie es der Hertha-Trainer Babbel gestern nach dem Sieg seiner Truppe gegen die glorreiche Fortuna ausdrückte: “Nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft”. Nein, die Großberliner waren unseren Jungs nie wirklich überlegen. Obwohl der Hertha-Kader in Anschaffung und Unterhalt mindestens das Vierfache von dem der Fortuna kostet. Dass unse Jungs verloren haben, lag vor allem an diesem saublöden ersten Tor, dass sie in der 25. Minuten kassierten. Okay, so ein Freistoss von der Seitenlinie aus und etwa auf Höhe des Sechzehners ist immer gefährlich, weil ja jeder Spieler der angreifenden Mannschaft da seine Quanten oder Birne reinhalten kann. Dieses Mal war’s der Friend, der Rob, der sich einst von ostholländischen Pferdef***ern bejubeln lassen musste. Dieser Treffer kappte den Faden, den Lumpi & Konsorten bis dahin schön eingefädelt hatten. Denn bis zu diesem Zeitpunkt spielte die Fortuna sehr geschickt und mutig und hatte ein paar ordentliche Chancen. Danach war erstmal Verwirrung angesagt.
Und nachdem ziemlich klasse rausgespielten 0:2 ging bis zur Pause bei Unseren nix mehr. Heute wird unter den Fans in den Foren heftig über das Für und Wider einzelner Spieler debattiert und nach Schuldigen gesucht. Ich denke, das bringt wenig. Bestenfalls lassen sich Beobachtungen teilen. Langeneke war in der Viererkette der einzige, der durchgehend sicher agierte. Auch Torkeeper Rata zeigte keine Schwäche und konnte die Berlinischen Hütten nicht verhindern. Weber auf rechts verlor viele Zweikämpfe, probierte aber einiges nach vorne. Das tat auch der junge Jojo vdB, der aber im Offensiven glücklos blieb. Ob Tiago überhaupt das Zeuch zum Stammspieler hat, kann inzwischen bezweifelt werden. Der Herr Christ wähnt sich in der Form seines Lebens, brachte aber wenig bis nix auf die Kette. Schön nur sein Freistoß, mit dem er einen Herthaner erlegte. Der schöne Claus hatte einen mehrfach gebrauchten Tag gezogen, und unser Lumpi machte mal wieder die Kampfsau, ohne an die beschränkten Grenzen seiner Spielkunst zu gehen. Dass es keinen Sinn macht, Rani und Torghelle zusammen in den Sturm zu packen, dürfte seit gestern klar sein. Fehlt noch der liebe Zoundi. Welche Position genau der übernommen hatte, blieb lange unklar. Dass er aber derjenige war, der während der großen Depression zwischen den Minuten 25 und 45 noch was versuchte, blieb niemandem verborgen. Und in der zweiten Hälfte mauserte er sich – nach der Auswechslung von Christ – fast zum Spielmacher. Sehr erfreulich.
Weniger erfreulich dagegen Sascha D. aus Langenfeld, der dauernd zwischen Lethargie und Übermotivation schwankt. Klar: Wenn der auch bei Fortuna vergeigt, dann war’s das wohl mit der Karriere eines ehemaligen Talents. Ein für Costa eingewechselter Herr Bröcker zeigte leider hauptsächlich seine Dummheit vor und flog nach einer mutmaßlichen Schwalbe mit Rot-Gelb unter die Dusche. Und dann brachte Norbert Meier meinen Mann: Wellington. Ja, ich glaube an den. Und gestern hat er mal ein Zipfelchen (Nein, nicht SEIN Zipfelchen, Frau Dingenskirchen!) seiner Spielkunst gezeigt. Nicht nur beider gemachten Kiste, die wirklich nach am Tordesmonats war. Der kann alles mit dem Ball. Und wenn der a) noch Speed draufkriegt (der ist noch viel zu langsam) und b) von seinen Mitstreitern verstanden wird, dann wird der knipsen wie nix Gutes. Ich schwör, Alda.
Kampf ums Banner
So aber… Überschattet wurde das erste Heimspiel der Saison vor knapp 31.000 Glotzern von einer Supportpause zwischen der 30. und der 60. Minute. In dieser Zeit mussten sich Niko und seine Kollegen von UD um ein ärgerliches Problem kümmern. Nachdem ein paar gewalttätige Flachnasen schon vor dem Anpfiff vom Oberrang aus in den 42er gerotzt hatten und auch vor dem Bewerfen mit Bier (mit und ohne Kanne) nicht zurückschreckten, überstieg deren Provokation das Maß des erträglichen als sie mit ihren ungewaschenen Onanierbestecken am UD-Banner nestelten mit dem Ziel es zu entfernen. Nun ist jeder Ultra-Gruppierung die Fahne heilig und das Hantieren damit durch fremde Flossen die maximal mögliche Provokation. Das müssen die Arschgeigen oben gewusst haben. Denn in Nullkommafünf waren Ultras oben und verteidigten das Banner. Da die Typen, die sich durch ein umgekehrt proportionales Verhältnis zwischen Muskeln (viel) und Hirn (wenig) auszeichnen, darauf bestanden, den Konflikt vor Ort auszutragen, mussten eine paar Leute aus dem 42er eben nachschauen gehen. Im Stadion passierte dann doch nichts, weil die Ordnungsmacht die Konfrontation unterband.
Dem Vernehmen nach handelte es sich bei den Frevlern um Individuen, die den Bushwackers (BW) zuzuordnen sind. Dabei handelt es sich um einen Düsseldorfer Sportverein, der Kraft- und Kampfsport miteinander vereint und gern mit Freiwilligen aus anderen Städten trainieren. Das Gerücht, es habe sich um “die BW” gehandelt, muss als unzutreffend bezeichnet werden – dafür ist der Haufen zu uneinheitlich. Kenner der Situation sind der Ansicht, dass es sich um BWler gehandelt haben, denen die Ultras wegen ihres kollektiven Bekenntnisses gegen jede Form von Rassismus und Faschismus als “linke Zecken” gelten. Da es quer durch Fußballdeutschland momentan zu einer unerfreulichen Renaissance rechter Hools kommt, könnte der gestrige Vorfall (und der insgesamt seit einiger Zeit schwellende Konflikt) leider, leider ein Indiz dafür sein, dass die beschissenen Faschos mal wieder versuchen, unsere Fanszene zu kapern. Hoffen wir, dass dem so nicht ist und die Meinungsverschiedenheiten anderer Natur sind. Jedenfalls soll es nach Angaben von Augenzeugen lange nach dem Spiel an der Kastanie zu Jagd- und Schlagszenen gekommen sein.
Wenn es sich wirklich um Rechtsärsche handelt, die sich an UD vergreifen wollen, dann sind wieder einmal alle Fans gefragt, sich denen entgegenzustellen und dabei mit den Ultras solidarisch zu sein.
Kampf und Support
Natürlich glaubt jeder aufrechte Stehplatzbesucher (Ja, wir haben Stehplätze!), dass Art und Lautstärke des eigenen Supports für den Ausgang von Spielen verantwortlich sind. Mancher meinte daher auch, dass die Ultras schuld an der Niederlage sind, weil sie mit anderen Dingen als Singen und Trommeln befasst waren. Natürlich ist das grundsätzlicher Blödsinn. Es zeigte sich gestern aber, dass sowohl ein Kapo, als auch die Trommler auf einer Stehtribüne von 8.000 Leuten nötig sind, um die Anfeuerungen zu initiieren, zu koordinieren und zu befeuern. Zwar starteten die diversen Aktivistengruppen in allen drei Sektoren immer wieder Gesänge, aber die breiteten sich leider nur selten aus. Am ehesten ging das noch von der SCD-Ecke in den Blöcken 40 und 41 und von der Alten Garde aus. Ob der Oberrang je beteiligt war, ließ sich von unten schwer beurteilen.
Als Niko und die Trommler aber wieder aktiv wurden, da ging supoorttechnisch der Punk ab. Ab etwa der 75. Minute gingen die Gesänge rund. Und es ist immer wieder toll zu hören, dass auch auf den Sitztribünen immer mehr Leute mitmachen und sich nicht aufs gelangweilte Aufstehen und Klatschen beim entsprechenden Lied (“Steht auf, wenn ihr Fortunen seid”) beschränken.
Verwirrung löste eine grandiose Aktion vor Spielbeginn aus. Eine Gruppe -sammerma- ungewöhnlicher Herren samt kampferprobter Fortuna-Fahne enterte den Mittelkreis. Der Lappen wurde ausgelegt, die Kerle knieten nieder und hoben die Hände abwechselnd zum Himmel und zur Fahne. Dieses Ritual ist in Fachkreisen als “Allahen” (Wortherkunft unklar ;–) bekannt und war in den siebziger und achtziger Jahren bei F95-Fans so beliebt, dass man bei Heimspielen oft etliche Gruppen in den Altstadtgassen allahen sah. Inzwischen ist das aus der Mode; auch weil man das ja nicht mehr im Mittelkreis machen darf. Gestern war wohl eine Ausnahme. Und der legendäre Fan mit dem schönen Spitznamen “Socke” (bekannt aus dem Video zu JayJays “Knüppelklopp“) freute sich beim Verlassen des Rasens einen Vollast.
Es waren die Spieler selbst, die diesen massiven Support auslösten. Irgendwie rissen sie sich – angetrieben vor allem von Kapitän Lumpi und dem unvergleichlichen Zouuuuuundiiiii – am Riemen und gaben unendlich viel Gas. Belohnt wurde das leider erst in der 81. als Wellington den Hertha-Hüter genial überlupfte und die Pille im Winkel landete. Das folgende Anrennen war leider erfolglos. Die Berliner kackten genau in dieser Zeit völlig ab, und hätten die Rotweißgestreiften schon in der 46. Minute oder spätestens mit der 55. Minute den Turbo angeschmissen, wer weiß, vielleicht hätten Unse dann noch gewonnen.
Apropos Stehplätze: Je nun, jetzt sind die Sitze weg. Zwischen zwei alten Stufen sitzt jetzt ein Metallkasten, in dem sich ein Klappstuhl verbirgt. Das ist alles andere als ideal, weil die Oberseite fingerbreite Spalten aufweist, in denen man mit der Schuhsohle hängen bleiben kann. Um in der Pause abzusitzen, dafür sind die Stufen zu schmal. Insgesamt enttäuscht mich persönlich, was da entstanden ist. Und die Anfeuerung wird auch nicht besser, nur weil die Leute keine Sitzschalen mehr vor sich haben. Leider scheint die Tatsache, dass jetzt mehr Personen auf die Süd passen, dazu geführt haben, dass sehr viele Neulingen dort Atmosphäre schnorren wollen ohne mitzutun. Das könnte zum Problem werden. Trotzdem gilt insgesamt: Sitzen ist für’n Arsch.
Sicher wird noch alles gut, aber über ein paar Dinge sollte man sich nach den ersten 3 Pflichtspielen mal ein paar Gedanken machen:
1. Ich finde die Taktik, ohne Innenverteidigung zu spielen, sehr verwirrend und unkonventionell.
2. Warum darf der Chancentod Iovanivic jedesmal wieder mitspielen.
2. Torghelle ist die Arbeitsverweigerung in Person.
3. Die Quote der Abspielfehler und Fehlpässe ist gigantisch. Gestern habe ich nach dem 20zigsten Mal aufgehört zu zählen, wie oft ein Gegenspieler aus 2 bis 3 Metern Entfernung angeschossen wurde.
Rainer Bartel Antwort vom 31.08.10 20:18:
Na ja:
1. Langeneke hat doch ganz sicher gespielt…
2. Gute Frage
3. Schätze eher, dass der sich noch einpassen muss was die Laufwege angeht
4. Ja, in der Phase zwischen 0:1 und 70. Minute war das wirklich schlimm
Trotzdem habe ich auch gute Ansätze gesehen und denke, dass es auf ein paar Positionen noch Wechsel geben wird. So könnte ich mir im Angriff als Traumpaar Wellington und Gaus vorstellen. Ein technisch versierter, aber nicht sehr schneller und ein schneller, aber noch nicht so routinierter.
Ich hatte als ausgewiesener Nicht-Fortunafan gestern das Vergnügen, meinen Sohn, der mal wieder hier weilte, in’s Rheinstadion begleiten zu dürfen/müssen.
Über das Chaos vor dem Einlass muss ich wohl nichts schreiben, die Lesegeräte sind sogar in *öln besser..
Gegentribüne Oberrang Höhe Mittellinie ist jedenfalls ein guter Ort, um das taktische im Spiel mal genauer zu verfolgen.
Was auffiel: Die Zeit, die ein Fortune vom Ballerhalt bis zum Abspiel benötigt, ist einfach viel zu hoch.
Mehrfach wurde der freie Spieler nicht gesehen oder noch ein Schleifchen gedreht, bis der freie wieder unfrei war. Und dann war der Ball weg.. Immer noch besser als die ungenauen Pässe oder Fehlpässe aus 5 Metern.
Wo ist eigentlich der Tiago her? Der hat bestenfalls 3-Liga-Potential..
Tja, und als die Fahne eingezogen wurde, wurde der Support schlagartig weniger. Ich habe mir so etwas schon gedacht.
Alles in Allem war ich schon ein wenig enttäuscht von der Leistung beider Mannschaften.
Da war das Spiel meines Dreamteams am Sonntag mehrere Klassen besser..
Rainer Bartel Antwort vom 31.08.10 21:53:
Jetzt verrat uns doch noch, welches dein Dreamteam ist ;–))
Tiago war vorher beim MSV. Die wollten den wohl loswerden. Was beweist, dass Duisburger auch intelligent handeln können.
Michael Antwort vom 01.09.10 18:43:
Ne, das geht nicht.
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Nachher werde ich wieder als Fan der Fohlenf***er diffamiert
BTW: Wenn unser IV noch etwas länger schwächelt (trotz des Tores) wird Bamba relativ schnell BuLi-Luft schnuppern dürfen..