Eine deutlich überlegene Fortuna versäumt es, den Sack zuzumachen

F95 vs Narrhallesen 1:1

f95_fsv_2013Okay, sind wir so weit? Können wir die Phrasendreschmaschine anwerfen? Das Spochrepochtergesangbuch öffnen? Tonnenweise Fünfer in die Binsensau werfen? Na gut: Eine munter aufspielende Fortuna verschenkte gegen müde Mainzer zwei Punkte in einem engagiert geführten Spiel. Neben der mangelnden Schangsenauswertung war es erneut ein Fehlgriff des jungen Düsseldorfer Keepers, der die Schützlinge von Trainer Meier auf die Unentschiedenstraße führte. Vielleicht fehlten aber auch (Zutreffendes bitte ankreuzen): [_] das Quäntchen [_] die Abgeklärheit [_] die Abgezocktheit [_] die Cleverness. So ungefähr. Das Team von Heulsuse Tuchel, einem wahren Veh mit Preetz-Potenzial, konnte von Glück reden, nicht die Narrenkappe vollgekriegt zu haben. Denn über weite Strecken der ersten Spielhälfte bot die Fortuna ihre bisher beste Heimspielleistung. Oder die zweitbeste. Jedenfalls: Käpt’n Lumpi – später mit schmuckem Turban nach einer Tackerung an der Seitenlinie – zeigte den Mainzeln mal, was Leidenschaft ist. Genau wie der Axel, der schon fast vom Ehrgeiz zerfressen umherkämpfte und dabei seinen Mitspielern gelegentlich sagte, was ihm nicht passte.

Dass die Führung durch ein Eigentor zustande kam – geschenkt. Denn Offensive wirbelte die Schlafmützen aus dem Karnevalsloch schwer durcheinander. Gerade Jojo vdB leitete, im Zusammenspiel mit Axel, ein ums andere Mal gefährlich Spielzüge auf links ein. Auch der Herr Kruse strahlte alles mögliche Gefährliche aus. Was man vom Herrn Schahin leider nicht behaupten konnte. Jedenfalls roch nach der frühen Führung alles nach einem zweiten Tor. Bis kurz vor halb. Da musste der Axel auf der rechten Abwehrseite aushelfen, weil die Viererkette aus dem Leim gegangen war, verlor einen Zweikampf an der Torauslinie, was irgendeinem Meenzer erlaubte, eine Art Flanke parallel zu ebendieser Linie zu schlagen, die unser Herr Giefer – unsinnigerweise im kurzen Eck rumlungernd – fangen wollte. Statt dessen rutschte ihm die Pille durch die Griffel, und der Klasnic (ja, genau, DER Klasnic) nickte, auf der Torlinie stehend ein.
Zuvor hatte es einen erheblichen Zusammenstoß zwischen Lumpi und einem FSVler gegeben, wobei letzterer dabei beinahe draufgegangen wäre. Jedenfalls trabten schon die Lalülalas mit Bahre auf den Rasen. Aber so weit wollte es die Mainzer 8 nicht kommen lassen und ließ sich vom Mannschaftsarzt nach Hause bringen. Die Unterbrechung brachte unse Jungs aus dem Tritt, was letztlich in einem plötzlichen Übergewicht der Tuchel-Typen mündete.

Fassen wir uns kurz. In der zweiten Spielhälfte machte die Fortuna die rote Feuerwehr. Die Komiker von da unten waren schwer müde und kriegten wenig auf die Kette. Mindestens drei dicken Chancen wurden versägt. Dann brachte unser Trainer ganz überraschend den Herrn Rafael (Ist der nicht eigentlich schon weg? Ach, ne, das war der Herr Du-ri-cha, der mit der Ehefrau…) und den flinken Herrn Bolly, der aufblitzen ließ, zu was er imstande wäre, wenn er die Scheu vor dem rauen Ton der Bundesliga abgelegt hat. Viel mehr Offensive brachte das nicht mit, nur weniger Platz in der Spitze, und eigentlich wurde deutlich, dass dieser wunderbaren Truppe ein Goalgetter, ein Knipser, ein Vollstrecker fehlt.

Was den Abend aber vor allem bett machte: Unsere Ultras sind wieder da mit allem Pi, Pa und auch Po. Ja, selbst den ollen Niko haben sie wieder aufs Podest gebracht, von wo aus er die Kurve rockte. Wer die UD-losen Heimspiele miterleben musste, weiß spätestens jetzt, wie die Anfeuerung auf die ganze Süd und Teile der Haupttribünen überschwappen kann, wenn die Support Area wieder gemeinsam unter sachkundiger Leistung für Gesang, Gebrüll, Geklatsch und Gehüpfe sorgt. Es war fast wie früher – zumal es sich Niko nicht nehmen ließe, zum ersten Mal bei einem Erstligaspiel den Gassenhauer “Wir alle singen jetzt ein Lied” anzustimmen.
Dass die Kurve wirklich eine einige Kurve ist, zeigten die Aktionen zum Gedenken an Dr. Waldemar Spier. Fortunas Leiter der Fußballabteilung musste auf Druck der Nazis noch vor dem Endspiel 1933, dass F95 gegen S04 gewann, zurücktreten, weil er Jude war. 1944 wurde Waldemar Spier verhaftet und nach Auschwitz verschleppt, wo er 1945 kurz nach Kriegsende an den Folgen der menschenfeindlichen Behandlung starb. An diesen großen Fortunen erinnerten engagierte Fans mit einem Infoblatt, einem großen Doppelhalter und entsprechenden Transparenten, die während der zweiten Spielhälfte gezeigt wurden. Das mitten im Block 42 unter dem Beifall weiter Bereiche der Support Area. Wer angesichts der Erinnerung an den ehemaligen Leiter der Fortuna-Fußballabteilung noch blöd daherredet, Politik gehöre nicht in die Kurve, kann sich wohl kaum Anhänger dieses glorreichen Vereins nennen.

Auch wenn das Unentschieden durch ein wirklich blödes Tor entstanden ist, war der Abend gelungen. Denn die Fortuna findet sich mit 28 Punkten auf dem 12. Platz der Tabelle wieder. Und Ihr sehr ergebener Berichterstatter hat bereits gestern prophezeit, dass F95 die Saison genau auf dem Platz abschließen wird, den sie heute eingenommen hat.

[Foto: Sandra Drljaca]

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» Spielbericht von Chefred am 03.03.13 um 23:11 » in Rubrik(en): Fortuna,Sport
» 2.094 x gelesen » 6 x kommentiert »   

  1. Hattest Du nicht etwas von Platzt 11 gesagt? ;-)

     
    Kommentar von lasher am 03.03.13 um 23:27
  2. Das Heft zur Aktion anfangs der zweiten Halbzeit gibt es hier online.

    -> http://www.retrospektive1895.de/

    Bald folgen Fotos und weitere Infos zu der Kampagne “RETROSPEKTIVE 1895 – Weil Tradition Geschichte hat”

    Chefred Antwort vom 04.03.13 17:54:

    Danke!

     
    Kommentar von RETROSPEKTIVE1895 am 04.03.13 um 17:19
  3. tolle aktion,aber was hat diese mit einigkeit zu tun? die aktion war nicht von allen gruppen aus der szene zusammen. hintem im heft stehen doch die unterzeichner.

    und leider habens noch nicht alle kapiert, scheint ja wieder jeman dmit thor steinar aus dem block geflogen zu sein…

    Chefred Antwort vom 04.03.13 17:58:

    Schon klar, dass das keine Aktion der gesamten Kurve war. Weiß ich auch. Ein Zeichen für den aktuellen (neuen?) Zustand der Kurve war, dass die Aktion keine blöden Diskussionen über “Politik in der Kurve” ausgelöst hat, sondern auf breite Zustimmung gestoßen ist.

    Es werden auch nie alle kapieren, das ist eine Illusion. Aber je mehr Aufklärung betrieben wird, desto mehr werden Deppen in Thor-Steinar-Klamotten isoliert sein.

     
    Kommentar von sven am 04.03.13 um 17:25
  4. Fortuna Düsseldorf Fans gegen Nazis
    An alle Fortunen, den Verein, Fanclubs, Eure Familien, Freunde, Verwandten, Eure Vorgesetzten, engagierte Bürger und Verbände, Politiker, Studenten, Nachbarn und und und…

    Die “pro Nrw” plant für den 14.03. (Donnerstag) um 11°° eine Kundgebung ihres dummen Gedankengutes in unserer feinen und bunten Stadt. Das wollen wir nicht!
    Wir appellieren im Sinne der Vernunft: KOMMT NACH VORNE!

    -Wir Wollen keine NAZIaufmÄRSCHE in Düsseldorf!-

    Sie wollen Flüchtlingen Angst machen, sie vertreiben und verbieten. (Mehr Infos im Link)
    Der Plan geht nicht auf! Wir werden alle da sein und uns gegen diese einfältigen Hassschürer gemeinsam stellen!

    -KEINE PRO NRW IN DÜSSELDORF! RASSISTEN STOPPEN!-

    ————————————————

    Gegendemo Treffpunkt:
    14. März 2013, allerspätestens um 10.30 Uhr (pünktlich!), Lacombletstraße 9 (Nähe S-Bahnhof D-Derendorf): Solidarität mit allen Flüchtlingen! Pro NRW raus!

    Info:
    kopfballduesseldorf.de/solidaritat-mit-allen-fluchtlingen-pro-nrw-vertreiben/

     
    Kommentar von mostertpoettchen am 05.03.13 um 11:36

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