Zwote Liga brandaktuell
Tausende dankbare Fans auf der Südtribüne der Düsseldorfer Sprit-Arena waren aus dem Häuschen. Hatte doch die Privatbrauerei Frankenheim diesen Fans eine Riesenblockfahne geschenkt, die nach dem Siegerentwurf eines Malwettbewerbs gestaltet wurde. Alle Entwürfe stammten natürlich zu 100 Prozent original echt von original echten Fans. Gerüchte, nach denen einige Entwürfe von eigens engagierten Profis stammten, müssen als üble Propaganda gesehen werden. Jedenfalls ging eine stehende Ovulation durchs weite Rund, als die Blockfahne (10 auf 20 Meter) von willigen Schlachtbummlern hochgezogen wurde und die gesamte Südtribüne überspannte. Nicht nur engagierten Altbiertrinkern kamen da die Tränen der Rührung. Dazu passte dann der Schiri mit dem nomen-est-omigen Namen Weiner, der die Partie trotzdem pünktlich anpfoff.
Nä, jetzt mal in echt. Vereinsnahe Ohren meinen gehört zu haben, dass die Frankenheim-Marketeers und ihre willigen Dienstleister dann doch kalte Füße bekommen haben, denn in Fan-Kreisen fand die Idee, eine – wenn auch dezent – mit Werbung bestückte Fahne hochzuziehen, keine Mehrheit. Im Gegenteil. Mitglieder der spaßorientierten Fraktionen hatten bereits über verschiedene Möglichkeiten meditiert, die Blockfahnenpremiere gleichzeitig zur letzten Vorstellung des Lappens zu machen.
Und so hatten die Ultras im Block 42 wie üblich die Hauptarbeit in Sachen Blockschmuck übernommen, zahllose Plakate und Spruchbänder angefertigt, einen Doppelhalter mit dem Herz der Liebe für die Fortuna und eben eine – ja, tatsächlich – Blockfahne! Die wies eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Frankenheim-Dings auf, war aber handgeklöppelt und hatte Normalgröße. Irgendwie schien aber kaum eine Seele auf der Süd den geschenkten Gaul zu vermissen. Statt dessen verfiel man alsbald in anfeuerende Gesänge.
Das Spochtliche
Unser Trainer Meier ist bekanntlich eine voll coole Sau, der besonders lakonische Antworten auf doofe Reportfragen produziert. So beantwortete er kürzlich eine Anspielung auf den möglichen Aufstieg in Liga 1 und das zueghörige Wort “Durchmarsch” (so nennt man im Norden die ordinäre Diarrhoe…) mit dem Satz “Wenn ich Durchmarsch hab, nehm ich Kohletabletten”. Auf die dumpfbackigen Hinweise der Spochrepochter auf die Statistik, nach der die Köpenicker ja immer 1:0 gewännen, äußerte Meier dann eher genervt, darum gebe er nichts. Das wird manchen Fußballjournalisten frustrieren, basiert das Know-how der meisten doch auf tragbaren Datengeräten, aus denen allerlei Statistisches quillt.
Tatsächlich entwickelte sich aber ein echtes Spitzenspiel auf recht hohem Niveau mit Kampffaktor, aber enormer Fairness. Tatsächlich waren alle vier vergebenen gelbe Karten (F95: 3, Union:1) ausgesprochen harte Entscheidungen, denn keiner ging ein wirklich böses Foul voraus. Dafür hätte es aber schon in Minute 4 die erste Hütte für unse Jungs geben MÜSSEN. Heidi schlenzte quer durch den Sechzehner, der Ball landete im oberen rechten Eck. Leider am Innenpfosten. Danach gab es noch einige spannende Fernschüsse der Fortunen, aber so richtig gefährlich war keiner davon.
Die Rotweißen waren bis etwa zur 25. Minute ziemlich überlegen und brillierten teilweise mit feinen Kombinationen.
Dann kamen die Rostigen aber immer mehr ins Spiel und bauten nach und nach Druck auf, ohne auch nur eine einzige wirkliche große Hüttenmöglichkeit zu haben. So gingen die Kicker beider Teams mit einem gerechten 0:0 in die Halbzeitpause.
Das Bescheuerte
Einen Aufreger gab es in der 20. Minute. Der kahlköpfige Liri hatte den Berliner fälschlicherweise einen Einwurf zugesprochen, was den F95-Anhänger sehr missfiel. Plötzlich packt sich der Union-Spieler Mattschkopp an die Backe; kurz danach landet ein zweites Feuerzeug auf dem Rasen. Ihr sehr ergebener Berichterstatter schwört hiermit Stein & Bein, dass beide Gegenstände aus dem Block 44, also einem Bereich der Espritz-Tribüne kamen. Und zwar von Plätzen in einer der ersten vier Reihen.
Einige Fans aus den Blöcken 39 und 40, die nicht müde werden, sich negativ an den Ultras abzuarbeiten, zeigten daraufhin mit Fingern auf den Block 42, wo die Ultras hausen, und skandierten: “Werfer raus!” Vorsänger Niko wurde sauer und gab per Mikro durch, dass die Dinger doch wohl offensichtlich von den Sitzplätzen gekommen seien und dass die Ultras “solch eine abgefuckte Scheiße” in den eigenen Reihen nicht tolerieren.
Später flogen dann auch noch vereinzelt Bierbecher; meist ohne irgendeinen wirklich nachvollziehbaren Anlass. Dies und die Tatsache, wie groß der Anteil an voll Alkoholisierten und den Südkurvlern nach Spielende ist, wirft zunehmend die Frage auf, ob alkoholische Getränke beim Fußball vollkommen abgeschafft werden sollten. Ihr sehr ergebener Berichterstattet – aus familiären Gründen begeisterter Altbiertrinker – kann die immer wieder geäußerte Meinung, Bier gehöre nun mal zum Fußball dazu, nicht wirklich nachvollziehen und fragt sich, warum die Vollsäufer sich ihre hohlen Birnen nicht woanders zuballern.
Das Spannende
Aus der Pause kamen unse Jungs wie die Feuerwehr. Da waren die Ostberliner ein bisschen überrascht und wurden etwas fahrig. Und dann trat der Herr Christ einen Freistoß als Flanke in den Strafraum. Der hinzugeeilte Herr Anderson hatte Raum und Sprungkraft, was zu einem astrein eingeköpften Treffer führte. Das Rheinstadion verfiel in einen schweren Freudentaumel.
Dass aus diesem 1:0 nicht mehr wurde, hat viel mit dem Elfmetertrauma des Herrn Langeneke zu tun. Der ist inzwischen zweitligaweit dafür bekannt, Strafstöße in die Mitte des Tores zu ballern. Tat er dieses Mal nicht, sondern wollte die Pille präzise neben den Pfosten setzen. Der zuckte aber ein bisschen nach innen und wehrte den Schuss so ab. Auch die zwei Nachschüsse erreichten das Netz nicht.
Die letzten zehn Minuten waren dann schwer spannend. Denn natürlich wollten die Unionisten einen Punkt mit in ihr verkacktes Heimatdorf nehmen. Und pressten und taten und machten wie blöde. Da sprangen dann zwar ein, zwei, drei Konter für die Tuna raus, aber keiner führte zu einer zwingenden Schangse.
Am Ende hatten wir dann dieses Spitzenspiel der beiden Aufsteiger gewonnen und die Statistik kaputt gemacht. Da musste Bemba Anderson dann zur Humba antreten, was er ganz gut hinbekam. Nur beim Ausrufezeichen, da musste ihm ein Kollege helfen.
Und dann war da noch
Der Berlin-Trainer Neuhaus meinte tatsächlich, den – um es mal ganz, ganz vorsichtiog auszudrücken – in Düsseldorf äußerst unbeliebte Ex-Fortune Kenan Sahin einzuwechseln. Anfang verfolgten die Fans den Drückberger und Verräter mit Pfiffen und Sprechhören. Später ignorierte man ihn einfach. Besser war das.
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
|
Trackback-URL
Wieso wurde denn die Statistik kaputt gemacht?
Das Spiel ist doch 1-0 ausgegangen, wie die anderen vorher auch..
Also, wenn die Tuna Dritter wird, und der EffZee Drittletzter, dann komme ich in’s Rheinstadion und bin erstmals in meinem Leben für die Tuna..
[Antwort]
Rainer Bartel Antwort vom 23.01.10 10:27:
;–))
[Antwort]
Laut Printausgabe der NRZ ist der Schwachmat, der das Feuerzeug geworfen hat, von einigen Fans den Ordnern/Förstern übergeben wurde. Möge man ihm einen Geißbock auf die Stirn tätowieren und ins unterste Verliess der Ulmer Höhe schmeissen.
[Antwort]