Auf der Suche nach dem Defibrillator

[Ergänzt] F95 vs Rostig Bählin 2:1

f95_union_2012Nicht ganz ernstgemeint machte sich euer tief ergebener Berichterstatter zwei Stunden vor Anpfiff daran, die Erste-Hilfe-Stationen des Rheinstadions, das aufgrund prostitutiver Umstände “E-Spritz-Arena” heißen muss, auf das Vorhandensein von Defibrillatoren zu checken. Das sah schon mal gut aus. Es muss Folge einer Ahnung gewesen sein, dass die Partie der überaus glorreichen Fortuna aus der mit Abstand schönsten Stadt am Rhein gegen den Söldnerhaufen aus der hauptstädtischen Pampa an Herz und Nerven gehen würde. Trainer Norbert Meier wäre inschuld gewesen, wenn es den einen oder anderen Infarkt gegeben hätte an diesem wechselwetternden Sonntagnachmittag. Denn aus Gründen stellte er eine Dreierkette vor den Rata, die recht eigentlich eine Viererkette ohne Linksverteidiger war. Dafür gab’s dann neben den beiden nominellen Stürmern sage-und-schreibe FÜNF Mittelfeldler, drei davon von der eher offensiven Geschmacksrichtung. Volles Risiko also. In den ersten zehn Minuten sah es schon so aus, als könnte der/die/das Vabanque zu heftig gewesen sein, denn die Rostbären kamen erschreckend frei vors Tor.

Edel, edel

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Ein Kollege in der Nähe konnte das erklären: Die fünf Mittelfeldler und die beiden Stürmer müssen in einer solchen Situation massive früh stören und ballführende Feinde immer mindestens zu zweit angehen. Kommt der Fremdarsch trotzdem vorbei, fehlen die beiden in der nächsten Verteidigungsreihe. Besteht die nur aus drei Nasen, wird es zwischen dem mittleren Verteidiger und jeweils einem der Außenverteidiger IMMER Lücken geben. Man muss, so der Experte weiter, deshalb versuchen, den Gegner ständig aus der eigenen Hälfte rauszuhalten. Leuchtet ein. Es funktionierte aber irgendwie doch, weil die Herren Beister und Rösler heute einen Tacken besser formiert waren, allemann sowieso voll Kanne auf Druff geschaltet waren und auch die Ballfreunde Fink und Lumpi erheblich weniger Fehler zelebrierten als in den letzten drei bis acht Spielen. Zum Glück war unser Torwart, der zuletzt vom Ösi-Robert verdrängte Herr Ratajcak, durchweg auf der Höhe und holte ein paar üble Torschüsse der Wuhlheiden raus.
So ab Minute dreizehn, vierzehn entfalteten unse Jungs aber einen Druck wie man ihn lange nicht gesehen hatte. Dabei kamen drei Chancen zustanden, davon eine hundertprozentige. Aber das Fußballglück war heute eindeutig nicht auf Fortunas Seite. Trotzdem gelang dem wuscheligen Dänen mit dem niedlichen Namen Ilse ein schnuckeliges Törchen, indem er eine Ecke mit dem Rücken zu Tor und Torwart irgendwie am kurzen Pfosten reinfußballisierte. Das rot-weiße Volk auf den Rängen freute sich den Arsch ab, da schellte es leider auch in Ratas Hütte. Genau das, was der Kollege prophezeit hattem trat ein: Irgendso ein Bärchen lief in die obligatorische Lücke und, zack, versenkte.

Trauer verzerrte die Gesichter der hoffnungsfrohen Fortunesen, da betrat der junge Herr Beister den gegnerischen Strafraum mit hoher Geschwindigkeit, was einen hilflosen Unionisten dazu verleitete, ihn umzureißen. Der Schiri, dieser Depp, hatte das nicht gesegen, dafür aber Linienmann. Und so gab es Elfer, den unser wunderbarer Herr Rösler versenkte. Um es kurz zu machen: Mehr gab’s nicht an Toren an diesem Tag. Aber Chancen! Liebe Leser, euer Herzergebener sagt es euch: Chancen! Das dollste Ding – und eines, das vermutlich so noch nie im Fußball stattgefunden hat – war, als die Totweißen die gesamt feindliche Defensive inklusive Torman schwindlig kombiniert hatte, die Pille bei Käpt’n Lumpi landete, während der Herr Rösler irgendwie durch den Sechzehner rutschte. Und mit seinem Blondschädel auf dem Rücken liegende die Kugel am Übertreten der mutterseelenalleinigen Torlinie hinderte. Und so weiter…
Der Halbzeitpfiff war eine Erlösung, und euer erheblich Ergebener sah nicht wenige Männer verschiedenen Alters die Hand auf die Herzgegend drücken, während beigefügte Damen, so vorhanden, besorgte Mienen machten. So weit bekannt haben aber alle 33.673 Zuschauer diese erste Hälfte überlebt.

Die restlichen fünfundvierziug Minuten waren dann von taktischem Gehampel geprägt. Norbert Meier hatte die Viererkette restauriert und das Mittelfeld entzerrt. Das führte zu deutlich weniger wildem Offensivkram der Düsseldorfer, aber auch dazu, dass die Fremdlinge praktisch keine Chancen mehr hatten. Spannend blieb’s sowieso. Immerhin hatten die Anwesenden gelernt, dass der KSC dem Pater Born einen eingeschenkt hatte, was die fortunistische Tabellensituation deutlich optimierte. Leider lagen die Kiezkultkackstelzen gegen Rohrstock schon vorn. Gern hätte man ein 3:1 gesehen, aber da kam nichts mehr. Und so waren alle froh, dass es vorbei war.

Begonnen hatte das Spiel übrigens mit einer grandiosen Choreo, die eurem persönlichen Berichterstatter aber bisschen komisch kam: Motto war tatsächlich eine Zeile aus dem Lied “Forever Young” der Münsteraner Gruppe Alphaville:

youth is like diamonds in the sun // and diamonds are forever

Einem Burschen von fast sechzig Jahren wie eurem Ergebensten kommt man mit so Jugendkram natürlich nicht bei. Dafür war’s optisch schön: Eine schwarze Plane, mit denen die Blöcke 41 und 42 überzogen wurde, zeigte einen weißen Diamanten. An den Rändern wedelten Menschen mit rechtzeitig verteilten Wärmefolien in Gold und Silber. Bleibt die Frage, was das mit der Fortuna und der aktuellen Situation zu tun hat. Thematisiert wurde zudem diese üble Kiste, die DrEXZESS und RPiss vor zehn Tagen angezettelt hatten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte – und das ist schon ein Skandal an sich – Fahndungsfotos von zwei jungen Männern veröffentlicht, die im Verdacht standen, beim Spiel der wundervollen Fortuna bei den Braunschweinchen pyrotechnisch aktiv geworden zu sein. Um die Burschen an den bundesweiten Pranger nageln zu können, hatte sich diese übelriechende Staatsanwaltschaft was Neues ausgedacht. Die Verdächtigen wurden der versuchten Vergiftung der Umstehenden beschuldigt, nicht dem Abfackeln von Bengalos. So weit sind wir schon, dass von uns Steuerzahlern entlohnte Rechtsdiener einen auf Pipi Langstrumpf machen, um dem verdreckten DFB nach dem Mund (oder wie heißt diese Öffnung, die nicht so gut riecht?) zu reden.
Dass dann aber die skrupellosen Schreibfinken vom k**schen Drecksblatt, die gern so tun, als gehörten sie zur Fortunafamilie, beide Fotos ohne jede Unkenntlichmachung abdruckten und im Web zeigten, ist dermaßen widerlich, dass euer sehr Erregter immer noch Stadionverbot für die Herren Geissler und Krause fordert – die das hätten verhindern können. Bei der RP war es wohl die allumfassende Ahnungslosigkeit der Schreibfinkin Gelnhause geschuldet, dass die Fotos online ebenfalls für ein paar Stunden zu sehen waren. Während die konservative Postille nach kaum einem Tag erheblich zurückruderte und statt dessen die Protestaktionen der Fans gegen diese Scheiße dokumentierte, muss als Zeichen äußerst schlechten Gewissens gewertet werden. Das Mistblatt ließ den Artikel dagegen einfach verschwinden, die feigen Schweine…

Ein Nebenskandal ergab sich aus der Tatsache, dass ein szenebekannter Fan in seiner Eigenschaft als Journalist ein Interview mit Kapo Niko für die WZ führte und publizieren ließ. Nicht wenige Vollfans sahen darin Heuchelei und zeigten ein Transparent:

Bei Express rastet ihr aus – aber Interview im gleichen Haus

Das Missverständnis besteht darin, dass die Lokalredaktion des Boulevardmülls im selben Haus an der Kö sitzt wie die Düsseldorfer Redaktion der Westdeutschen Zeitung. Die Blätter gehören aber zu verschiedenen Verlagen: Der EXZESS kommt von DuMont Schauberg aus dem urk**lschen Klüngel, während die WZ zu Giradet gehört, einem erzdüsseldorfer Verlagshaus. Die Kritik am Interview, dem Interviewten und dem Interviewer läuft so natürlich ins Leere. Zumal es die WZ war, die als einziges Tageszeitung kritisch über die Braunschweiger Fahndung berichtet hatte. Ihre Meinung zu den hiesigen Medien und der Ordnungsmacht zeigte der Block 42 später in Form von schalbreiten, weißen Stoffstreifen, auf denen wahlweise “Lügenpresse” oder “A.C.A.B.” geschrieben stand. Damit dürfte klar sein, dass das Verhältnis zwischen der Fanszene und dem DrEXZESS unüberbückbar zerrüttet ist und die RP sich jetzt ein paar Monate lang wird bewähren müssen.

Wo wir bei diesem Bericht ja ständig mit dem Thema “Gesundheit” zu tun haben: Zum wiederholten Mal hatte die Fanszene zu einer Typisierungsaktion aufgerufen, der an den Pavillons draußen etliche Menschen Folge leisteten. Zudem wurde darum gebeten, den Becherpfand zu spenden, was derart viele Fans taten, dass die Sammler kaum genug Kisten für das Leergut herbeischaffen konnten. Keine Ahnung, ob so was auch bei anderen Vereinen geht – bei der asozialen Brut, die im Umfeld des ekligen Äff-Zeh vegetiert, sicher nicht – die hat ja mehr damit zu tun, Spielern anderer Vereine aufzulauern, um ihnen die Nase zu brechen. Derlei dummdreistes Treiben passt prima zu einem Verein, dessen Zustand derzeit ohne Beispiel im deutschen Fußball ist. Es wird – so war nach Abpfiff über all zu hören – der Fortuna eine Ehre sein, diese durch Zwnagsfusion unschuldiger Kleinvereine geschmiedeten Retortenclub aus dem hässliche Kapellenstädtchen in die zweite Liga zu bomben. Wo das Pack dann sicher einen auf Arminia Bielefeld machen wird.

Es gilt also der Hit des Tages (auf die Melodie von “Rivers of Babylon”:

Wir holen den dritten Platz und schießen Kölner ab // Relegation gegen Cologne!

Ergänzung: Da Ihr sehr ergebener Berichterstatter sich die Tagespresse ausschließlich in ihrer digitalen Form zumutet, war ihm nicht bewusst, dass die Printausgabe der WZ die bewussten Fahndungsfotos ebenfalls abgedruckt hatte. Das ändert die Ausgangslage für das Interview mit dem Kapo der Ultras Düsseldorf doch erheblich und läösst nachvollziehen, weshalb ein Teil der Fanszene ebendiesem Vorsänger und seiner Gruppe Heuchelei vorwirft.
Außerdem lief dankenswerter Weise der Hinweis ein, dass der Pfand der gesammelten Spendenbecher nicht zur Unterstützung der Typisierungsaktion gedacht war, sondern für eine Art Rechtshilfefonds der beiden Burschen, die man an den Pranger gestellt hatte.

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» Nervenbericht von Chefred am 22.04.12 um 21:33 » in Kategorien: Fortuna,Sport » 2.499 x gelesen » 6 x kommentiert
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  1. Ganz kurz nur zur WZ: Die hatten in der Printausgabe ebenfalls in vorauseilendem Gehorsam die beiden Fahndungsfotos drin. Von daher: Die gesamte Düsseldorfer Presse geht mir seit dieser Geschichte komplett an rückwärtigen Körperteilen vorbei. Und es ist mir auch herzlich egal, dass die Protagonisten in Düsseldorf nicht Schuld an den Veröffentlichungen sind. Keinen Pfennig mehr von mir und so wenig Klicks wie möglich auf deren HPs.

     
    Kommentar von Lolo am 23.04.12 um 00:07
  2. Danke, Rainer.

     
    Kommentar von Bobo am 23.04.12 um 01:44
  3. Und, nicht Lumpi hat den am Boden liegenden Rösler angeschossen, sondern Bröker den Ilsö…

     
    Kommentar von J.Ramone am 23.04.12 um 11:40
  4. Danke für die Richtigstellung! Hatte ich dann auch in den Spielberichten gelesen…

     
    Kommentar von Rainer Bartel am 23.04.12 um 11:51
  5. Das Kettenexperiment war in der Tat sehr gewagt und hat auch zum Ausgleich geführt. Zoundi kam auf der linken Seite ständig frei durch (Lumpi war da überfordert) und hatte schon die Chance mit dem Lattenknaller eingeleitet. Der Schuss, den Rata gerade noch abwehren konnte (war kein “Fangfehler”, wie NRZ berichtet, der Mann lag quer in der Luft und kam gerade noch so mit denn Fingern dran!) kam auch von Zoundi und landete dann bei Terodde.

     
    Kommentar von Raf am 23.04.12 um 14:28
  6. Also, mir ist es jetzt mal total schnuppe was am Ende der Saison mit der Fortuna passiert. Das muss ich so handhaben, da mir sonst selbst o.g. medizinisches Gerät nicht mehr helfen kann. Das die Jungs auf dem Rasen es aber auch immer so spannend machen müssen …

     
    Kommentar von VaterAbraham am 23.04.12 um 19:40

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