Ach, übrigens: Pyrotechnik ist kein Verbrechen!
Ja, wir waren wohl alle ziemlich nervös im Block. Und sicher, manchmal lieben uns die Gesänge im Halse stecken. Dafür mussten wir uns dann von Vorsänger Niko ahören, wir sollten uns verpissen, wenn wir das Maul nicht aufkriegen. Darüber habe ich nachgedacht. Und kam auf den Sängerkrieg der Heidehasen. Mir war bisher nicht bewusst, dass es neben dem Spiel auf dem grünen Rasen einen gleichberechtigten Wettstreit gibt, der mit ebenjenem Kick auf Gras nix zu tun hat: Welche Fankurve feuert lauter und dauerhafter an? Wie gesagt – ein Sängerkrieg wie im Kinderhörspiel von James Krüss. Dann wurde mir auch bewusst, wie einige ältere Fans darauf kommen, die Ultras als “Kindergarten” zu verunglimpfen. Zuletzt habe ich dann seit Langem zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht, ob und was genau von unseren Gesängen und Gebrüllen wohl bei unsen Jungs dann unten ankommt und was es bewirkt. Achtzehn Minuten dreißig am Stück eine Midtempo-Nummer mit viel Lala und Bummbumm wird es wohl nicht sein. Aber nun bin ich als 41er-Steher ja eher Betroffener als Zuhörer und weiß: Es kann nicht bei jedem Spiel schäppern…
Wie gesagt: Gestern lag eine deutliche Nervosität in der Luft. Das lag wohl auch an der Pause von sieben Wochen seit dem letzten Heimspiel (jenem sensationellen Pokal-Fight gegen die Doofmunder…). Sowie der Erkenntnis, dass die Partie gegen den Absteiger Frankfurt ziemlich vorentscheidend sein könnte. Früh hatte ich mich darauf festgelegt, dass der Platz 3 uns wohl sicher sei, sollten wir nicht verlieren. Aufgeheizt war die Atmosphäre zudem durch das dumme und verantwortungslose Gelalle des Eintracht-Trainer, den sie jetzt nur noch Prinz LilliVEH nennen. Dessen Verhalten hat der Kollege Derhatschongelb in seinem tollen Blog “Sportsaal” wunderbar beschrieben. Mir war das gar nicht klar, dass dieses Arschloch, der sich offensichtlich zu fein ist für die zweite Liga, eine Kampagne gegen die Fortuna angezettelt hat, die die fantastischen Leistungen unserer Jungs in der Hinrunde schlecht redet – und damit den ganzen Amöben der anderen Zweitligavereine Futter für ihre Neidanfälle liefert. Diese Kreuzung aus Pippi Langstrumpf, Rumpelstilzchen und Heulsuse und sein inkompetenter Manager Hübner haben ein Budget zur Verfügung, das etwa um den Faktor 8 bis 10 größer ist als das der Fortuna. Und sich über Schiri-Entscheidungen zu beschweren, ist nachgerade krank, wo doch der Fortuna im Hinspiel mindestens ein hundertprozentiger Strafstoss verwehrt wurde. Und wie war das am 13. Spieltag in Ingolstadt? Als der Schiedsrichter so lange spielen ließ, bis den Frankfurzern der Ausgleich gelang – in der 96(!!!). Minute.
Und nun verweigert dieser Erfolglose unter den Trainern, der selbst an der Meisterschaft des VfB – und das wissen die Stuttgarter genau – kaum einen Anteil hatte, sogar die Teilnahme an der Pressekonferenz nach dem Spiel. Und “Manager” Hübner – bekannt dafür, beim MSV die durch die Pokalfinalteilnahme erzielten Milliönchen zum Fenster rausgeschmissen zu haben – entblödet sich nicht, den 20 Jahre älteren Fortuna-Manager Wolf Werner tätlich anzugreifen. Was für ein bepisster Wichshaufen!
Die Mannschaft der SGE kann dafür gar nichts. Im Gegenteil: Sie präsentierten sich gestern nicht nur sehr spielstark, sondern ausgesprochen fair. Es waren Eintracht-Kicker, die nach dem Schlusspfif mäßigend auf ihre Vorturner einwirkten und mancher Spieler gab hinter vorgehaltener Hand im Tunnel zu Protokoll, dass er sich für Trainer und Manager schäme.
So richtig loben kann man den Frankfurter Mob in der Nordostecke des Stadions aber nicht. Zwar boten die Fans der SGE vor Anpfiff eine klasse Pyroshow, aus dem dank des geschlossenen Daches ein feiner Nebel des Grauens enstand, aber ein paar Rindswürste dort meinten, Böller werfen und Leuchtkugeln abfeuern zu müssen. Muss daran liegen, dass sich die Ultras der Geier für was Besseres halten und jede Kooperation mit Ultra-Gruppierungen anderer Clubs ablehnen mit der Begründung, sie wollten ihre Animositäten authentischer ausleben. Na ja, wer grüne Sosse im Schädel hat statt Hirn, dem entfährt sowas. Immerhin bekamen einige der Gäste nach einem kleinen Blocksturm durch alte Düsseldorfer Haudegen ein paar Maulschellen – Gewalt ist aber auch keine Lösung für nicht vorhandene Probleme.
Probleme, wo keine sind, machen sich und uns auch einige Fortuna-Vorturner. Verboten wurde die Zaunfahne einer Gruppe namens “Bukkake Crew” mit dem Slogan “Wenn wir kommen, dann zusammen”. Nun handelt es sich bei “Bukakke” in diesem Zusammenhang um einen Begriff, der in der japanischen Pornoindustrie geprägt wurde. Angeblich sollten sich Hunderte Zuschauer über die Zaunfahne beschwert haben – von wegen Jugendschutz und so. Ich glaube das nicht, und es ist auch nicht logisch. Kinder und Jugendliche, die dank Internet wissen, was Bukakke bedeutet, kann man nicht mehr schützen; die es nicht wissen, denen schadet es auch nicht. Es muss sich also um einen oder mehrere verklemmte Pornokonsumenten in Vorstands-, Aufsichtsrat- oder Sponsorenkreisen handeln, die genau wissen, welche Praktik gemeint ist. Bigott ist das Verbot auf jeden Fall.
Aber leider auch ein weiterer Schritt in Richtung Zähmung. Oder vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Altherrenklub DFB. Man munkelt ja, dass sich eine bekannte Fortuna-Persönlichkeit Hoffnungen auf einen fetten Posten beim Verband macht, wenn dessen Kumpel Wolfgang Niersbach erstmal offfiziell Präsident ist. Und da möchte man ja aus einem Musterverein stammen. Als nächstes wird dann wohl die Zaunfahne der Düsseldorfer Hooligans verboten. Immerhin griff niemand ein, als die Bukkakke-Crew-Fahne im Oberrang gezeigt wurde.
Im Spiel selbst zeigten sich zwei erstaunliche Effekte: Ohne Jojo – fehlte wegen Keramikabteilunsgbesuchen – läuft auf der linken Seite nichts; Sascha Dum ist auf dessen Position eine Fehlbesetzung. Ohne Lumpi im offensiven Mittelfeld fehlt die Verbindung zwischen Defen- und Offensive. Das Tor der Würstchen geht auf Kosten der gesamten Abwehr, aber besonders auf das von Herrn Levels, der in der Situation sinn- und hilflos umherirrte. Die Kölner Leihgabe Matuschyk spielt fein, aber völlig ineffizient. Mutig der Massenwechsel von Trainer Meier, nach dem FÜNF reine Stürmer auf dem Platz standen. Bestens verkauft und präsentiert haben sich dabei vor allem die Ilse und der Timo, die BEIDE am kommenden Sonntag in der Startelf stehen sollten. Auch Rani war wieder sehr stark. Maxi Beister wirkt immer noch überspielt, obwohl er es war, der ein paar Chancenansätze initiierte und erfolgversprechend aufs Tor schoss. Unser Sascha, die alte Drecksau, kriegt die dringend benötigte Pause, die Norbert Meier eventuell um ein, zwei Spiele – je nachdem wie lang die Sperre sein wird – verlängern sollte, damit der Herr Rösler wieder mehr Fußball spielt als Dichterlesungen gegenüber Schiris und Gegner zu halten. Keeper Rata hatte einen seiner großen Momente, als er einen Hundertprozenter durch Übergreifen abwehrte. Käpt’n Jens versenkte gewohnt cool den Elfer, und Luki ist sowieso über jede Kritik erhaben. In München muss also Jojo wieder an Bord sein, Weber sollte mal für Levels kommen. Herr Bröker könnte auch mals pausieren, sodass der Sturm auch Ilsö-Jovanovic-Furuholm lauten könnte.
Über 41.000 Nasen, davon gut 6.000 aus Bankfurt sahen die Partie. Die Rheinbahn hatte ein Einsehen und öffnete zur Abreise den zweiten Bahnsteig. Mit mir huschte Tom noch in den schmalen Teil eines Waggons, wo wir eine äußerst nette Frankfurter Fanin kennen lernte, eine, die schon seit 30 Jahren zur Eintracht geht, eine, die auf Pyro steht, eine die den FCB hasst, also eine, die man einfach mögen musste. Mit der diskutierten wir den Elfer und kamen auf keinen gemeinsamen Nenner.
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Um mal bei den Heidehasen zu bleiben:
Wer bekommt die Prinzessin, und wer ist der böse Direktor Wackelohr?
“Unser” Block1900 fühlte sich gestern auch bemüßigt, mal wieder über die schlechte Stimmung in der Nord zu moppern..
So als ganz neutraler Zuschauer am TV fand ich die erste Halbzeit ziemlich übel, die zweite ein wenig besser mit leichten Vorteilen für Zwietracht.
Levels hat bei dem 0-1 sicherlich nicht gut ausgesehen, seine Bewegung war allerdings zielgerichtet: auf den links außen heraneilenden Frankfurter, der durchaus den Pass hätte erhalten können. Leider ist Lukimya dann auch aus der Mitte raus, Langeneke ging Richtung dessen Gegner, und schwupps war die Mitte offen…
Ansonsten: Standfester Assistent mit gutem Auge, durchaus berechtigter Elfer, und ein Rösler, der anscheinend doch blöder ist als ich bislang dachte.
Mich stört nur eins: das Anti-BMG-Plakat auf einem der Fotos ;-)
Du bist und bleibst einer meiner beiden Lieblings-Ostholländer-Fans!!! Ehrlich jetzt…