Ein Benaglo oder zwei haben noch niemandem geschadet...

Fußball muss brennen – reloaded

pyro_fussballJetzt jammern sie wieder los, die dummfaulen Spochtrepochter. Da plappern sie wieder den Müll nach, den ihnen die Loser von der DFL einblasen: Wer Pyro im Stadion zündet, ist ein “Unverbesserlicher”. Das Wort ist schön gewählt, spielt es doch auf den Gebrauch des Begriffs in den fünfziger Jahre an, als man so die Immer-noch-Nazis bezeichnete. Es soll bedeutsam wirken und vor allem suggerieren, ohne Pyro wär’s besser im Stadion. Und die ganz doofen unter den Scheinjournalisten, die ihre Inkompetenz im Print und auch TV öffentlich zur Schau stellen, haben dann noch diesen Dummspruch auf Lager: “Bilder, die wir nicht sehen wollen…”. Es sind übrigens Angehörige derselben Mischpoke, die angesichts der Freudenfeuer türkischer Fans feuchte Unterwäsche kriegen von wegen der Emotzjohnen. Man kann Heuchelei also auch zum Hauptberuf machen… Der geneigten Sofakartoffel, die ohne Schkai-Abo seine Fußballleidenschaft nicht ausleben kann (aber der’s im Stadion zu unbequem ist), wird aufgefallen sein, dass es an den letzten Spieltagen der ersten und zweiten Liga vielerorts zu Experimenten mit brennbaren Leuchtkörper gekommen ist. Hintergrund ist die Initiative verschiedener Ultra-Gruppierungen, Pyrotechnik in den Stadien wieder zu legalisieren.

Ja, “wieder”. Zwar war das Abbrennen von Seenotrettungsfackeln und Rauchtöpfen nie wirklich LEGAL, aber in den achtziger und bis zur Mitte der neunziger Jahre (vorher gab’s derlei Stimmungsmaterial auf deutschen Tribünen kaum) wurden diese paromanischen Gerätschaften toleriert. Nachdem in Großbritannien ab 1989 als Folge des Hillsborough-Desasters Stehplätze abgeschafft und Stadien mit hölzernen Tribünen geschlossen wurden, veränderte der europäische Fußball sein Gesicht. Hinzu kam das Ganz Große Geld, das nun das Ballspiel beherrschte. Ziel der Ligen war es nun nicht mehr, Meister bzw. Auf- und Absteiger zu ermitteln, sondern Profite zu erzielen. So freute man sich der neuen Arenen, in denen Familien auf bequemen sitzen hockend ein rudimentär mit Fußball verbundenes Entertainment betrachten konnten.
Indem man Soccer familientauglich mache, vergrößerte man den Konsumentenkreis drastisch. Zerstörte aber eine Kultur. Früher nahm der Vater den Sohn (meist im Alter von zehn, elf, zwölf Jahren erstmals) mit zum Spiel, das am Samstagnachmittag um halb vier begann. Mutter war froh, die Kerle aus dem Haus zu haben. Heute gehen Papi, Mami und die Gören gemeinsam ins Stadion. Damit Mami und die Kleinkinder keine Angst kriegen, musste der Fußball zivilisiert werden – vor allem durch Zähmung der Fans. Und das ist der Grund, warum man in Deutschland Pyro im Stadion verbot.

Und das Verbot mit einer langfristigen, intensiven Medienkampagne begleitete. Etwa zu Beginn der Nuller-Jahre sprachen erste Spochtrepochter von “Ausschreitungen”, wenn im Block Bengalos über feinem Rauch leuchteten. Inzwischen wiederholen gerade die Statistikvorleser im TV gebetsmühlenartig die Sprüche von “Krawallen”, “Spinner” oder gar “Hooligans”.
Und kapieren nicht im mindestens, dass die Legalisierung von Pyro-Maßnahmen die Sicherheit dramatisch erhöhen würde. In Zeiten, in denen das Anzünden eines Bengalos nicht mehr “nur” ein Stadionverbot, sondern auch zivilrechtliche Folgen nach sich zieht, werfen die Zündler die Dinger weg, sobald die brennen. Also liegen die Fackeln brennend im Block und werden nicht – was wesentlich ungefährlicher ist – emporgereckt. Natürlich muss es auch klare Grenzen geben: Knallkörper gehen gar nicht! Die Dinger sind in jedem Fall gefährlich für Menschen, in deren Nähe sie explodieren. Das Werfen von Bengalos, ja, das Werfen irgendwelcher Gegenstände aufs Feld oder gar in den gegnerischen Block geht gar nicht – man gefährdet Menschen. Brennbare Pulver gehen gar nicht – solche Feuer sind weder kontrollierbar, noch zu löschen. Rauch geht nur, wenn keine Stoffe enthalten sind, die für Asthmatiker gefährlich werden könnten.

Jetzt heißt es, dass das illegale Zündeln der letzten Wochen kontraproduktiv gewesen sein und dass es deswegen zu keiner Legalisierung kommen wird. Das mag sein. Aber tatsächlich glaubt kaum jemand, dass DFL und DFB jemals ernsthaft diese Legalisierung erwogen haben. Also wird weiter illegal gezündelt werden … und das ist auch schön so.

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» Hinweis von Chefred am 17.02.11 um 13:23 » in Kategorien: Sport » 2.608 x gelesen » 2 x kommentiert
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  1. Hi

    Ich finde es Scheiße wie hier über die “möchtegern Fans” geschrieben wird. Ist man kein Fan mehr nur weil man sitzt oder mit dem Sohn (4) ins Stadion geht und eine Pommes isst? Oder ist man nur noch Fan wenn man steht und sich in Askese im Stadion verhält und nichts mehr kauft.
    Natürlich kaufe ich Merchandise. Wie soll ich den sonst an Sachen von Fortuna kommen. Klauen ???
    Es wird auch viel Mist gemacht. Keine Frage. Aber ich finde da sollte sich die Einstellung ein bisschen ändern.

     
    Kommentar von TWolff am 21.02.11 um 12:54
  2. Das ist eine Diskussion um Begriffe und deshalb relativ sinnlos. Natürlich ist gegen Leute, die einen Sitzplatz im Stadion wollen, die Pommes essen und Merchandise-Artikel kaufen nichts einzuwenden. Außer vielleicht, dass sie von den Kräften des modernen Fußballs zu deren Zwecken instrumentalisiert werden…
    Deshalb liebe ich das Bild zu diesem Artikel so, weil es zeigt, dass Vater & Sohn beim Fußball auch anders aussehen kann. So wie es früher auch anders ausgesehen hat. Mein Vater hat uns Söhne in den späten Fünfzigern ganz selbstverständlich mit ins Stadion genommen – und zwar nicht auf die Sitztribüne; die war was für Großkopferte. Da standen wir zwischen den Erwachsenen, haben zwar kaum was vom Spiel gesehen, aber die Atmosphäre aufgesaugt. Komischerweise hatten die Väter damals wohl nicht so viel Angst um ihre Pänze.

    Es geht darum, die Entwicklungen zu hinterfragen. Warum muss ein Fan eigentlich ein Trikot seiner Mannschaft anhaben bzw. kaufen? Das war mal was Besonderes, denn so ein Trikot trug nur, wer es von einem Spieler geschenkt bekommen hatte. Schals und Fähnchen wurden früher selbstgemacht.
    Aber natürlich gab es auch schon vor 50 Jahren Reklame im Stadion: “Der Ball für das heutige Spiel wurde gestiftet von…” Und: “Dieser Hit wurde präsentiert von Funkhaus Evertz”. Kein Problem. Die Frage ist doch, was ist wichtiger: Der Zirkus drumherum oder der Fußball selbst?

     
    Kommentar von Rainer Bartel am 21.02.11 um 13:12

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