Oh, mein Gott, jetzt fängt die Deutschlandscheiße wieder an!

[Upd.] Nationalstolz ist eine Geisteskrankheit

nationalstolzUpdate: siehe unten… Mir persönlich ist jeder holländische Frittenverkäufer näher als -sammerma- ein niederbayerischer Verwaltungsangestellter. Überhaupt: Solche ethinischen Gruppen wie die Bayern, die Schwaben und die Sachsen sind mir fremder als die meisten Italiener, Franzosen, Belgier oder sogar Dänen, die ich kenne. Und nur weil sich diese primitiven Volksstämme auf dem Staatsgebiet der Bunzreplik Deutschland angesiedelt haben, soll ich mit denen zusammen jubeln? Das verhindere Wotan! Wobei es ja ohnehin völlig absurd ist, gegenüber diesem Staatsgebilde, das ja recht eigentlich keine Ähnlichkeit mit einem Nationalstaat hat, irgendeine Emotion aufzubringen. Und das nicht, weil die verschissenen Faschisten mit Hilfe von Abermillionen Leuten deutscher Zunge die halbe Sowjetunion ausgerottet, Juden millionenfach ermordet, Hundertausende Schwule getötet und die meisten Sozialisten und Kommunisten im eigenen und in fremden Ländern gekillt haben. Nein, Deutschland gibt’s gar nicht. Jedenfalls nicht in einer historisch nennenswerten Dimension. Und das war bis zur Ankunft des künstlichen Kaisers auch gut so. Als beispielsweise Frankreich schon eine grenzenlose Großmacht war, da haben hierzulande noch Tausende Fürsten mit eigenen Kleinstaaten Spaß gehabt. Auf dieses Kunstgebilde, dass ja noch nicht einmal einen reinen Sprachraum darstellt, stolz zu sein, ist ganz klar das Merkmal einer heftigen psycho-pathologischen Störung.

Zugegeben: Die Farbkombination der Flagge der Bunzreplik Deutschland finde ich hübsch. Und ausdrucksstark. Da können Franzaken und holländische Käsköpp mit ihren blassblauweißrosa Schlüpfern nicht gegen anstinken. Und die Belgier, die haben uns ja bloß nachgemacht. Am ehesten können noch die Tommys mit ihrem Kreuzsalat mithalten, die Schweiz mit ihrem Ambulanzlappen und die kreuzverliebten Skandinavier. Wobei wir ja ohnehin besser sind als die anderen. Ja, Deutschland ist weit drüber, das singen wir ja auch in unserer Nationalhymne, wenn keiner zuhört.

Die Geisteskrankheit namens Nationalstolz brach etwa im Februar 2006 auf deutschem Staatsgebiet aus. Es ging auf die WM im eigenen Lande zu, und plötzlich waren alle Fans der deutschen Nationalmannschaft. Wie befreit wirkten da die deutschen Menschen, dass sie wieder mit dem Lappen wedeln durften und “Deutschland, Deutschland” brüllen. Angeheizt von den abhängigen Medien und einer Werbeindustrie, die ja ohnehin für nix fies ist. Und ich dachte noch, das sei quasi ironisch gemeint. Also Patriotismus mit einem Augenzwinkern. Mir persönlich bekannte Menschen, die ich bis dahin für intelligent und aufgeklärt hielt, klemmten sich plötzlich Schwarzrotsenf ans Autofenster, teilweise doppelt oder vierfach. Mir noch persönlicher bekannte Leute (die selbstverständlich vor und nach der WM nix mit Fußball am Hut hatten) schwärmten auf einmal von Unse Jungs und gaben beliebte Vorurteile gegen Polen, Franzosen, Engländer und Italiener zum Besten. Vor allem gegen Italiener.

Je weniger ein Mensch vom Fußball verstand, desto stärker fiel das Urteil aus: Die Italiener können überhaupt nicht Fußball spielen. Die mauern immer bloß. Die sind auch total unfair. Dauernd schauspielern, um Zeit zu schinden. Schwalbenkönige! Gelbekartenforderer! Haben immer Dusel oder bestechen die Schiedsrichter. Provozieren die Gegenspieler. Und so weiter. Auch da dachte ich noch: Jau, wir Düsseldorfer sagen ja über die Kölner ähnliches. Ist doch aber nicht wirklich ernstgemeint. Das Verhältnis zum Kapellenstädtchen und umgekehrt ist doch am besten als Hassliebe gekennzeichnet.

Jedenfalls war die WM dann gottseidank vorbei, und das Volk beruhigte sich. Nicht ganz. Denn je alkoholkränker und bildungsferner, desto mehr blieb den Leuten der Patriotismus in den Knochen stecken. Und die BLÖD-Zeitung hielt das Süppchen am Kochen. Zuletzt noch im Rahmen der widerlichen Schmutzkampagne gegen Griechenland. Wer dumm war und ist oder dumm gehalten wurde oder sich mit Hilfe des Alkohols selbst verdummt, der denkt ja nun schon seit längerem, dass “die Deutschen” fleißiger sind als dieses ganze südliche Gesocks. Dass die da unten allesamt korrupt sind (Obwohl Deutschland in der Korruptionshitparade von Transparency International schlechter dasteht als z.B. Spanien und Portugal…). Und so weiter…

Ja, plötzlich waren wir wieder wer. Ja, nun durften wir stolz auf unser Land sein (Wessen Land? Mir gehört kein Fitzelchen vom deutschen Boden). Die dunkle Zeit war ausgelöscht. Vergessen. Wir waren ja jetzt auch eine Spaß- und Partynation. Je hartziger das Wirtschaftsklima von den Bossen und ihren willigen, parteipolitischen Helfershelfern gemacht wurde, desto patriotischer gerierten sich die Opfer dieser Entwicklung. Wenn man nichts mehr hat, dann muss man sich am Nationalismus festhalten, schien die Parole zu sein. Und so verschwand der Spaßfaktor.

[Update: Achtung! Ab hier folgt Satire! Das heißt: Es handelt sich um die satirische Überspitzung einer öffentlichen Angelegenheit unter Erwähnung öffentlicher Personen. Eine davon hat mich soeben angerufen und gefragt, was ich unter dem Begriff "erfolglos" verstehe. Ich habe daraufhin erklärt, was ich unter Satire verstehe, und versprochen, das anstößige Wort zu entfernen.]

Vor ein paar Tagen lief im Fernsehen diese Raab-Sache, wo TV-Promis in Kleinwagen versuchen, den Ball ins gegnerische Tor zu bugsieren. Ausgeschrieben war dies als Autoball-Weltmeisterschaft, denn jeder dieser immergleichen B-Promis repräsentierte ein Land. Da musste Harry Wijnvoord, der gerade mit Macht versucht, wieder einen Job im deutschen Fernsehn zu kriegen, die Niederlande darstellen. Dieser … Kelly-Typ, der ja bei Raab jeden Scheiß mitmacht… , startete für Irland. Und dann der … Sänger Giovanni Zarrella, der jetzt seine …-Pizzeria in Köln zum Promi-Restaurant … will. Natürlich für Italien.
Das Ganze fand statt im Kölner Henkelmännchen, das jetzt Dingsbums-Arena heißen muss, weil die … vom Bayer-Konzern ihrem Laden einen bescheuerten Namen gegeben haben, den sich keiner merken kann. Und sage-und-schreibe rund 13.000 Bekloppte hatten GELD dafür ausgegeben, live bei diesem sinnlosen und stinklangweiligen Ereignis teilzunehmen. Wo doch dort nur Kölschbier zu überteuerten Preisen ausgeschenkt wird. Warum nicht gleich zur Domina? Jedenfalls erklärte sich einiges angesichts der Gesichter. Eine Mehrheit hatte sich deutsche Fußballnationalleibchen übergestreift und war mit blöden Frisuren und/oder Mützen verziert. Die weiblichen Anwesenden trugen alle Arschgeweih, das konnte man ihnen an den Stirnen ablesen. Das Gros hatte schwarzrotgoldene Lappen dabei, die eifrig geschwenkt wurden. Aus einem nur von ausgebufften Irrenärzten nachvollziehbaren Gründen feuerten die Amöben auf den Rängen den multimillionenschweren Metzgersohn aus Sülz an, nur weil der sich nicht entblödet hatte, für Deutschland anzutreten. Ich mein, wär der für Köln gefahren, wär’s ja okay gewesen.
Und so kam, was kommen musste. Patriotische Teilorgasmen, wenn der Raab spielte. Buhpfiffe, wenn der Itaker dran war. Es kam zum Finale zwischen Stefan und Giovanni. Diese … Opdenhövel, dessen Moralzustand hinreichend dadurch belegt ist, dass er mal Stadionsprecher bei den ostholländischen … war, machte sich den Spaß, vor Anpfiff in die Runde zu fragen, ob denn jemand für Italien wäre. Bis auf ein paar Pizzabäcker erntete er wie gewünscht Pfiffe. Als der italienische Popbäcker Giovanni gewonnen hatte, brauste ein Sturm der Abneigung durch die Halle. Dann schwenkte der Kameramann über die Gesichter der Zuschauer. Und das war der Moment, in dem ich Angst bekam: Die Buhrufe waren ernst gemeint. Die Nationalfratzen strahlten echten Hass auf die Spaghettifresser ab.

[Ende der Satire]

Seitdem habe ich schlimme Befürchtungen, was die kommende WM angeht. Dieser Tage beginnen die Loser des Viertels damit, Flaggen aus den Fenstern ihrer Wohnklos zu hängen. Je beschissener einer aussieht, desto größer der Lappen. Das wird anstecken und erst die bildungsfernen Schichten ergreifen, um dann auf den Normalspießer überzugreifen und sich in der oberen Mittelschicht festzubeißen. Mit den Insassen dieser Schicht über dieses Phänomen zu debattieren, ist a) sinnlos und erkläöt b) vieles. Denn wenn man einen solchen Spießer, den man zuvor für aufgeklärt und intelligent gehalten hat, fragt, weshalb er denn plötzlich Patriot sei, wird man als Antwort ein schlichtes “Warum nicht?” ernten und/oder den Hinweis, dass die anderen Nationen doch auch patriotisch seien. Womit sich der Kreis schließt: Nationalstolz ist eine Geistenskrankheit … und zwar überall!


» Kommentar von Rainer Bartel am 06.06.10 um 13:01 » in Kategorien: Deutschland,Sport » 1,549 x gelesen » 21 x kommentiert
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  1. Ich verfolge schon seit geraumer Zeit Ihren Blog. Mit diesem Artikel haben Sie mir aus der Seele gesprochen. Vielen Dank!

    [Antwort]

     
    Kommentar von speedy am 07.06.10 um 01:59
  2. Ja, da stimme ich Dir zu: stolz auf etwas zu sein, für das man selbst nicht die geringste Anstrengung unternommen hat, ist schon seltsam. Aber hey, nix geleistet und trotzdem am Jubeln passht hat auf dieses Land. Besonders unhöflich: die Deutschen haben sich, als 3. bei der WM 2006, auch noch selber als die “Weltmeister der Herzen” gekrönt. Für einen dritten Platz! Aber das liegt dieser Nation eben im Blut, das Telent wirklich jeden Mist nationalromantisch zu verklären. Bestes Heilmittel gegen zu viel ‘Schlaand ist übrigens ein möglichst schnelles Aus in der Vorrunde. Dann wird es hier wieder angenehm leise und unauffällig normal.

    [Antwort]

     
    Kommentar von VaterAbraham am 07.06.10 um 08:26
  3. Ich kann mich dieser Auffassung nicht anschließen.

    In allen anderen Ländern ist man stolz, auf das, was die Gesellschaft, jeder einzelne mit seiner täglichen Arbeit und seinem Handeln schafft. Selbst wenn es im Vergleich zu Deutschland nur sehr wenig ist. Auf vielen Reisen wurde mir oft mitgeteilt, was für ein tolles Land Deutschland ist und wie viele Menschen Deutschland bewundern.

    Hundertausende Asylsuchend in den letzten Jahren werden wohl wissen, warum sie nach Deutschland und nicht woanders hin wollen.

    In unserem Land geht es den Menschen gut und von der Schweiz vielleicht mal abgesehen, in allen anderen deutlich schlechter. Wir haben sauberes Trinkwasser, ein ausgesprochen großzügiges Sozialsystem und kennen keinen Hunger. Auch keinen Bürgerkrieg oder Korruption in griechischen Ausmaßen, keine Kinderarbeit. Unsere Töchter werden weder verstümmelt noch zwangsverheiratet. In unserem Land leben die Nationen in Frieden miteinander.

    Das alles ist so, weil wir alle, wir “Deutsche”, und die mit anderem Reisepaß, dazu beitragen. Darauf kann jeder Einwohner stolz sein.

    In unserer Nationalmannschaft ist der Sturm polnisch/brasilianisch, das Mittelfeld türkisch, tunesisch oder bosnisch, da kann man sogar ein paar Bayern ertragen. Die deutsche Flagge von heute steht für ein anderes Deutschland als vor 70 Jahren, weil die Menschen auch andere sind.

    [Antwort]

    Steve Antwort vom 07.06.10 17:07:

    “In allen anderen Ländern ist man stolz, auf das, was die Gesellschaft, jeder einzelne mit seiner täglichen Arbeit und seinem Handeln schafft.”

    Das wäre ja auch gar nicht so dramatisch. Wer will, der möge auch gerne atolz auf sein eigenes Handeln sein, aber worauf ist denn der durchschnittsdeutche stolz?
    Ich bekomme auf diese Frage meist zu hören, dass wir hier in Deutschland schöne Frauen und tolle Autobahnen haben. Ist es etwa das, was uns Menschen bewegt? Ein Stück Fleisch unter der blonden Föhnfrisur und etwas Asphalt auf dem Mann den Schumi geben kann?

    Da bin ich immer wieder peinlich berührt. Ich persönlich könnte es vllt. noch nachvollziehen, wenn jmd. sagt, dass er stolz auf Deutschland sei, weil wir hier in einer Demokratie leben, die Rechtsstaatlichkeit schafft und frei unsere Meinung sagen dürfen etc. pp.
    Nur scheinen wir (zumindest der westdeutsche Teil der republik) dabei immer wieder zu vergessen, dass wir diese Demokratie von den Siegermächten aufgezwungen bekamen, da der Deutsche bis dato ganz andere Wünsche hatte, als selber denken und handeln zu dürfen. Einzig und allein die Burger der ehemaligen DDR haben sich diese Freiheiten erkämpft und scheinen sie jetzt wieder los werden zu wollen. Zumindest könnte man das meinen, wenn man sieht wie wenige dort nur noch wählen gehen und wenige davon gar noch demokratische Parteien wählen.

    “Hundertausende Asylsuchend in den letzten Jahren werden wohl wissen, warum sie nach Deutschland und nicht woanders hin wollen.”
    Es ist die Hoffnung auf ein besseres Leben in Würde, dass nicht selten in einem deutschen Abschiebeknast endet.

    “Die deutsche Flagge von heute steht für ein anderes Deutschland als vor 70 Jahren, weil die Menschen auch andere sind.”
    Das ist absolut korrekt. Aber gilt das eigentlich nur alle 4 Jahre?

    [Antwort]

     
    Kommentar von Montesquieu am 07.06.10 um 16:38
  4. Nach dem “Sommermärchen” fanden der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer und der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner in einer Befragung heraus, dass die Präsenz nationaler Symbole während der Weltmeisterschaft bei einem Teil der Bevölkerung die Fremdenfeindlichkeit signifikant erhöht hatte.

    Quelle: taz.de

    [Antwort]

     
    Kommentar von Rainer Bartel am 07.06.10 um 18:14
  5. Also ich ringe immer noch mit mir, was ich an sich peinlicher finde: das Fähnchengeschwenke oder irgendwelches nationalmasochistisches Rumgekrampfe deswegen.

    Grundsätzlich ist mir Nationalstolz auch erst mal verdächtig, das ist eine der Lehren aus unserer Geschichte. Aber so weit, dass jedwede Identifikation mit unserem Gemeinwesen von Übel sei, würde ich dann doch nicht gehen. Im Übrigen wüßte ich auch nicht, warum es legitimer oder sonstwie okayer sein sollte, sich darauf was einzubilden, dass das eigene Muttertier einen in Düsseldorf oder Heidelberg geworfen hat. Das ist doch streng genommen genauso so’n Kappes. Vor allem, wenn daraus dann auch noch resultiert, dass ich Köln oder Ludwigshafen dann auch entsprechend doof zu finden habe.

    Wer sich wegen Schwarz-Rot-Gold und WM irgendwelche Vaginalkrämpfe leistet, kann sich ja auch mal fragen lassen, ob sein Lokalpatriotismus eine so viel forschrittlichere Gemütsregung darstellt. ;-)

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 07.06.10 18:43:

    Mmh, zum Thema Lokalpatriotismus vs Nationalstolz würde ich mal den Begriff “Heimat” in die Debatte werfen.

    Ich bin nicht stolz darauf, in Düsseldorf geboren worden zu sein (Wie kommst du darauf?), sondern auf die Stadt, an deren Zustand ich seit zig Jahren aktiv mitgestalte.

    Andere Städte finde ich zum Teil hässlich, zum Teil doof. Die Einwohner darin würde ich nur unter satirischen Gesichtspunkten kollektiv als doof bezeichnen. Aber – wie ich eben telefonisch von einem Promi gelernt habe – Satire ist nicht immer leicht zu verstehen…

    [Antwort]

    mark793 Antwort vom 07.06.10 19:39:

    Mit “Heimat” kann ich natürlich auch was anfangen, ich sehe mich, wenn ich danach gefragt werde, eigentlich auch eher als Kurpfälzer denn als Deutscher. Aber letztlich ist das alles nur eine Frage des jeweiligen homöpathischen Verdünnungsgrades an Identifikation, diese Kategorien schließen sich für mich nicht aus.

    Ansonsten: Dein Engagement für die Gebietskörperschaft in allen Ehren, aber als meine Frau mir vor vier Jahren das Thema jobbedingter Umzug nach Düsseldorf eröffnete, hab ich nicht gesagt, oh ja, toll, das ist doch die Stadt, die seit zig Jahren von Rainer Bartel maßgeblich mitgestaltet wird. ;-) )

    Und was die angebliche Satire angeht, so ist das natürlich immer das beste Deckmäntelchen für das hemmungslose Zelebrieren eigenen Vorurteilsstruktur. Das führen irgendwelche sogenannten Comedians, die neuerdings wieder verstärkt mit dem N-Wort und anderen expliziten Absagen Richtung politischer Correctness hausieren gehen, auch immer wieder schön vor. Wenn sich jemand aufregt oder auch nur die Stirn runzelt, kann man natürlich immer sagen, hey, Leute, Ihr habt die Satire nicht als solche verstanden.

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 07.06.10 19:52:

    Gute Formulierung das mit dem homöopathischen Verdünnungsgrad; gefällt mir, muss ich mir merken.

    Na ja, im obigen Artikel (so dachte ich) wird in der jetzt markierten Passage klar, dass da genau diesselben Ressentiments angewendet werden, die ich in der Einleitung kritisch anspreche. So kann man sich irren.
    Wobei: Wenn ich über die Stadt Köln und deren Insassen spotte, ist das immer auch Ausdruck einer Art Hassliebe. Isch sach ma so: Isch donn misch ever noch leever met nem Kölschen streite als mit einem aus XXX (Städtenamen mit einfügen). Denn schließlich sind Kölner auch Rheinländer, also bessere Menschen ;–))

     
    Kommentar von mark793 am 07.06.10 um 18:26
  6. Danke für die klarere Kenntlichmachung. Ich habe bei diesem Eintrag nicht so recht gesehen, dass Du im weiteren Verlauf das dann überdreht hoppnimmst, was Du (völlig zu recht übrigens) weiter oben kritisierst. Das mag durchaus einer Merkbefreiung meinerseits geschuldet sein, schließlich wird die Buchstabensuppe hier ja gern ziemlich scharf gewürzt, und da sind mir die feinen Nuancen der Über-Zuspitzung womöglich entgangen.

    [Antwort]

     
    Kommentar von mark793 am 07.06.10 um 20:39
  7. Auf meinem Weg zur Arbeit aus Hochdahl über Vennhausen und Eller zur Friedrichstraße (17 km) sind mir 17 Fahrzeuge mit SRG-Fähnchen aufgefallen. Gefühlt deutlich mehr als 2006.
    Scheint wieder schick zu sein..

    [Antwort]

     
    Kommentar von Michael am 08.06.10 um 09:50
  8. Nationalstolz ist das Normalste auf der Welt. Klar halte ich zu Deutschland bei der WM, ich halte ja sogar zu Bayern, wenn die Championsleague spielen (aber nur dann). Ein entspanntes, unverkramptes Verhältnis zum Thema “Nationalstolz” ist den Deutschen ja nicht gerade in die Wiege gelegt worden, sollte aber nun bald einmal einkehren. Ein Fähnchen mache ich mir allerdings nicht an´s Auto.

    [Antwort]

    Rainer Bartel Antwort vom 08.06.10 14:28:

    Nein, Nationalstolz ist neben der Religionsgläubigkeit eine der Ursachen für Gewalt zwischen Staaten. Und das in unserer modernen Zeit und mitten in Europa –> siehe auch: Kosovo-Krieg

    Man kann es ausdehnen: Auf etwas anderes STOLZ zu sein als auf das, was man ganz persönlich und individuell geleistet hat, ist ja an sich schon ganz schön krank. Auf ein abstraktes Gebilde wie die Nation (zumal eine deutsche Nation, die es ja historisch betrachtet eigentlich nicht gibt…), in der man zufällig geboren wurde oder qua Pass angemeldet ist, stolz zu sein, ist mMn wirklich geisteskrank.

    Und wer als Nicht-FCB-Fan zu den Bayern hält, wenn die CL spielen, ist aus meiner Sicht nicht ganz dicht. Sorry, kann ich nicht anders sehen…

    [Antwort]

    Montesquieu Antwort vom 09.06.10 09:51:

    Sollte man etwa für Inter Mailand sein, dessen Besitzer Moratti für das Großkapital Italiens steht?
    Der notfalls Konzerngelder für Bürgschaften bei Transfers hinterlegt und dessen Schwägerin OB von Mailand ist? Dessen Fans den eigenen (farbigen) Spieler (Balotelli) aufs übelste beschimpfen und bedrohen?

    Es wäre zu überdenken, ob man sich von seiner Abneigung gegen das Bürgertum und/oder Bayern so weit beeinflussen läßt, daß man Position gegen einen gut geführten deutschen Verein bezieht. Ich kann Bayern München absolut nicht ausstehen, aber wenn es gegen die Pet-Clubs von Oligarchen (Chelsea),
    ManU (Glazer), AC (Berlusconi)/Inter Mailand oder vorallem Juventus (Agnelli) geht, dann doch lieber Bayern München. Schon dem Sport zuliebe.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Rocky Raccoon am 08.06.10 um 14:14
  9. Ich find die Flaggen gut…ist so etwas wie ein Deppenkompass. Bin öfters ins Friedrichshain/Kreuzberg; da habe ich noch keine Schland-Wimpel gesehen. Scheinen keine guten Patrioten zu sein, die da wohnen…

    [Antwort]

     
    Kommentar von fillbill am 09.06.10 um 10:18
  10. cite=”…ich sehe mich, wenn ich danach gefragt werde, eigentlich auch eher als Kurpfälzer denn als Deutscher…”>

    Na da hab ich doch im Geschichtsunterricht aufgepasst: http://de.wikipedia.org/wiki/Kurpfalz-Bayern
    Bayern dissen is also nicht!

    Gruß aus dem wunderschönen Nürnberg im schönen Franken, welches Heutzutage in Bayern liegt ;-)

    [Antwort]

    mark793 Antwort vom 09.06.10 17:11:

    Bayern dissen kann ich so viel ich will, die Kurpfalz (im Sinne der Pfalzgrafschaft bei Rhein) hat nämlich eine längere Geschichte, _bevor_ Karl Theodor nach München musste, weil die dortigen Wittelsbacher fortpflanzungstechnisch nichts mehr auf die Reihe kriegten. Desweiteren hat Karl Theodor versucht, Bayern an die Österreicher zu verkaufen und im Gegenzug die Habsburgischen Niederlande zu erhalten. Aus diesem Grund mag man ihn nicht in München, und den Karlsplatz nennt man im Volksmund Stachus, damit man den verhassten Namen nicht aussprechen muss. Halten wir also fest: Selbst der Kürfürst himself hatte eigentlich keinen Bock auf Bazis und hätte sogar lieber die Belgier gehabt. Einer seiner Vorgänger, Johann Wilhelm, hat die Pfalz von Düsseldorf aus regiert, als Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen in Schutt und Asche lagen.

    Davon abgesehen gehören die Kurpfälzer im Rhein-Neckar-Delta landsmännisch und linguistisch gesehen wohl auch zu den Franken, den Dialekt nennt man fachlich korrekt “südrheinfränkisch”. Beste Grüße also nach Nüanberch!

    [Antwort]

    drissib Antwort vom 10.06.10 10:34:

    Wow, so genau hatten wird das damals in der Schule wohl dann doch nicht… Mir gings eigentlich auch eher darum, die Pauschalisierung aufzuzeigen. Das Land Bayern besteht nun mal nicht nur aus “richtigen” Bayern. Viele Franken fühlen sich so wie die Schotten in Großbritannien. So darf z.B. erst seit kurzem und nach zähem Ringen, auf der Kaiserburg die fränkische Flagge wehen. Wenn man sich gegen Pauschalverurteilungen durch die Blödzeitung (“die Griechen”) aufregt, dann muß man erstmal bei sich selbst anfangen. Aber bevor sich jemand aufregt: Wegen der gekonnten Satire und den Einblicken in eine mir fremde, deutsche Region lese ich diesen sehr guten Blog.

    [Antwort]

     
    Kommentar von drissib am 09.06.10 um 14:06
  11. So ganz hab ich´s ja noch nicht begriffen: wo ist denn nun der Unterschied, ob man eine Fortuna-Fahne aus dem Auto-Fenster hängt oder ein Deutschland-Fähnchen bei der WM?

    [Antwort]

     
    Kommentar von Rocky Raccoon am 10.06.10 um 13:30
  12. Ganz einfach: auf Fortuna kannste Stolz sein – auf Deutschland momentan nicht.

    [Antwort]

     
    Kommentar von fillbill am 10.06.10 um 16:18
  13. @fillbill: so einfach ist ja nun nicht: es gibt ja auch FC-Köln-Fähnchen.

    [Antwort]

     
    Kommentar von Rocky Raccoon am 11.06.10 um 10:22

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