KOR vs GRE 2:0 / ARG vs NGA 1:0 / ENG vs USA 1:1
Die Lads nannten mich damals, als Fußball noch was für Männer war und kein Entertainment für die ganze Familie, gern auch das “menschliche Megafon”. Keiner grölte “Rule Britannia” lauter als ich, und manches mitteleuropäische Weichei entwich allein beim Hören meiner mächtigen Stimme. Dies war – ähnlich wie bei der sportlichen Seiten meines Hooliganismusses – das Ergebnis harter Arbeit und steten Trainings. Als ich nun gestern in Vorbereitung auf das Spiel der Dreilöwenauffemhemd gegen die sinnlosen US-College-Boys zum Supermarkt in der Nähe des Hotels ging, kreuzte ich unterwegs eine Apotheke. In deren Schaufenster Reklame gemacht wurde für die selbst in Yorkshire wohlbekannten Emser Pastillen. Und was musste ich sehen? Die Paotheken-Tussis hatten nicht an sich halten können, die Werbung mit Fußbällchen und Fähnchen zu umgeben! Was für mich bedeutete: Fresse halten, da die Lutschdinger zur Regeneration der Stimme für mich nicht mehr in Frage kommen. Wegen meines heiligen Eides, während der WM kein Produkt zu kaufen und zu benutzen, für das mit der WM geworben wird.
Wobei: Grölen, brüllen und singen machen bei diesem Sblatter’schen Kommerzfestival eh nur Sinn vor dem TV. Im Stadion summen die Tröten alles weg. Da flossen mir, zugegeben, die Tränen als die Lads auf den Tribünen unsere Hymne anstimmten und davon wenig mehr rüberkam als “…sha-ha-have the queen…”. Zumal das Match ja eh zum Heulen war. Nicht, weil der Grüne in unserem Kasten meinte, die englische Torhütertradition fortsetzen zu müssen (Blind Seaman, Calamity James, Flying Robinson…), sondern weil zehn von elf Vertretern der Krone nach dem Führungstor taten, als ob sie das Ding schon über die restlichen 87 Minuten schauklen würden. Was erlauben Terry, Gerrard, Lampert etc? Spielen wie Flasche leer. Allein der einzig echte Lad im Team, der Rooney, der ackerte, was der Rasen hielt.
Immerhin wurde hier von zwei Mannschaften Fußball gespielt. Das lässt sich über die Begegnung zwischen Südkim und Ouzo 12 nicht sagen. Die Asiaten kickten munter und hätten den Giorgiosssen die Kiste vollhauen können. Der greise Trainer Rehagel hatte offensichtlich die Diskette(!) mit dem Spielsystem von 1978 eingelegt, was a) zu einer massiven Entschleunigung seiner Mannen und b) zu einer durchgehenden Siebenerkette in der griechischen Hälfte führte. Mein Prognose: Griechenland wird auch bei dieser WM wieder NULL Tore schießen.
Bleibt noch die Maradonna-Show. Der kleine Dicken mit der göttlichen Hand lief unentwegt in der Coaching-Zone umher, trat ein paar Mal über, was er aber mit dem vierten Offiziellen freundschaftlich klärte. Dass auch die Nigerianer einen Trainer haben, erschloss sich nicht sofort. Denn wer würde schon einen älteren Herren in schlechtsitzender Ballonseide, der sich am Zaun festhält, für einen Nationalcoach halten. Dieser Mehmet im TV, der mit einem Beckmann geschlagen ist, erkläre später den Messi. Der würde seine Füßchen so schnell bewegen, dass man ihn kaum foulen könne. Das sei sein Erfolgsgeheimnis. Wobei er in der Gaucho-Gruppe gestern eher nicht der Beste war. Der Mann, der aussieht wie Freddy Krüger auf latino, ein gewisser Herr Teves, spielte ein fast perfektes Spiel. Und nur der sensationelle Hüttenhüter der Nigerianer, ein gewisser Herr Enyeama, sorgte für den Stand der Eins vor dem Doppelpunkt.
Zusammengenommen hatte ich bis kurz nach 21:00 Uhr meinen Spaß am Fußball. Und am Mehmet Scholl. Egal was sonst noch gezeigt wurde – vorwiegend B-Promis, die Negerkinder streicheln und herzen – blendete ich ab.
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