Demnächst wieder auf einem Fußballplatz in Ihrer Nähe...
WM vorbei. Jetzt wieder richtiger Fußball…
Alles in allem war/ist das Schlimme an diese Fifafo-Weltmeisterschaften, dass der Fußball darin kaum vorkam. Das lag einerseits an der medialen Versendung und andererseits an der Zusammensetzung der fanmeilenden Massen. Real und virtuell. Letzteres bestens zu beobachten auf Twitter, wo plötzlich Schnösel, die übers Jahr kein bisschen mit Fuppes zu tun haben, Kommentare zu den Partien der WM abgeben. Etwas wie “Weltmeister der weniger arschlochigen. #ESP Spain #worldcup” oder “Die Holländer dürfen nach dem Faul auf gar keinen Fall Weltmeister werden. Was für ein unfairer Pimmel ist das bitte?” oder “”Marcell Jansen” is no 1 trending topic at Twitter. #ger Germany”… Besonders nett immer das gefühlte Foul. Da führt ein Robustling ein feines Tackling an einem der Mädchenschwärme aus, und schon heißt’s kollektiv “Gelbe Karte!!!!” Elfmeter kann man nicht, nein, MUSS man emotional geben. Das alles befeuert von der dumm-faulen Berichterstattermeute bei den TV-Banden. Weshalb ist ein Bela Rethy nicht in der Lage, den nun wirklich nicht schweren Nachnamen des niederländischen Torhüters korrekt auszusprechen? Was bewegt einen Herrn Gottlob, bei einem 4-3-3-System von einem Doppelsechser zu fabulieren? Wären da nicht Netzer, Scholl und Klopp, hätte diese WM dem deutschen Schlandmann das letzte bisschen Fußballverstand ausgetrieben.
Tatsächlich war diese Veranstaltung im winterlichen Afrika fußballerisch keine Offenbarung. Der Systemfußball scheint tot. Was zählte waren indviduelle Fähigkeiten innerhalb funktionierender Kollektive. Ob das im 4-4-2, 4-3-3 oder gar im angeblich hochmodernen 4-3-2-1 stattfand, war unerheblich. Spanien wurde nicht wegen des Systems Weltmeister, sondern wegen der unglaublichen spielerischen Möglichkeiten (und damit ist nicht nur Ballzauberei á la Messi und Ronaldo gemeint, sondern auch Spielverständnis und Übersicht) von Iniesta, Xavi und Alonso. Die Niederländern setzten dem eine neue Kampfsportart entgegen und verloren doch. Das mal den Plappermäulchen ins Buch geschrieben, die meinten, unse Jungs wären nicht doll genug “drauf” gegangen.
Im modernen Fußball geht es um genau zwei Dinge: Balleroberung und Ballbehauptung. Übrigens auch eines der Erfolgs”geheimnisse” der deutschen Nationalmannschaft in den Spielen gegen England und Argentinien: Immer zu versuchen, in Ballbesitz zu geraten und diesen zu behalten. Das spanische Tiki-Taka ist nur eine spezielle Ausprägung dieses Prinzips; dabei wird der Ballbesitz jeweils zwischen drei Spielern aufgeteilt. Das hat Bela Rethy gestern sehr schön erklärt. Und dass die spanischen Spieler immer dann, wenn sie in Ballbesitz kommen, den Kopf heben um sich nach den beiden anderen umzuschauen. Würden alle Mannschaften so spielen, wäre die WM noch langweiliger geworden.
Das Finale war eines der fünf hässlichsten Spiele des Turniers. Das lag auch daran, dass die Spanier zu Beginn irgendwie verwirrt wirkten und die Niederländer herumliefen wie Killer auf der Suche nach dem Opfer. Dann begann eine Knüppelei wie man sie bei einer WM lange nicht gesehen hat. Und in der zweiten Halbzeit waren die Fronten abgesteckt. Aber: Wieviele Kombinationen gelangen den Spaniern den wirklich? Drei, vier im ganzen Spiel?
Dagegen muss man das “kleine” Finale zwischen Uruguay und Deutschland zu den fünf schönsten Partien der WM zählen. Und zwar, weil diese beiden Mannschaften sich genau entgegengesetzt verhielten. Extrem fair, trotzdem kämpferisch, durchweg mutig. Wobei es rein fußballerisch betrachtet kein gutes Spiel war, dafür gelang beiden Teams einfach zu wenig.
Schlanditotie
Irgendwann brach in fast allen fußballerischen Diskussionsforen, Blogs und Online-Medien die Debatte über falsche und echte Fans aus. Dazu habe ich auf der 11Freunde folgenden Kommentar eines Lesers gefunden, dem ich zustimmen würde:
Wie so oft in dieser Debatte wird über die Ursachen der N-11-Hysterie zu wenig geredet.
Angeheizt wurde die zum ersten Mal so richtig dolle (nein, nicht zur WMimeigenenlande) 1998. Und zwar vom immer ekligen Verbund aus Werbefuzzisbanden und den abhängigen Medien. Damals fehlte aber das Internet nocht weitgehend, sodass der Mund-zu-Mund-Effekt (Meine Güte, mir wird schlecht, wenn ich an Mund zu Mund mit Atzensäufern denke…) und der damit verbundene Authentizitätsersatz nicht recht funktionierte.
Das war dann bei der hysterischsten aller WMs ganz anders. Die dreimal verfluchten Werbeärsche hatten die “Emotion” (nur echt in Gänsefüsschen…) entdeckt. Also die Hoffnung, dass dem Otto Normalkonsument im Rausch der Fußball- und/oder Nationalemotion die Kaufhemmung abgeht. Plötzlich zeigte irgendeiner dieser unfähigen Telefonkonzerne in seiner Reklame debil grinsende Spießerväter, die ihre sechseinhalbjährigen Söhne in vollem DFB-Fan-Ornat zwangsweise zum Jubeln über den Kopf halten. Dies in der Hoffnung, wirklich echte Spießerväter mit einem Hauch Fuppesaffinität würden einen neune Knebelvertrag lieber bei diesem Telekombesch.eißer abschließen als bei einem ohne Fußball-”Emotion”.
Das hatten die völlig bescheuerten TV-Mode- und Kommendadoren über die Jahren mit der Frage vorbereitet: Was geht jetzt in Ihnen (Variante Waldi: “in dir”) vor? Schmierölpsychologie als Gefühlssurrogat.
Das alles ist ja dasselbe, was die lobotomierten Privatradiokrakeler dauernd aus sich herausgöbeln: Superwetter! Spaaaß! Party ohne Ende!!! Weil der Werbekunde das will. Denn die ewige Testosteronbombe, die permanten im körperlichen Zustand eines 16-jährigen mit dem Verstand eines 9-jährigen verharrt, ist eine prima Käuferschicht, denen man jede Form von Alkohol verticken kann, auf dass sie sich das Resthirn auch noch wegballern. Und die Weibchen hoffen derweil auf Liebe – und wenn die nicht kommt – wenigstens Sex. Und ist dazu bereit, sich auch im Nutten-Outfit auf Fanmeilen herumzudrücken.
Liebe Leute: Das ALLES hat überhaupt nix mit Fan-Sein zu tun. Nichts, nada, niente. Da geht’s bloß um Massenverblödung zum Zwecke des Herstellens von Konsumbereitschaft.
Natürlich kann man im gleichen Maße Fan der Nati sein wie Fan eines Vereins. Man muss bloß mindestens den Fußball lieben. Mindestens. [Quelle: 11Freunde]
Vor lauter geschäftsfördernder Emotion kommt der Fußball zu kurz. Dass viele Menschen sich abe die Hirne so leicht vom Verbund aus Werbe- und Medienidustrie waschen lassen, verheißt nichts Gutes. Denn es bedeutet, dass die partyfeiernde Masse sich nach dem Irrationalen, dem Gefühligen, der Emotion, dem besonderen Moment sehnt – das alles also im wahren Leben nicht kriegt. Man kann auch sagen: Das Leben dieser armen Irren ist sehr, sehr, sehr öde. Und offensichtlich nur im Suff oder beim Ficken zu ertragen.
Heute tragen nur noch wenige Autos Fähnchen. Und auch die Hartzis ziehen langsam die Schlandlappen wieder in die Wohnhöhlen. WM ist aus. Die U-Boote, die alle zwei Jahre zur UEFA-EM und zur FIFA-WM auftauchen, ansonsten aber in Sachen Kick unter Wasser bleiben, werden sich andere Zielscheiben für ihre immer unerwiderte Liebe suchen müssen, andere Anlässe für Orgien, die sie Partys nennen. Und wir, die wir den Fußball aufrichtig lieben, wir gehen wieder auf die Fußballplätze und in die Stadien und leben unsere echte Leidenschaft für das getretene Leder aus – ab August und bis Mai 2011.
Nur noch 32 Tage bis zur ersten Runde des DFB-Pokals..und sieben Tage später geht die BuLi wieder los..
So isset, guter Artikel!
So und jetzt Platz da, hier kommen die Fans: Mittwoch Testspiel von Fortuna II beim TuS Gerresheim. Man sieht sich!
P.S.: neues Design gefällt mir, nett das mit dem Rasen!
Möönsch VaterAbraham, dat Spiel ist nicht beim TuS, sonder bei den Spochtfreunden…
VaterAbraham Antwort vom 12.07.10 19:30:
Ahso. Joot. Mein Fehler. Frei nach Heine: Denke ich an Gerresheim …
Tus und Sportfreunde verwechseln: das ist wie Düsseldorf (die schönste Stadt am Rhein) mit Köln zu verwechseln!
Schön, das sich andere nie irren.
Rocky Raccoon Antwort vom 14.07.10 10:27:
Ich wohne schließlich in Kirschkernspuckweite vom Sportplatz der Sportfreunde, äh TUS entfernt.