Wenn der Schiri zweimal Gelb zeigt...
Zwote vs niedliche Kleinpferde II 1:1
Was ist Fußball? Genau: Fußball is auffem Platz. Und nicht in einer Arena oder im Fernsehen. Jedenfalls wenn man dieses wunderbare Spiel mit dem runden Ball als sinnliche Erfahrung aufsaugen will. Da muss es dann nach Rasen riechen, gern auch nach Bratwurst vom Grill, man muss die Spieler aufschreien hören, wenn der Gegner ihnen fast die Knochen bricht. Und der Pfiff des Schiedsrichters muss in den Ohren klingeln. Dann ist Fußball. Da geht man hin, um sich das Spiel anzuschauen. Aber auch, um die Leute zu treffen. Also die Menschen, die auch zum Fußball gehen und denselben Verein bevorzugen. Die Regionalliga scheint mir zunehmend die ideale Plattform für Fußball zu sein. Denn inzwischen hat der allumfassende Event-und-Entertainment-Kommerz ja schon die dritte Liga erreicht, weil viel völlig verblödete Funktionäre auf diesem Level schon meinen, den ganzen aus dem Fernsehen gelernten Konsummüll aus der Bundesliga ihren Furzclubs aufzupfropfen. Natürlich leidet Regionalligafußball nicht unerheblich unter der massiven Bestückung mit U23-Teams der Erst- und Zweitligisten.
So begleiteten heute genau null Freunde des hässlichen VfL BMG ihre süßen U23-Bubis nach Düsseldorf, weil man in der heimischen Betonburg die Saisoneröffnung vollführte. In der vergangenen Saison war auch unsere Zwote ständiger Quell des Unbehagens bei den richtigen Vereinen in der Regionalliga West. Weil der DFB in seinem unerforschlichen Ratschluss fast durchgehend Doppelansetzungen verordnet hatte, spielte die Zwote auswärts dauernd an Terminen, an denen auch die erste Mannschaft ihre Partien austrug. Dass die Leute aus so ehrenwerten Örtern wie Lotte oder Wiedenbrück das blöd fanden, können die treueren unter den Fortuna-Fans bestens nachvollziehen. Es soll ja Zeiten gegebn haben, in denen die erste Mannschaft mit dem F95 auf dem Hemd in einer Oberliga gespielt hat, die mit Zweitvertretungen gespickt war.
Auch unter den Freunden des TSV Fortuna Düsseldorf von 1895 e.V. ist das Verhältnis zur Regionalligatruppe daher ein bisschen gespalten. Einerseits freut man sich an den mehr oder weniger jungen Hüpfern in Rot-Weiß, andererseits kennt man ja das Leiden der richtigen Clubs unter den U23-Mannschaften noch gut. Umso schöner war es, dass heute exakt 635 zahlende Zuschauer sehen wollten, wie sich der neue Trainer und das fast vollständig runderneuerte Team (das der glücklosen Mannschaft der Saison 11/12 folgt) so schlagen würde.
Um es kurz zu machen: Mehr als wacker. In der ersten Halbzeit waren die Männer im schwarzen Trikot den BMG-Youngstern (deren giftgrüne Kragen mit dem Titel “Fohlenelf” bestickt waren – wie peinlich!) spielerisch deutlich überlegen. Torchancen hielten sich trotzdem die Waage. Wobei das Mini-Gladpack sich eine Slapstick-Nummer leistete, als einer ihrer Stürmer frei auf unsere Hütte zu lief und statt abzuziehen auf einen imaginären Mitspieler passte… So ging’s halt torlos in die antiken Kabinen unter der ehrenwerten Tribüne des wunderbaren Paul-Janes-Stadions an der Flingerer Müllverbrennungsanlage.
Weil mich unser lieber DJ Opa in der Pause am Bierstand vollquatschte, verpasste ich die Situation, die zum Elfer für die Zwote führte. Jedenfalls wurde der Strafstoß verwandelt. Mit der Führung konnten unse Jungs aber zu wenig anfangen. Erst nachdem ein Ponybubi wegen versuchter Körperverletzung rausflog (ein in meiner Nähe sitzender Anwalt brummelte was von “Und gleich noch ne Strafanzeige hinterher…”), übernahm die U23 der glorreichen Fortuna das Zepter – oder wie das im Spochtrepochterdeutsch heißt. Aber anstatt zu netzen, verkrampften die Herren sich ein bisschen. Bei einm Konter der Weißschwarzgrünen nahm ein Düsseldorf das Fäustchen zur Hilfe und sah zurecht Gelbrot. Am besten hätte der Schiri abgepfiffen, denn plötzlich hatten die niedlichen Gladbacher Oberwasser. Eine unübersichtliche Situation in unserem Sechzehner schien geklärt, da landete die Pille auf einem BMG-Schlappen, von wo aus das Ding durch die Beine und unter den Torwarthandschuhe hindurch links unten einschlug. Ausgleich. Und zwar ein ärgerlicher, weil ungerechter.
Trotzdem hat das alles natürlich Spaß gemacht. Unter lauter Fußballfreunden zu sitzen, die nicht erscheinen, um sich ein bisschen Entertainment abzuholen, viele Gesichter zu sehen, die man schon anno 2002 oder 2003 dort gesehen hat als die Fortuna noch selbst in Liga Vier kickte. Mein Tipp an dieser Stelle: Wer zu den Spätbekehrten F95-Fans zählt und jetzt per Dauerkarte Erstligakicks gucken will, sollte ab und an mal im Paul-Janes-Stadion vorbeischauen – das erdet ungemein.
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Ich finde, Du hast Recht. Schön zu lesen und ich hoffe, dass das in Ordnung ist, dass ich das hier und da verlinke!
Schönen Gruß
Markus
Es freut, dass Du Dich einmal in Schrift der Zwoten angenommen hast!
Dass die, ich nenne es mal „Übervölkerung“ durch U23-Mannschaften in der Regionalliga ein Ärgernis ist, darüber braucht man kaum zu diskutieren. Allerdings ist es kaum zu verstehen, dass gewisse Fan-Kreise (u. a. UD) der Mannschaft die Unterstützung mit dem Hinweis „Wir haben uns ja früher auch über die Zweitvertretungen geärgert“ verweigern. Denn die Argumentation kehrt sich ja um: Würden die Spiele der Zwoten von genau denen besucht werden, welche sich damals über den gerade bei Auswärtsspielen geringen Zuschauerzuspruch der U23-Mannschaften echauffierten, würde diese Problematik ja gar nicht erst entstehen.
Viel schlimmer hingegen ist die Verlogenheit gerade dieser Gruppe, die dann aber wiederum ihre Mitglieder / Anhänger dazu aufruft, zu Spielen der Zwoten zu kommen, wenn „was geht“. Da die Mannschaft der vierthöchsten deutschen Liga aber offiziell nicht unterstützt wird, verbreitet man im Vorfeld, dass man nicht als „Gruppe“ auftreten wird. Der Gipfel der Verlogenheit wurde allerdings erreicht, als UD seine Mitglieder / Anhänger gebeten hat, zum Spiel gegen den Wuppertaler SV zu besuchen, um (Achtung: Realsatire!) sich bei den Ordnern und den Ehrenamtlern für die über die Jahre geleistete Arbeit zu bedanken. Mit dem Ergebnis, dass genau diese erheblichen Stress hatten, weil die Clerasilies nicht an sich halten konnten, Zäune eingerissen haben und auf unbeteiligten Täler losgegangen sind. Im Ergebnis haben wir seit dem noch mehr zeitgleiche Spiele mit der Ersten und sogar Spiele gegen Elversberg (vor 21 zahlenden Zuschauern!) werden von der unsäglichen ZIS mit Hinweis auf die o. g. Vorfälle als Sicherheitsspiele eingestuft.
Bleibt zu hoffen, dass von den rund 700 heute anwesenden einige heute „Blut geleckt“ haben und das wunderbare Paul-Janes-Stadion nun öfter besuchen werden, sei es zu Spielen der U17, U18, U19 oder eben der Zwoten. Denn von denen, die da auf dem Platz stehen, trägt jeder das Emblem mit dem „F“ und der „95“ auf dem Trikot. Und dass ist das, was letztendlich zählt!
Danke, dass du das Dilemma mit den Zweitvertreungen in den “höheren” Ligen noch mal auseinandergefieselt hast.
Aus einigen Gesprächen gestern kam auch heraus, dass inzwischen etliche “Altfans” deine Argumentation angeht, was das “F95″ auf den Leibchen verschiedenster Mannschaft angeht; das war ja bislang eine eher exotische Position.
(Ich habe übrigens in meinem Vor-2008-Blog mehrfach über Spiel der Zwoten geschrieben. Und hier auch nicht vor Langem: http://www.rainersche-post.de/fortuna/zwote-vs-preussen-muenster-12.php;–))