Nein, Joachim Erwin war kein guter Oberbürgermeister für alle Düsseldorfer. Fraglich ist sogar, ob die Mehrheit seiner Wähler von der spezifisch erwin’schen Politik profitiert hat. Und doch wäre er vermutlich im Herbst 2009 wiedergewählt worden, denn er verstand wie kaum ein anderer, den politisch Desinteressierten das Bild einer blühenden Stadt vorzugaukeln und zu suggerieren, sie hätten etwas davon. So wird vermutlich auch die posthume Bilanz des in der eigenen Partei wenig geliebten Politikers aufgehübscht werden. Nicht zuletzt seine Hofschranzen, die fürchten müssen, aus der Stadt gejagt zu werden, haben keine andere Wahl als auch nach dessen Tod der Stimme ihres Herrn zu folgen.
Wer war dieser Joachim Erwin? Am ehesten lässt er sich als typischer Aufsteiger porträtieren, der durch Protektion die erste Karrierestufen nahm. Weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, dass der großmäulige Junge-Union-Aktivist mit dem Juristenabschluss seinen Weg der Tatsache verdankt, dass er ab Mitte der siebziger Jahre unter dem persönlichen Schutz der Landtagsabgeordneten Maria Hölters stand. Diese hochkatholische Kriegerwitwe hatte sich des ehrgeizigen jungen Mannes angenommen, da ihr eigener Sohn alle Züge eines Versagers aufwies. Maria Hölters, die zeitlebens darauf bestand als MdL (Mitglied des Landtags) etikettiert zu werden, hatte in den fünfziger Jahren mit dem ASG Bildungsforum ein eng an die katholische Kirche gebundenes Weiterbildungsinstitut gegründet – Joachim Erwin übernahm zeitweise anstelle des Hölters-Sohns die Geschäfte.