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	<title>Rainer&#039;sche Post &#187; Autonome</title>
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	<description>Düsseldorf - RestDerWelt - Kultuur - Spocht</description>
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		<title>[Upd.] Athen: Von Bullen und Malakas</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Dec 2008 12:30:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Bartel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausland]]></category>
		<category><![CDATA[17. November]]></category>
		<category><![CDATA[Athen]]></category>
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		<description><![CDATA[Update: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ein hochinteressantes Interview zum Thema mit Michael Kelpanides, Professor an der Aristoteles-Universit&#228;t, gef&#252;hrt, das einige Aussagen dieses Beitrags best&#228;tigt, in vielen F&#228;llen aber die hier ge&#228;u&#223;erten Annahmen zurecht r&#252;ckt (mit Dank an unseren IM). W&#228;hrend sich der deutsche Journalistenmob an Bildern von brennenden Autos, Gesch&#228;ften und Weihnachtsb&#228;umen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2008/12/athen_inflammen_gross.jpg" rel="Lightbox" title="In Athen gilt traditionell: A.C.A.B."><img src="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2008/12/athen_inflammen.jpg" alt="athen_inflammen.jpg" /></a><strong>Update</strong>: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EA249B45262A5472C89F9D307664C37BD~ATpl~Ecommon~Scontent.html">hochinteressantes Interview</a> zum Thema mit Michael Kelpanides, Professor an der Aristoteles-Universit&#228;t, gef&#252;hrt, das einige Aussagen dieses Beitrags best&#228;tigt, in vielen F&#228;llen aber die hier ge&#228;u&#223;erten Annahmen zurecht r&#252;ckt (mit Dank an unseren IM).</p>
<p>W&#228;hrend sich der deutsche Journalistenmob an Bildern von brennenden Autos, Gesch&#228;ften und <a href="http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=4271900/1siqvq5/index.html">Weihnachtsb&#228;umen</a> in der griechischen Hauptstadt aufgeilt und vor allem das <a href="http://www.bild.de/BILD/news/vermischtes/2008/12/08/griechenland-strassenschlachten/chaos-und-zerstoerung-in-athen-und-thessaloniki.html">Mistblatt</a> schnell das Chaoten-Etikett verklebt, fragen sich wenige, weshalb die <a href="http://de.indymedia.org/2008/12/234851.shtml">Situation in Athen</a> nach dem Mord an einem 15-j&#228;hrigen Sch&#252;ler derart eskalieren konnte. Nat&#252;rlich haben die Riots, die sich von Exarchia aus in die Innenstadt und bis zum Syntagmaplatz ausdehnten, ein Geschichte. Und die beginnt mit der dunkelsten Zeit Griechendlands: Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur">Diktatur der Obristen</a>. Dar&#252;ber und &#252;ber die Rolle der Beh&#246;rden, speziell der Polizei, in der Vergangenheit und Gegenwart ist mit Griechen zu reden, um das Geschehen dieser Tage zu begreifen.<span id="more-1641"></span></p>
<p>Sieben Jahre lang beherrschte eine Junta aus Milit&#228;rs der zweiten F&#252;hrungsebene das Land, ohne dass sich die Mehrheit der Griechen nennenswerten Widerstand leistete &#8211; denn die regelm&#228;&#223;igen Verhaftungs- und Folteraktionen betrafen ohnehin nur die wenigen Kommunisten, die sich nach dem B&#252;rgerkrieg bis 49 noch dazu bekannten, und vor allem Jugendliche, insbesondere Studenten. Nat&#252;rlich hatte beim Milit&#228;rputsch vom 21.04.1967 die CIA kr&#228;ftig mitgemischt; Ziel der &#252;blichen US-Einmischung war es, den demokratischen Papandreou an der Bildung einer Regierung zu hindern. In der Folge herrschten die Obristen mit totalit&#228;ren Methoden: Zwangshaarschnitte f&#252;r Jugendliche waren da noch das kleinste &#220;bel. Tausende Beamte f&#252;hlten sich unter der Junta recht wohl, waren ihre kleineren und gr&#246;&#223;eren Gesch&#228;fte jetzt doch durch Milit&#228;rmacht abgesichert. So stahlhart das Regime nach au&#223;en erschien, so korrupt wurde im Hintergrund agiert, und der Wohlstand einiger heute f&#252;hrender Familien hat ihren Ursprung in korrupten Aktionen dieser Zeit.</p>
<p><strong>Das Regime der Obristen</strong><br />
Was aber allen Griechen, die jene Zeit in Griechenland erlebten oder die sich genauer mit der Geschichte der Junta befasst haben, in Erinnerung geblieben ist: Dass Polizisten samt und sonders &#252;ble Malakas sind, die f&#252;r eine Uniform und ein bisschen Sold jede Schweinerei begehen, die nicht unmittelbar zur eigenen Verhaftung f&#252;hrt. In kaum einem anderen EU-Land ist die Verachtung der Bev&#246;lkerung gegen&#252;ber den Bullen so gro&#223; wie in Griechenland. Zumal sich ja die meisten Ordnungsma&#223;nahmen der Polizei durch kleine Geldgeschenke aus der Welt schaffen lassen. Deshalb haben die meisten Griechen auch weder Respekt, noch Angst vor den Ordnungskr&#228;ften. W&#228;hrend man sich auf den Inseln &#252;ber die Polizisten eher lustig macht, schl&#228;gt ihnen auf dem Festland &#8211; nicht nur in den gr&#246;&#223;eren St&#228;dten &#8211; nackter Hass entgegen.<br />
So konnte sich das in diesen Tagen h&#228;ufig erw&#228;hnte Viertel Exarchia zu einem befreiten Gebiet entwickeln, dass kein Cop ohne Not bzw. ausdr&#252;cklichen Befehl betreten w&#252;rde. Reisef&#252;hrer schildern das Quartier gern als fr&#246;hlich-alternatives Studentenidyll mit vielen Kneipen, Cafés und Restaurants, in dem man gern mal einen Abend oder eine Nacht bummeln sollte. Tats&#228;chlich aber leben hier um die 4.000 junge Menschen, die diesem Staat, ja, jeder Staatsmacht abgeschworen haben und so leben wie sie das f&#252;r richtig halten.</p>
<p><strong>Polytechncia-Aufstand</strong><br />
Die Tradition Exarchias als Zentrale der autonomen-anarchistischen Bewegung geht auf den 17.11.1973 zur&#252;ck. An diesem Tag begann der Aufstand der Studenten des Polytechnikums, das in ebenjenem Viertel liegt. Wer in diesen Jahren mit offenen Augen die Nachrichten verfolgt hat, wird sich an das Bild erinnern, wie ein Panzer das Eingangstor der Hochschule niederwalzte und Hunderte Soldaten das Gel&#228;nde st&#252;rmten. Offiziell gab es dabei keine Tote unter den Studenten, aber sp&#228;tere Untersuchungen sprachen von 24 Todesopfern im Zuge des Aufstands. Tats&#228;chlich berichten Augenzeugen von wenigstens 50 Uni-Besetzern, die noch am Tag des Aufstands spurlos verschwanden.<br />
Es waren also die Studenten des Polytchnikums, das in Exarchia liegt, die den offenen Widerstand gegen die Obristen aufnahmen. Ausgehend vom 17. November blieb der Junta kaum noch ein halbes Jahr bis zum Ende ihres Regimes.<br />
So wurde der 17. November zum Mythos der Widerstands. Zwischen 1975 und 2003 existierte eine sich auf dieses Datum beziehende Untergrundorganisation namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/17._November_(Untergrundgruppe)">Revolution&#228;re Organisation 17. November</a>, die zahlreiche Anschl&#228;ge ver&#252;bte und sich Ende 2002 selbst aufl&#246;ste, nachdem eine Reihe Aktivisten festgenommen worden waren. Tats&#228;chlich aber existiert die Infrastruktur der Gruppe, die eine Art griechisch-nationalen Sozialismus anstrebt, fast uneingeschr&#228;nkt weiter; die Ziele der 17N werden von den Autonomen weiter angestrebt.</p>
<p><strong>17. November</strong><br />
So zelebrieren die Exarchia-Leute jedes Jahr am 17. November die Erinnerung an den Polytechnica-Aufstand &#8211; man kann sich das Fest in etwa vorstellen wie die allj&#228;hrlichen Mai-Feierlichkeiten in Berlin. Jahrelang hat die Polizei sich rausgehalten, zumal sich die Aktionen auf das Viertel selbst beschr&#228;nkten. Dieses Jahr aber kam es erstmals seit langen am 17.11. zu <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1226396986839%26sap=2%26_pid=11279371">weitergehenden Protesten</a>. &#220;ber 10.000 Demonstranten zogen in Erinnerung an die Rolle der USA beim Erhalt des Regimes zur amerikanischen Botschaft; dabei kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Augenzeugen berichten, dass die Cops mit gr&#246;&#223;ter H&#228;rte zuschlugen, auch weil die mitlaufenden Autonomen ihre sch&#252;tzendes Viertel verlassen hatten. &#220;berhaupt h&#246;rt man aus autonomen Kreisen, dass offensichtlich eine Null-Toleranz-Politik gegen&#252;ber den Studenten in Exarchia ausgerufen wurde.</p>
<p>Auch das hat es bereits vor Jahren gegeben. Und auch ein Todesopfer gab es auf Seiten der Exarchia-Leute damals zu beklagen. Genau vor 23 Jahren, am 06.12.1985, hatte die Polizei w&#228;hrend einer Demo im Viertel den ebenfalls 15-j&#228;hrigen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michalis_Kaltezas">Michalis Kaltezas</a> mit einem Kopfschuss erlegt. Die linksautonome Szene erkl&#228;rte Michalis zum M&#228;rtyrer und erinnerte jedes Jahr durch informelle Demos an dessen Ermordung.</p>
<p>Was genau den zweiten Mord am 15-j&#228;hrigen Alexandros &#8220;Alexis&#8221; Grigoropoulos, einem Sohn aus <a href="http://www.zoomer.de/news/topthema/15-jaehriger-erschossen/-/artikel/exarchia--ein-stadtviertel-in-aufruhr">b&#252;rgerlichem Haus</a>, dessen Vater ein stadtbekannter Juwelier ist, ausl&#246;ste, ist umstritten. Nat&#252;rlich behauptet die Polizei, die Beamten h&#228;tten &#8220;nur&#8221; Warnsch&#252;sse abgegeben, und ein Querschl&#228;ger habe Alexis get&#246;tet. Augenzeugen behaupten aber, es habe sich um gezielte Sch&#252;sse auf eine Gruppe von rund 30 Jugendlichen gehandelt, die eine Cop-Truppe beschimpft und mit Flaschen beworfen h&#228;tten.</p>
<p><strong>Kaputter Staat</strong><br />
Die Kommentatoren r&#228;sonieren im Umfeld der Riots &#252;ber die Unf&#228;higkeit der Regierung <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kostas_Karamanlis">Karamanlis</a>, einem Neffen des ehemaligen Staatspr&#228;sidenten gleichen Namens, der das Amt nach dem Ende des Obristen-Regimes &#252;bernommen und &#8211; mit Unterbrechungen &#8211; bis 1995 innehatte. Auch wenn die Partei des aktuellen Ministerpr&#228;sidenten Karamanlis, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nea_Dimokratia">Nea Demokratia</a>, nach hiesigem Verst&#228;ndnis der CDU &#228;hnelt, ist die Zugeh&#246;rigkeit des Mannes zum Karamanlis-Clan entscheidend f&#252;r seinen Aufstieg gewesen. Familien spielen in der greichischen Politik ohnehin eine wichtigere Rolle als die Parteizugeh&#246;rigkeit. Wobei sich das Land in zwei in jeder Hinsicht verfeindete Lager spaltet: Die Vertreter der Karamanlis-Richtung, die Griechenland auf einem kapitalistischen Kurs halten wollen, und den Anh&#228;ngern der PASOK, die eher sozialdemokratisch ausgerichtet sind. Tats&#228;chlich steht aber auch f&#252;r PASOK-Funktion&#228;re und -W&#228;hler die Tatsache im Vordergrund, dass sie f&#252;r sich in Anspruch nehmen, w&#228;hrend der Junta-Zeit den Widerstand organisiert zu haben. Weniger korrupt als die ND-Anh&#228;nger sind auch die PASOK-Leute nicht, das haben zahlreiche Skandale w&#228;hrend der &#196;ra des legend&#228;ren <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Papandreou">Papandreou</a> bewiesen.</p>
<p>Die Tatsache, dass sich die Bl&#246;cke gegen&#252;berstehen und die politische und wirtschaftliche Macht unter sich aufteilen, hat bereits in den Achtzigern zu einer allumfassenden Politikverdrossenheit der Griechen und ohnm&#228;chtiger Wut bei den Jugendlichen gef&#252;hrt. Bei jeder Wahl hoffen die interessierten Griechen, es m&#246;ge zu einer nicht oder weniger korrupten Regierung kommen, aber jedes Mal werden sie entt&#228;uscht. So glaubt eigentlich kein B&#252;rger dieses Staats mehr an die Demokratie.<br />
Die Wut richtet sich deshalb nicht nur bei den Exarchia-Studenten, sondern auch bei den ausgesprochen aktionsfreudigen Fu&#223;ball-Ultras gern auf die Polizei, die man als dumpfes Organ der Korruption begreift. Aber auch Griechen, die nicht zur Gewalt neigen, sind sich sicher: Jeder Cop ist ein Malaka.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; by <a href="http://www.rainersche-post.de/">Rainer Bartel</a>, alle Rechte vorbehalten (ID:  078929bb8d1d7ef97a979528e34c61ff (38.107.179.210) ). Danke dass Sie meinen Feed abonniert haben! &raquo; <a href="http://www.rainersche-post.de/ausland/athen-von-bullen-und-malakas.php">Ganzen Artikel lesen</a></small>]]></content:encoded>
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