Natürlich ist die Hauptstadt vielerorts fürchterlich aufgeblasen und großspurig. Besonders die Architekturunfälle am Potsdamer Platz und vor allem im Regierungsviertel – allen voran das monströse Kanzleramt. Dafür lebt woanders in der Stadt das einfache Leben. Repräsentiert durch nette, freundliche Menschen mit einem Hang zur Lakonie und durch die frechen Berliner Spatzen. Eigentlich müsste der Haussperling auf das Berlin-Fähnchen und nicht der dümmliche Teddybär. Denn die kleinen Vögel sind überall und spielen immer mit. Im Cafe Egal an der Mierendorfstraße ernähren sie sich zum Beispiel von den Kekskrümeln, die Milchkaffeetrinker verstreuen. Sie sind mobil und furchtlos. Auf dem Spreedampfer scheuen sie sich nicht, auf Stuhllehnen und der Reling zu warten, bis etwas abfällt. Gern fliegen nur wenige Zentimeter an den Köpfen der Touristen vorbei.