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	<title>Rainer&#039;sche Post &#187; Entertainment</title>
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		<title>Fu&#223;ball muss brennen!</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Apr 2009 10:57:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Bartel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[K&#252;rzlich sah ich mir auf Premiere irgendein Heimspiel der TS Hoffenheim an. Es war ein Flutlichtspiel, und das neue Stadion in Sinsheim war gut besucht. Mitte der ersten Halbzeit traute ich meinen Ohren nicht: Von den Zuschauerr&#228;ngen kam kaum ein Ton, es war so gut wie totenstill. Da ging meine Erinnerung ganz weit zur&#252;ck in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2009/04/galatasaray_ultras_gross.jpg" rel="Lightbox" title="Wenn die das machen, ist es s&#252;dl&#228;ndisches Temperament. Wenn wir das machen, nennt man es Ausschreitungen"><img src="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2009/04/galatasaray_ultras.jpg" alt="galatasaray_ultras" /></a>K&#252;rzlich sah ich mir auf Premiere irgendein Heimspiel der TS Hoffenheim an. Es war ein Flutlichtspiel, und das neue Stadion in Sinsheim war gut besucht. Mitte der ersten Halbzeit traute ich meinen Ohren nicht: Von den Zuschauerr&#228;ngen kam kaum ein Ton, es war so gut wie totenstill. Da ging meine Erinnerung ganz weit zur&#252;ck in die sechziger Jahre. Pl&#246;tzlich sah ich mich vor dem Schwarzwei&#223;-Fernseher bei Onkel Harald sitzen und ein L&#228;nderspiel ansehen. Die Ger&#228;uschkulisse hatte ich wieder in den Ohren: Ein durchg&#228;ngiges Gemurmel gemischt mit kr&#228;chzenden Tr&#246;ten. Und dann im Vergleich der Jubel der mitgereisten D&#252;sseldorfer bei den vier Toren der Fortuna im vergangenen Mai in Erfurt. Schreie, Ges&#228;nge, Trommeln. Dreimal Zuschauerkulisse, dreimal anders. Und ich fragte mich, was eigentlich den emotionalen Reiz von Fu&#223;ballspielen ausmacht.<span id="more-2717"></span></p>
<p>Bis vor ein paar Jahren geh&#246;rte ich auch zu den Trib&#252;nenhocker, die w&#228;hrend einer Partie mit dem Sitznachbarn fachsimpeln und h&#246;chstens bei einem Tor der eigenen Mannschaft aufspringen und applaudieren. Seit 2004 aber bin ich Teil der Kurve. So nennen die aktiven Fans die Gemeinschaft derjenigen, die ihr Team durchgehend und lautstark anfeuern. Ja, ich singe und schreie mit. Und das macht jedes Spiel zu einem authentischen Erlebnis. Nein, ich bin kein Arenakunde, ich bin Fan. Und das ist ein Unterschied, der sehr genau die Grenzlinie zwischen dem beschreibt, was die Fu&#223;ballfreunde wollen und dem, was DFB und DFL im Verein mit den Medien (und der werbetreibenden Wirtschaft) haben wollen. F&#252;r Letztere ist der Fu&#223;ball nicht mehr als die Folie f&#252;r Reklame, Entertainment und Business. Das kann der Fu&#223;ball aber nur sein, wenn das Umfeld domestiziert wird, wenn Emotionen nicht nur kanalisiert, sondern k&#252;nstlich erzeugt werden. In dem so angestrebten modernen Fu&#223;ball wird der Zuschauer vor Ort, aber auch der am heimischen TV, als Konsument betrachtet, der sein Geld gibt, um eine Ware zu bekommen. Diese Ware ist Beteiligung ohne Engagement. Ganz &#228;hnlich wie in der Werbung, die beim Kauf eines Produkts Jugend und Sch&#246;nheit verspricht, soll der Fu&#223;ball Eomotion ohne Anstrengung versprechen. Das geht nur, wenn sich der Inhalt einer Arena an die Regeln h&#228;lt, also tut, was er soll.</p>
<p>Nach hiesigem Verst&#228;ndnis geh&#246;rt wilder Support nicht dazu. Wenn die Fans von Galatasaray Istanbul im Spiel gegen den HSV Dutzende bengalischer Fackeln abbrennen lassen, dann wird das als s&#252;dl&#228;ndisches Temperament bezeichnet. Der Reporter sagte dazu: &#8220;Sch&#246;n anzusehen, aber nicht ganz ungef&#228;hrlich.&#8221; Lassen es aber die Fans von Werder Bremen in St-Etienne rauchen und fackeln, dann nennt ein anderer Fernsehmann sie Idioten und bezeichnet das Ganze als Ausscheitungen. Jede Form von Pyrotechnik, die in deutschen Stadien leider vollst&#228;ndig verboten ist, wird flugs zur Gewalt erkl&#228;rt. &#220;brigens: Von nennenswerten Verletzung unbeteiligter Zuschauer durch Bengalos, B&#246;ller oder Rauchpulver ist nichts bekannt &#8211; lediglich das Werfen solcher Dinger auf gegnerische Fans, Spieler und Schiedsrichter ist nicht nur gef&#228;hrlich, sondern hat bereits &#246;fter zu mehr oder weniger schweren Verletzungen gef&#252;hrt. Der ehemalige Fortuna-Torh&#252;ter Georg Koch musste k&#252;rzlich seine Karriere aufgeben, weil ein in seiner N&#228;he explodierender Kracher Ohr und Gleichgewichtsorgan verletzt hatte.<br />
Das Verbot von Pyrotechnik zielt auf eine bestimmte Klientel: Eltern mit Kindern. Die sind in mancher Hinsicht eine optimale Kundengruppe, da sie im Umfeld der Arenen f&#252;r reichlich Zusatzumsatz sorgen. Wo aber Familien zwischen Fantasie-Land oder Fu&#223;ballstadion entscheiden, da muss beim Fu&#223;ball f&#252;r familiengerechte Atmosph&#228;re gesorgt werden. Pyro geh&#246;rt ebenso wenig dazu wie Schl&#228;gereien unter den Fans. Da muss die Unterhaltung (Cheerleader, Maskottchen etc.) in den Vordergrund gestellt werden. Da geh&#246;rt was Lustiges dazu (&#8220;Schalke eins, Hoffenheim null. Danke &#8211; Bitte&#8221;), aber da muss Support kindgerecht sein. St&#252;mmung geh&#246;rt zwar dazu, aber gez&#252;gelte. Und wenn die authentische St&#252;mmung ausbleibt, dann gibt es immer noch den Entertainer in der Stadionsprecherkabine, der f&#252;r Animation sorgt. So geh&#246;rt beim Spiel von Bayer Lerverkusen gegen den VfB Stuttgart, als die Fans der zur&#252;ckliegenden Werkself in dumpfes Schweigen verfallen waren und vom Stadionsprecher miuntenlang zum Anfeuern aufgefordert werden mussten.</p>
<p>Der wilde und kreative Support durch Ultra-Gruppierungen z&#228;hlt definitiv nicht zu dem, was sich die Funktion&#228;re und die Unternehmen w&#252;nschen. Diesen ausdauernden und lauten Fans sollen enge Grenzen gesetzt werden. Die bauen DFB und DFL durch eine immer wiederkehrende Kriminalisierung auf. Wenn an einer Autobahnrastst&#228;tte gegnerische Fans &#252;bereinander herfallen, dann hagelt es Stadionverbote gegen Ultras &#8211; ganz gleich, ob die als organisierte Gruppe beteiligt waren oder nicht. Neuester Trend in dieser Richtung ist es, den Begriff &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/RubBC20E7BC6C204B29BADA5A79368B1E93/Doc~E633C17A106BE46BC8982DB603221277F~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">Hooltras</a>&#8221; einzuf&#252;hren. Ziel der Verwendung dieses Kunstwortes ist es, erneut die Angst vor Hooligans zu entfachen, also vor jenen Leuten, die vor rund zehn Jahren immer wieder f&#252;r Gewaltausbr&#252;che im Umfeld der Stadien gesorgt haben. Unter Leitung des selbsternannten &#8220;Fan-Forschers&#8221; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_A._Pilz">Gunter Pilz</a>, der von dem, was Ultras so treiben, mangels Zugang soviel Ahnung hat wie die Kuh vom Klettern, sollten alle Ultra-Gruppierungen pauschal zu Gewaltt&#228;tern erkl&#228;rt und letztlich aus den Stadien ferngehalten werden.</p>
<p>Nat&#252;rlich wissen die Verantwortlichen, dass sie ohne Anfeurung durch Fans das Enotions-Versprechen gegen&#252;ber den Arenakunden nicht einl&#246;sen k&#246;nnen. Deshalb experimentieren sie seit Jahren mit organisertem und offiziellem Support herum. D&#252;mmstes Beispiel ist der DFB-Fanclub. Da hat man ein paar H&#228;nde voll Deppen gefunden, die f&#252;r kleine Mark Trommeln schlagen und Schwarzrotgold schwenken, auch wenn &#8211; wie beim <a href="http://www.rainersche-post.de/spocht/fussballerei/laenderspiel-ungepflegte-langeweile.php">L&#228;nderspiel gegen Norwegen</a> in D&#252;sseldorf erlebt &#8211; die Zuschauer keinen Grund sehen, die Nationalelf anzufeuern. Nach &#228;hnlichem Muster unterst&#252;tzt die Hopp&#8217;sche TSG &#252;brigens Fanclubs, die sich offiziell registrieren lassen. Wie &#252;berhaupt der SAP-Milliard&#228;r Hopp einer der flei&#223;igsten Protagonisten des modernen Fu&#223;balls ist und seine Geldmacht in diesem Sinne lobbym&#228;&#223;ig einsetzt.</p>
<p>Und was hat das mit dem Thema &#8220;Stehpl&#228;tze&#8221; zu tun? Der regulierte, gez&#228;hmte Fan braucht keine Stehpl&#228;tze. Er sitzt da, l&#228;sst sich unterhalten und zeigt Emotion nur dann, wenn er sich selbst feiert. Gern mit ironischer Distanz oder als Mittel zum Zweck der After-Game-Party (siehe WM 2006). Das l&#228;sst sich im Sitzen gut bewerkstelligen. Wer den Fu&#223;ball aber als Teil seines Lebens begreift, als ein St&#252;ck Heimat, das sich f&#252;r kein Geld kaufen l&#228;sst, wer seine Mannschaft anfeuern will, wer authentische Emotionen sucht und braucht, der muss bei der Aus&#252;bung seiner Leidenschaft stehen. Da m&#252;ssen K&#246;rper aneinander sto&#223;en, da muss man beim Tor auch mal ein paar Reihen hinab schwappen, da muss man sich bewegen k&#246;nnen. Das geht nur auf echten Stehplatztrib&#252;nen.<br />
Ob es daran liegt, dass der Sch&#246;pfer der D&#252;sseldorfer Mehrzweckarena, der verstorbene OB Erwin, ein Vertreter des modernen Fu&#223;balls war, ist ungewi&#223;. Fest steht, dass die Noch-LTU-Arena in der NRW-Landeshauptstadt das einzige neuere Stadion ohne Stehpl&#228;tze ist. Die Bauten auf Schalke, in M&#246;nchengladbach und in K&#246;ln &#8211; selbst die Kommerzarena in Sinsheim! &#8211; haben ganz selbstverst&#228;ndlich Stehpl&#228;tze. Diese werden &#252;brigens bei internationalen Begegnungen, die qua UEFA- oder FIFA-Gesetzgebung stehplatzfrei sein m&#252;ssen, mit mobilen Sitzen umger&#252;stet. Nicht so in D&#252;sseldorf. Zwar hat Joachim Erwin Fanvertretern seinerzeit &#246;ffentlich versprochen, es werde Stehpl&#228;tze geben, sobald die Fortuna regelm&#228;&#223;ig in der Arena spiele, aber dieses Versprechen hat er gebrochen. Pl&#246;tzlich hie&#223; es, die Statik der S&#252;dtrib&#252;ne sei darauf nicht ausgerichtet, und der Umbau w&#252;rde Millionen kosten. Damit geben sich die F95-Fans aber nicht zufrieden und haben die Initiative &#8220;<a href="http://www.stehplaetze-fuer-duesseldorf.de/startseite.htm">Stonn op!</a>&#8221; gegr&#252;ndet, die viel Zulauf auch von Sitzplatzbesuchern hat und von vielen befreundeten Fans (zum Beispiel denen von Wismut Aue) unterst&#252;tzt wird. Die Argumentation pro Stehpl&#228;tze l&#228;sst sich kaum besser zusammenfassen als in folgendem Beitrag von Peter Rueben in der Aktuellen Stunde des WDR3 vom 17.03.2009:</p>
<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/qUo5KVeNl1E&#038;hl=de&#038;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/qUo5KVeNl1E&#038;hl=de&#038;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<hr /><small>Copyright &copy; by <a href="http://www.rainersche-post.de/">Rainer Bartel</a>, alle Rechte vorbehalten (ID:  078929bb8d1d7ef97a979528e34c61ff (38.107.179.206) ). Danke dass Sie meinen Feed abonniert haben! &raquo; <a href="http://www.rainersche-post.de/fortuna/fussball-muss-brennen.php">Ganzen Artikel lesen</a></small>]]></content:encoded>
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