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	<title>Rainer&#039;sche Post &#187; Maria Hölters</title>
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		<title>Das Ende der &#196;ra Erwin</title>
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		<pubDate>Tue, 20 May 2008 09:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Bartel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nein, Joachim Erwin war kein guter Oberb&#252;rgermeister f&#252;r alle D&#252;sseldorfer. Fraglich ist sogar, ob die Mehrheit seiner W&#228;hler von der spezifisch erwin&#8217;schen Politik profitiert hat. Und doch w&#228;re er vermutlich im Herbst 2009 wiedergew&#228;hlt worden, denn er verstand wie kaum ein anderer, den politisch Desinteressierten das Bild einer bl&#252;henden Stadt vorzugaukeln und zu suggerieren, sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src='http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2008/05/ob_joachim_erwin.thumbnail.jpg' alt='ob_joachim_erwin.jpg' />Nein, Joachim Erwin war kein guter Oberb&#252;rgermeister f&#252;r alle D&#252;sseldorfer. Fraglich ist sogar, ob die Mehrheit seiner W&#228;hler von der spezifisch erwin&#8217;schen Politik profitiert hat. Und doch w&#228;re er vermutlich im Herbst 2009 wiedergew&#228;hlt worden, denn er verstand wie kaum ein anderer, den politisch Desinteressierten das Bild einer bl&#252;henden Stadt vorzugaukeln und zu suggerieren, sie h&#228;tten etwas davon. So wird vermutlich auch die posthume Bilanz des in der eigenen Partei wenig geliebten Politikers aufgeh&#252;bscht werden. Nicht zuletzt seine Hofschranzen, die f&#252;rchten m&#252;ssen, aus der Stadt gejagt zu werden, haben keine andere Wahl als auch nach dessen Tod der Stimme ihres Herrn zu folgen.</p>
<p>Wer war dieser Joachim Erwin? Am ehesten l&#228;sst er sich als typischer Aufsteiger portr&#228;tieren, der durch Protektion die erste Karrierestufen nahm. Weitestgehend in Vergessenheit geraten ist, dass der gro&#223;m&#228;ulige Junge-Union-Aktivist mit dem Juristenabschluss seinen Weg der Tatsache verdankt, dass er ab Mitte der siebziger Jahre unter dem pers&#246;nlichen Schutz der Landtagsabgeordneten Maria H&#246;lters stand. Diese hochkatholische Kriegerwitwe hatte sich des ehrgeizigen jungen Mannes angenommen, da ihr eigener Sohn alle Z&#252;ge eines Versagers aufwies. Maria H&#246;lters, die zeitlebens darauf bestand als MdL (Mitglied des Landtags) etikettiert zu werden, hatte in den f&#252;nfziger Jahren mit dem ASG Bildungsforum ein eng an die katholische Kirche gebundenes Weiterbildungsinstitut gegr&#252;ndet &#8211; Joachim Erwin &#252;bernahm zeitweise anstelle des H&#246;lters-Sohns die Gesch&#228;fte.</p>
<p><span id="more-119"></span>Nun muss man zum Verst&#228;ndnis der weiteren Ereignisse die Anatomie der D&#252;sseldorfer Christdemokratie betrachten, die sich nie als geschlossene Einheit pr&#228;sentierte. Maria H&#246;lters stand f&#252;r den katholischen, aus der Zentrumspartei entstandenen Arm der Bewegung, dem die jungen Sozialmarktwirtschaftler entgegen standen. Dass nun ausgerechnet der aus Th&#252;ringen stammende Protestant auf dem katholischen Ticket reiste, &#252;berrascht zun&#228;chst.<br />
Das Bindeglied l&#228;sst sich bei der n&#228;heren Betrachtung des erwin&#8217;schen Menschen- und Gesellschaftsbilds schnell ausmachen. Im Stile der katholischen Soziallehre unterteilte er die Welt in die, die machen, und die, mit denen gemacht wird. Er selbst z&#228;hlte sich selbstverst&#228;ndlich zu den Machern, und mancher Kommentator hielt diesen gandenlosen Pragmatismus f&#252;r vision&#228;r. Dass Erwin sp&#228;ter zum &#252;berzeugten Anh&#228;nger der neoliberalen Wirtschaftslehre und damit zu einem der radikalsten Anh&#228;nger der Privatisierung in der Lokalpolitik wurde, &#252;berrascht da nicht. Diese Weltsicht muss als typisch f&#252;r Aufsteiger gesehen werden, denn das war Joachim Erwin.</p>
<p>Wie viele Aufsteiger trieb ihn vermutlich eine tiefe Sehnsucht nach B&#252;rgerlichkeit. So wundert es nicht, dass seine Politik durchweg dazu geeignet war, das Wohlergehen der traditionell b&#252;rgerlichen Kreise zu steigern. Alles was anderen Sozialvorstellungen anhing oder gar andere Gesellschaftsformen vertrat, war ihm nicht nur suspekt. Menschen, die nicht seiner Ansicht waren, diffamierte er methodisch. So nannte er den PDS-Ratsherrn Laubenburg &#246;ffentlich einen verr&#252;ckten Kommunisten und bezeichnete Vorschl&#228;ge der gr&#252;nen Fraktion als geisteskrank.<br />
Gleichzeitig umgab er sich mit Mitarbeitern, die grunds&#228;tzlich nicht ganz kompetent f&#252;r die ihnen zugeteilten Aufgaben waren &#8211; ein beliebtes Mittel, Menschen von sich abh&#228;ngig zu machen, denn wer permanent &#252;ber seinen F&#228;higkeiten arbeitet, der ist von Angst getrieben. Wie &#252;berhaupt das Spiel mit versteckten Drohungen zur Vorgehensweise des Joachim Erwin z&#228;hlte. Man kann davon ausgehen, dass seine Theorie die war, dass jeder Mensch Flecken auf der Weste habe, die man nur entdecken m&#252;sse. Ger&#252;chte besagen, dass er auf Basis dieser Theorie etliche Dossiers &#252;ber mehr oder weniger einflussreiche Menschen der Stadt anlegen lie&#223;.</p>
<p>Das Prinzip der Einsch&#252;chterung begleitete er mit dem kreativen Umgang mit Fakten und notfalls dem Spiel auf der juristischen Klaviatur. So erarbeitete sich Joachim Erwin zu Beginn seiner Amtszeit als OB eine zwar angreifbare, letztlich aber nie gef&#228;hrdete Machtposition. Widerstand aus den eigenen Reihen kam von keinem CDU-Politiker &#8211; vermutlich weil alle froh waren, dass die Stadt von einem Christdemokraten regiert wurde, vielleicht aber auch aufgrund von Einsch&#252;chterungen der subtilen Art.<br />
Joachim Erwin war ganz offensichtlich ein Getriebener, ein Mann mit vielen Symptomen der Machtsucht. Sein Leben, so weit es &#246;ffentlich bekannt ist, war eine Abfolge von karrieref&#246;rderlichen Entscheidungen. So auch die Ehe mit Hille Erwin, geborene Sch&#252;ssler, durch die er Teil des Sch&#252;ssler-Clans wurde. Diese, lange strikt patriarchalisch gef&#252;hrte Familie wird durch die Firma Sch&#252;ssler Plan repr&#228;sentiert &#8211; einem Unternehmen, dass sp&#228;testens seit der Amtseinf&#252;hrung von Erwin an praktisch jedem Bauvorhaben der Stadt beteiligt ist. Die famili&#228;re Verbindung eines OB, der Chef der Verwaltung ist und sich zudem vordringlich mit Bauvorhaben besch&#228;ftigt, mit einem derart in der Stadt verankerten Planungshaus wurde von vielen beobachtern als zumindest unappetitlich bewertet.</p>
<p>War lange die Macht an sich Erwins Lebensziel, lenkte seine im Jahr 2003 diagnostizierte Krebserkrankung seine Interessen auf andere Dinge. Es scheint, als habe er seitdem nur noch an seinem pers&#246;nlichen Nachruhm gearbeitet. Im Stile eines Pharaonen betrieb er dies durch eine Reihe umstrittener Bauvorhaben &#8211; vielleicht in der Hoffnung, man m&#246;ge seiner angesichts von Arenen, Einkaufszentren, Luxushotels und B&#252;rot&#252;rmen gedenken und ihn psothum nicht als den OB zu betrachten, der sich mit einer gescheiterten Olympiabewerbung und die durch pers&#246;nliches Ungeschick entgangenen Fu&#223;ball-WM-Spiele 2006 l&#228;cherlich gemacht hat.</p>
<p>Nein, Joachim Erwin war kein sympathischer Mensch, auch weil ihm der Sinn f&#252;r einen Humor ohne Schadenfreude und Dem&#252;tigung abging. Er wusste hart auszuteilen., reagierte aber auf Angriffe vorwiegend juristisch. Joachim Erwin wird eher als gef&#252;rchteter, denn als geliebter Oberb&#252;rgermeister der Stadt D&#252;sseldorf in Erinnerung bleiben. Dies auch verursacht durch seinen Bestreben, im Amt zu sterben, und nach der Erkrankung nicht zu versuchen, das andere, friedliche und harmonische Leben kennen zu lernen.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; by <a href="http://www.rainersche-post.de/">Rainer Bartel</a>, alle Rechte vorbehalten (ID:  078929bb8d1d7ef97a979528e34c61ff (38.107.191.80) ). Danke dass Sie meinen Feed abonniert haben! &raquo; <a href="http://www.rainersche-post.de/duesseldorf/das-ende-der-aera-erwin.php">Ganzen Artikel lesen</a></small>]]></content:encoded>
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