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	<title>Rainer&#039;sche Post &#187; ÖPNV</title>
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		<title>Tamms und die autogerechte Stadt</title>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 10:40:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rainer Bartel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An dieser Stelle wurde bereits mehrfach &#252;ber das st&#228;dtebauliche W&#252;ten des Friedrich Tamms in D&#252;sseldorf berichtet &#8211; bis dato vor allem als historischer R&#252;ckblick. Nun hat sich die taz dankenswerterweise mit dem Thema befasst. Klaus Englert schl&#228;gt dabei den Bogen von der Karriere des Friedrich Tamms als Hitler-Protegé &#252;ber die st&#228;dtebauliche Philosophie des Hitler-Baumeisters Sperr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2009/05/tausendfuessler_gross.jpg" rel="Lightbox" title="Sichtbares Zeichen des autogerechten W&#252;tens im D&#252;sseldorf der Nachkriegsjahre"><img src="http://www.rainersche-post.de/wp-content/uploads/2009/05/tausendfuessler.jpg" alt="tausendfuessler" /></a>An dieser Stelle wurde bereits mehrfach &#252;ber das <a href="http://www.rainersche-post.de/duesseldorf/das-ende-der-koe.php">st&#228;dtebauliche</a> <a href="http://www.rainersche-post.de/duesseldorf/jan-wellem-platz-statt-koe-bogen.php">W&#252;ten</a> des Friedrich Tamms in D&#252;sseldorf berichtet &#8211; bis dato vor allem als historischer R&#252;ckblick. Nun hat sich <a href="http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=ku&#038;dig=2009/05/04/a0069&#038;cHash=e8d9808936">die taz</a> dankenswerterweise mit dem Thema befasst. Klaus Englert schl&#228;gt dabei den Bogen von der Karriere des Friedrich Tamms als Hitler-Protegé &#252;ber die st&#228;dtebauliche Philosophie des Hitler-Baumeisters Sperr f&#252;r eine faschistische Nachkriegszeit bis zu dem, was eben dieser in D&#252;sseldorf wider jeder Vernunft immer noch verehrte Tamms angerichtet hat. Tats&#228;chlich scheint die Idee der autogerechten Stadt eine zu sein, die im faschistischen Deutschland geboren und von Tamms u.a. in D&#252;sseldorf realisiert wurde. Deshalb m&#252;ssen die Ver&#228;nderungen am Jan-Wellem-Platz (aka &#8220;K&#246;-Bogen&#8221;) und an der Nord-S&#252;d-Achse auch als Entnazifizierung des hiesigen St&#228;dtebaus begriffen werden.<span id="more-3090"></span></p>
<p>&#8220;Der heftige Meinungsstreit, der in D&#252;sseldorf entbrannte, als der Stadtplaner Prof. Tamms den Entwurf f&#252;r die Hochstra&#223;e vorlegte, wird sich legen, wenn die Stra&#223;e fertig ist. Schon im Modell war zu erkennen, wie elegant die Linienf&#252;hrung ist.&#8221; (Quelle: <a href="http://80.237.193.200:8000/article.php?url=/ha/1960/xml/19600924xml/habxml60_28054.xml">Hamburger Abendblatt vom 24.09.1960</a>)<br />
Dieses Zitat spiegelt den Zeitgeist der fr&#252;hen Sechziger wider. Als entscheidend wird Eleganz betrachtet. Wie sich Verkehrsf&#252;hrung und Bauwerk auf die Menschen in der Stadt auswirken, zumal die nicht motorisierten, wurde ignoriert. Eine demokratische Mitwirkung der B&#252;rger war &#8211; ganz im Geiste des Nationalsozialismus &#8211; nicht vorgesehen. Geplant wurde a la Germania &#8211; der von Hitler gew&#252;nschten und Speer geplanten Welthauptstadt, die sich durch gerade Stra&#223;enz&#252;ge und Monumentalbauten auszeichnete. Tamms war es, der eine durchg&#228;ngige, vollkommen autogerechte Nord-S&#252;d-Verbindung durch D&#252;sseldorf wollte. Entsprechend dieser menschenfeindlichen Idee lie&#223; er monumentale Schneisen durch die Stadt schlagen.</p>
<p><strong>Die Nord-S&#252;d-Verbindung</strong><br />
Im S&#252;den endeten die Fernstra&#223;en traditionell auf H&#246;he des Stadtteils Wersten. Die Bahnlinie Wuppertal &#8211; Neuss bildete mitten in Bilk einen Riegel zur Innenstadt; Autos konnten diesen nur an zwei Stellen (Erasmusstra&#223;e und Merowingerstra&#223;e) &#252;berwinden. Die Unterf&#252;hrungen waren nicht mehr als einspurige L&#246;cher im Bahndamm. Die Idee war, Autofahrern eine schnelle Durchquerung der Stadt zu erm&#246;glichen. So wurde Mitte der f&#252;nfziger Jahre die vorwiegend aus Tr&#252;mmerh&#228;usern bestehende Westseite der Corneliusstra&#223;e komplett abgerissen und die Stra&#223;e auf die Breite gebracht, die man heute kennt. Die Berliner Allee wurde gar quer durch ein gewachsenes, im Krieg nur nahe des Hauptbahnhofs besch&#228;digtes, gewachsenes Viertel gesprengt. Die Folgen sind bekannt: Der von S&#252;den (A46) kommende Verkehr qu&#228;lt sich durch die st&#228;ndig &#252;berlastete Witzelstra&#223;e und die tote Erasmusstra&#223;e, um dann aus der Corneliusstra&#223;e die bundesweit bekannte Giftmeile zu machen.<br />
Im Norden lie&#223; Tamms am Nordfriedhof einen gigantischen Kreisverkehr anlegen, an den eine ebenfalls menschenfeindliche Schneise (Johannstra&#223;e, Heinrich-Erhardtstra&#223;e) anschloss, die als Verbindung zum n&#246;rdlichen Zubringer diente. Quer durch das Kleingartengebiet In der Lohe wurde eine Schnellstra&#223;e gelegt, die in die ehemals stille Kaiserswerther Stra&#223;e m&#252;ndete. Eine weitere schwer zu &#252;berwindende Autoverbindung wurde mit der Fischerstra&#223;e angelegt, die im weiteren Verlauf als Kaiserstra&#223;e den Hofgarten in zwei Teile zerschnitt. Den Schlusstein dieses autofreundlichen und b&#252;rgerfeindlichen Plans bildete dann ebenjener <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tausendf%C3%BC%C3%9Fler_(D%C3%BCsseldorf)">Tausendf&#252;&#223;ler</a>, die Hochstra&#223;e, die sich &#252;ber der Schadowstra&#223;e erhebt. Auch ohne die damals noch nicht bestehenden Verbindungen zur Autobahn wurde so ein Stra&#223;enzug durchgepaukt, der den s&#252;dlichen mit dem n&#246;rdlichen Zubringer verbindet. Darunter hat D&#252;sseldorf in den letzten rund 50 Jahren schwer gelitten.</p>
<p><strong>Die Rolle der U-Bahn<br />
</strong>Zur &#252;bergeordneten Planung von Tamms und Konsorten geh&#246;rte zwingend der Bau einer U-Bahn. Denn so wie Fu&#223;g&#228;nger und Radfahrer den Autoverkehr behindern, so bremst auch die oberirdische Stra&#223;enbahn die freie Fahrt f&#252;r freie B&#252;rger. Mit der derzeit im Bau befindlichen Wehrhahn-Linie werden also die postfaschistischen Bauphantasien des Friedrich Tamms vollendet. Dass der Bau einer U-Bahn f&#252;r eine kleine Gro&#223;stadt wie D&#252;sseldorf, deren Lage den Betrieb von Stra&#223;enbahnen durchweg beg&#252;nstigt, jenseits jeder Vernunft ist, haben Kritiker bereits in den sechziger Jahren vehement ge&#228;u&#223;ert.<br />
Dies allein schon aus Kostengr&#252;nden. Denn die massiven Investitionen in die Tunnel der Innenstadt kam D&#252;sseldorf in den achtziger Jahren in die Situation, die Ausgaben f&#252;r soziale und Bildungseinrichtungen massiv zu k&#252;rzen. Die Gr&#252;nen thematisierten diesen Umstand seinerzeit mit dem Slogan &#8220;Der U-Dax frisst uns alles weg&#8221;. Der U-Dax war das Maskottchen des U-Bahn-Baus und wurde seinerzeit zu Zigtausenden an gutgl&#228;ubige B&#252;rger verkauft.</p>
<p>Dass die derzeitige Wehrhahnlinie auch aus verkehrstechnischen Gr&#252;nden sinnlos ist, belegt folgende kleine Rechnung: Entert man am Bilker Bahnhof die Stra&#223;enbahnlinie 712, erreicht man <a href="http://www.vrr.de/de/fahrplanauskunft/index.html">fahrplanm&#228;&#223;ig</a> nach 16 Minuten den S-Bahnhof Wehrhahn. W&#228;hlt man die S-Bahn, sind es lediglich 7 Minuten. F&#252;r die vergleichbare Strecke (jeweils rund 2 km) von der Heinrich-Heine-Alle zur Philipshalle braucht die U74 8 Minuten. Mit anderen Worten: Wer schnell aus dem S&#252;den in den Nordosten will, ist mit der S-Bahn am schnellsten. Die Fahrt mit U-Bahn br&#228;chte eine Zeitersparnis von 8 Minuten. Daf&#252;r werden aber <a href="http://www.wz-newsline.de/?redid=186261">550 Millionen Euro</a> ausgegeben.<br />
Als Begr&#252;ndung f&#252;r den sinnlosen Bau wird allgemein das Argument vorgeschoben, mit der U-Bahn k&#246;nnte man Pendler in die Innenstadt vom Auto in den &#214;PNV bringen. Diese Begr&#252;ndung hat schon bei den anderen Bauabschnitten versagt, denn die Nutzerzahlen der Rheinbahn sind nicht im erwarteten Ma&#223;e gestiegen &#8211; insbesondere nicht auf der Ost-West-Verbindung aus Richtung Eller /Lierenfeld.<br />
W&#228;hrend der Bauma&#223;nahmen m&#252;ssen die D&#252;sseldorfer B&#252;rger erneut &#252;ber einen Zeitraum von rund zehn Jahre massive Einschr&#228;nkungen der Lebensqualit&#228;t hinnehmen. Besonders im Bereich um den vor wenigen Jahren zu einem angenehmen Ort umgestalteten Kirchplatz sind die Bel&#228;stigungen enorm; die H&#228;ndler in den Pavillons verzeichnen seit dem Baubeginn drastische Umsatzeinbu&#223;en. N&#246;rdlich der so genannten &#8220;D&#252;sseldorf Arkaden&#8221; &#8211; eines wenig erfolgreichen, architektonisch geradezu absurd misslungenen Shopping-Centers &#8211; werden Baucontainer &#252;ber Jahre das Bild verschandeln und den Fu&#223;g&#228;ngerverkehr behindern. Von den Einschr&#228;nkungen im Bereich von Kasernen- und Schadowstra&#223;e sowie dem Wehrhahn ganz zu schweigen.</p>
<p><strong>K&#246;-Bogen-Fantasien</strong><br />
Ein Lichtblick in dieser willigen Vollstreckung nationalsozialistischer Gro&#223;mannsplanungen ist das Ergebnis des st&#228;dtebaulichen Wettbewerbs zum zweiten Bauabschnitt am K&#246;-Bogen. W&#228;hrend es bei der Bebauung des Jan-Wellem-Platzes wieder nur um Baumassen und Gescho&#223;fl&#228;chenzahlen, also maximal Rendite f&#252;r dubiose Investoren geht, haben sich die Sieger (<a href="http://www.konzept3d.de/de/visualisierung/3d_visualisierung1&#038;project=wettbewerb_koe_bogen_ii&#038;subcat=wettbewerbe">Molestina </a>/ FSWLA) des anderen Wettbewerbs Gedanken dar&#252;ber gemacht, wie sich das Herz der Stadt den flanierenden B&#252;rgern &#246;ffnen kann. Auch wenn es niemand so ausgesprochen hat: Diese Pl&#228;ne sind nicht mehr und nicht weniger als die Entnazifizierung der Innenstadt.</p>
<hr /><small>Copyright &copy; by <a href="http://www.rainersche-post.de/">Rainer Bartel</a>, alle Rechte vorbehalten (ID:  078929bb8d1d7ef97a979528e34c61ff (38.107.179.210) ). Danke dass Sie meinen Feed abonniert haben! &raquo; <a href="http://www.rainersche-post.de/duesseldorf/tamms-und-die-autogerechte-stadt.php">Ganzen Artikel lesen</a></small>]]></content:encoded>
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