Wie Schwarz-Geld die Monopole stärkt und so die Marktwirtschaft schwächt

Angie und die radioaktive Rasselbande

akw_lingenDoch, man kann auch als strikter und altgedienter AKW-Gegner ernsthaft darüber diskutieren, ob die euphemistisch “Kernkraft” genannte Energieerzeugung eine sinnvolle Brückentechnologie ist. Wenn der angekündigte Klimawandel tatsächlich menschengemacht ist und das CO2, das beim Verfeuern fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre entweicht, die Hauptursache ist, dann kann aus ökologischer Sicht nur die CO2-freie Energieerzeugung das Ziel sein. Das bedeutet aber auch, dass die Stromerzeugung aus dem Verbrennen von Erdöl, Erdgas sowie Stein- und Braunkohle schnellstens beendet werden muss – weltweit! Dass beispielsweise kein neues Kohle- oder Ölkraftwerk mehr in Deutschland gebaut werden darf. Dass – falls es sonst tatsächlich Versorgungslücken gäbe – maximal Gaskraftwerke errichtet werden dürften. Tatsächlich erzeugen Atomkraftwerke den Strom ohne jede CO2-Emission. So weit, so gut. Die Diplomphysikerin Angela Merkel, die uns die Bunkanzlerin vorspiel, redet ja schon seit Längerem von dieser Technologie als der notwendigen Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energie. Es kann ja sogar sein, dass sie das in echt glaubt, vermutlich ist sie aber durch die unermüdliche Hirnwäsche der AKW-Lobby weichgeklopft worden.

Betrachtet man nämlich die oben angeführten Argumente, hinken die auf vielen Beinen. Sicher ist lediglich, dass die Nutzung fossiler Ressourcen immer schon und immer mehr Schaden anrichtet. Greenpeace (Quelle nicht mehr auffindbar) hat im Umfeld des ersten Golfkriegs mal errechnet, dass pro Million Barrel Rohöl 5 Menschen sterben – vorwiegend durch Krieg ums Öl. Die Ölförderung und -verarbeitung hat – vor allem in Afrika und Lateinamerika – für die großflächige und langfristige Verseuchung von Boden sowie Flora und Fauna gesorgt. Durch die Erdgasförderung in Sibirien wurde das dortige Ökosystem unheilbar beschädigt. Und so weiter. Allerdings: Ist das CO2 wirklich die Hauptursache für die Erderwärmung, dann müssen die anderen großen Emissionsquellen benannt werden: Transport und Verkehr mit Verbrennungsmaschinen bzw. -motoren, Heizung und Klimatisierung in den reichen Ländern und (dies wird aktuell immer deutlicher) die weltweit betriebene Massentierhaltung. Es KANN sein, dass die Verfeuerung von Öl, Gas und Kohle zum Zwecke der Stromerzeugung in diesem Chor nur eine dünne Stimme ist. Es KANN gut sein, dass der Betrieb von Fossilkraftwerken, die mit modernster Steuerungs- und Entgiftungstechnik ausgestattet sind, die wahre Brückentechnologie ist.
Denn diese Form der Stromerzeugung hinterlässt auf jeden Fall keine Abfälle, die hochgiftig und massiv radioaktiv sind und über Jahrhunderte an sicheren Orten aufbewahrt werden müssen. Mehr und mehr stellt sich – nicht nur in Deutschland – heraus, dass es keine wirklich SICHEREN Orte für die Abfälle der Atomkraftwerke gibt. Bisher konnten Wissenschaftler noch jeder Form der “Entsorgung” von Atommüll nachweisen, dass sie nicht wirklich und dauerhaft sicher ist. Wegen dieser gigantischen Probleme muss man die Verstromung radioaktiven Materials als nicht beherrschbare Technologie bezeichnen. Da darf der Fakt, dass AKWs kein CO2 ausspucken, keine Rolle spielen.

Strombedarf und Versorgunglücken
Die tausendmal verfluchten Stromkonzerne haben vor Monaten offen damit gedroht, Versorgungslücken herbeizuführen, wenn die Laufzeit der Atomkraftwerke nicht verlängert werden. Tatsache ist, dass in Europa zwischen Lappland und Sizilien, zwischen Gibraltar und Ankara jederzeit deutlich mehr Strom erzeugt wird als benötigt. Die Überkapazitäten liegen verschiedenen Quellen zufolge zwischen mindestens 25 und maximal 70 Prozent. Und damit sind die nicht Kapiazitäten gemeint, die bei Verbrauchsspitzen benötigt werden. Es gibt in Europa kein Versorgungsproblem durch fehlende Kraftwerkskapazitäten. Es gibt ein Problem mit den Stromleitungen, das seine Ursache einzig und allein darin hat, dass die beschissenen Stromkonzerne bei Wartung und Ausbau sparen wie die Blöden.

Fakt ist, dass es in Europa keinen Bedarf gibt und auch für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre kein Bedarf nach Erweiterungen der Stromkapazitäten gibt. Das bedeutet: Es müssen keine zusätzlichen Kraftwerke – gleich welcher Art – errichtet werden. Es müssen lediglich Kraftwerke, die das Verfallsdatum überschritten haben oder die mit sinnvollem Aufwand nicht sauberer gemacht werden können, ersetzt werden.

Wahre Probleme
Bisher war es unter unabhängigen Experten (Ja, die gibt’s auch!) Konsenz, dass wegfallende Kapazitäten nach Möglichkeit durch Anlagen ersetzt werden sollen, in denen der Strom weder aus fossilen Brennstoffen, noch aus Uran gewonnen wird. Und zwra unabhängig davon, welche Rolle das CO2 insgesamt und insbesonders das bei der Stromerzeugung entstehende CO2 beim Problem der Erderwärmung spielt.
Schließlich gibt es noch andere, massive Problem mit den radioaktiven und fossilen Energiequellen. So ist mittlerweile sicher, dass die Uranvorkommen der Erde zu weit mehr als der Hälfte ausgeschöpft sind. Das Ende der Uranverstromung ist daher in allerspätestens 50 Jahren zu vermuten. Weiter ist nachgewiesen, dass die Förderung von Uran am jeweiligen Ort für schlimmste Umweltprobleme sorgt und dass die Krebsrate an Orten, an denen Uran gefördert wurde (u.a. auch im Erzgebirge), um ein Vielfaches höher liegt als woanders. Weiter ist nachweisbar, dass zum Aufbereiten des radioaktiven Rohstoffs zu Brennelementen soviel Energie eingesetzt werden muss, dass die Bilanz nur ganz knapp im Plus liegt.

Bei den fossilen Brennstoffen ist es nicht nur so, dass der Kampf ums Öl seit Jahrzehnten für Dauerkriege und Umweltzerstörung sorgt, sondern dass Staaten mit Demokratieallergie (beispielsweise Russland) ihre Ressourcen dazu nutzen, andere Ländern zu erpressen und den erzielten Profit in Rüstung umzusetzen. Nüchtern betrachtet löst die bergmännische Förderung von Steinkohle – so sie denn mit den zeitgemäßen Methoden und aktuellen Sicherheitsstandards – die geringsten Schäden aus; jedenfalls verglichen mit Braunkohle, Erdöl und Erdgas.

Das alles bedeutet: Nur die Energieerzeugung aus Sonnenlicht, Wind- und Wasserkraft ist NICHT umweltzerstörend und menschenmordend. NUR die.

Über die Brücke
In Deutschland reden wir seit etwa 1978 ständig und öffentlich über erneuerbare Energie. Hier und da werden Förderprogramme gestartet, und jede Hochschule, die technisch auf sich hält, forscht irgendwie in Sachen Sonne, Wind und Wasser. Seit Mitte der achtziger Jahre werden jährlich Tausende neuer Windkraftmasten errichtet, und seitdem sich die Menschen an den Anblick gewöhnt habenm ist auch nicht mehr so oft von der Verspargelung der Landschaft die Rede. Tatsache ist aber – spätestens seit dem grandiosen Scheitern des Projektes “Growian” – dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen sich weitestgehend dezentral abspielt und dass die Protagonisten vorwiegend in der mittelständischen Wirtschaft zu finden sind.
Auch wenn die ekligen Unternehmen mit den Strommonopolen in ihrer Reklame seit Jahren davon schwafeln, was sie alles umweltfreundliches Betreiben, haben sie doch meist nur gelabert, aber nicht gehandelt in Sachen umweltfreundlicher Energie.

Deshalb haben die vielen Hundert Unternehmen, die Solaranlagen herstellen und verbauen, Windräder errichten und betreiben und die vielen anderen Formen der umwelterhaltenden Energieerzeugung wirtschaftlich realisieren, einen technologischen und auch infrastrukturellen Vorsprung vor den RWEs, E.ons, EnBWs und Vattenfalls dieser Republik.
Was Angie da als “Revolution” bezeichnet, ist im Kern nichts anderes als der gelungene Versuch der großen EVUs, Zeit zu gewinnen, um in den nächsten zehn Jahren den Markt der erneuerbaren Energien zu erobern und dort dieselben Monopole zu errichten, die sie aktuell bei der fossilen und atomaren Energieerzeugung innehaben. Und das bedeutet im Klartext, dass die schwarzgelde Bunzregierung mit den marktgläubigen Liberalen de facto die Monopole stärkt und damit die Kräfte des Marktes nachhaltig schwächt.

Das muss doch für jeden Wähler, der sein Kreuzchen bei CDUCSUFDP gemacht hat, ein Schlag in die Fresse sein. Wo die doch gewählt wurden, weil man mehr Markt haben wollte und mehr Wettbewerb. Jetzt wird’s bei den erneuerbaren Energien über kurz oder lang zu Einkaufstouren kommen, bei denen die Monpolisten sich die fähigsten Mittelständler kaufen, integrieren und zerschlagen. Und das wird ingesamt dazu führen, dass mehr Anleger mehr Profit mit den Papieren der EVUs machen.

Die große Lügenmaschine
Das Erstaunliche rund um die Diskussion zur Laufzeitverlängerung für die AKWs ist, dass der Wähler mit großer Mehrheit weiß, dass er von der schwarzgelden Bunzregierung dramatisch belogen wird. Es ist ja fast schon ein Gemeinplatz, sich darüber auszulassen, wie die Atomlobby die Kanzlerin über den Klotz gezogen hat. Symptomatisch war das Interview der Obermann-Schnatze im ZDF mit dem “Umwelt”minister Röttgen. Ausgerechnet der CDU-Mensch, der am vehementesten gegen die Laufzeitverlängerung war, musste also vorgestern die Entscheidung begründen. Und kam ein ums andere Mal ins Schleudern. Fast schon mit Tränen in den Augen wehrte er sich gegen den Vorwurf, die EVUs würden durch die Verlängerung per Saldo 90 Milliarden ZUSÄTZLICHER Gewinne erzielen.
Der Mann ist in seiner Partei erledigt. Er wird auch nicht mehr CDU-Chef in NRW werden. Und mit ihm haben die aufrechten Christdemokraten verloren, die nicht nach der Pfeife der Konzerne tanzen wollen. Mit der Energieentscheidung hat sich auch das Projekt Schwarz-Grün langfristig erledigt – es sei denn, die FDPisierung der Grünen schreitet so voran, dass das Umfallen zum Parteisport wird.

Vielleicht geht es aber auch so aus, dass die aktuelle Regierung das Ende der Legislaturperiode nicht erreicht, dass es Neuwahlen gibt und Grüne (21%) und SPD (29%) zusammen und ohne die – inzwischen auf breiter Front durchknallende – Linke eine rotgrüne Regierung bilden. Dann wird es einer der ersten Gesetzesakte sein, die Laufzeitverlängerung wieder zu kassieren. Und dann geht die Scheiße wieder von vorn los: Die Atomlobby wird erst einzelne Parlamentarier kaufen (siehe auch –> Ypsilanti, SPD-Dissidenten), die in ihren Bundesländern AKW-Abschaltungen verhindern; dann wird man mit Versorgungslücken drohen und sich Bundestagsabgeordnete kaufen; schließlich wird man sich in vorauseilendem Gehorsam bereit erklären, Zusatzsteuern zu zahlen (die den Profit um ein paar Prozentpünktchen schmälern), und dann wird auch die grüne Umweltministerin erklären, Atomkraft sei eine prima Brückentechnologie.
Dabei wäre es natürlich am einfachsten die vier großen EVU zu enteignen und in Staatseigentum zu überführen. Und wer das sagt, betreibt Klassenkampf und ist ein Staatsfeind, obwohl unser Grundgesetz genau in Fällen wie diese genau das vorsieht.


» Kommentar von Rainer Bartel am 08.09.10 um 11:37 » in Kategorien: Deutschland,Wirtschaft » 219 x gelesen » 1 x kommentiert
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  1. Die Schweinereien der angeblich so sauberen Atomindustrie sind mir in diesem Artikel etwas zu kurz gekommen. Deshalb empfehle ich folgenden, aus dem ehemaligen linksextremistischem Kampfblatt und Ex-Nachrichtenmagazins: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,686763,00.html

    [Antwort]

     
    Kommentar von drissib am 08.09.10 um 16:22

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