Die Argumentationsnöte der Pkw-Fanatiker
Manchmal ist es aussichtlos. Man bezieht Position zum immer noch nicht abschwellenden Autowahn, und schon kommen die Auto-Lover angekrochen, die Auto-Erotiker (vulgo: Wichser), die es lustig finden, angesichts der vom ungehemmten Pkw-Missbrauch beförderte Weltzerstörung die Rückkehr zum Eselskarren zu fordern. Derlei Pack ist der lebende Beweis dafür, dass das Autofahren zur Verblödung führt. Nicht ganz so dummdreist, dafür aber mit einer verschobene Wahrnehmung gesegnet, sind diejenigen, die gegen das autofreie Leben Störungen im ÖPNV und die Unpünktlichkeit der Bahn anführen. Die darf man fragen: Na, heute schon im Stau gestanden? Und wenn sie dann ja sagen, antwortet der autobefreite Mensch mit einem feinen Lächeln: “Selbst schuld”. Der Wahn der Pkwisti besteht ja darin, den täglichen Stau auf Autobahnen und Zubringerstraßen für gottgegeben zu halten oder – wenn sie eher für die asoziale Lösung plädieren – mit der Forderung nach MEHR STRASSEN! zu kontern. Und anschließend darauf hinzuweisen, dass der Autofahrer ja die Melkkuh des Staates sei, der immer mehr Steuern zu zahlen haben. Auch hier wird Dummheit sichtbar: Alle direkt oder indirekt mit dem Autofahren verbundenen Steuern zusammen würden nicht reichen, die Infrastruktur des Verkehrssystems “Pkw” aufrechtzuerhalten, geschweige denn auszubauen. Schon gleich gar nicht, wenn man die sozialen Folgekosten (Tote, Verletzte, Gesundheitsprobleme etc) addiert.
Aber das versucht der Staat Bundesrepublik Deutschland ja schon gar nicht mehr. Durch die Hintertür werden Autobahnen privatisiert. Die A1 zwischen Hamburg und Bremen wird zum Beispiel von einem Konsortium auf drei Spuren ausgebaut. Dafür darf dieser Firmenverbund dann über Jahrzehnte die dort anfallende Lkw-Maut kassieren. Da es sich um ein privatwirtschaftliches Unterfangen handelt, versucht man, die Kosten so drastisch wie möglich zu reduzieren, um später die Profite zu maximieren. Das führt während des aktuellen Umbaus zu einer ums Sechsfache gesteigerte Unfallquote in den Baustellenbereichen. Denn Kosten hat man u.a. dadurch reduziert, die Fahrbahnen in den Baustellen schmaler anzulegen. Da kommt kein SUV mehr unbeschadet an einem Lkw vorbei… Übrigens: Die Zahl der Verkehrstoten auf dem besagten Abschnitt hat sich vervierfacht.
Und zum Eselskarren. Wir reden als über den Güterverkehr, den Transport von Ware auf Straßen. Dass Speditionen mit Sattelschleppern und anderen Lastkraftwagen überhaupt zu – im Vergleich mit Bahn und Binnenschifffahrt – günstigeren Konditionen transportieren können, liegt daran, dass sie nicht für die Infratsruktur aufkommen müssen. Irgendwer hat mal berechnet, dass für jeden 40-Tonner pro Jahr um die 10.000 Euro fällig wären, nur um die durch das Gewicht ausgelösten Straßenschäden zu reparieren. Weitere 2.000 bis 5.000 müssten pro Truck bezahlt werden, um die durch die Abgase entstandenen Schäden an Bauwerken zu kompensieren.
Man stelle sich mal vor, der Lkw-Verkehr nutzte eine eigene Infrastruktur, also Autobahnen nur für den Lastverkehr, eigene Zubringer etc. Dann würde der Transport einer Tonne Last etwa das Doppelte vom dem Kosten, was die Beförderung per Güterzug kostet. Tatsächlich werden aber zunehmend Güter auf den Lkw verlagert, um Lagerplatz einzusparen. “Just in time” war vor einigen Jahren ein Zauberwort im Umfeld des Themas “Lean Production”. Mir sagte – es muss so um 1990 gewesen sein – ein Logistiker: “Das heißt nur, dass wir aus Trucks rollende Lagerhäuser machen – da müssen wir dann nicht den Grund und Boden kaufen und was bauen.”
Davon abgesehen gibt es schon seit Jahren seriöse Vorschläge anerkannter Verkehrsexperten, den Gütertransport grundsätzlich anders zu organisieren. Tatsächlich gibt es ganze Warengruppen, ganze Entfernungsklassen und viele Fälle, in den der Transport von Waren mit Lkw selbst unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll ist. Überhaupt nicht sinnvoll ist nach Ansicht von Experten aber der innerstädtische Lieferverkehr wie er heute betrieben wird. UPS macht es ja vor: Die Lieferungen werden an der Peripherie der Städte gesammelt und dann mit emissionsfreien Fahrzeugen ins Zentrum geliefert. Dieses Modell ließe sich auf jeglichen Lieferberkehr übertragen. Denkbar sind öffentlich betriebene Logistikzentren am Stadtrand – vorzugsweise mit Gleisanschluss und in der Nähe von Wasserstraßen und Flughäfen -, in denen die Transportmittel des Ferntransports entladen werden. Umgeladen wird auf E-Vans, die von spezialisierten Dienstleistern betrieben werden; ja, eine Art E-Van-Sharing wäre denkbar, durch den die Nutzung der Wagen optimiert wird.
Aber so weit denken die Amöben nicht, die unter Freiheit immer noch verstehen, in einen tonnenschweren Blechkasten eingesperrt die Welt durch eine Windschutzscheibe zu betrachten.
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Mensch Rainer,
wisch dir den Schaum vom Mund und hör bitte auf zu pöbeln. Es geht sicher auch sachlich.
Grüße von der wichsenden Rather Amöbe
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Rainer Bartel Antwort vom 25.10.10 21:40:
Ach, lass mir doch meinen Spaß ;–)) Von wegen Pawlow und so…
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